The Walking Dead 3x11

The Walking Dead 3x11

Die The Walking Dead-Episode I Ain't a Judas schlägt deutlich leisere Töne an als die vorige Folge. Wichtige Aussprachen werden geführt und neue Vorgehensweisen besprochen. Und ein lange überfälliges Treffen findet statt.

Szenenfoto aus der Episode „I Ain't a Judas“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der Episode „I Ain't a Judas“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC

In der Episode Home (3x10) der US-Serie The Walking Dead stattete der Governor (David Morrissey) der Gruppe im Gefängnis einen bedrohlichen Besuch ab. Was nicht nur ein weiteres Todesopfer zur Folge hatte, sondern der Gruppe auch vor Augen führte, wie verletzlich sie ist, wenn sie in alle Winde verstreut ist. Nun sind die Dixons - und somit auch Merle (Michael Rooker) - fürs Erste wieder Teil der Gruppe. Und diese diskutiert in der Episode I Ain't a Judas (3x11), wie es nach der Retourkutsche des Anführers von Woodbury weitergehen wird.

Flucht oder Kampf?

Das ist nun die Kernfrage, die die Gruppe diskutiert. Es gibt einige Argumente für und gegen beide Optionen. Die Gefahr, die von dem Governor ausgeht, sollte nun allen schmerzlich bewusst sein. Merle, der immerhin monatelang Teil seiner Community war, unterstreicht noch einmal, wie ressourcenreich der Gegner ist: Er hat die Menschenstärke, die Waffen, die Vorräte und das Equipment, um einen direkten Kampf spielend zu gewinnen. Der Einhändige ist überzeugt, dass die Aktion des Governors so etwas wie ein Warnschuss und eine Machtdemonstration war.

Hershel (Scott Wilson) spricht sich für die Flucht aus. Sein pazifistischer Ansatz rührt von dem Verlust von Axel her, ist aber sicherlich auch eine Art Überlebensinstinkt. Denn wenn der Governor den Aufenthaltsort der Gruppe nicht kennt, fällt eine weitere Vergeltung nicht so leicht wie zuletzt.

In dieser schwierigen Diskussion möchte Rick (Andrew Lincoln) einfach weg gehen, doch Hershel lässt ihn nicht. Die Gruppe - und für diese spricht Hershel - hat sich ihm untergeordnet, als er verlautbart hat, dass das Überleben nicht durch eine Demokratie funktionieren kann. Doch diese Entscheidung muss nun hinterfragt werden - oder Rick endlich wieder wie ein Anführer handeln.

Es ist Carl (Chandler Riggs), der Rick offen und ehrlich sagt, dass er darüber nachdenken sollte, seine Position als Anführer an Hershel und Daryl (Norman Reedus) abzugeben und sich endlich einmal eine kleine Verschnaufpause zu gönnen. Wahre Worte von einem kleinen Jungen, der zum Kindersoldaten werden musste.

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;I Ain%26#039;t a Judas%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC
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Der Governor lädt zur Musterung

In Woodbury wird immer deutlicher, dass der Governor aus den Bewohnern eine Armee machen möchte. Er lässt Milton (Dallas Roberts) nicht nur Tauglichkeitsprofile erstellen, sondern erweitert - wie bekannte echte Diktatoren - die Altersgrenze der potenziellen Kämpfer kräftig nach unten. Alle ab 13 hält er für kampftauglich, was die Gruppenstärke auf 35 bringen würde und bereits ein vielfaches von Ricks Gruppe wäre. Einerseits ist es in der Zombie-Apokalypse ein richtiger Schritt, auch die Jüngeren zu trainieren, andererseits ist das Ziel des Trainings verblendet. Statt sich gegen Zombies zu wehren, lautet das Angriffsziel natürlich: Ricks Gruppe.

Andrea (Laurie Holden) hat inzwischen erfahren, dass der Governor sein Wort gebrochen und das Gefängnis attackiert hat. Dieser lügt sich natürlich, wie man es mittlerweile von ihm gewohnt ist, eine Geschichte zurecht: Er sei nur dort gewesen, um zu verhandeln, sagt er. Doch Andreas Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit wachsen. Sie will vermitteln und weiteres Blutvergießen unterbinden. Ihr Plan ist es, ihren alten Freunden einen Besuch abzustatten.

