The Walking Dead 10x15

The Walking Dead 10x15

Die vorerst letzte Episode von The Walking Dead, die eigentlich die vorletzte der zehnten Staffel sein sollte, heißt The Tower. Die Entwicklungen darin wirken bisweilen etwas überstürzt und kommen teilweise aus dem Nichts. Dennoch wird ein monströses echtes Finale vorbereitet.

Szenenfoto aus der The-Walking-Dead-Folge The Tower (c) AMC
Szenenfoto aus der The-Walking-Dead-Folge The Tower (c) AMC
© zenenfoto aus der The-Walking-Dead-Folge The Tower (c) AMC

The Walking Dead geht mit der Folge The Tower in den vorläufigen Endspurt und aktuell weiß man noch nicht, wann das eigentlich geplante Staffelfinale nachgeliefert wird, denn das Coronavirus hat große Teile der Arbeitswelt zum Erliegen gebracht und hat auch nicht vor der Post-Production der Zombieserie Halt gemacht. Doch auch die vorletzte Folge der Staffel bietet genug Stoff, um die Figuren in Stellung zu bringen, auch wenn es sich manchmal genau so anfühlt und man stellenweise das Gefühl nicht los wird, dass gewisse Entwicklungen übersprungen werden. Manchmal fühlt sich dieses Kapitel an, als hätte man eine halbe Folge vergessen.

Princess

Relativ losgelöst vom restlichen großen Konflikt mit den Whisperers verläuft die Exkursion durch Pittsburgh, welches ich zuletzt fälschlich mit Atlanta verwechselt hatte, und das Kennenlernen von Princess aka Juanita Sanchez (Paola Lázaro). Sie hatte Ezekiel (Khary Payton), Eugene (Josh McDermitt) und Yumiko (Eleanor Matsuura) zuletzt freudig empfangen und gibt sich schnell als einsame Überlebende der Großstadt sowie als die Verantwortliche hinter der Zombie-Performancekunst aus. Während Ezekiel als gleichgesinnter Exzentriker versucht, verständnisvoll und mit Respekt zu kommunizieren, ist Yumiko auf Krawall eingestellt. Dem Zuschauer wird schnell klar, dass Princess nicht unbedingt alle Tassen im Schrank hat, was aber auch an ihrem einsamen Überleben liegen kann, denn nunmehr ein Jahr lang ist sie offenbar auf sich allein gestellt. Den Spitznamen Princess hat sie, weil Queen etwas zu abgehoben klingt und so vermeidet Ezekiel es bei der Vorstellung auch, seinen eigenen fiktiven Adelstitel zu nennen. Wie es sich gehört, gibt es also ein vorsichtiges Abtasten, ob man einander trauen sollte oder nicht. Doch Princess hat ohnehin durch ihre automatische Waffe einen Vorteil gegenüber den berittenen Besuchern. Man einigt sich, das man einander nichts tun möchte und die Neue möchte Vorräte und Unterkunft anbieten. Allerdings ist das Trio auf einer Mission mit einem festen Zeitplan unterwegs und will eigentlich nicht zu lange dort verweilen. Als dann die Untoten anmarschieren, möchte Princess zeigen, wie nützlich sie sein kann, doch das automatische Feuer ihrer Waffe erschreckt die Pferde, die man so nicht wieder einholen kann. Der Ersteindruck ist also gemischt. Besonders bei Yumiko, die eh ihre Zweifel an ihr und der ihr aufgetischten Geschichte hat...

AMC
AMC - © AMC

Juanita will das wiedergutmachen und weiß offenbar, wo es ein paar Räder gibt, wobei man natürlich zuerst an Autos denkt. Es stellt sich aber heraus, dass sie meist eher unkonventionell denkt und schon bald lockt sie das Survivor-Trio auf ein Minenfeld, womit bei mir auch Erinnerungen an Fear the Walking Dead geweckt werden. Um zur Garage zu kommen, gilt es, sich an die Stellen zu erinnern, unter denen die Minen vergraben sind, was sich aber schwieriger gestaltet, als man zunächst denkt. Vor lauter Aufregung scheint Princess zu vergessen, wo sie stehengeblieben ist und bringt so den Rest in Gefahr. Man findet die Überreste vom Pferd und selbst Ezekiel kommt ins Straucheln, ob es die richtige Idee war, ihr zu trauen. Nach einem kräftigen Schluck aus der Feldflasche wirft sie diese auf Verdacht weg und trifft eine Bombe. Auch die Untoten waten auf sie zu und lösen teilweise Explosionen aus, was dann auch Eugene verunsichert, der deswegen vor möglichen Kettenreaktionen warnt. Es ist also wichtig, dass Princess zu sich findet und einen Ausweg anbietet.

Pimp my ride

Der Druck ist also immens und die Anfeindungen auf sie nehmen zu. Doch Juanita scheint einfach eine einsame, wenn auch etwas merkwürdige Seele zu sein, die auch schon früher emotionale Traumata durchlebte und wohl wenig Glück in Sachen Liebe und Freundschaft hatte.

