The Walking Dead 3x13

The Walking Dead 3x13

Die Episode Arrow on the Doorpost der US-Serie The Walking Dead ist eine voller Premieren. Einige Figuren treffen zum ersten Mal aufeinander und stellen fest, dass sie gar nicht so verschieden sind. Dennoch gibt es unüberbrückbare Differenzen. Review.

Szenenfoto aus der Episode „Arrow on the Doorpost“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der Episode „Arrow on the Doorpost“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC

Man merkt der zweiten Hälfte der dritten Staffel von The Walking Dead ihre unübliche Länge inzwischen etwas an. Statt 13 Episoden umfasst die aktuelle Staffel zum ersten Mal 16 Episoden. Legte die erste Hälfte noch ein immenses Tempo vor, wird seit nunmehr drei Episoden ordentlich auf die Bremse getreten. Die Entschleunigung erreicht in Arrow on the Doorpost (3x13) nun wohl vorerst ihren Höhepunkt.

Dabei kommt es in der Episode zu einem für die Serie historischen Treffen: nämlich dem von Rick (Andrew Lincoln) und dem Governor (David Morrissey). Ein Ereignis, auf das man sich im Vorfeld gefreut und ihm regelrecht entgegengefiebert hat, enttäuscht leider etwas. Genau wie die gesamte Episode übrigens, die im Vergleich zu anderen der Staffel unrund wirkt.

Treffen der Giganten

Die kleinen Schwächen fallen bereits zu Beginn auf: Ähnlich wie in Clear, der Episode zuvor, machen wir einen minimalen Zeitsprung mit. Daryl (Norman Reedus), Rick und Hershel (Scott Wilson) kommen an einem noch unbekannten Ort an, der sich als Treffpunkt mit dem Governor entpuppt. Auf der einen Seite ist dieser Einstieg natürlich begrüßenswert, weil es so zu einem unerwarteten Moment kommt. Andererseits glaubt man durch diese Art der Episodeneröffnung bisweilen, man hätte eine Episode verpasst. Natürlich wird man im Verlauf des Gesprächs über die Umstände des Zusammenkommens informiert. Etwa, dass Andrea - immerhin früher mal als Anwältin tätig - dieses arrangiert hat, um das weitere Töten von Unschuldigen zu verhindern.

Die Art und Weise, wie man diesmal vor vollendete Tatsachen gestellt wurde, hat beim Rezensenten jedoch nicht die gewünschte Wirkung erzielt. Auch das Überspringen wichtiger Aussprachen oder das Auslassen möglicherweise wichtiger Szenen (Wer hat Rick en detail über sämtliche schlechte Taten des Governors eingeweiht? War Rick bei diesen Offenbarungen wirklich immer dabei? Weiß nicht nur Glenn von dem, was Maggie explizit widerfahren ist? Woher weiß der Governor von Ricks neuen Waffen?), die expositorisch in einem Nebensatz fallengelassen werden, ist nicht die eleganteste erzählerische Lösung. Die Macher müssen hier noch eine bessere Balance finden zwischen Momenten, in denen Figuren miteinander sprechen und Momenten, in denen gesagt wird, dass sie miteinander gesprochen haben.

Weiterhin setzt sich der Trend zu langen Gesprächen fort, was an sich erst einmal nichts Negatives ist. Vor allem, wenn es so wichtige Figuren wie Rick und der Governor sind und es sich um ihr allererstes Gespräch von Angesicht zu Angesicht handelt. Wer würde dem Anführer von Woodbury jedoch nicht sofort eine Backpfeife verpassen wollen oder die Knarre ziehen, sobald dieser sein breites, falsches Grinsen aufsetzt? Morrissey gelingt es, die schmierige Seite der Figur fabelhaft herauszustellen - er spielt herrlich unsympathisch. Das Gespräch erinnert an das gegenseitige Beschnüffeln zweier Hunde. Alpha dogs, wenn man so will.

Schien es zuvor so, als wären beide unbedingt auf Blut und Rache aus, so kaschieren sie im Gespräch diesen Fakt so gut, wie sie nur können. Als Zuschauer weiß man natürlich mehr über die Figuren als die Charaktere selbst, so dass es durchaus spannend ist, zu sehen, wie sie an das Gespräch herangehen. Man könnte ganze Aufsätze schreiben zu Faktoren wie Körperhaltung oder Redeanteilen, Gesichtsausdrücken oder Nichtgesagtem.

Während Ricks erstes Angebot eine strikte Trennung der Gebiete mithilfe einer gedachten Grenze sowie ein Nichtangriffspakt ist, kann der Governor das nur belächeln. Neben der bedingungslosen Aufgabe der Gefängnisgruppe, hat er nämlich ganz andere Ziele und Wünsche, die wenig mit Rationalität zu tun haben. Nicht etwa das Gefängnis oder dass die Gruppe sich ein neues Refugium sucht. Nein, er will Michonne. Die Frau, die sein Zombieaquarium zerstört hat. Die Frau, die ihm seine zombifizierte Tochter genommen hat. Die Frau, die ihm sein Auge ausgestochen hat. Die Frau, wegen der Woodburys Einwohnerzahl gesunken ist. Aber aus Ricks Sicht eben auch die Frau, ohne die Maggie (Lauren Cohan) und Glenn (Steven Yeun) womöglich tot wären und Ricks Tochter damals ohne Babynahrung hätte auskommen müssen. Außerdem hätte der Rest der Gruppe ohne sie wohl schwieriger einen Hinweis finden müssen, wo die Gruppenmitglieder verblieben sind. Die Quintessenz der Verhandlungen ist: Michonne oder Krieg.

