The Strain 3x01

The Strain 3x01

Zum Start der neuen Staffel von The Strain gibt es zunächst ein Statusupdate zu allen relevanten Charakteren und deren derzeitigen Lebenssituationen. Bekannte Probleme wie die Vorhersehbarkeit der Handlung treffen dabei auf ein gewohnt gutes Setdesign. Insgesamt besteht, wie so oft, Luft nach oben.

Quinlan (Rupert Penry-Jones) und Fet (Kevin Durand) in „New York Strong“ / (c) FX
Quinlan (Rupert Penry-Jones) und Fet (Kevin Durand) in „New York Strong“ / (c) FX

Im Vorfeld der dritten Staffel der FX-Serie The Strain dürfte so einige Zuschauer in ihren Hinterstübchen gekramt haben, wo denn das von Guillermo del Toro und Chuck Hogan erdachte Format am Ende seiner zweiten Staffel im Oktober 2015 einen Schlussstrich zog. Glücklicherweise bringt man uns innerhalb der ersten paar Minuten der Episode New York Strong über eine Voice Over-Erzählung durch Abraham Setrakian (David Bradley) (gefolgt von einem neuen Intro) flugs auf den Stand der Dinge, was wohl Einige zu schätzen wissen werden.

Hier liegt aber auch die Krux und eines der großen Probleme von „The Strain“ in der Vergangenheit, denen sich das Autorenteam in dieser neuen Staffel stellen muss: Die Geschichte und auch einige Charaktere waren bisher zu oft viel zu vergessenswert. Sei es eine langweilige Figurenzeichnung, Charaktere, deren Schicksale uns nicht wirklich interessieren, oder einfach sehr vorhersehbare Schritte in der Handlung - „The Strain“ konnte nicht immer fesseln und frustrierte bisweilen sogar ein ganzes Stück.

Now or never

Da können die Ausstattung, stimmungsvolle Kulissen, gelegentliche Action-Höhepunkte sowie der leicht trashige Horrorstreifen-Charme noch so sehr ins Gewicht fallen: Die Macher von „The Strain“ haben einiges vor der Brust, um uns Zuschauer in der nunmehr dritten Staffel der Strigoi-Hatz mehr zu involvieren. Gelingt dies in der Auftaktepisode? Oder setzt man die Staffelpremiere in den Sand? Die Antwort auf diese beiden Fragen liegt irgendwo dazwischen, denn wo sich in „New York Strong“ Licht finden lässt, ist Schatten nicht sehr weit.

Es ist fast schon das alte Lied: An manchen Stellen kann man der Geschichte um den nicht enden wollenden Kampf gegen den Master und seine Brut sowie den verheerenden Folgen des Virenausbruchs immer wieder genug abgewinnen. Im nächsten Moment kehrt man jedoch zu Figuren zurück, die zumindest mir ziemlich egal sind und bei denen man seit vielen Folgen auf eine Besserung hofft. Vergeblich. So präsentiert sich „New York Strong“ in der Tat wie ein weiteres perfektes Beispiel, was in der Serie gut und was überhaupt nicht funktioniert.

Justine Feraldo (Samantha Mathis) in %26bdquo;New York Strong%26ldquo; © FX
Justine Feraldo (Samantha Mathis) in %26bdquo;New York Strong%26ldquo; © FX

King Rat

Der Einstieg gestaltet sich dabei noch am besten, bekommt man doch ein ordentliches Gefühl von der Krisenlage, die sich verschärft hat und längst nicht mehr nur New York betrifft. Die Menschen schlagen jedoch zurück, so sieht es zumindest von außen aus, und einige unserer Protagonisten sind mittendrin statt nur dabei. Fet (Kevin Durand) arbeitet zum Beispiel mit einer Gruppe von Navy SEALs zusammen, die Bolivar (Jack Kesy), den neuen Körper des Masters, aufspüren wollen, um dem Spuk ein Ende zu machen. Lokalpolitkerin Justine Feraldo (Samantha Mathis) fungiert indes nach wie vor als Speerspitze der „Anti-Strigoi-Bewegung“, weiß aber auch, dass sie und New York komplett auf sich allein gestellt sind und der Kampf gerade erst in die Vollen geht.

Für meinen Geschmack könnten die Szenen der Massenpanik und des Chaos in der Weltmetropole New York gerne noch etwas expliziter sein, um das ganze Ausmaß dieser prekären Lage noch besser zu erfassen. Ein paar Blicke auf leergefegte Häuserblöcke oder den florierenden Schwarzmarkthandel hauchen dem Handlungsort zumindest mehr Leben als noch in den Staffeln zuvor ein, wobei man hier definitiv noch mehr rausholen könnte.

Happy hunting

Inmitten dieses Kampfes gegen den Master hat sich aus Abraham, Fet und dem mysteriösen Quinlan (Rupert Penry-Jones) indes ein Trio gebildet, das mit Hilfe des Occido Lumen (wir erinnern uns, die „Strigoi-Bibel“) ihrem gemeinsamen Widersacher auf die Pelle rücken will. Es kommt jedoch zu ein paar Reibereien zwischen den Dreien, weil Fet zum einen Quinlan nicht vertraut und zum anderen Abraham ohnehin nicht Hals über Kopf ins Gefecht stürmen will. Die Szenen geben uns jetzt nicht all zu viel, bis auf die gewohnt gute Chemie zwischen Durand und Bradley sowie die mehr als offensichtliche Andeutung, dass Fet und seine Navy SEALs kurz davor sind, in eine Falle zu tappen.

