The Walking Dead 10x03

© zenenfoto aus der The-Walking-Dead-Folge Ghosts (c) AMC
Am Anfang der The Walking Dead-Folge Ghosts ist Alexandria in Alarmbereitschaft, denn ganze zwei Tage lang wimmelt es quasi nur so von Untoten, die zum Stadttor laufen und die Überlebenden auf Trab halten. Michonne (Danai Gurira), Daryl (Norman Reedus), Carol (Melissa McBride) und Co werden also an ihre Belastungsgrenzen gebracht und müssen immer wieder dafür sorgen, dass die Untoten beseitigt werden. Man könnte meinen, dass das eine sehr gute psychologische Kriegsführungstaktik ist. Aber Lydia (Cassady McClincy) glaubt nicht, dass diese ständigen Kleingruppen von ihrer Mutter Alpha (Samantha Morton) stammen, denn, wenn diese die Gruppe tot sehen wollen würde, dann käme direkt die gewaltige Horde.
Stattdessen kommt Gamma (Thora Birch) mit einer Botschaft vorbei: Alpha verlangt ein Treffen an der nördlichen Grenze und kurz danach wird in Alexandria deswegen eine Besprechung zum weiteren Vorgehen anberaumt. Die Gemüter sind erhitzt. Eine Vertreterin der Highwaymen fordert Rache, ohne jedoch an die Konsequenzen zu denken. Denn die Horde, immerhin zehntausende Beißer, könnte man kaum besiegen ohne anständige Taktik - und diese hat niemand. In bester Rick-Manier versucht Michonne, die Anwesenden mit einer Rede zur Vernunft zu bringen und die chaotische Gemütslage zu beruhigen. Ihre Botschaft: Alleingänge helfen nichts und es wird nur wieder besser werden, wenn man an einem gemeinsamen Strang zieht.
Michonne und Co fahren also im Anschluss an die Sitzung eine Taktik rund um drei Teams: Gabriel (Seth Gilliam) beschützt die Heimatfront, Aaron (Ross Marquand) setzt seine beste Morgensternfaust auf und kümmert sich um den Süden und Daryl, Michonne, Carol und einige andere treffen sich mit Alpha, um die Wogen zu glätten und eine Art appeasement-Strategie zu fahren. Michonne glaubt nämlich, dass man ihr mit rationalen Argumenten kommen kann.
Peanut butter meets jelly

Weil Aaron Kämpfer fehlen und Negan (Jeffrey Dean Morgan) kämpfen kann, aber eigentlich lieber weiter Erntehelfer spielen möchte, muss Gabriel ein Machtwort sprechen und die beiden zu widerwilligen Partnern machen. Dabei sorgt sich Negan auch um sein eigenes Wohlbefinden, denn es kann ja sein, dass jemand späte Rache an ihm für seine früheren Taten üben möchte. Doch Gabriel hält Aaron für einen Heiligen, auch wenn die Autoren in der zehnten Staffel sehr darum bemüht sind, dem einhändigen Überlebenden einige Ecken und Kanten auf den Leib zu schreiben. Wie fast alle hat er in den letzten Jahren einiges verloren, darunter auch Ehemann Eric (Jordan Woods-Robinson), der ironischerweise beim „All Out War“-Arc gegen Negan sein Leben lassen musste und auch der Verlust des guten Kumpels Jesus (Tom Payne) ist noch nicht allzu lange her.
Entsprechend misstraut Aaron seiner „Verstärkung“ auch konsequent. Er darf zwar die Untoten erledigen und sich so nach langer Zeit mal wieder körperlich betätigen, aber nur mit rudimentären Waffen, wie zum Beispiel einem „Besenstiel“, denn eine effektivere, aber auch gefährlichere Brechstange soll er gleich wieder dort hinlegen, wo er sie gefunden hat.
Wie schon im Auftakt wird Aaron recht impulsiv und wütend gezeigt. Seine Handlungen wirken unüberlegt, was dazu führt, dass er von Untoten attackiert wird und von Negan gerettet werden muss. Schließlich hat er auch genug von seinem Gegenüber und befiehlt ihm, sich selbst in Ketten zu legen. Allerdings ist einer der Zombies mit einer Pflanze bewuchert, die Aaron das Augenlicht raubt. Das nutzt Negan, um abzuhauen, aber auch nur zeitweise, denn im richtigen Moment ist er erneut da, um Aaron zu retten und mit ihm sein Wissen über besagte Pflanzenwirkung zu teilen. Für Negan gilt es, Vertrauen zu gewinnen, auch wenn Aaron ihn aus nachvollziehbaren Gründen hasst. Aufgerollt wird dabei noch einmal der Verlust von Eric, wobei Aaron auch einen Tiefschlag wagt und den Verlust von Negans Frau erwähnt.
