The Strain 2x12

Es gäbe so viele spannende Geschichten, die eine Vampirserie wie The Strain erzählen könnte. Stattdessen hat sie sich in der bald abgelaufenen zweiten Staffel damit begnügt, manche Handlungsbögen über sämtliche Episoden auszuwalzen, und andere in eine weniger interessante dramaturgische Richtung zu lenken. Die Episode Fallen Light kann dafür beispielhaft herangezogen werden.
Nothing good comes easy
Ich dürfte nun in nahezu jeder Review dieser Staffel geschrieben haben, dass Abraham Setrakian (David Bradley) weiter nach dem Occido Lumen sucht. Auch hier passiert wieder nichts anderes. Er und Fet (Kevin Durand) brechen zum Hehler Alonso Creem (wunderbar gespielt von Jamie Hector) auf, um dort endlich das Objekt ihrer Begierde in Empfang nehmen zu können. Wie so oft bleibt es ihnen aber verwehrt. Sollten sie es nicht schaffen, innerhalb von 24 Stunden einen höheren Betrag als ihr Mitbieter Palmer (Jonathan Hyde) aufzutreiben, würde der den Zuschlag für das Lumen bekommen. So weit, so bekannt, so langweilig.
Setrakian hat schon eine Idee, woher er die nötigen Ressourcen beschaffen kann. Er konferiert mit Quinlan (Rupert Penry-Jones), der ihm den Millionenbetrag im Namen der Ancients zusagt. Jedoch schließt Quinlan eine Versicherung ab, von der Setrakian nichts erfährt. Im Geheimen setzt er Gus (Miguel Gomez) darauf an, Setrakian das Lumen - wenn nötig mit Gewalt - abzunehmen, sollte der es entgegen der Vereinbarung nicht übergeben wollen. Diese Wendung führt uns direkt zum nächsten Handlungsbogen, dessen Potenzial in dieser Staffel nahezu vollständig verschenkt wurde.
Die Kombination aus Gus, Quinlan, den Ancients und Angel (Joaquin Cosio) war zu Beginn der Staffel der vielleicht vielversprechendste Zusammenschluss. Jedoch hat es The Strain verpasst, auch nur eine einzige spannende Geschichte mit diesen Charakteren aufzubauen. Angel wurde nie zu einer echten Figur, sondern stöhnt und ächzt sich nur an der Seite von Gus durch die Serie, ohne dass wir je erfahren, warum er sich das alles überhaupt antut. Den Großteil der Staffel haben die ungleichen Partner damit verbracht, eine Familie zu retten, die jetzt schon keinerlei Rolle mehr spielt. Quinlan haben wir überdies nie richtig in Aktion gesehen, wobei allein schon sein cooles Outfit und sein erstes Auftreten einst viele pulpige Szenen versprachen.
Statt sehenswertem Vampirgemetzel mit diesem vermeintlich schlagkräftigen Trio durfte Gus seine Zeit ebenso mit einer halbgaren Romanze verschwenden wie Eph (Corey Stoll) und Nora (Mia Maestro) oder - noch schlimmer - Fet und Dutch (Ruta Gedmintas). Ganz ehrlich: Wer will in einer Fantasyserie, in der Vampire eine der größten Städte der Welt heimsuchen, gleich drei Liebesgeschichten in einer Staffel sehen? Ich gehöre jedenfalls nicht dazu.
Sorry to disappoint you
Vielleicht hätten diese Lovestories besser funktioniert, wäre die Chemie zwischen ihren Schauspielern greifbarer gewesen. Aber sowohl Fet und Dutch als auch Eph und Nora waren in dieser Hinsicht absolute Rohrkrepierer. Zu allem Überfluss werden die beiden Letztgenannten in dieser Episode auch noch mit mehreren Rückblenden zu den Anfängen ihrer Beziehung bedacht, was nur weiter erleuchtet, wie unzureichend die Geschichte in dieser Staffel ausgearbeitet wurde. Seit Ephs Betrug in Washington habe ich nicht mehr über das Verhältnis der beiden nachgedacht, jetzt soll ich für Nora aber großes Mitgefühl empfinden? Nein, danke.
Bleibt von Fallen Light also nur noch der Handlungsbogen um Justine Feraldo (Samantha Mathis) übrig, der zwar eine spannendere Geschichte zu erzählen hat, in seiner Konstruktion aber ebenso plump vorgeht wie die übrigen. Nach dem Mord an Bürgermeister Lyle (Ron Canada) - der völlig aus heiterem Himmel geschieht - gerät sie zunächst ins Visier der Ermittler, wird bald darauf aber dank einer Kooperation mit Palmer mit neuer Macht ausgestattet. Eine der wenigen sehenswerten Szenen ereignet sich überdies, als Palmer von Eichhorst (Richard Sammel) ausgebootet wird, der seinem Quasi-Untergebenen mit dämonischem Grinsen eröffnet, dass es mehr als einer einmaligen Behandlung mit dem Master-Serum bedürfe, um am Leben zu bleiben. Sammel spielt den Moment - wie immer - mit wunderbar widerlichem Spaß an der Erniedrigung.
Die vorhergehende Episode Dead End hatte die Hoffnung auf explosive Finalepisoden geweckt, die durch Fallen Light leider beinahe gänzlich zerstört wurde. Im Finale erwarten uns eine Auktion und eine Fahrt nach Washington - unbeeindruckter könnte ich davon kaum sein. Es ist überaus verwunderlich, wie man aus einer Serie mit einer solch überzeugenden Prämisse so wenig machen kann. Der Vergleich zu The Walking Dead drängt sich immer wieder auf. Auch dort schaffen es die Autoren nicht immer, mitreißende Geschichten über vereinnahmende Figuren zu erzählen. Wenigstens liefern sie aber das, was erfolgreiche Pulpstoffe unbedingt brauchen: Viel Spannung, viel Action und viel gore. The Strain versucht es indes mit Liebesgeschichten. Das kann kaum funktionieren.
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 28. September 2015(The Strain 2x12)
Schauspieler in der Episode The Strain 2x12
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