The Strain 2x13

Die zweite Staffel der FX-Vampirserie The Strain endet so durchwachsen, wie es die wenig unterhaltsamen Episoden zuvor prophezeit hatten. Es gibt ein paar wenige Höhepunkte in Night Train, insgesamt offenbart die Serie jedoch mehrmals ihre größte Schwäche: Dinge passieren einfach, ohne dass zuvor die nötige dramaturgische Vorbereitung geleistet worden wäre. Es gibt mehrere Szenen in dieser Episode, die das peinlich genau illustrieren.
Why do I feel more trepidation than triumph?
Zunächst aber zum positiven Teil: Die Geschichte um die Suche nach dem sagenumwobenen Occido Lumen findet endlich zu ihrem vorübergehenden Ende. Der Weg dorthin ist mal plump, mal sehenswert inszeniert, schafft es schließlich aber, einen spannenden Handlungsbogen für die bereits bestellte dritte Staffel zu etablieren. Zunächst muss sich Abraham Setrakian (David Bradley) aber im Bieterwettstreit gegen den Emissär des Masters, seinen langjährigen Erzfeind Thomas Eichhorst (Richard Sammel), durchsetzen.
Die Auktion findet im Hauptquartier von Hehler Alonso Creem (Jamie Hector) statt, und bald stellt sich heraus, dass die beiden Konkurrenten nicht besonders zimperlich mit den ihnen zugesicherten Fonds umgehen. Das Duell ist etwas unbeholfen dargestellt, drängte sich dabei doch ständig die Frage auf, warum der mit übermenschlichen Kräften ausgestattete Eichhorst das Buch nicht einfach klaut. In früheren Episoden haben wir schließlich gesehen, dass er sich so schnell bewegen kann, um Pistolenkugeln auszuweichen. Weil aber Sammel und Bradley dabei aufeinander losgelassen werden und ein wunderbares Camp-Fest abfeiern, ist die Szene sehenswert.
Dank der unerwarteten Unterstützung des vor den Kopf gestoßenen und von seiner jungen Assistentin aufgestachelten Palmer (Jonathan Hyde) gelingt es Setrakian tatsächlich, die Auktion für sich zu entscheiden. Eichhorst gibt da aber noch nicht auf. Er schickt seine Vampirarmee auf die Jagd nach dem ohne zusätzlichen Schutz fahrenden Buchtransport, wobei es kurzzeitig so aussieht, als könnte der Überfall gelingen. Plötzlich tauchen jedoch Quinlan (Rupert Penry-Jones), Gus (Miguel Gomez) und ihre Gangsterkonsorten auf, was dem formidablen Duo Set & Fet (Kevin Durand) die Flucht mit dem Lumen ermöglicht.

Vor allem wegen der kommenden Ereignisse ist dies der interessanteste und vielversprechendste Handlungsbogen des Finales. Auf dem Weg zu ihrem nächsten Fluchtgefährt werden Set & Fet von den Abgeordneten der Ancients eingeholt. Bei der anschließenden Auseinandersetzung wird endlich offenbar, wofür Abraham das erbeutete Buch einsetzen will - als Köder für den Master. Der im Auftrag handelnde Quinlan will davon zunächst nichts wissen, scheint am Ende der Unterredung aber durchaus nicht abgeneigt, auf den Setrakian-Train aufzuspringen.
What do you think, mein Meister?
Ein Zusammenschluss dieses Quintetts (der maskentragende Angel (Joaquin Cosio) gehört ebenfalls dazu) ist einer der wenigen Handlungsbögen, die mich in der kommenden Staffel zum Einschalten (und Reviewen) bewegen werden - ganz anders als der Erzählstrang um Eldritch Palmer. Seine Figur war noch nie besonders spannend und konnte durch die Beziehung zu Coco (Lizzie Brochere) auch nicht interessanter gemacht werden. Sie bekommt schließlich den Zorn des Masters ab, der die größenwahnsinnigen Anflüge von Palmer und ihr sehenswert in die Schranken weist.
Wir sollten von dieser Szene wohl irgendwie geschockt oder berührt sein, jedoch stellte sich bei mir keine dieser Emotionen ein. Die romantische Verbandelung der beiden war für mich zu keinem Zeitpunkt wirklich glaubwürdig, Palmer nahm ich seine exaltierte Trauer um Cocos leblosen Körper nicht ab. Diese vielzu offensichtlich konstruierte Szene ist jedoch nichts im Vergleich zum vermeintlichen pay off, den uns die Autoren Carlton Cuse und Chuck Hogan mit dem Ende von Nora (Mia Maestro) abtrotzen wollen.
In der Review zur letzten Episode hatte ich mich noch gewundert, warum plötzlich die Romanze zwischen Eph (Corey Stoll) und Nora wieder im Mittelpunkt stand - war dies doch einer der langweiligsten Aspekte der Serie. In Night Train bekommen wir nun die unsägliche Antwort darauf. Der Zug, der Eph, Nora und Zach (Max Charles) nach Washington bringen soll, wird von einer Vampirhorde aufgehalten. Unter ihnen befindet sich auch Kelly (Natalie Brown), die einmal mehr auf der Suche nach ihrem Sohn ist.