Nach einem kurzen Gespräch mit Ezekiel (und zwischenzeitlichen Morddrohungen durch Yumiko) probiert sie ihr Glück und liegt richtig. Außerdem kann auch Eugene völlig nachvollziehen, dass sie, als sie die Möglichkeit sieht, neue Freunde zu finden, zur Lüge greift. Schließlich ist Eugene damals nur durch seine Notlüge über angebliche Pläne zur Rettung der Zivilisation der Menschheit, die in Washington umgesetzt werden sollten, Teil der Gruppe rund um Abraham (Michael Cudlitz) und Rosita (Christian Serratos) geworden, die sein Überleben gesichert haben und ihn später auf Glenn (Steven Yeun), Rick (Andrew Lincoln) und Co treffen ließen. Seitdem hat sich Eugene durch seine Ideen mehrfach bewährt, aber sich natürlich auch einige Schnitzer (seine Zeit bei den Saviors) geleistet.

Doch das Ergebnis zählt und Princess hält zumindest ihr Versprechen rund um Räder ein, wenngleich die Garage nicht voller Autos, sondern eben Fahrräder ist. Aber das Zweirad ist bei The Walking Dead ohnehin chronisch unterrepräsentiert und es somit längst überfällig, dass man dieses Verkehrsmittel für sich entdeckt - bis auf vereinzelte Ausnahmen. Somit geht die Reise zu Stephanie also auf diese Art und Weise weiter.

Hide and seek

AMC
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Wie sie ebenfalls andeutete, ist Beta (Ryan Hurst) zusammen mit seiner Zombie-Crowd auf dem Rachefeldzug mit dem Ziel Alexandria. Doch schon bald muss er feststellen, dass niemand vorzufinden ist. Denn in einer Nacht-und-Nebel-Aktion hat man diesen Ort geräumt und ist stattdessen in einem alten Krankenhaus temporär untergekommen. Diese Entwicklung trifft Beta und die Zuschauer ohne jegliche Vorwarnung und irgendwie kommt das alles sehr plötzlich und wirkt zumindest in meinen Augen so, als hätte man etwas verpasst. Auch weitere Szenen rund um die Bewohner von Alexandria wirken sprunghaft und voller Lücken, was aber offenbar auch die Absicht der Macher zu sein scheint.

Luke (Dan Fogler) möchte, dass jemand ihm einen Gefallen tut und mehr Draht für sein Vorhaben besorgt. Carol (Melissa McBride) und Kelly (Angel Theory) folgen der Bitte und nutzen die Chance außerdem für ein emotionales Gespräch über Connie (Lauren Ridloff) und die jeweiligen „Superkräfte“. Kelly kann trotz des langsamen Einbüßens ihres Hörsinns auch weiterhin eine große Hilfe sein und Carol eilt ihr Ruf als „einsame Wölfin“, die die Drecksarbeit für die Überlebenden erledigt, ohnehin voraus. Kelly glaubt weiterhin daran, dass Connie die Verschüttung übersteht und verzeiht Carol daher auch, was passiert ist.

Während sich die meisten also im Krankenhausturm verstecken, ist Daryl in der Umgebung als Wachmann unterwegs. Er versucht, Michonne (Danai Gurira) per Walkie-Talkie zu erreichen, aber ohne Erfolg. Wenig später ist Judith (Cailey Fleming) plötzlich bei ihm, was nicht gerade zur Übersichtlichkeit der Distanzen beiträgt, mit denen wir es in dieser Folge zu tun bekommen. Judith hört nicht direkt auf Daryls Anweisungen zurückzukehren und will lieber von ihm lernen, was er dort draußen macht, um irgendwann der Gruppe behilflich zu sein. Es geht ums Spurenlesen und Aufmerksam sein. Daryl erwischt bald eine flüchtige Whisperers-Frau, die das Vertrauen in Betas Zurechnungsfähigkeit verloren hat und erfährt von ihr einige Informationen zu den Whisperers und ihrer Horde, die bald auch in Richtung Oceanside weiterströmen.

Where are they?

Beta stellt nach einer Durchsuchung in Alexandria fest, dass alle ausgeflogen sein müssen, was jedoch nicht ganz stimmt, denn Aaron (Joss Marquand) und Alden (Callan McAuliffe) haben sich über ihm in einem Zwischenraum der Windmühle versteckt und behalten ihn und seine Guardian-Armee im Auge. Lautlos unterhalten sich die beiden über das weitere Vorgehen. Beta hört derweil eine Stimme, die ihn anleitet und seinen Plan überdenken lässt. Als ihn wieder jemand Alpha statt Beta nennt, steht er erneut kurz vor dem Ausrasten, diese Person dürfte auch diejenige sein, die Daryl über den Weg läuft.

