The Walking Dead 3x12

The Walking Dead 3x12

Die The Walking Dead-Episode Clear wirkt wie eine günstiger produzierte Episode und beschränkt sich somit auf wenige Figuren. Dabei kommt ein höchst interessantes Experiment mit einer Wahnsinnsperformance eines Gastdarstellers heraus.

Szenenfoto aus der Episode „Clear“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der Episode „Clear“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC

Die Episode Clear der US-Serie The Walking Dead entfernt sich von den bisherigen Handlungsorten der dritten Staffel und spielt somit weder im Gefängnis noch in Woodbury. Vielmehr fokussiert sich die Handlung auf den Ausflug von Rick (Andrew Lincoln), seinem Sohn Carl (Chandler Riggs) und der bisher eher schweigsamen Michonne (Danai Gurira). Ziel der kleinen Gruppe ist, Waffen und Vorräte zu sammeln, die im Kampf gegen den Governor nützlich sein können. Michonne ist dabei, damit Rick sie im kontrollierten Ernstfall testen und näher kennenlernen kann und Carl fungiert als Korrektiv für Ricks wachsenden Wahnsinn. Bereits zuletzt redete sein Sohn ihm ins Gewissen und er tut es hier wieder. Rick möchte nicht nur testen, wie sich Carl auf einer Mission schlägt, sondern auch Zeit mit seinem Sohn verbringen. Außerdem möchte er ihn bei sich in Sicherheit wissen, falls der Governor wieder angreift. Die Autoren lenken die Handlung in dieser Episode in gewisse Bahnen, die Rick eine Art „Was wäre, wenn...“ vor Augen führen.

Car Trouble

Die ungewöhnliche Reisegruppe schnappt sich eines der Autos, weil man damit größere Distanzen überbrücken kann und weil Rick seine alte Nachbarschaft als Ziel im Kopf hat. Doch das Trio ist nicht vor einer kleinen Panne gefeit, bleibt kurzzeitig stehen und wird von Walkern umkreist. Das ist allerdings nur eine kleine Schwierigkeit, die die drei bald hinter sich zurücklassen.

Apropos zurücklassen: Sie fahren während ihres Trips an einem Tramper mit Rucksack vorbei, der sie regelrecht anbettelt, mitgenommen zu werden. Da Rick und Michonne zu einem gänzlich anderen Schlag von Menschen gehören als etwa Hershell (Scott Wilson), ignorieren sie die verzweifelten Hilferufe konsequent. Auch ihre Autoprobleme können sie gerade in dem Moment lösen, als er aus der Distanz angelaufen kommt. Hier wird wieder einmal deutlich, dass in The Walking Dead nicht unbedingt nur von den Toten Gefahr ausgeht, sondern auch von den Lebenden, die durch unterlassene Hilfeleistung glänzen und den einsamen Reisenden so seinem Schicksal überlassen. Auch wenn damit schon vorgegriffen wird: Am Ende erwischt ihn tatsächlich ein Walker, während sich die Gruppe eiskalt seinen nützlichen Rucksack mitnimmt, der am Straßenrand zurückbleibt. Galgenhumor einer neuen Dimension.

Die Stadt der Walker-Fallen

Als sie dann Ricks alte Polizeiwache erreichen, müssen sie jedoch feststellen, dass ihnen bereits jemand zuvorgekommen ist und die Schusswaffen mitgenommen hat. Immerhin ist eine Kugel übrig. Ein kleiner Funke Hoffnung besteht also und Rick meint, andere Orte zu kennen, die Waffen beherbergen könnten. Kurzerhand schauen sie sich in der Gegend um, nur um festzustellen, dass hier irgendjemand sehr aktiv ist...

Mit allerhand Kreativität, „Dekorationstalent“ und warnenden Schriftzügen auf Gehwegen, Wänden und Fassaden hat sich in dieser Gegend jemand die Arbeit gemacht, die Straßen mit geschickten Todesfallen zu bestücken. Dabei kommen nicht nur spitze Gegenstände, Stolperdrähte und elaborierte Warnsysteme zum Einsatz. Er benutzt auch Tiere wie Vögel und Ratten in Käfigen, um die Untoten in die Fallen und ihr eigenes Verderben zu locken. Somit sollte es den einzelnen Untoten schwerfallen, in die Häuser vorzudringen. Eine brillante Idee! Ob sich Rick die Vorgehensweise wohl abgucken wird?

