The Walking Dead 3x14

The Walking Dead 3x14

In der Episode Prey der US-Serie The Walking Dead verliert der Governor zwei seiner bisher treuesten Unterstützer. Denn mit Vernunft ist ihm nun endgültig nicht mehr beizukommen. Ansonsten steht Andrea im Mittelpunkt. Review.

Andrea (Laurie Holden) auf einem Szenenfoto aus der Episode „Prey“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c)AMC
Andrea (Laurie Holden) auf einem Szenenfoto aus der Episode „Prey“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c)AMC

Mit einem seltenen Stilmittel wird die Episode Prey (3x14) eröffnet: Wir kriegen einen Flashback-Einblick in das Leben von Andrea (Laurie Holden) und Michonne (Danai Gurira) während ihrer gemeinsamen Zeit on the road. So luxuriös wie in Woodbury oder gar im Gefängnis hatten es die beiden Frauen während ihres achtmonatigen Durchschlagens im Freien wohl nie gehabt. Immerhin offenbart die Szene, dass Michonne ihre beiden Zombie-Begleiter persönlich gekannt hat, auch wenn sie nicht weiter ins Detail gehen möchte.

Was folgt, ist eine auf Andrea und in gewisser Weise auch auf Milton (Dallas Roberts) fokussierte Episode, bei der auch noch ein bisschen Zeit bleibt für den inzwischen völlig geisteskranken Governor und die Gruppe von Tyreese (Chad Coleman).

Gebrochenes Wort

Die Figur des Governor (David Morrissey) wurde in dieser dritten Staffel konsequent als jemand porträtiert, der nach außen hin etwas verspricht und hinten herum seine eigenen, teils abscheulichen Pläne verfolgt - Mord und Folter inklusive. So nun auch nach seinem Gespräch mit Rick (Andrew Lincoln): Er macht sich bereit, Michonne gefangen zu nehmen, um ihr alles heimzuzahlen. Und wenn die zurechtgelegten Werkzeuge eines zeigen, dann, dass seine Rache möglichst schmerzhaft und qualvoll ausfallen soll. Für Milton, der den Wahnsinn beobachtet, scheint damit eine Grenze überschritten, die seine Loyalität seinem Anführer gegenüber noch rechtfertigen könnte. Zwar ist Milton zu schlau, dies direkt zu sagen, aber mit der Frage „Ist das gut für Woodbury?“ hinterfragt er die Motive des Governors. Für den Govornor ist die Vergeltung für den Tod von Zombie-Penny alles, was zählt, und er ist bereit, dafür seine Stadtbewohner ins Verderben zu schicken.

Milton weiht Andrea ein, die trotz ihres Kenntnisstands - der sich in letzter Zeit ziemlich vergrößert hat - immer noch darüber verwundert ist, dass der Governor sein Wort tatsächlich brechen könnte. Doch nun scheint sie fest entschlossen, ihn ein für alle Mal beseitigen zu wollen. Im erhöhten Beobachtungsareal des Folterraums kommt es auch fast soweit, die Pistole ist bereits in Position, allerdings greift Milton ein. Sein berechtigter Einwand: Was dann? Martinez könnte die Macht übernehmen und es würde kaum einen Unterschied machen. Die weisere Entscheidung wäre, Rick und Co. zu warnen. Milton soll sich ihr anschließen, doch dieser glaubt tief in seinem Herzen, dass das Gute in Philipp noch nicht gänzlich verschwunden ist und dass er trotz allem nach Woodbury gehört.

Wie wir inzwischen gelernt haben, ist es nicht so ohne weiteres möglich, Woodbury zu verlassen. Andrea wird die Schusswaffe abgenommen, sicherlich, weil der Governor fast immer einen Schritt voraus ist. Andrea nutzt allerdings eine vermeintliche Schwachstelle: Sasha und Tyreese halten auf der anderen Stadtseite Wache und Andrea gelingt es, dass die beiden sie ziehen lassen. Doch die uneingeweihten Neuankömmlinge melden ihren Abgang dem Governor, der nicht nur eine weitere Aufführung seiner Schmierenkomödie des verständnisvollen Anführers aufführt, sondern alsdann sogleich die Verfolgung aufnimmt, nachdem er ziemlich ruppig an Milton gerät, der allerdings auch nicht über das beste Pokerface verfügt...