Die Wahl liegt bei Rick. Liefert er Michonne an den Governor aus und riskiert, dass dieser sein Wort bricht und trotzdem angreift oder entschließt er sich für die offene Konfrontation? Rick wählt die Konfrontation und greift zu einem Mittel, das auch schon der Governor seinem Volk gegenüber angewandt hat: Er lügt, indem er sich eine Geschichte zurechtbiegt und verschweigt die Option mit Michonne. Einerseits, um der Gruppe Angst zu machen und sie in Alarmbereitschaft zu versetzen und andererseits, da Michonne sich - nicht zuletzt durch den gemeinsamen Ausflug in Ricks alte Heimat - als vollwertiges Gruppenmitglied bewiesen hat.

Dennoch merkt man im späteren Gespräch mit Hershel, dass Rick sich seiner Entscheidung nicht sicher ist. Der recht pazifistische Mann Gottes, der ähnlich wie Carol (Melissa McBride) sein Glück lieber auf der Straße versuchen würde, versichert ihm zumindest, dass die Gruppe sich der Entscheidung Ricks anschließen würde. Die Zeichen stehen also auf Angriff.

Der Beginn einiger wunderbarer Freundschaften?

Daryl (Norman Reedus) auf einem Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Arrow on the Doorpost%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC
Daryl (Norman Reedus) auf einem Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Arrow on the Doorpost%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC

Das Treffen der beiden Anführer weist allerdings noch mehr Facetten auf. So lernen sich weitere Mitglieder der Gefängnis- und der Woodbury-Gruppe kennen. Während die beiden Männer fürs Grobe, Daryl und Martinez (Jose Pablo Cantillo), zunächst durch Drohgebärden und Aufplustereien den jeweils anderen einschüchtern möchten, gibt es nach einem Walker-Abschlachten, in dem sie noch einmal ihre Fertigkeiten demonstrieren dürfen, doch so etwas wie eine Respektgrundlage. Man teilt männlich Zigaretten und im Endeffekt auch Teile der jeweils eigenen Geschichte. Dass darüber hinaus ein Baseballschläger bei der Zombiejagd in „The Walking Dead“ bisher noch nicht so prominent wie hier zum Einsatz gekommen ist, wirkt ob der Effektivität im Einsatz gegen die Handvoll Walker, die der Gruppe begegnet, doch etwas seltsam. Ob das nächste Wiedersehen der beiden toughen Männer wohl im Kampf gegeneinander und nicht miteinander stattfinden wird?

Eine weitere interessante Konstellation birgt das Treffen von Hershel und Milton (Dallas Roberts). Religion trifft auf Wissenschaft und Hershel zeigt sich wieder einmal sehr offen für frische Perspektiven. Milton beschäftigt sich nämlich damit, besondere Schlachten, Ereignisse oder auch wissenschaftlich wertvolle Beobachtungen auf Papier festzuhalten, sollten einmal die Geschichtsbücher neu geschrieben werden, was Hershel merklich fasziniert.

Milton ist neugierig, wie Hershel einen Walkerbiss ins Bein überlebt hat und wann die Amputation der infizierten Stelle erfolgen musste. Der anschließende Witz wirkt zwar etwas erzwungen, aber die Interaktion in ihrer Gänze scheint einen Schalter in Milton umzulegen oder zumindest eine Änderung in seiner Denkweise einzuleiten. Spätestens, als der Governor sich erneut als Mann, der sein Wort bricht, herausstellt, sollte wohl klar sein, dass Milton ihm nicht auf ewig die Treue halten wird. Entgegen der Verabredung mit Rick, die nämlich in zwei Tagen stattfinden und in der er dem Governor seine Entscheidung bezüglich der Auslieferung von Michonne liefern soll, plant der Governor bereits den nächsten Anschlag.

Andrea auf verlorenem Posten

Der große Verlierer des Treffens ist Andrea. Sie muss nun wohl endlich einsehen, dass sie immer nur Mittel zum Zweck war. Statt als Vermittlerin zwischen den beiden Fronten zu fungieren, wird sie von beiden Männern zum Verlassen der Gesprächsrunde aufgefordert. Inzwischen versteht sie, dass der Governor ein verachtenswerter Mann ist, denn endlich hört sie von weiteren Taten, die er begangen hat - wie etwa sein Verhalten Maggie gegenüber. Allerdings ist Andrea in einer Zwickmühle: Sicherlich würde sie gerne zu Rick und Co. zurückkehren. Doch wie würde der Governor diese Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt annehmen? Als sie sieht, dass das Gespräch zumindest nach außen hin glimpflich verläuft, entscheidet sie sich, (vorerst) mit dem Governor zu fahren. Wohl wird ihr bei der Sache allerdings nicht sein. Mittlerweile bereut sie bestimmt, dass sie ihn nicht im Schlaf umgebracht hat...