Die Gruppe beobachtet, wie eine dieser Fallen zuschlägt und sich der offenbar einzige Bewohner der Gegend zu erkennen gibt. Mit einem Helm und einem Gewehr ausgestattet, fordert er die Gruppe auf, ihre Habseligkeiten dazulassen und zu verschwinden. Doch Rick geht das Risiko ein und versucht sich im Kampf. Michonne glaubt, dass sie ihren Angreifer überwältigen kann und demonstriert zum ersten von zwei Malen in dieser Episode eine etwas unglaubwürdige Schnelligkeit, als sie flott auf dem Häuserdach steht. Es ist jedoch Carl, der den Angreifer kurzzeitig ausschalten kann. Es stellt sich heraus, dass dieser durch eine kugelsichere Weste geschützt ist, doch viel wichtiger ist die Identität des Mannes. Bei ihm handelt es sich nämlich um den aus dem Serienpilot Days Gone Bye bekannten Morgan Jones (Lennie James). Dieser rettete Rick, nachdem er aus seinem Koma erwacht war, das Leben und weihte ihn in die Zombiesituation ein. Rick steht also in seiner Schuld und möchte den Ohnmächtigen in Sicherheit bringen, um ihn dann zu befragen.

Morgan, der Waffen-Messie

Michonne und Rick stützen Morgan und bringen ihn in seinen Unterschlupf. Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Clear%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;. © AMC
Michonne und Rick stützen Morgan und bringen ihn in seinen Unterschlupf. Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Clear%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;. © AMC

In Morgans Unterschlupf sieht es aus wie in einem Waffenlager. Morgan hat es geschafft, Waffen, Vorräte und sonstige nützliche Sachen hier zu verstauen und die Eingänge mit weiteren Todesfallen zu versehen. Er hat für sich allein wahrscheinlich mehr Waffen und Munition, als er je gebrauchen könnte. Also bedienen sich Michonne und Carl großzügig. Gleichzeitig sind alle Wände mit teilweise wirren Sätzen und Phrasen beschrieben. Immer wieder taucht das Wort Clear auf.

Seit ihrem letzten Aufeinandertreffen muss sich Morgans Leben dramatisch verändert haben. Bald entdeckt Rick zwei pikante Details: Das Funkgerät, das Rick ihm damals gegeben hat, damit sie in Kontakt bleiben können, sowie die Antwort, wo Morgans Sohn Duane sein könnte. „Duane turned“ muss er in roten Lettern lesen. Rick beschließt, dass sie abwarten, bis Morgan erwacht und dass sie ihn nicht einfach so bestehlen und verlassen. Zwar äußert Michonne Bedenken, aber Rick lässt sich von seinem Vorhaben nicht abbringen.

Carls Mission

Carl entdeckt eine auf einer großen Tafel gemalte Karte der Nachbarschaft und schmiedet einen eigenen Plan. Er sagt, dass er eine Krippe für seine Schwester suchen möchte. Michonne bietet an, mit ihm zu gehen, denn allein wird er sie wohl kaum tragen können. Unter dieser Voraussetzung lässt Rick die beiden ziehen, während er auf Morgans Erwachen wartet. Carl kennt die Gegend natürlich und glaubt, durch die aufgestellten Fallen zumindest etwas in Sicherheit zu sein. Daher versucht er auf eigenen Fuß und ohne Michonne, sein wahres Ziel zu erreichen.

Carl bei seiner Mission mit Michonne. Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Clear%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC
Carl bei seiner Mission mit Michonne. Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Clear%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC

Zwar hat er tatsächlich die Beschaffung eines Babybetts im Kopf, aber zuvor möchte er noch etwas anderes erledigen. In einem Café sucht er nach einem persönlichen Gegenstand, für den er bereit ist, sein Leben zu riskieren. Michonne stellt klar, dass sie ihn unterstützt und seinen Drang zur Unabhängigkeit respektiert. Mithilfe von auf Skateboards gestellten Käfigen werden die Walker im Café abgelenkt und Carl läuft zielstrebig zu einer Fotowand, wo ein Bild von ihm und seinen Eltern angebracht ist. Bald werden sie jedoch von den Walkern umzingelt und sie müssen die Flucht antreten - natürlich nicht ohne Kampf. Doch kurz vor dem Ausgang verliert Carl das Bild.