Alden und Aaron beobachten derweil, wie die Horde, wie wohl geplant, nach Oceanside wandert. Wenig später ändern sie dann aufgrund einer Eingebung von Beta aber die Richtung und die beiden werden umstellt. Beta scheint jedenfalls die richtige Idee zu haben, wie genau er diese bekommen hat, ist allerdings nicht sonderlich logisch. Es spielt jedoch wohl eine verräterische Katze eine Rolle...

Hund und Katz

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Bevor Judith zu Daryl flüchtet, spricht sie kurz mit Lydia (Cassady McClincy), die besagte Katze streichelt, und sie bekundet ihr Beileid wegen des Ablebens ihrer Mutter. Lydia ist allerdings recht gefasst, was das angeht. Judith möchte wissen, ob sie sie vermisst, aber da Alpha (Samantha Morton) ohnehin kein Musterbeispiel für eine Mutter war, tut Lydia zumindest so, als wäre es kein großer Verlust für sie. Die Situation wird derweil von Negan (Jeffrey Dean Morgan) beobachtet, der sich ums Essen kümmert.

Lydia widmet ihre Streicheleinheiten bald Dog, der endlich sein glorioses Comeback feiert, und Negan versucht, Lydia sein schmackhaft zubereitetes Opossum anzubieten, weil sie den ganzen Tag über nichts gegessen hat. Er versucht, sie ebenfalls zu trösten, indem er ihr sagt, dass er Facetten in der Persönlichkeit Alphas mochte und er möchte von ihr hören, ob sie sich etwas von der Seele reden möchte.

Wenig später kommt sie auf ihn zurück und lässt ihre Wut an ihm aus, denn Negan hat nicht das Recht, ihr vorzuschreiben, was sie in dem Moment fühlen darf. Er bietet sich als Stressabbau an und lädt sie dazu ein, ihn zu schlagen, wenn es ihr so besser geht. Er glaubt, dass es nicht gesund für sie ist, wenn sie die Trauer aufschiebt und so entlädt sie ihren angestauten Frust und beide lassen den Gefühlen freien Lauf, so dass die Fäuste gegen Negans Brust fliegen und die Tränen fließen.

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Anderswo gibt es ebenfalls eine emotionale Unterhaltung zwischen Daryl und Judith. „Lil' ass kicker“ erzählt Onkel Daryl von ihrer Unterhaltung mit Michonne nach dem Feuer in Hilltop und warum sie ihm bisher nichts davon erzählt hat. Denn sie glaubt, dass sie auch Daryl verlieren könnte, wenn die Chance besteht, Rick irgendwie zu retten. Er kann ihr zwar nicht versprechen, dass er nie gehen wird, weil er nicht weiß, was die Zukunft bringen wird, verspricht ihr aber, dass es in Alexandria immer eine Familie geben wird, die sich um RJ (Antony Azor) und sie kümmert. Just in dem Moment hört Daryl eine Warnung von Gabriel (Seth Gilliam) und schon bald sehen wir, dass Beta und seine Horde auf das Krankenhaus zulaufen.

Fazit

Die zweite Hälfte der zehnten Staffel ist viel mehr nach meinem Geschmack verlaufen, als es bei der ersten Hälfte noch der Fall war. Ich habe allerdings auch eine Schwäche für kleine Szenen zwischendurch, in denen es ausreicht, dass wenige Figuren aufrichtig miteinander sprechen (hier beispielsweise Carol und Kelly) oder es kleine emotionale Pay-offs gibt (Negan und Lydia sowie Daryl und Judith). Das schnelle Räumen von Alexandria war aus erzählerischer Sicht vielleicht etwas zu überstürzt, aber im Endeffekt okay, beim Konflikt mit Beta hoffe ich derweil auf ein baldiges Ende, was sich aber auch schon recht deutlich abzeichnet. Hier hatte ich wohl wieder die meisten nicht so einfach ausblendbaren Logikprobleme.

Princess strapaziert die Geduld ihrer potentiellen neuen Freunde sehr und erwischt sie auf dem falschen Fuß, wirkt aber irgendwie momentan auch auf ihre eigene Art und Weise erfrischend und lockert die Stimmung durchaus auf. Bei ihr muss man zudem noch abwarten, ob die Serie dauerhaft einen weiteren sehr exzentrischen Charakter der Marke Negan oder Eugene verträgt. Die Weichen für das Staffelfinale, wann auch immer es fertig wird, sind gestellt und bei mir ist die Vorfreude durchaus vorhanden. Nimmt man sich währenddessen die Comics einmal zur Hand, könnte es möglicherweise darauf hinauslaufen, dass die bereits bestellte elfte Staffel dann auch die Mutterserie abschließt.

Hier abschließend noch die Vorschau auf das Staffelfinale von The Walking Dead mit großen Spoilern:

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 6. April 2020

The Walking Dead 10x15 Trailer

Episode
Staffel 10, Episode 15
(The Walking Dead 10x15)
Deutscher Titel der Episode
Prinzessin
Titel der Episode im Original
The Tower
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 5. April 2020 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 6. April 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 6. April 2020
Autoren
Kevin Deiboldt, Julia Ruchman
Regisseur
Laura Belsey

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 10x15

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