The Walking Dead 10x04

The Walking Dead 10x04

Die zehnte Staffel von The Walking Dead bleibt weiterhin introspektiv. Nach wie vor steht die Gemütslage zahlreicher Figuren im Zentrum der Episode Silence the Whisperers. Lohnt sich der Überlebenskampf für manche noch?

Szenenfoto aus der The-Walking-Dead-Folge Silence the Whisperers (c) AMC
Szenenfoto aus der The-Walking-Dead-Folge Silence the Whisperers (c) AMC
© zenenfoto aus der The-Walking-Dead-Folge Silence the Whisperers (c) AMC

Bis zur vierten Folge der aktuellen zehnten Staffel haben die Macher von The Walking Dead gewartet, um wieder mal nach Hilltop zurückzukehren. Die Folge Silence the Whisperer zeigt, dass auch diese Ortschaft nicht verschont bleibt, was Schäden angeht. Denn ein Baum stürzt auf die Stadtmauer und zwingt Ezekiel (Khary Payton) zum Handeln - oder auch nicht. Denn der König scheint mit dieser Lage überfordert zu sein und vielmehr müssen Menschen wie Jerry (Cooper Andrews), Alden (Callan McAuliffe) und die Gruppe von Magna (Nadia Hilker) aktiv werden. Schnell kommt der Verdacht auf, dass nicht die Natur, sondern die Whisperers ihre Finger im Spiel haben, das glaubt zumindest Connie (Lauren Ridloff), deren Intuition sich oft als richtig erweist.

Neun Leute sind verwundet, was aber mehr ist, als die Krankenstation normalerweise verkraftet, was dann wiederum zum Improvisieren zwingt, und auch Maggies altes Büro soll umfunktioniert werden. Außerdem lockt das Chaos natürlich Untote an und Magna, Yumiko (Eleanor Matsuura) und Luke (Dan Fogler) kümmern sich um den Schutz der Mauer, was aber schnell zu viel zu werden droht und besonders Magna glaubte, dass man die Bedrohung zuvor im Griff hatte.

Doch Yumiko hat die Lage analysiert und einen Rückzug beschlossen. Die Hitzköpfigkeit mancher Überlebender überrascht schon, denn Vernunft sollte nach so vielen Jahren doch mehr wert sein als blinder Ehrgeiz, Risiko und Selbstüberschätzung. Immerhin erfahren wir im Hilltop-Plot, wie Magna und Yumiko sich kennengelernt haben: Yumiko war wohl ihre Anwältin.

Zermürbungstaktik

Michonne (Danai Gurira) befindet sich mit Judith (Cailey Fleming) auf dem Weg nach Hilltop und lässt sich von ihr breitschlagen, mit ihr über Alphas Taktik zu sprechen, denn sie argumentiert, dass sie ein frisches Paar Ohren für die verfahrene Situation wäre. Judith bringt dabei eine Art Zermürbungstaktik ins Spiel, denn immer, wenn Brüderchen RJ (Antony Azor) schlafen soll, lässt man ihn sich auspowern und erntet so später weniger Widerstand. Haben die Whisperers also ihre Täktik geändert, ohne es zuzugeben? Michonne will die Feinde jedenfalls nicht einfach so beim Wort nehmen, sondern nach ihrem Handeln beurteilen. Sie versteht zunächst jedoch nicht, warum Alpha (Samantha Morton) sie verschonte, nachdem Carol (Melissa McBride) einen Schuss auf sie gewagt hatte.

Judith ist wieder einmal herzallerliebst, wenngleich auch etwas zu schlau und weise für ihr Alter und später auch noch erschreckend effektiv gegen die Walker, die angreifen. Gleichzeitig liegt ihr das alles als Heranwachsende in der Zombie-Apokalypse - und bei diesen Eltern - wohl einfach auch irgendwie im Blut...

Der gebrochene König

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Auf dem Weg nach Hilltop bemerkt Michonne Ezekiel, dessen Pferd ihr entgegenkommt, was ein Warnzeichen für sie darstellt. Denn offenbar denkt Ezekiel daran, sich das Leben zu nehmen. Michonne kommt gerade richtig und kann ihm emotionalen Beistand leisten. Es folgt eine Umarmung und ein relativ einseitiger Kussversuch durch Ezekiel. Der hat in den Jahren, seitdem er Rick (Andrew Lincoln) und Co begegnet ist, vieles verlieren müssen: Benjamin (Logan Miller), Shiva, Henry (Matt Lintz), das ganze Kingdom und auch Carol. Da kann man verstehen, wenn er den Antrieb verliert und depressiv oder sogar suizidal wird.