Doch der Governor zeigt sich wenig kooperativ. Vielmehr gibt er ihr mit auf den Weg, dass sie direkt dort bleiben könne, sollte sie ihren Worten Taten folgen lassen. Aber: Ist das bloßes Kalkül vom Governor? Schließlich lässt er Milton ein Auge auf sie haben und wird auch tatsächlich von diesem darüber informiert, dass Andrea ihn um Hilfe bittet. Gleichzeitig lässt er zu, dass Milton ihr hilft.

Merle, die falsche Schlange?

Der Angriff des Governors hat die Gruppe auch empfindlich getroffen, weil nun eine Horde von Walkern im Gefängnisareal herumstreunt. Die Munition ist knapp, die Vorräte neigen sich bald dem Ende entgegen und Glenn (Steven Yeun) und Maggie (Lauren Cohan dürften sich nicht sonderlich wohl dabei fühlen, Merle nun in ihren Reihen zu haben. Daryl hält für seinen Bruder die Hand ins Feuer und mahnt die anderen, sich an seine Anwesenheit zu gewöhnen. Als Zuschauer hätte man wahrscheinlich mit mehr Widerstand gerechnet, doch was nicht ist, kann ja noch werden. Zumal wir zuletzt eine impulsivere Seite von Glenn gesehen haben. Glenn spielt die Shane-Karte, um an Rick zu appellieren. Doch es ist ausgerechnet Hershel, der sich für Merle und seinen Wert als Kämpfer ausspricht und ihm seine Loyalität seinem Bruder gegenüber hoch anrechnet. Auch die Option, Merle als Lockmittel an den Governor auszuliefern, wird diskutiert, aber Daryl würde so etwas wohl nie zustimmen.

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;I Ain%26#039;t a Judas%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC
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Eine der interessantesten Dialogszenen der Episode findet zwischen Merle und Hershel statt. Das erste direkte Aufeinandertreffen der beiden wird von den Autoren ausgezeichnet konstruiert. Denn beide mussten, um zu überleben, auf eine Extremität verzichten und haben somit schon direkt etwas gemeinsam. Bei beiden war Rick indirekt und direkt dafür verantwortlich. Und beide sind vom rechten Weg abgekommen: Merle als Mann fürs Grobe für den Governor und Hershel, als er in der zweiten Staffel einen Alkoholrückfall hatte. Der Ex-Farmer bringt Merle eine Bibel, doch es stellt sich heraus, dass der einhändige Dixon damit bestens vertraut ist.

Hershels Stärke liegt darin, andere zu Wort kommen zu lassen. Das hat er bei Tyreese gemacht, und das macht er nun bei Merle wieder. Anders als Rick, der harte Entscheidungen treffen muss, um das Überleben der Gruppe zu gewährleisten (aber auch die Last der Entscheidungen trägt), zeigt Hershel Geduld und Einsicht. Das führt dazu, dass sich andere ihm gegenüber öffnen, wie es Merle tut. Er glaubt zu wissen, in welcher Reihenfolge der Governor Rache nehmen wird - und er selbst steht ganz oben auf der Liste. Doch insgesamt sind alle in Gefahr. Seine Worte scheinen aufrichtig und seine Taten sprachen bisher für sich. Kann man also tatsächlich von Merles Loyalität ausgehen?

Ebenfalls höchst interessant ist Merles „Entschuldigung“ an Michonne. Er rechtfertigt sich damit, nur Befehle ausgeführt zu haben. Michonne wirkt davon allerdings wenig beeindruckt. Aber womöglich reicht es ja doch zunächst für einen Waffenstillstand unter Vorbehalt.

Daryl und Carol

Bereits in der letzten Episode fanden einige Aussprachen zwischen den Figuren statt und mit der Rückkehr der Dixons ist es nun auch möglich, dass Daryl und Carol (Melissa McBride) wieder miteinander reden. Während Carol mit Axel kurzzeitig eine Alternative zum Bogenschützen gefunden hat, scheint Daryl ein Stück weit desillusioniert. Er glaubt, das Verweilen im Gefängnis könnte dazu führen, dass das Gefängnis zur Gruft für die Gruppenmitglieder werden könnte. Ist es Merles Einfluss, der Daryl in alte Muster zurückfallen lässt? Kann Carol ihn wieder zu dem Mann machen, mit dem sie sich in den acht Monaten on the road hat anfreunden können?

