The Strain 2x11

Immer wenn sich die Autoren von The Strain dazu entscheiden, eine oder mehrere kleine Geschichten inmitten der großen Katastrophe zu erzählen, kommen bessere Episoden dabei heraus. Das gilt auch für Dead End, die erste Folge seit langer Zeit in dieser zweiten Staffel, in der die konfuse Bedrohungssituation in New York keine vorrangige Rolle spielt - ganz einfach, weil sie nicht dargestellt wird.
Nazikommunistenschweine
Stattdessen konzentriert sich die Episode auf wenige Figuren, ihre akuten Schicksale und eine weitere Erklärung dafür, wie sie wurden, was sie sind. Zwischen der Gefangenen Dutch (Ruta Gedmintas) und ihrem Peiniger Eichhorst (Richard Sammel) entspinnt sich ein gruseliges Kammerspiel, das erst gegen Ende enthüllt, was Eichhorst mit seinem Opfer überhaupt vorhat. Zwar werden auf dem Weg dorthin einmal mehr ein paar logische Fragezeichen aufgeworfen - um diese Serie jedoch genießen zu können, muss man bereit sein, diese zu ignorieren.
Eichhorst plant jedenfalls, aus Dutch eine zweite Helga (Julie Engelbrecht) zu machen - die Frau, an die er vor seiner Verwandlung zum Vampir sein Herz verloren hatte. Im Deutschland der Weimarer Republik fällt es Eichhorst schwer, sich als Vertreter für Radiogeräte zu verdingen. Seine verschlossene Persönlichkeit erlaubt es ihm nicht, eine Bindung zu den potentiellen Kunden aufzubauen. Von seinen Kollegen wird er dafür missbilligt - nur Helga findet die richtigen Worte.
Das erste Date zwischen den beiden läuft zunächst blendend, bald darauf aber denkbar schlecht, als die beiden Verliebten auf die politische Umwälzung in ihrer Heimat zu sprechen kommen. Mit einfachen, aber effektiven Parolen wettern die aufstrebenden Nazis gegen die Ursachen, die sie für die Wirtschaftskrise verantwortlich machen. Eichhorst ist dafür ein williger Rezipient - er hat innerhalb der langsam verfallenden politischen Strukturen nur Demütigung erfahren. Jetzt gibt es dafür einen Sündenbock: die Juden. Weil er aber nicht weiß, dass seine Herzensdame auch Jüdin ist, bringt er sich schnell in die Bredouille.
Jahre später - Eichhorst hat sich mittlerweile den Nazis angeschlossen und ist zum Untersturmführer aufgestiegen - wird er noch einmal mit Helga konfrontiert. Statt sie aber vor dem sicheren Tod zu retten, schickt er sie sehenden Auges in den Höllenschlund der nationalsozialistischen Tötungsmaschinerie. Fortan ist er ein gebrochener Mann, geriert sich vor seinen neuen Kollegen aber wie das Gegenteil, was nicht weiter verwunderlich ist, schlägt ihm doch von allen Seiten der Respekt entgegen, der ihm jahrelang verwehrt blieb.
Undank ist der Welten Lohn
Achtzig Jahre später versucht Eichhorst also, die Magie dieser wenigen Augenblicke wiederherzustellen, auch wenn er dafür einen äußerst zweifelhaften Ansatz wählt. Zunächst demonstriert er an einem Polizisten, welch grausame Tötungspraxis er in naher Zukunft bei Dutch anwenden könnte, sollte sie nicht spuren. Dabei begeht er jedoch den entscheidenden Fehler (Hallo Logik!), der seiner Gefangenen wenige Szenen - und Ananasscheiben - später zur Flucht verhelfen wird. Unterstützt wird sie dabei ebenso tatkräftig vom liebeskranken Stadtkenner Fet (Kevin Durand) und seinen Mitstreiten Eph (Corey Stoll) und Nora (Mia Maestro) - die beide in dieser Episode auffällig wohltuend in den Hintergrund geschoben wurden.
Außer in dieser Rettungsgeschichte erzählt Dead End von einer weiteren Gefangenschaft. Auf der Suche nach dem sagenumwobenen Occido Lumen fiel Set (David Bradley) in der letzten Episode in die Hände des Jungen, dem er vor einer halben Dekade das Leben gerettet hatte. Rudyard (David Schaal) ist mittlerweile natürlich erwachsen und hat ein sehr selektives Gedächtnis: Statt seinem damaligen Retter mit der Übergabe des Lumen zu danken, will er es meistbietend verkaufen, um sich hernach in den Südpazifik abzusetzen.
Auch wenn sich dieser Handlungsbogen seit Beginn der Staffel im Kreis dreht, so haben wir nun endlich eine Bestätigung dafür, dass dieses ominöse Buch wirklich existiert. Ob Setrakian seine Zeit aber vielleicht nicht doch besser hätte einsetzen können, wird sich hoffentlich bald zeigen. Seine Geschichte irrlichtert ebenso umher wie die von Gus (Miguel Gomez), der endlich Familie Gupta in Sicherheit gebracht hat und nun mit Angel (Joaquin Cosio) und einer mysteriösen lady in black auf Vampirjagd gehen kann. Das Potential dieses schlagkräftigen Duos (Trios? Quartetts?) wurde bisher völlig verschenkt, nun ist die Hoffnung auf Besserung jedoch groß.
Angesichts des narrativen Beinahestillstands der letzten Episoden müssen wir derzeit schon dankbar sein, wenn in The Strain überhaupt etwas Bemerkenswertes passiert. Das war in dieser Episode zumindest in einem Handlungsstrang der Fall, weshalb ich gnädig sein und über manch Verfehlung geflissentlich hinwegsehen will. Diese Vampirserie kann gut sein, weiß aber viel zu selten, wie sie das bewerkstelligen soll.
Auf der nächsten Seite habe ich einige Drehbuchperlen gesammelt, die in dieser Episode ungewohnt häufig zu finden waren. Vielleicht liegt es ja daran, dass Showrunner Carlton Cuse darin das dramaturgische Steuer übernommen hat.
Aus dem Stück „Dutch Velders und Thommy Eichhorst sind nett zueinander“:
„Every once in a while, I enjoy a human cocktail. It relaxes me.“
„So you joined the Nazi party because you couldn't get laid?“
„Hitler has nothing against the German jews. And I don't either.“ Ersetze „German jews“ mit „Kriegsflüchtlinge“.
„Tell me you will eat the pineapple.“
„You lost your dick seventy years ago, so what are you going to do?“
„I hope you choke on me.“
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 22. September 2015(The Strain 2x11)
Schauspieler in der Episode The Strain 2x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?