The Walking Dead 10x14

© zenenfoto aus der The-Walking-Dead-Folge Look at the Flowers (c) AMC
Look at the Flowers, so hieß damals das Mantra, das Carol (Melissa McBride) der Schwesternmörderin Lizzie (Brighton Sharbino) zur Ablenkung zurief, ehe sie sie erschoss, weil sie zur Gefahr für die fragile Gemeinschaft der Überlebenden hätte werden können - nun ist es auch der Name der aktuellen Episode von The Walking Dead. Es ist (nach der Danai Gurira-Show von letzter Woche) die erste Folge nach dem Ableben Alphas (Samantha Morton), die durch Negan geköpft wurde. In den ersten Minuten erfahren wir ohne große Umschweife, wie es dazu kam.
Bring me Alpha's head
Ja, es war Carol, die Negan (Jeffrey Dean Morgan) beauftragte und ihn aus seiner siebenjährigen Gefangenschaft befreit hatte. Ihr verlockendes Angebot: Er wird zum Helden in Alexandria und seine Befreiungstat wiegt seine früheren Schandtaten als Anführer der Saviors wieder auf. Das Gespräch der beiden ist stark und für mich wahrscheinlich bereits ein Highlight der Ausgabe. Denn die beiden sind hier ungefiltert miteinander am Diskutieren und dabei ehrlich wie selten. Also ohne eine Show oder Performance für andere. Destillierte badasses unter sich. Oder vielleicht ist das doch die Show und wir sehen ihre Echtheit nur, wenn sie ganz alleine für sich sind? Ich kann es nicht einmal mit Gewissheit sagen... Carol weiß allerdings, dass Alpha gestoppt werden muss und wenn es der frühere Feind sein muss, der dies vollbringt. Sie denkt dabei an jeden Bewohner der Gemeinschaft und hofft, so die Leben dieser zu retten. Sofern es schnell passiert. Und genau hier liegt der Denkfehler. Was man sich wünscht, wird eben nicht immer wahr. Auch Carol hatte schon Gelegenheiten, es schnell zu erledigen, aber sie hatte aus verschiedenen Gründen versagt. Negan hat ebenfalls länger gebraucht, als es ihr lieb war und deswegen für Carol psychologischen Schaden angerichtet sowie vielleicht auch zu dem Zwist mit ihren Vertrauten beigetragen. Allerdings nimmt es sie selbst am schwersten mit, wie der Verlauf dieser Folge zeigt.
Zunächst jedoch tut sie es ihrer Nemesis gleich und drapiert den Kopf auf der Gebietsgrenze, auf der einst schon ihr Sohn Henry (Matt Lintz) und viele weitere Kameraden auf Pfählen zur Schau gestellt waren. Sie konnte zwar selbst nicht diesen Sieg einfahren, aber ihr reicht es, zu wissen, dass Alpha keine Gefahr mehr darstellt. Allerdings möchte sie zunächst allein sein und versagt Negan deswegen die gemeinsame Rückkehr sowie seine „Ehrenrunde“ und „Siegerehrung“ in Alexandria. Also muss Negan sich allein herumschlagen. Als er Lydia (Cassady McClincy) auf ihrer Sicherheitsverwahrung befreien will, findet er derweil nur einen wütenden Daryl (Norman Reedus) vor, der ihm die Geschichte nicht abkauft und schon befindet sich Negan wieder in Gefangenschaft, wenn auch diesmal nicht besonders lange...
The new Alpha
Negan kann zwar Alphas Hautmaske präsentieren, das ist für Daryl aber noch nicht Beweis genug, dass die Anführerin der Whisperers tatsächlich aus dem Verkehr gezogen wurde. Negan pocht aber darauf, dass ihm gelang, was dem Rest nicht gelungen war: Er konnte Alpha zum Schweigen bringen und kann sich einen Seitenhieb nicht verkneifen, dass er wieder einmal nicht in Carols Plan eingeweiht war.