Andreas Ausflug und Tyreese Gruppe verschägt es nach Woodbury

Milton und Andrea brechen zu Fuß auf, doch nicht ohne ein kleines Hilfsmittel. Wie schon Michonne (Danai Gurira) oder auch die Veranstalter der Walker-Arena festgestellt haben, sind Untote ohne Unterkiefer und Arme eine Art Lebensversicherung und sehr nützlich, um sich an Herden von anderen Zombies unbemerkt vorbei zu schleichen. Also macht sich Andrea mit einem angeketteten Exemplar auf den Weg zum Gefängnis.

Dabei treffen die beiden auf Tyreese (Chad Coleman) und seine drei Weggefährten, die zuletzt noch vom psychotischen Rick aus dem Gefängnis gejagt wurden. In Woodbury empfängt man Neuankömmlinge hingegen aktuell mit offenen Armen und Milton bringt sie zum Governor. Hat Rick also einen kurzsichtigen und folgenschweren Fehler gemacht? Denn Tyreese wird in der Serie nun wirklich nicht als schlechter Kerl dargestellt. Sein ausgesprochener Ehrenkodex und seine Hilfsbereitschaft sind klar ausgeprägt. Was passiert allerdings, wenn er und seine Gruppe auf den zornigen, rachsüchtigen Governor treffen? Eine Unterkunft wie Woodbury wirkt auf den ersten Blick wie ein Traum. Werden sie sich seinen Zielen unterordnen? Als der Governor und Milton herausfinden, dass Tyreese und Co. bereits im Gefängnis waren, wollen sie sich deren Wissen zunutze machen. Das gäbe ihnen einen weiteren immensen taktischen Vorteil. Aber wie viel wissen sie überhaupt vom Gefängnis? Merle kennt Woodbury schließlich auch genauestens. Und wer sagt, dass der Governor sie nicht so behandeln wird, wie den abgestürzten Hubschrauberpiloten und dessen Einheit?

The Walking Dead ist inzwischen meilenweit von der Comicvorlage entfernt und diese Entwicklung trägt noch einmal mehr dazu bei, dass Comics und TV-Serie zu eigenständigen Interpretation der Serie werden - was dem Rezensenten ausgesprochen gut gefällt. Denn will man tatsächlich immer wieder das Gleiche sehen? Neue Wendungen und Twists werden an dieser Stelle auf jeden Fall bevorzugt.

Ein überfälliges Wiedersehen mit Andrea

Wenn der Angriff des Governors eines gebracht hat, dann dass Ricks Gruppe wieder wachsam und zu einer Einheit wird. Rick, Daryl, Merle, Michonne und Co. ziehen an einem Strang als Andrea mit ihrem Walker an der Stande ankommt und empfangen sie zunächst recht unsanft. Schließlich muss man nun jede Geste, die von außen kommt, hinterfragen - auch den Besuch einer alten Bekannten, von der man weiß, dass sie das Bett mit dem Governor teilt. Natürlich muss auch Andrea verwundert sein, über die aktuelle Zusammenstellung von Ricks Lager. Dass sie dort ausgerechnet Michonne und Merle sieht, aber Shane und Lori fehlen, ist sicherlich ein gewaltiger Schock. Mehr als acht Monaten sind inzwischen ins Land gezogen - in einer Zombie-Apokalypse eine Ewigkeit.

Zwar informiert die Gruppe sie über die zahlreichen Verluste, doch öffnen möchte sich vor allem Rick ihr gegenüber nicht. Aus Andreas Warte ist die Lage natürlich auch kompliziert: Die Lügen des Governors werden ihr offenbart und eigentlich sollte ihr Band mit Ricks Gruppe stärker sein. Erschwerend kommt hinzu, dass Michonne die Gruppe nicht über ihre Abenteuer mit Andrea eingeweiht hat und dass aus der Sicht von Ricks Gruppe die Aktionen des Governors Bände sprechen - woran Merle natürlich auch nicht ganz unschuldig ist. Beide Seiten sind inzwischen so tief miteinander in Konflikte verwoben, dass man als Außenstehender, der das nur Beste will, fast schizophren werden muss.