Michonne erläutert ihm, dass sie sich auch einst auf einem (ersten) großen Tiefpunkt befunden hatte, als sie allein durch die Gegend streifte und sich sogar wünschte, von den Untoten gebissen zu werden. Durch die Begegnung mit Andrea und später Rick und Co konnte sie aber wieder zu sich finden und sie habe inzwischen eingesehen, dass sie der Verantwortung ins Auge sehen muss. Gleichzeitig kann sie auch durch den Verlust von Rick nachvollziehen, was in Ezekiel passiert. Beide sprechen darüber, dass sie für bestimmte Situationen eine Maske aufsetzen mussten, um mit allem fertigzuwerden. Die Aussprache wirkt und Ezekiel will wieder ins Hilltop zurückkehren.

Es ist durchaus interessant, dass der Kuss zwischen den beiden quasi wirkungslos zu verpuffen scheint. Es wirkt auf mich fast so, als wollte man damit nur einen Trailer-Moment erschaffen, der die Zuschauer ins Grübeln bringen soll. Tatsächlich sind die Figuren im Comic zeitweise sogar ein Paar... Ich finde es völlig okay, dass wir nicht plötzlich ein neues Paar haben. Zwar haben sie schon viel gemeinsam erlebt, aber die Chemie war jetzt nicht die beste und Michonne scheint trotz mehr als sechs Jahren ohne Rick weiterhin nicht gänzlich die Hoffnung auf ihn aufgegeben zu haben.

Silence the Whisperers

In Alexandria verbringt Aaron (Ross Marquand) Zeit mit dem Training der Bewohner. Gleichzeitig muss sich Lydia (Cassady McClincy) Anfeindungen gefallen lassen. Denn drei aktuelle Bewohner Alexandrias, die bei Alphas Massenmord nahestehende Menschen verloren haben, lassen ihren Frust an ihr aus. Negan (Jeffrey Dean Morgan) hat ihr den Ratschlag gegeben, ihnen mit Nettigkeit zu begegnen. Doch Lydias Toleranz sinkt. Trotzdem will Negan bei der friedlichen Lösung bleiben und wird dabei jäh von Daryl (Norman Reedus) unterbrochen, der einfach nur Anti-Negan ist, weil er es eben immer ist. Er hört zwar mit, hört aber offenbar nicht zu. Das zieht dann wiederum die typischen negativen Konsequenzen nach sich - Daryls Ratschlag: Sie soll sich von ihm fernhalten, weil Negan nicht ihr Freund ist. Allerdings scheint Negan einer der wenigen Menschen in Alexandria zu sein, der Lydia wie ein Mensch behandelt und nicht wie eine Last.

Negan saved my life

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Lydia versucht einen Rückschlag und bringt zum Essen ein Tier mit, das sie demonstrativ mit einem Messer bearbeitet, was eine Standpauke von Daryl nach sich zieht. Ich stelle fest: Daryl wäre kein guter Pädagoge - er rät ihr, die Rüpel zu meiden. Ganz anders Negan, der laut den Comics durchaus eine Vergangenheit in diesem Feld hatte, was auch in der TV-Serie langsam deutlich zu werden scheint. Denn nach Carl und Judith ist das nun die dritte junge Person, mit der er sich gut versteht.

Kurze Zeit später kommt es zum Angriff des Trios auf Lydia und zu einer recht einseitigen Prügelei. Negan muss einschreiten und rettet Lydia, wobei Margo (Jerri Tubbs) von den Highwaymen versehentlich umkommt. Schnell schlägt die Stimmung um und plötzlich ist Negan wieder der Buhmann. Daryl konfrontiert ihn in seiner Zelle und Negan macht kein Geheimnis daraus, wie er die Sache sieht. Margos Tod wäre ein Unfall gewesen, sie habe ihr Schicksal aber verdient, nachdem sie einfach auf eine Jugendliche einprügelt hatte.

Allerdings muss selbst Daryl einsehen, dass es weder Negans noch Lydias Schuld war, dass es zum Angriff kam, auch wenn die Bewohner der Stadt das anders sehen und eine Strafe fordern. Trotzdem kommt der Rat aus Alexandria zusammen. Somit kommt es zu einer Pattsituation, nachdem Daryl die Vertretung für Michonne spielt und mit Nein stimmt, muss Gabriel entscheiden, will aber eine Nacht drüber schlafen.