Daryl trifft Negan aber auch an einer empfindlichen Stelle, denn er meint, dass eine ganze Reihe von Kindern fast wegen ihm gestorben wäre, was ihn kurz zum Verstummen bringt. Die Betonung liegt hier aber auf fast, denn im Endeffekt ging hier alles gut und Negan hat obendrein die Hauptbedrohung für den Rest ausgeschaltet. Daryl kann sich ebenfalls nicht zügeln, als es um das Thema Geschwindigkeit geht, was ein Running Gag zu sein scheint. Die Gewissheit erhält Daryl, als Negan von einigen Whisperers-Überresten umstellt und als neuer Alpha gehuldigt wird. Daryl wird also gefesselt und Negan genießt seinen Moment der Macht. Er trickst einen Anhänger aus, um ihm die Shotgun zu überreichen. Die Whisperers scheinen leider insgesamt nicht die Hellsten zu sein oder lieben ihren Gehorsam einfach, was man auch woanders noch einmal sieht. So kann Negan Daryl zwar ein wenig necken, aber im Endeffekt doch beweisen, dass er in Team Alexandria spielt, als er die Whisperers tötet. Für Daryl ist das aber natürlich weiterhin kein Grund, irgendwie höflich zu werden.
Allerdings: So nah waren sich die beiden wohl noch nie. Sie teilen sich Wasser und haben eine kleine Aussprache. Negan meint, dass es tatsächlich nach sieben Jahren in Einzelhaft ein gutes Gefühl war, wieder von jemandem wie ein Mensch behandelt und respektiert zu werden. Allerdings hat Alpha es mit ihrem Führungsstil zu weit getrieben und Leute umgebracht, die es in Negans Augen nicht verdient hatten - und Kinder sind ohnehin sein größtes rotes Tuch. Also ist er bei seiner geheimen Mission geblieben. Ob Carol so schnell zurück kommt, kann Negan da aber noch nicht sagen. Daryl und Negan bleiben also zumindest Rivalen. Und offen ist, wo Lydia hin ist.
For one night only: Half Moon in concert

Die merkwürdigste Reise in dieser Folge unternimmt indes Beta (Ryan Hurst). Das Finden von Alphas aufgespießtem Kopf lässt bei ihm wohl auch die letzte Sicherung durchbrennen. Er findet sie gemeinsam mit zwei anderen Whisperers. Einer von beiden wagt es dabei, Beta als neuen Alpha zu bezeichnen, was ihn erbost. Er schleift ihn zum noch beißfreudigen Kopf und lässt Zombie-Alpha kraftvoll zubeißen. Das ist das andere große Beispiel der Folge, bei dem man sich fragt, welche Vorteile genau eine Mitgliedschaft bei den Whisperers noch einmal bringt... Spätestens da würde wohl jeder das Weite suchen, was die zweite Person auch macht. Allerdings bleibt der Gebissene naiv-ignorant auch weiter an Betas Seite, bis er endgültig Zombie-Fraß wird. Der Darwin Award wäre hier wohl angebracht. Beta nimmt derweil Alphas Kopf im praktischen Jutebeutel mit und denkt darüber nach, was er damit anstellen soll. Hatte ich zunächst kurz den Gedanken, dass er ihr einen Thron oder einen neuen Körper verpasst, wurde ich eines Besseren belehrt. Aber die Autoren nehmen sich die Zeit, um zu bestätigen, was Beta einst war...

In Betas altem Zuhause sehen wir, dass er früher einmal ein bekannter und beliebter Musiker war, der auch eine Liveplatte aufgenommen hatte, die er der alten Zeiten willen auflegt und auch, weil ihm der Lärm einige guardians beschert. Nach einem kleinen Rockstaranfall kommt ihm die Idee: Alpha wird ins Jenseits geschickt, aber bleibt ein Teil von ihm, indem er ihr Gesicht in seine Maske integriert und damit weiterhin beweist, dass er einer der unheimlichsten Typen überhaupt ist. Doch reicht die Zombiecrowd, um weiteren Schaden anzurichten? (Schaut dazu vielleicht mal in den Trailer zur kommenden Episode - zu finden auf der letzten Seite dieses Reviews.) Wenn er sich erneut in Alexandria einschleichen kann, braucht er sie vielleicht gar nicht mehr. Wir werden es wohl bald sehen...