Tyreese im moralischen Dilemma

Tyreese und seine Gruppe können sich durch einen Gefallen bei dem Governor profilieren. Gemeinsam mit Martinez (Jose Pablo Cantillo) sollen ein paar Walker für den nächsten Angriff auf das Gefängnis nach Woodbury gebracht werden. Tyreese macht schnell klar, dass er es nicht gutheißen kann, dass man die Untoten als Waffe gegen andere Menschen einsetzt. Wieder einmal gerät er dabei mit seinem Gruppenmitglied Allen (Daniel Thomas May) aneinander, mit dem er auch schon während des kurzen Gefängnisbesuchs eine große Meinungsverschiedenheit hatte. Allen ist opportunistisch veranlagt und findet das, was er in Woodbury vorfindet, zu schön, um es wieder aufzugeben. Diesmal endet der Streit in einem waschechten Handgemenge - Tyreese lässt Allan über der Walkergruppe hängen - bei dem Tyreese jedoch die Oberhand behält.

Die Frage ist, warum Tyreese und Sasha, die sich bisher als die empathischeren Figuren verhalten haben, überhaupt noch mit Allen und seinem Sohn verkehren. Wahrscheinlich nur, weil sie keine andere Möglichkeit sehen und es zu zweit schwieriger wäre zu überleben. Tyreese ist eine Figur, die Konflikte zwar nicht unbedingt meidet, aber noch nicht bereit zu sein scheint, seine Mitmenschen ernsthaft zu gefährden. Walker stellen kein Problem dar, aber ein Mord an noch lebenden Personen ist ihm bislang nicht zuzutrauen. Was müsste also passieren, damit er diese Grenze überschreitet?

Der Rezensent wird bei Tyreese (und auch bei den Figuren, die zu ihm gehören) das Gefühl nicht los, dass die wenigsten Zuschauer bislang eine Bindung zu ihnen aufgebaut haben. Was insofern schade ist, weil Tyreese in den Comics zu einer der beliebteren und auch fähigsten Figuren überhaupt gehört. Es scheint ein wenig egal zu sein, ob sie in der TV-Version nun Teil der Geschichte sind oder ob sie bereits in einer der nächsten Folge das Zeitliche segnen würden. Zwar wird sich von Autorenseite bemüht, Sasha und Tyreese sympathisch darzustellen, gerade in dieser Episode, aber das alles nützt bisher recht wenig.

Später in der Episode sehen die Zuschauer eine weitere Szene, die im Areal spielt, in dem die Walker gehalten werden. Eine nicht näher gezeigte Figur kommt mit einem Auto angefahren und verteilt Benzin auf die Untoten. Schließlich werden diese auch noch entzündet. Der Verdacht liegt auf Tyreese, aber schnell sollte deutlich werden, dass dieser nicht über die Ressourcen und die Ortskenntnis verfügt, um allein mit einem Auto dorthin zurück fahren zu können. Dies wird auch im Gespräch mit dem Governor und der Vierergruppe um Tyreese deutlich. Der Govornor beschwichtigt Tyreese' Bedenken mit der Ausrede, dass Untoten nur zur Abschreckung dienen, was die Gruppe auch ohne groß zu hinterfragen schluckt. Sicherlich auch, weil die Interaktion mit dem Governor bisher noch recht limitiert war.

Vielmehr sieht es stark danach aus, als wäre es Milton, der den Governor und sein Vorhaben sabotiert und nun sein bisher stärkste Haltung des Ungehorsams demonstriert. Wie weit kann Milton den Govornor noch provozieren, bis dieser endgültig die Geduld verliert?

Auf der Flucht

Andrea kann sich nach ihrer Flucht nur mit einem Messer zur Wehr setzen und wird natürlich direkt von Walkern angefallen. Dennoch gelingt es ihr ein ums andere Mal, mit etwas Glück und Übung davon zu kommen.