Wie so oft habe ich ein bisschen ein Problem damit, dass solche Konflikte so viele Jahre, nachdem sie geschehen sind, thematisiert werden. Man hat den Eindruck, dass die Macher die langen Zeitsprünge ignorieren und eher in Staffeln als in wirklichen Jahren denken. Denn, was zwei oder drei Staffeln zurückliegt, kann inzwischen sechs bis acht Jahre in der Vergangenheit liegen. Sicherlich kann man so lange einen Groll hegen, aber meiner Ansicht nach könnte eine Figur wie Aaron da auch drüberstehen. Andrerseits hätte man sonst keinen internen Konflikt, der dringend benötigt wird. Ein Teufelskreis, den andere wahrscheinlich eher ignorieren können als ich.
Im Endeffekt läuft diese Story nämlich darauf hinaus, dass Negan durchaus ein Teamplayer ist und über ein paar Umwege doch auf Aaron hört und zusammen mit ihm nach Alexandria zurückkehrt.
Sollte aber überraschenderweise das alles nur geschehen sein, um Aarons ursprüngliche Rolle als Rekrutierer für Alexandria wieder aufzufrischen, wäre es etwas anderes. Wenn er in Absprache mit Gabriel etwa die Loyalität testen soll - aber klare Zeichen dafür gibt es zumindest in dieser Folge keine.

Eine Randnotiz, die mich auch beschäftigt hat: Würde man wirklich mit der Morgensternkonstruktion schlafen? Man riskiert bei leicht unruhigem Schlaf doch schon ernsthafte Verletzungen. Na ja...
Friend zone
Während Negan sich nützlich machen soll, bittet Gabriel die frischgebackene Mutter Rosita (Christian Serratos), sich zurückzuhalten und an Baby Coco zu denken. Stattdessen gibt sie das Baby aber irgendwo ab und schnetzelt zusammen mit Kumpel Eugene (Josh McDermitt) lieber die angreifenden Untoten.
Nach verrichteter Arbeit stellt Rosita unmissverständlich klar, dass Eugene niemals eine Chance bei ihr haben wird, so sehr er sich das wohl auch wünscht. Obwohl er sich das schon denken konnte, wollte er das einfach nicht wahrhaben, ehe die Tatsachen einmal so auf den Tisch gebracht wurden. Für Rosita bedeutet die Freundschaft und seine Hilfe dennoch einiges und man wird sehen, wie es mit ihrem unkonventionellen Familienkonstrukt weitergeht.
Gabriel muss weiter seinen Anführerpflichten nachgehen, während Siddiq (Avi Nash) in dieser Folge wieder mit seiner PTSD zu kämpfen hat. Rückendeckung erhält er von Dante (Juan Javier Cardenas), der ihm von seiner Zeit im Irak erzählt und ihn darüber einweiht, dass er selbst einmal damit zu kämpfen hatte und das Schlimmste zumindest überwunden zu haben scheint. Trotzdem ist es natürlich gefährlich für Hilfesuchende, wenn der Arzt des Vertrauens nicht ganz auf dem Damm ist. Das muss auch Carol an einer Stelle merken - doch zum Glück ist Dante zur Stelle.
The bitch has to die

Apropos Carol: Seit ihrer Rückkehr vom Fischer-Exil behilft sie sich mit Tabletten, um wach zu bleiben, denn sie wird von Albträumen heimgesucht, die ihr immer wieder ihre Verluste vor Augen führen.
Trotzdem gehört sie zur Gruppe, die Alpha konfrontiert. Für sie ist das Feuerlöschen keine hinreichende Begründung für das Übertreten der Grenze, weil es Teil der Natur ist. Alpha führt gleich drei Gelegenheiten auf, als die Überlebenden die verabredete Grenze überschritten haben und droht mit Konsequenzen. Normalerweise würde das Leben kosten, doch diesmal ist sie bereit, darauf zu verzichten, will aber eine neue Grenze ziehen - und zwar ausgerechnet durch das Jagdgebiet. Carol will sich nicht darauf einlassen und schießt sogar auf Alpha, was wohl in den Augen vieler Zuschauer der logische und konsequente Schritt wäre, um sie loszuwerden. Doch im großen Ganzen gedacht, scheint das die törichte Wahl zu sein, da die Horde lauert und die Whisperers außerdem zahlreicher waren, weswegen sich Michonne für sie entschuldigt, was aber nicht bedeutet, dass Carol kuscht. Außerdem kann sich Alpha auch die eindeutige Provokation in Carols Richtung nicht unterlassen und freut sich wohl, wenn es eine würdige Herausforderung um die Alpha-Position gibt. Anders kann man sich auch kaum erklären, warum der direkte Angriff keine Konsequenzen hat.