Nun ist es an Michonne, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Schneller als der rote Blitz schafft sie es wiederum irgendwie, das Foto und eine extrem kitschige, bunte Katzenfigur aus dem Lokal zu holen. Man fragt sich allerdings: Wie hat sie das machen können? Weder sieht man hinter der dreckigen Scheibe das Blut spritzen noch dass die Walker, die nach draußen wollen, verschwinden...

Carl und Michonne sowie die hässliche Plastikkatze. Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Clear%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC
Carl und Michonne sowie die hässliche Plastikkatze. Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Clear%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC

Verzeiht man dieses eventuelle Logikloch, dann beweist diese Szene allerdings, dass Michonne im Grunde eine gütige Figur ist, wenn sie sich anderen gegenüber öffnet. In der Episode spricht sie wahrscheinlich so viel wie nie zuvor und freundet sich sowohl mit Rick als auch mit Carl an. Damit dürfte sie bei den Grimes-Männern wohl einen Stein im Brett haben und das, obwohl Rick sie noch vor kurzem rausschmeißen wollte, nachdem sie medizinisch versorgt worden war. Außerdem macht Carls Mission den kleinen Jungen in gewisser Weise wieder menschlicher. Musste er zuvor auf Killermodus schalten, seine Kindheit hinter sich lassen und allzeit bereit sein, wird ihm hier erlaubt, kindlich und emotional zu sein. Gleichzeitig ermöglicht ihm seine Mission zumindest kurzzeitig Erinnerungen an glücklichere Zeiten sowie Gedanken an seine kleine Schwester, indem er ihr ein Bettchen besorgt.

Die traurige Ballade des Morgan Jones

Lennie James als Morgan Jones - der Star der Episode. Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Clear%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;. © AMC
Lennie James als Morgan Jones - der Star der Episode. Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Clear%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;. © AMC

Morgan leidet unter schlimmer Paranoia, Schuldgefühlen und Angstzuständen. Als er erwacht, greift er zunächst Rick an und verletzt ihn dabei sogar mit einem Messer. Durch seine Isolation scheint es ihm besonders schwerzufallen, zwischen echten Menschen und Walkern zu unterscheiden, so lange war er wohl nicht mehr unter anderen Lebenden. Es dauert tatsächlich eine Weile, bis Morgan aus diesem Zustand ausbrechen kann und Rick wiedererkennt.

Der erneute Auftritt von Lennie James ist ein Coup sondergleichen, denn der Gastdarsteller bietet hier eine der besten Performances, die die Zombie-Survivalserie bisher gesehen hat. Natürlich ist die Geschichte um ihn und seine Familie auch besonders tragisch, aber sein Schauspiel, als er erzählt, wie es zu seinem aktuellen Zustand gekommen ist, ist mehr als beeindruckend. Hoffentlich bleibt es nicht bei einem einmaligen Auftritt, auch wenn es zunächst so aussieht.

In gewisser Weise ist Morgan eine alternative Version von Rick. Während Rick nach seinem Koma ganz allein war und nicht wusste, wo Lori und Carl sind, hatte Morgan zumindest seinen Sohn Duane bei sich. Seine Frau wurde schnell zum Walker, doch er brachte es nie übers Herz, sie zu erschießen - wie man bei seinem ersten Auftritt schon sehen konnte und was sich zum fatalen Fehler entwickeln sollte. Im weiteren Verlauf der Serie konnte Rick zwar Lori und Carl finden, doch verlor seine Frau bekanntlich, als sie Baby Judith zur Welt brachte. Spätestens da konnte Rick also nachvollziehen, wie Morgan sich fühlen musste.