Allerdings schließt der Governor, der auf einen fahrbaren Untersatz setzen kann, bald zu ihr auf und verfolgt sie in ein verlassenes Fabrikgebäude. Hier erleben wir dann eine Slasherfilm-Hommage (die bisweilen auch ins cartoonhafte abdriftet) mit Andrea und dem Governor in den Hauptrollen - inklusive Versteck- und Psychospielchen und allem, was dazu gehört. Als Andrea versucht die Flucht anzutreten, entdeckt sie ein Treppenhaus voller Walker, die ihr den Abgang unmöglich machen. Allerdings kann sie hier mit Bauernschläue punkten und die Untoten auf den Governor lenken. Es sieht tatsächlich so aus, als wäre sie den Governor los. Aber, wie jeder Zuschauer von Slasherfilmen weiß, ist der Verfolger oft mit einer übermenschlichen Stärke ausgestattet. Der Governor in dem Fall mit einer Pistole und einer Schaufel, mit der er sich die Beißer vom Hals schaffen kann. Kurz bevor Andrea also das Gefängnis erreicht und sogar schon von Rick mit seinem Zielfernrohr an seinem Gewehr gesehen werden kann, ist der blutverschmierte und sichtlich mitgenommene Governor zur Stelle, um Andrea zu überwältigen und sie ihrem schrecklichen Schicksal auszusetzen. Sie wird gefesselt und geknebelt auf den Folterstuhl geschnallt. Man kann mutmaßen, dass hier eine Szene aus den Comics adaptiert wird, allerdings mit einer anderen Figur als in der Vorlage. Mehr wird an dieser Stelle noch nicht angedeutet. Dieser Cliffhanger ist etwas, das diese ansonsten leider etwas schwache Episode aufwertet.

Der Governor (David Morrissey) auf einem Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Prey%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC
Der Governor (David Morrissey) auf einem Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Prey%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC

Doch was genau macht die Folge schwächer als die bisherigen? Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Andrea und dem Governor, dass sich reichlich lange hinzieht etwa und leider auf abgedroschene stilistische Mittel setzt, oder etwa das mehr als vorhersehbare Wiederauftauchen des Governors kurz vor der erfolgreichen Flucht. Niemand, der weiß, dass die Staffel aus 16 Episoden besteht, wird glauben, dass der Governor so sang- und klanglos beseitigt wird.

Dass irgendjemand ihn beseitigen muss, steht unumstößlich fest. Gab es zuvor gleich mehrere Kandidaten, die in Frage kämen, nämlich Maggie (Lauren Cohan), Michonne, Andrea und Glenn (Steven Yeun), kristallisiert sich Andrea nun aktuell als klare Favoritin für diese Aufgabe hinaus. Die Frage ist nur, ob die Autoren die Figur wählen, die daraus die größte Genugtuung erhält - beziehungsweise den Zuschauer diese erleben lässt - oder entschließt man sich für eine überraschende Wendung? Vielleicht ist das Ableben des primären Antagonisten auch noch gar nicht in Stein gemeißelt und diese Spekulationen müßig? Wir werden sehen.

Fazit

Wenn Andrea im Mittelpunkt der Folge Prey steht, die Figur aber leider so sehr durch ihre getroffenen Entscheidungen und Verhaltensweisen von den Autoren in eine Sackgasse manövriert wurde, dass man eventuell auf eine Bestrafung hofft, dann läuft etwas nicht richtig. Da es sich hier um eine Andrea-Episode handelt, die sicher kein Fan-Favorit (und erst recht keine Lieblingsfigur des Rezensenten) ist, ist es schwierig, eine überzeugende Episode abzuliefern.

Vielmehr verliert sich die Episode in einer müden Horrorfilmkopie mit einem vorhersehbaren Schluss. Miltons Wandlung allerdings verspricht durchaus noch für Konfliktpotenzial zu sorgen.

Prey“ ist aus den genannten Gründen daher wahrscheinlich die bisher schwächste Episode der aktuellen dritten Staffel von The Walking Dead, verfügt allerdings über einen ziemlich interessanten Cliffhanger für Comicfreunde.

P.S. Pünktlich zum Erscheinen des ersten Soundtracks „47024“, setzt The Walking Dead neuerdings auf musikalische Outros. Zwar sind die Lieder bisher durchaus passend gewählt, aber das Kalkül dahinter fällt definitiv auf.

Videovorschau auf die Episode This Sorrowfull Life (3x15) der US-Serie The Walking Dead:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 18. März 2013
Episode
Staffel 3, Episode 14
(The Walking Dead 3x14)
Deutscher Titel der Episode
Der Fang
Titel der Episode im Original
Prey
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 17. März 2013 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 22. März 2013
Autoren
Glen Mazzara, Evan T. Reilly
Regisseur
Stefan Schwartz

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 3x14

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