Just look at the flowers

Carol hört derweil wieder einmal Stimmen, oder genauer gesagt, eine Stimme: Es ist Alpha, die sie bei ihrem Versuch, für sich allein zu sein, verfolgt und ihr schlechtes Gewissen verbal verkörpert. So respektiert Alpha den Zusammenschluss von Carol und Negan und ehrt Carols Plan als echtes Alpha-Verhalten. Gleichzeitig spricht sie auch unbequeme Wahrheiten an: Carol hatte schon früher mehrfach versucht, für sich allein zu sein, wurde aber immer wieder in den Dunstkreis der Gemeinschaft gezogen und hat bereits so viele Menschen verloren: Sophia (Madison Lintz), die eingangs erwähnten Schwestern Mika (Kyla Kenedy) und Lizzie, Henry, Ezekiel und auch bei Daryl besteht die Gefahr, wenn sie sich dazu entschließt, zurückzukehren. Sofern man ihr überhaupt verzeiht, was die Sache mit Connie (Lauren Ridloff) angeht. Doch es scheint etwas zu geben, was Carol wirklich will und es ist nicht das Alleinsein.
Kurze Zeit später begräbt sich Carol bei einer unbedachten Aktion selbst und muss damit leben, dass ihre Alpha-Einbildung unaufhörlich weiterplappert. Schließlich kann sie sich aber eine Schulter auskugeln und unter Schmerz einen Untoten besiegen. Dann verschwindet auch endlich Alphas Stimme, was Carol wohl dazu bewegt, wieder nach Alexandria zurückzugehen und sicherlich wird sie nun auch die Connie-Situation abschließen wollen.
Die Charakterisierung von ihr ist in der zehnten Staffel leider wieder ein Mischmasch zwischen cool und schwach. Das Gespräch mit Negan am Anfang ist die Carol, wie man sie sehen möchte, die Autoren halten es aber nun schon seit einer Weile für nötig, ihr immer wieder Klötze vor die Füße zu werfen und sie damit künstlich schwach darzustellen. Man erinnere sich auch an ihre PTSD-Phase mit ihren Koffeintabletten und Albträumen. Vielleicht ist dieser manchmal missglückte Arc nun langsam vorbei? Oder kann man Carol kein Glück gönnen?
Future Friends

Apropos Glück: Ezekiel (Khary Payton) ist bekanntlich ein weiterer Pechvogel, der sich in letzter Zeit sehr viel selbst bemitleiden muss und obendrein noch mit einem sehr wahrscheinlich tödlichen Krebs gestraft ist. Als Eugene (Josh McDermitt) dann gegenüber der gesamten Gruppe von seiner Funkbekanntschaft Stephanie erzählt, gibt das manchen neue Hoffnung für die Zukunft. Es ist deswegen nur folgerichtig, dass der große Träumer Ezekiel trotz seines körperlichen Gebrechens Partei für Eugenes Mission ergreift.
Bei Magna (Nadia Hilker) und Yumiko (Eleanor Matsuura) ist es derweil nicht der rastlose Hitzkopf, sondern die amtierende Bürgermeisterin von Hilltop, die das Erkundungstrio komplettiert. Eugene träumt trotz der ganzen Rückschläge der letzten Zeit eben weiterhin davon, dass die Expansion noch nicht vorbei ist und dass es Hoffnung und eine größere Welt da draußen gibt, von der man lernen kann und Wissen austauschen kann. Genau deswegen will er der Hoffnung nachgehen und sich ins Abenteuer stürzen. Weil die Reise recht lang zu sein scheint und man nur das Nötigste auf drei Pferden mitnimmt, muss man die Zeit unterwegs auch irgendwie rumkriegen. Eugene gibt eine kleine Anekdote zum Besten. Es geht um Schoko-Osterhasen, die er mit der Familie verbindet und seine Hoffnung daher nicht aufgibt, dass die neue Gemeinschaft womöglich auch die Süßigkeitenproduktion gemeistert oder sich bewahrt hat.