Morgan ist in seinem aktuellen Zustand nun aber bereits eine oder mehrere Stufen nach dem dramatischen Verlust seiner geliebten Frau angekommen und hat zudem seinen Sohn - und damit seine einzige Bezugsperson - verloren. Tragischerweise dadurch, dass Duane es nicht geschafft hat, seine eigene „Mutter“ zu erschießen. Hier musste Morgan also die Rolle von Carl übernehmen, was dazu geführt hat, dass er ähnlich, aber deutlich folgenreicher als Rick, in den Wahnsinn abgedriftet ist. Immerhin hat Rick neben seinem Sohn und seiner Tochter eine Ersatzfamilie, die ihn zumindest etwas Halt in dieser schwierigen Zeit gibt.

Morgan hat nur sich, seine Todesfallen und die selbstauferlegte Aufgabe, die Untoten zu beseitigen und dann die Leichen zu verbrennen. Doch damit nicht genug: Während Rick anfangs noch versucht hat, Kontakt mit Morgan aufzunehmen, wurde es - je weiter die Gruppe vorangekommen war - immer schwieriger, ihn zu erreichen. Morgan jedoch hat, wie verabredet war, einmal am Tag das Funkgerät angeworfen - doch ohne Erfolg. Und es war auch Rick, der Morgan mit Waffen versorgt hat und ihn indirekt eingewiesen hat, wie man damit umgeht. Das löste jedoch eine lange Kettenreaktion aus, an deren Ende Duane gestorben war. Noch eine Sache, für die sich Rick die Schuld geben kann.

Rick und das Funkgerät - Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Clear%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC
Rick und das Funkgerät - Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Clear%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC

Zwar bietet Rick Morgan an, sie zurück ins Gefängnis zu begleiten, doch Morgan lehnt ab. Weil er mit dem clearen der Untoten beschäftigt ist, weil er sieht, dass das Gefängnis nicht der Ort der absoluten Sicherheit sein kann, wenn selbst Ricks Frau darin umgekommen ist, und weil er nicht in den Konflikt mit dem Governor verstrickt werden möchte. Dieser könnte darin münden, dass er dann wieder allein dastehen würde. Allerdings überlässt er der Gruppe tatsächlich viele seiner Waffen, damit diese für die Schlacht gewappnet ist. Ob man wohl schon das letzte Mal etwas von Morgan gesehen hat?

Es ist aber nicht nur Morgan, mit dem Rick etwas gemeinsam hat. Auch Michonne öffnet sich ihm gegenüber. Sie weiß über seine Visionen Bescheid und gesteht, dass auch sie mit der Vergangenheit nicht so recht abschließen kann und bisweilen mit ihrem Exfreund redet. Schließlich hat auch Michonne Menschen in der Zombie-Apokalypse verloren - man erinnere sich nur an ihre beiden Zombielastentiere...

Fazit

Die Episode Clear (3x12) nimmt sich ausgesprochen viel Zeit, einige Figuren, die in letzter Zeit zu kurz gekommen waren oder keine Zeit hatten, zu verschnaufen, einmal etwas näher zu beleuchten. Vor allem Michonne und Carl wirken dabei beide durch ihre Handlungen (wieder) menschlicher und haben somit die Sympathien des Rezensenten.

Der Star der Episode ist aber ohne Frage Lennie James, der eine fantastische, höchst emotionale und glaubwürdige Trauergeschichte abliefert. Somit setzt er für die Serie eine neue Messlatte, an die die anderen Schauspieler erst mal heranreichen müssen. Insgesamt haben sich die meisten Episoden der zweiten Hälfte der dritten Staffel einerseits Zeit für die Figuren und ihre Beziehungen zueinander genommen. Auf der anderen Seite haben sie aber auch oft überraschende Actionexplosionen möglich gemacht. „Clear“ bleibt über weite Strecken eine bottle-Episode (wie eingangs erwähnt: eine günstiger produzierte Episode) und eine sehenswerte Charakterstudie, doch die nächste Katastrophe kommt bestimmt. Vielleicht ja schon in der nächsten Episode...

Videovorschau zur Episode Arrow on the Doorpost (3x12) der US-Serie The Walking Dead:
Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 5. März 2013
Episode
Staffel 3, Episode 12
(The Walking Dead 3x12)
Deutscher Titel der Episode
Gesichter der Toten
Titel der Episode im Original
Clear
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 3. März 2013 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 8. März 2013
Autor
Scott M. Gimple
Regisseur
Tricia Brock

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 3x12

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