Under attack

Den Ausgang des Einsatzes der hevorragend ausgebildeten Soldaten in einer Kirche auf der Suche nach Bolivar sieht man nämlich mal wieder auf etliche Kilometer kommen, weshalb ich nur schwer umhin komme, ein wenig mit den Augen zu rollen. Zugegeben, das Setting und die durchaus atmosphärische Inszenierung gefallen, auch der bereits erwähnte leichte Trash-Faktor (Fet greift zum XXL-Schießeisen) hat seinen Charme. Eine richtige Spannung, die mich emotional komplett packt, baut sich dennoch nicht auf, trotz des so einzigartig fies lächelnden Eichorst (Richard Sammel), der nach dem Massaker gewohnt diabolisch grinst und in die Nacht entfleucht.

Fet befindet sich jedoch zu keiner Zeit in wirklicher Gefahr, zumindest entsteht nie der Eindruck. Und der Verlust der gesichtslosen Navy SEALs, eine der Hoffnungen für New York, tut auch nicht weh. So stehen wir in The Strain mal wieder vor dem altbekannten Dilemma, dass die Machart zwar sehr ordentlich ist, man als Zuschauer aber dennoch ziemlich kalt gelassen wird. Quinlans Besuch bei den Ancients passt ebenfalls sehr gut in diese Kategorie. Das Gespräch vor cooler Kulisse lässt sich auf „Der Feind meines Feind ist mein Freund (beziehungsweise Verbündeter)“ herunterbrechen. Mehr muss man auch hier nicht wissen.

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Eph Goodweather (Corey Stoll) in %26bdquo;New York Strong%26ldquo; © FX

Written off

Sobald es in New York Strong ein wenig mehr um die Figuren selbst geht, verkommt die Folge wie so oft in der Vergangenheit zu einer eher blutleeren Vorstellung, die gerne einfach nur so vor sich hinplätschert. In einer kurzen Szene, die komplett untergeht, werden wir nochmal an Gus (Miguel Gomez) erinnert, der seine in einen Strigoi verwandelte Mutter noch nicht aufgeben will. Eine emotionale Reaktion meinerseits bleibt jedoch aus, auch wenn ich Gus in dieser schwierigen Situation ein Stück weit verstehen kann. Sein kurzer Auftritt fühlt sich dennoch wie nichts Halbes und nichts Ganzes an. Vielmehr scheint es eine obligatorische „Hier, ich bin auch noch da!“-Szene zu sein.

Da bekommt unser vermeintlicher Hauptcharakter Ephraim Goodweather (Corey Stoll) schon wesentlich mehr zu tun, doch auch hier tun sich einige Probleme auf. Davon abgesehen, dass das Charaktermerkmal „selbstmitleidiger Alkoholiker“ eine furchtbar ausgelutschte und langweilte TV-Trope ist, leidet Corey Stoll in seiner Rolle vor allem darunter, dass sein Charakter kein Sympathieträger ist und man nur selten mit ihm bangt. Gelinde gesagt dürfte es vielen furchtbar egal sein, was ihm widerfährt, ob er nun für Feraldo eine Biowaffe gegen die Strigoi zusammenmischt oder weiterhin die Hoffnung nicht aufgibt, seinen Sohn Zach (Max Charles) noch einmal lebend wieder zu sehen.

Guns and sticks

Über Eph erfahren wir zumindest etwas über die derzeitige Lage in New York. Bei seiner Suche nach Sprit fragt man sich aber schon, warum er nach seinen bisherigen Erfahrungen keine Handschuhe trägt, was im direkten Zweikampf mit der Vampirbrut durchaus ratsam wäre. So ein einen Virus in sich tragendes weißes Würmchen findet doch relativ schnell einen Weg in den menschlichen Körper. Wenig später sitzt Eph dann wieder gedankenverloren in seinem alten Wohnhaus, schüttet Wodka in sich hinein und wartet, dass irgendwas (die Rückkehr Zachs) passiert.

Humans only

Nein, die Macher erfüllen nicht den Wunsch vieler Zuschauer, dass endlich ein Haken hinter der Personalie von Ephs Sohnemann gemacht wird, wie uns eine kurze Traumsequenz von Zach als Strigoi und dessen Tod zu Händen seines Vaters kurz vorgaukelt. Der Bengel darf uns noch etwas länger auf die Nerven gehen und wird von seiner Mutter als Druckmittel gegen Eph eingesetzt, der im Austausch für Zach den Lumen von Abraham und Co. beschaffen soll. Wirklich originell ist diese Entwicklung jetzt nicht. Uns wird aber zumindest ein innerer Konflikt von Zachs Mutter Kelly (die überzeugende Natalie Brown) in Aussicht gestellt, bei der es sich erst noch zeigen muss, ob sie in der Lage dazu wäre, ihr eigenes Kind für den Master zu töten, sollte Eph nicht liefern können.

Die Szene zwischen Eph und seiner Frau Kelly (und ein paar gruseligen, krabbeligen Kinder-Strigois, die wie immer großartig sind) markiert auch den Abschluss dieser, alles in allem eher durchwachsenen Folge mit wenigen Höhepunkten. Im Großen und Ganzen fällt „New York Strong, The Strain“ in die Kategorie „solide“, doch die Verantwortlichen haben sich hoffentlich für die dritte Staffel von The Strain ein bisschen mehr einfallen lassen, um ihre Zuschauerschaft emotional mehr zu packen und zu involvieren. Bei mir ruft der Staffelauftakt nämlich trotz einiger schicker Schauwerte zu oft ein Gefühl der Gleichgültigkeit hervor.

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 29. August 2016

The Strain 3x01 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 1
(The Strain 3x01)
Titel der Episode im Original
New York Strong
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 28. August 2016 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 29. August 2016
Regisseur
J. Miles Dale

Schauspieler in der Episode The Strain 3x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?