Was sich danach abspielt, ist an hölzernem Drehbuchschreiben kaum zu überbieten. Eph wird im allgemeinen Durcheinander von Nora und Zach getrennt, wodurch Kelly die Chance zum Angriff bekommt. Es gelingt ihr, Nora zu infizieren, weil Zach immer noch nicht verstanden hat, dass seine Mutter ein furchtbares blutsaugendes Monster ist. Unglaubwürdiger kann man eine Szene kaum konstruieren. Soll Zach wirklich so schwer von Begriff sein? Kann das ein Junge in seinem Alter, der im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist, überhaupt? Ich würde das mit aller Entschiedenheit anzweifeln.
Devotion is a beautiful thing
All diese Ereignisse existieren sowieso nur, um uns Zuschauern einen emotionalen Bären aufzubinden. Bei mir hat das nicht im Geringsten funktioniert. All diese Figuren, die sich am Ende gegenseitig betrauern oder miteinander abhauen, waren über den Verlauf der Staffel meist unausstehlich gezeichnet. Es ist sogar ärgerlich, dass es ausgerechnet Nora war, die nun sterben musste. Sie war in diesem Horror-Quartett noch der annehmbarste Charakter. Und was das Ganze noch ärgerlicher macht: Ihr Tod wird in der kommenden Staffel herhalten müssen, um Eph weitere Motivation im Kampf gegen den Master zu geben. Wieder einmal wurde also eine kompetente weibliche Figur für den Fortbestand einer männlichen aus einer Serie geschrieben.
Dabei müsste es für Eph eigentlich genug Motivation sein, eine Millionenstadt wie New York von dieser biblischen Plage zu befreien. Über seinen Masterplan haben wir übrigens schon lange nichts mehr gehört, für die letzten Episoden bevorzugte das Autorenteam andere, nicht im Ansatz funktionierende dramaturgische Versatzstücke. Es geht ganz offensichtlich ohne echten Plan durch seine Staffeln. Wir springen von einem Ereignis zum nächsten, dazwischen findet der hilflose Versuch statt, nachhaltige Geschichten und Charaktermotivationen zu etablieren. Wie wir aber an Setrakians eeeendlos ausgebreitetem Handlungsbogen unschwer erkennen können, war dafür nie genug Substanz vorhanden. Ein weiteres Beispiel dafür: Die ominöse Tier- oder Menschenverarbeitungsfabrik, die Eichhorst zu Beginn der Staffel in Auftrag gab, und an die wir uns nun plötzlich wieder erinnern sollen.
Die Finalepisode konnte dank Regisseur Vincenzo Natali (der schon Hannibal sein begabtes Auge lieh) mit einigen visuellen Leckereien aufwarten. Diese sind im zentralen Action-set piece, dem Kampf der drei Parteien um das Occido Lumen, zu finden - vor allem der point of view-Shot aus dem Van heraus sah hinreißend aus. Ansonsten war Night Train aber leider ein Reinfall. Die als emotionale Schlusspunkte konzipierten Szenen verfehlten ihr Ziel, die Charaktere konnten zu keinem Zeitpunkt aus ihrer beliebigen Figurenzeichnung ausbrechen (Zach ist nichts weiter als ein wandelndes Plotelement). Darin liegt die Krux der zweiten Staffel von The Strain - ohne starke Figuren keine gute Serie.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 6. Oktober 2015(The Strain 2x13)
Schauspieler in der Episode The Strain 2x13
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