Eine Lösung liegt in weiter Ferne: Rick ist auf Rache aus, Andrea will vermitteln, kann aber keinerlei Garantien machen. Wie auch? Der Governor lässt ebenso wenig mit sich reden wie Rick. Hershel glaubt zwar ans Verhandeln, aber sieht, wie wenig Sinn das auf dieser Grundlage ergeben würde. Immerhin weiht Andrea ihre Ex-Gruppe in die Pläne des Governors ein. Die Zeichen stehen ganz klar auf Konfrontation, während Andrea verzweifelt versucht, den Anderen klar zu machen, dass eine ganze Reihe von Unschuldigen in die Schusslinie geraten würde.

Auch ein kurzes Gespräch mit Michonne, mit der sie monatelang unterwegs war, gibt Andrea eigentlich nur noch einen weiteren Grund, sich vom Governor abzuwenden. Denn er war es, der Merle und sein Strike-Team auf sie angesetzt hat. Wäre Andrea damals mit Michonne aus Woodbury fortgegangen, hätte er auch sie gejagt.

Von Carol, die Andrea über einige weitere Vorkommnisse informiert, kommt ein besonders perfider Einfall: Andrea soll das Vertrauen des Governors nutzen, um ihn nach einem Schäferstündchen im Schlaf umzubringen - und so den Konflikt aus der Welt schaffen. Andrea lässt sich diese Idee durch den Kopf gehen, denn immerhin sind seine Taten für einen Großteil des Leids der Gruppe verantwortlich. Rick stattet sie mit einem Auto und einer Pistole aus und lässt sie fortziehen.

Bei ihrer Rückkehr in Woodybury weiht sie jedoch den Governor ein und stattet ihn wiederum mit den Informationen aus, die er braucht. Nämlich, dass die Menschen, an denen er vornehmlich Rache nehmen möchte (Merle, Rick und Michonne), dort sind. Obwohl er das im Fall von Michonne und Rick eigentlich selbst wissen müsste...

Aber warum ist Andrea überhaupt zurückgekommen? Inzwischen ist überhaupt nicht mehr klar zu unterscheiden, wer hier eigentlich wen ausnutzt. Hat Andrea tatsächlich Gefühle für den Governor? Liegt ihr eine friedliche Problemlösung am Herzen? Oder verfolgt sie eigene Ziele? Jedenfalls gelingt es ihr (noch) nicht, den Governor im Schlaf zu beseitigen. Und wird sich ihr dazu jemals wieder die Möglichkeit ergeben? Wenn sie nach diesem Informationsaustausch noch nicht dazu bereit ist, wird sie es je sein?

Im Gefängnis kristallisiert sich heraus, dass das Ricktatorship aufgeweicht wird. Denn Rick bespricht sich, wie Carl vorgeschlagen hat, mit Hershel und Daryl. Er möchte gemeinsam mit Michonne, die er testen will, und seinem Sohn einen Ausflug, oder wohl besser gesagt, einen Angriff wagen. Daryl bietet an mitzugehen, doch soll er lieber seinen Bruder im Auge behalten, denn auch dieser wird nur unter Vorbehalt geduldet.

Fazit

I Ain't a Judas ist eine ausgesprochen interessante Episode von The Walking Dead. Der Trend zur Aussprache, der in der vorherigen Episode begonnen wurde, setzt sich fort und es wird viel diskutiert, erörtert und geplant. Die Untoten nehmen fast vollständig eine Auszeit und ein mehr als überfälliges und womöglich kursveränderndes Treffen findet zwischen Andrea und ihrer ehemaligen Gruppe statt. Ist Andrea tatsächlich vollkommen dem Charme des Govornors und seines vielversprechenden Zufluchtsorts erlegen, obwohl durch seine Methoden ihre Freunde massiv zu Schaden gekommen sind? Und wie mischt Tyreeses Gruppe und ihr Wissen über das Gefängnis die Machtverhältnisse neu? Es bleibt spannend und fällt erfreulich schwer, den weiteren Fortgang vorauszusehen.

Videovorschau auf die Episode Clear der US-Serie The Walking Dead
. Verfasser: Adam Arndt am Montag, 25. Februar 2013
Episode
Staffel 3, Episode 11
(The Walking Dead 3x11)
Deutscher Titel der Episode
Judas
Titel der Episode im Original
I Ain't a Judas
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 24. Februar 2013 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 1. März 2013
Autor
Angela Kang
Regisseur
Gregory Nicotero

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 3x11

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