Es ist schon komisch, aber ich als Zuschauer bin in dieser Situation völlig auf Negans und Lydias Seite und kann deswegen die Feindseligkeiten von Aaron oder Daryl auch nur wenig nachvollziehen. Natürlich sind das Jahre der Erfahrung mit ihm, aber manchmal kann man auch aus dem Kontext heraus Vernunftsentscheidungen treffen, oder etwa nicht?

Am besagten nächsten Morgen ist die Aufregung aber groß: Jemand hat Negan aus seiner Zelle befreit und obwohl Lydia die Verantwortung dafür übernimmt, glaubt Daryl ihr nicht. Fragt sich nur, ob Negan freiwillig ausgebüchst ist oder jemand ihn zu seinem Glück gezwungen hat.

SOS aus Oceanside

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Zurück in Hilltop helfen Michonne, Judith, Ezekiel und Eugene (Josh McDermitt) der Gruppe rund um Magna beim Abwehren der Untoten. Im Funkgespräch mit Daryl macht Michonne deutlich, dass Lydia unter allen Umständen beschützt werden muss, weil ein Ausbüchsen oder ihr Tod den fragilen Frieden mit den Whisperers zu einem offenen Krieg mit Alpha machen könnte. Allerdings machen sie insgesamt keinen guten Job mit Lydia und es verwundert, dass sie trotz der ganzen Schikanen überhaupt bleibt. Zumal ihr mit Henry ohnehin ein triftiger Grund fehlt zu bleiben. Allerdings scheint der Wunsch nach einem halbwegs normalen und zivilisierten Leben doch stärker zu sein als nach einem Leben mit ihrer psychopathischen, gefühlskalten Mutter...

Zufällig geht auch ein Notruf von Rachel aus Oceanside in Hilltop ein, der Michonne einen Verdacht bestätigt, denn es ist schon das dritte Mal, dass jemand glaubt, Whisperers in der Nähe einer Ortschaft gesehen zu haben. Bei Carol konnte sich Michonne wegen ihres Schlafmangels noch nicht sicher sein und auch zwei Warnsignale können noch ein Zufall sein, doch drei könnte ein Muster bedeuten, dem man auf die Spur gehen sollte.

Michonne will also nach Oceanside aufbrechen und erhält Begleitung von Luke (der Jules wiedersehen will) und Judith (ein frisches Paar Ohren und freundliches Paar Augen), während Eugene bleibt und die Wand reparieren möchte. Etwas, was an dieser Szene komisch wirkt: die Art und Weise, wie man sich von Luke verabschiedet, wirkt schon fast so, als könnte seiner Figur bald etwas zustoßen... Sind die Macher hier wirklich so durchschaubar oder ist seine Clique einfach nur so sehr eine Ersatzfamilie, dass es auffällt? Wir werden sehen.

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Fazit

Masken und Traumata überall. Die zehnte Staffel von The Walking Dead nimmt sich auffällig sorgfältig den seelischen Schäden der Protagonisten an. Es brodelt überall und es wirkt fast wie ein Pulverfass, das sich irgendwann einmal entladen und den Überlebenden um die Ohren fliegen muss - vielleicht sogar noch, bevor Alpha, Beta (Ryan Hurst) und die Whisperers wieder selbst zuschlagen. Dahingehend kommt von Carol wahrscheinlich die richtige Anmerkung: Der wahre Feind lauert irgendwo da draußen und nicht in Konflikten mit sich selbst oder untereinander. Doch weiterhin fehlt irgendeine Strategie oder Taktik oder ein Anzeichen für ein Schwäche bei den Whisperers. Das Müdemachen und Auslaugen ist jedenfalls keine verkehrte Taktik...

Hier abschließend noch der Serientrailer zur nächsten Episode der US-Serie The Walking Dead, What It Always Is (10x05):

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 28. Oktober 2019

The Walking Dead 10x04 Trailer

Episode
Staffel 10, Episode 4
(The Walking Dead 10x04)
Deutscher Titel der Episode
Masken
Titel der Episode im Original
Silence the Whisperers
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 27. Oktober 2019 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 28. Oktober 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 28. Oktober 2019
Autor
Geraldine Inoa
Regisseur
Michael Cudlitz

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 10x04

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