Auf dem Weg dorthin findet man zudem merkwürdige Untotenfallen an Zäunen und mit Tauben, die aber nicht nach den Whisperers aussehen, während Ezekiel nur mit Mühe und Not einen Kampf mit den Untoten übersteht, der ihn aber merklich auslaugt. Zu allem Überfluss stirbt auch noch das Pferd des ehemaligen Tierpflegers an einer Bisswunde, was ihn in eine kleine Sinnkrise stürzt und hinterfragen lässt, warum er überhaupt mitgekommen ist. Statt aber seine Krankheit anzusprechen, ringt er Yumiko, die selbst früher viele Pläne hatte, nur ein Versprechen ab, dass man einander nicht im Sicht lässt, obwohl er niemandem im Ernstfall zur Last fallen möchte. Man blickt also optimistisch in die Zukunft.
Die Folge hat einige schöne Referenzshots an die Vergangenheit. Nicht nur das gruselige Pfahlbild, sondern auch Ricks (Andrew Lincoln) Ritt nach Atlanta wird mit diesem Trio nachgestellt. Im Comic ist es noch etwas passender, weil es dort tatsächlich erneut Rick war, der einen erzählerischen Kreis schließen konnte - es war aber auch so ganz nett.
OMG Hi!
In der verlassenen Stadt angekommen, entdecken sie kuriose Beißer-Kunstwerke. Denn jemand hat sich offenbar die Zeit genommen und sich den Spaß erlaubt, die Untoten in früheren Alltagssituationen nachzustellen, etwa im Schaukelstuhl oder in einer Polizeikontrolle, was zumindest Ezekiel blendend unterhält und tatsächlich auch einige sehr gute visuelle Gags liefert. Auch das „Alice im Wunderland“-Cosplay gehört hier fraglos dazu. Es ist schon witzig, aber eben auch sehr makaber alles. Natürlich muss da auch irgendjemand dahinterstecken und so treffen sie auf eine Fremde, die sie nur mit einem freudigen „Oh my god hi!“ begrüßt. Comicleser kennen die Figur bereits, deswegen möchte ich ihren Namen noch nicht vorwegnehmen. Allerdings gehört sie wohl zu den gesprächigsten Figuren nach Negan und Eugene. Man kann gespannt sein, was das Trio hier noch erwarten wird. Ich denke mir, dass Yumiko und Ezekiel hier die Rollen von Rick und Michonne (die am Anfang erwähnte Gurira) aus dem Comic übernehmen werden und noch die eine oder andere Überraschung ansteht. Allerdings müssen wir bekanntlich diesmal etwas auf das Staffelfinale warten, so dass nächste Woche schon die vorerst letzte Folge ausgestrahlt wird.
Fazit
Ich kann es diesmal gar nicht so klar benennen, warum, aber mir gefällt Look at the Flowers ganz gut. Der Ritt des Trios in die Zukunft weckt die Hoffnung, dass die Whisperers-Bedrohung nicht mehr allzu lange andauern wird und dass Beta wohl sein letztes Gefecht vorbereitet. Wir erfahren außerdem mehr zum infernalen Duo Carol und Negan, die Interaktion von Negan und Daryl macht ebenfalls Spaß und Carols künstliche Schwächung ist womöglich auch bald überwunden. Zwar gibt es bei den Handlungssträngen um Beta und Carol einige kleine Ungereimtheiten, beim Rest kann ich aber großzügig ein Auge zudrücken und das Dargebotene genießen. Nächste Woche läuft dann die vorerst letzte Folge, auch wenn die Macher das natürlich alles etwas anders geplant hatten. Also, mal schauen, was uns dabei erwartet. Davon abgesehen blicke ich durchaus neugierig in die Zukunft.
Der Serientrailer zur Episode The Tower (10x15) der US-Serie The Walking Dead:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 30. März 2020The Walking Dead 10x14 Trailer
(The Walking Dead 10x14)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 10x14
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