Für mich ist das Treffen mit Alpha zugleich die stärkste Szene der Folge, denn es ist etwas, was wir schon lange sehen wollen: Carol vs. Alpha. Die beide schon einiges getan haben, damit ihre jeweilige Gruppe überlebt. Schade nur, dass Carol wieder einmal von Drehbuchseite aus geschwächt in die Schlacht ziehen muss. Die Autoren müssen die 16 Folgen ja auch vollkriegen und Alpha in der dritten Folge und dazu noch urplötzlich zu beseitigen, erscheint unwahrscheinlich, da muss man sich nichts vormachen.
Ich sehe tote Menschen...
Ob man allerdings einen Großteil der Folge mit Carols Schlafmangel und der Frage, ob sie sich Dinge einbildet oder nicht, füllen muss, steht auf einem anderen Blatt. Das macht für mich eher ein bisschen den Eindruck von Beschäftigungstherapie. Nebenbei wird hier die Frage aufgeworfen, ob Carol sich selbst trauen kann, ob Michonne ihrem Urteil noch traut und wie es um Daryl steht. Daryl entschuldigt sich nach der Situation an der Grenze nämlich für seine gute Freundin und versucht im Verlauf der Folge auch irgendwie, ihr beizustehen und ihr nicht vor den Kopf zu stoßen. Wir als Zuschauer sollen aber trotzdem immer wieder ins Zweifeln kommen, wie es um Carols Psyche und Zurechnungsfähigkeit steht. Denn sie behauptet, dass ihre Gruppe von drei Whisperers-Mitgliedern beobachtet wird, die aber nur sie erblickt oder vielleicht beim Schlafwandeln erledigt? Man weiß es nicht. Das Ende der Folge scheint Carol jedenfalls Recht zu geben.
Es ist kein Geheimnis, dass Carol und ihre Darstellerin Melissa McBride zu dem stärksten gehören, was The Walking Dead zu bieten hat und wir werden teilweise schmerzhaft an manche Verfehlungen erinnert, beispielsweise durch das Buchcover, auf dem sie sich zusammen mit ihren verlorenen Kindern vorstellt. Es gibt ohne Frage einige gute Ideen in diesem Wach/Traum-Zustand, aus dem sie nicht entkommen kann und wir als Zuschauer nie so recht wissen, was nun eigentlich was ist.
Insgesamt versuchen die Autoren in dieser Folge, die verschiedenen Konsequenzen darzustellen, die die Überlebenden nach dem Vorfall rund um die Massenpfählung mit sich tragen. PTSD bei Siddiq, Tatendrang und Verdrängung bei Rosita, Rastlosigkeit und Albträume bei Carol und mittendrin irgendwo Daryl und Michonne, die versuchen, möglichst wenige Leben zu verlieren und eine schlaue Lösung zu finden, welche verhindert, dass die Horde freigelassen wird.
Für Carol steht trotz Albträumen und Schlaflosigkeit fest, dass Alpha büßen muss und sie will Michonne beweisen, dass ihr Instinkt sie nicht im Stich lässt. Trotzdem wäre es besser, wenn sie irgendwie zur Ruhe kommt, denn in ihrem aktuellen Zustand kann sie sich selbst kaum trauen, wie man am Traum über Daryls angeblichen Truckerfahrer sieht. Außerdem führt es dazu, dass Carol Fehler macht, die ihr erholt so nie unterlaufen würden. Also Rache ja, aber wohlbedacht und mit kühlem Kopf - und zum Wohl der Gruppe.
Als Zuschauer fragt man sich bei Gegnern wie den Whisperers wohl, warum sie eigentlich eine so große Herausforderung darstellen, wenn man doch auch Negans Saviors gemeinsam in die Knie zwingen konnte. Neben der Horde, die diesmal noch einmal als enorme Gefahr dargestellt wird, versucht Showrunner Angela Kang das Problem wohl mit der Psyche der Gruppe zu rechtfertigen. Die Paranoia, PTSD und Ziellosigkeit stellen Probleme dar, die man irgendwie überwinden muss. Es muss sich zeigen, ob die Lösung von offensichtlichen Quellen wie Michonne, Daryl oder Carol kommt oder ob ein Negan vielleicht etwas Inspiration bietet. Wohin die Reise geht, ist momentan noch nicht ersichtlich.
Fazit
Die The Walking Dead-Folge Ghosts zeigt zwar einige Probleme innerhalb der Gruppe auf, verläuft sich aber auch ein bisschen in Zeitschinderei. Für jeden interessanten Ansatz gibt es einige Minuten Leerlauf, der nicht unbedingt sein müsste. Die Whisperers scheinen die Überlebenden vor allem psychisch fertigzumachen und scheinen damit auch Erfolg zu haben, denn konkrete Ansätze zur Problembekämpfung fernab des Überlebens gibt es im Moment gerade keine.
Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie The Walking Dead, Silence the Whisperers (10x04):
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 21. Oktober 2019The Walking Dead 10x03 Trailer
(The Walking Dead 10x03)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 10x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?