Merle sorgt für Unruhe

Merle (Michael Rooker) wird im Gefängnis inzwischen soweit getraut, dass er Zugriff zu den jüngst eroberten Waffen erhält. Ihm ist offenbar nicht wohl bei dem Aufeinandertreffen von Rick und dem Governor. Also schlägt er vor, den Governor zu attackieren und die Sache vorzeitig zu beenden. Sorgen macht er sich dabei vor allem um die Sicherheit seines Bruders und der Tatsache, dass er nicht in seiner Nähe sein kann, um ein Auge auf ihn zu werfen. Glenn ist strikt gegen unüberlegte Handlungen, weil man so riskiert, alle Beteiligten ins Kreuzfeuer zu ziehen. Es kommt zu einem Handgemenge mit Glenn, bei dem Merle (!) den Kürzeren zieht (mit etwas Hilfe von Beth, Maggie und Michonne).

In diesem Zusammenhang ist interessant, dass Glenn sich merklich beruhigt hat und selbst nicht mehr blind auf Rache aus ist. Eine Tatsache, die Maggie so sehr gefällt, dass sie, während er später Wache schiebt, die Nähe zu Glenn sucht und die beiden spontanen Versöhnungssex haben. Hier scheint also alles wieder gut zu sein. Gutes Timing, denn die Gruppe kann für die anstehende Auseinandersetzung dieses Einheitsgefühl, wie man es im Staffelauftakt erlebt hat, gut gebrauchen.

Merle versucht später, auch noch Michonne ins Boot zu holen. Auffällig ist wieder einmal, wie aufrichtig seine Sorge scheint. Auch wenn geheime Zeichen, die er angeblich an seinen Bruder richten kann, der dann wiederum die anderen warnen würde, stutzig machen. Könnte er nicht auch Zeichen mit dem Governor abgemacht haben? So einhundertprozentig will man Merle noch immer nicht vertrauen, auch wenn es die Gruppe dann doch bislang tut. Michonnes Reaktion und Sorge bei Merles Plan gilt Andrea. Im Endeffekt ist sie nicht bereit, durch einen riskanten Plan ihr Leben zu riskieren und Merle steht wieder allein da.

Fazit

Andrea; der Governor und Rick. Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Arrow on the Doorpost%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC
Andrea; der Governor und Rick. Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Arrow on the Doorpost%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC

Der Krieg ist unausweichlich, auch wenn ich den Eindruck nicht los werde, dass ich das schon einmal vor einigen Episoden geschrieben hatte... Bereits beim Sturm auf Woodbury und der Retourkutsche des Governors hätte man annehmen können, dass es zum offenem Kampf kommt. Doch man entschied sich von Seiten der Autoren dafür, erst einmal die Aufstockung des Waffeninventars und einen diplomatischen Versuch der Deeskalation einzustreuen, so dass das wohl unvermeintliche große Blutvergießen noch etwas hinausgezögert wird. Noch sind es drei Episoden bis zum großen Staffelfinale. Es ist also nicht unbedingt davon auszugehen, dass der offene Schlagabtausch in der nächsten Episode beginnt. Außer man verteilt den Kampf auf mehrere Episoden.

Trotz mehrerer wichtiger Premieren und interessanter Aspekte, wie etwa der Gegenüberstellung und Kopplung von jeweils einem Gruppenmitglied aus dem Gefängnis und einem aus Woodbury, ist die Episode Arrow on the Doorpost nicht ohne Schwächen. Das Gesamtgefüge wirkt diesmal etwas unrund, manchmal sogar willkürlich. Merles Aufmüpfigkeit etwa verläuft sich zunächst im Sand. Nicht auszuschließen, dass das ein Aufbau für die Zukunft ist, während Figuren wie Carol und Beth weiterhin nur Beiwerk bleiben. Aber die Zombiesituation wirkte diesmal extrem konstruiert und hatte lediglich den Zweck, dass die Figuren eben doch feststellen, dass sie gar nicht so verschieden sind. Dazu hatte sie vielleicht auch noch den Zweck, um neben einer langen Gesprächspassage eben auch noch einige Kampfszenen erstrahlen zu lassen.

Ein wenig enttäuscht muss man wohl auch von dem Einsatz respektive dem Nichteinsatz der Figur Tyreese sein, die bisher wirklich nur wenige Minuten Screentime bekommen hat und in dieser Episode beispielsweise erneut in keiner Sekunde zu sehen ist. Auch wenn dieser Aspekt sich sicherlich bald ändert...

Videovorschau auf die Episode Prey (3x14) der US-Serie The Walking Dead:
Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 12. März 2013
Episode
Staffel 3, Episode 13
(The Walking Dead 3x13)
Deutscher Titel der Episode
Das Ultimatum
Titel der Episode im Original
Arrow on the Doorpost
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 10. März 2013 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 15. März 2013
Autor
Ryan C. Coleman
Regisseur
David Boyd

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 3x13

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