The Strain 2x08

The Strain 2x08

In Intruders gelingt es den Serienmachern, uns mehrere durchaus atmosphärische Szenen zu präsentieren, während vor allem die drei erfahrensten Mitglieder der Darstellerriege etwas aufspielen dürfen. Leider kommt es jedoch erneut zu einigen sehr sinnfreien Momenten.

Richard Sammel als Thomas Eichorst in der „The Strain“-Episode „Intruders“. / (c) FX
Richard Sammel als Thomas Eichorst in der „The Strain“-Episode „Intruders“. / (c) FX

The Strain bleibt auch in der achten Episode seiner zweiten Staffel eine qualitative Achterbahnfahrt. Wie in vielen Episoden zuvor wechseln sich in Intruders recht ansehnliche und spannende Szenen mit Momentaufnahmen ab, die einen mit dem Kopf schütteln lassen. Damit schießen sich die Autoren selbst ins Bein, denn so sehr man sich hier an den Darbietungen von Jonathan Hyde, Richard Sammel und David Bradley erfreuen kann, so frustrierend gestaltet sich weiterhin das Geschehen um Eph (Corey Stoll) und seinen Sohn Zach (Max Charles).

In „Intruders“ ist es zunächst einmal positiv, dass es mit der Handlung zumindest ein klein wenig vorangeht, was vor allem mit der Suche nach dem Occido Lumen zusammenhängt. Das jahrhundertealte Schriftstück enthält bekanntermaßen Mittel und Wege, um dem Master Einhalt gebieten zu können. Nun sind drei Parteien, deren Motive unterschiedlicher nicht sein könnten, hinter dem Buch her: Abraham möchte das Lumen nach wie vor in seinen Besitz bringen, um den Master ein für alle Mal zu besiegen. Doch auch Palmer sucht nach dem Buch, mit dem er einen mächtigen Hebel gegen den Master hätte, um sich vom Pakt mit dem Teufel beziehungsweise Ober-Strigoi zu befreien und selbst über sein neues Schicksal als Unsterblicher verfügen zu können. Und natürlich will auch der loyale Eichorst das Occido Lumen finden, um seinen Gebieter zu schützen.

Ausgezeichnet

Auch wenn das Occido Lumen nach wie vor ein besserer MacGuffin ist - der Kampf um dieses Objekt der Begierde sorgt für etwas Bewegung in dem bisher eher zähflüssigen Plot. Gleichzeitig kommt es zu einigen ansehnlichen Szenen zwischen den verschiedenen „Spielern“. So zum Beispiel zwischen Palmer und Eichorst, als beide Seiten wunderbar mit den Säbel rasseln. Vor allem Palmer teilt einige Spitzen gegen den vom Master übergangenen Eichorst aus. Jonathan Hyde schlägt sich erneut stark, aber auch Richard Sammel darf endlich wieder einmal etwas mehr auftrumpfen. Allein in der Eröffnungssequenz mit ihm und Natalie Brown, als Eichorst der verwandelten Kelly Goodweather beibringt, wie sie ihr neues Ich unter Kontrolle halten und sich tarnen kann, überzeugt Sammel auf ganzer Linie. Dies gilt ebenso für eine spätere Szene, in der er sich den geldgierigen Kardinal vorknöpft, der als Mittelsmann für den aktuellen Besitzer des Occido Lumen fungiert.

Abraham (David Bradley) und Fet (Kevin Durand) in %26bdquo;Intruders%26ldquo;. © FX
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Enter the game

Man merkt den beiden Schauspielveteranen Jonathan Hyde und Richard Sammel ihre Erfahrung an und wie sie aufgrund ihrer starken Präsenz und Ausstrahlung gar relativ einfache Szenen tragen können. Gleiches gilt für David Bradley, der hier ebenfalls ein paar nette Momentaufnahmen zugeschustert bekommt und dessen Charakter im Zusammenspiel mit Kevin Durands Fet (die Freude in seinem Gesicht, als Abraham sagt, dass sie den Kardinalen bestehlen wollen, ist großartig) Spaß macht. Mit der Information, dass sich das Lumen im Besitz von Rudyard Fonescu befindet, dem Jungen, der sich einst in dem Kloster in Österreich versteckte, wo der junge Abraham und Palmer bereits nach dem Buch suchten, geht die Suche in die nächste Phase. Abraham und Fet scheinen erst einmal im Vorteil zu sein, da der Master diese Information wohl nicht mehr erhalten hat.

Dieser Handlungsstrang der Episode ist im Großen und Ganzen sehr ordentlich und vermittelt uns zumindest etwas Fortschritt der Geschichte. Das „Drama“ zwischen Palmer und Coco (Lizzie Brocheré), die sich nur auf eine Beziehung mit ihm einlassen will, wenn er seine dunkelsten Geheimnisse mit ihr teilt, fühlt sich wie so oft etwas zu aufgesetzt an. Vielmehr interessiert es da schon, wie es in dem Kampf um das Occido Lumen weitergehen und wer letztlich erfolgreich sein wird.

Focus

So weit, so solide. Problematisch wird es dann wiederum in dem Handlungsstrang um Eph. Ja, es ist mir durchaus bewusst, dass ich mich wie ein kaputte Schallplatte anhören. Doch leider lassen sich hier erneut die meisten Makel und störenden Elemente finden, die die Episode ein Stück weit runterziehen. Dies beginnt damit, dass Eph nach wie vor ein Charakter ist, mit dem wir uns nicht identifizieren können und dessen Verhalten einfach furchtbar ist. Und dabei stellt er doch die Hauptfigur der Serie dar, die eigentlich genau das Gegenteil beim Zuschauer bezwecken soll. Während sein Alkoholismus nur noch nervt und uns seine klischeehafte Figurenzeichnung Woche für Woche vor Augen führt, schafft er es immerhin in den letzten Minuten der Episode Nora (Mia Maestro) noch die Wahrheit über seinen Aufenthalt in Washington, D.C. zu erzählen. Ganz abgesehen von dem Mord an Barnes (Daniel Kash) hat er Nora dort immerhin mit einer anderen Frau betrogen. Gewissensbisse merkt man Eph jedoch nicht wirklich an.

Als Eph sich mit Sohnemann Zach (Max Charles) aufmacht, um ein Scharfschützengewehr zu kaufen, mit dem er Palmer zur Strecke bringen will, schiebt man eine kleine Aussprache zwischen den beiden Figuren ein, die wiederum keinen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Warum er Zach überhaupt dabei haben muss, wenn er eine Waffe kauft, ist nicht klar. Aber Halt, beim Waffenhändler angekommen, muss Eph eine Operation an diesem vornehmen. Jetzt dürfen Eph und Zach gemeinsam ein Leben retten, das wird ihrer Beziehung gut tun. Könnte man denken. Die komplizierte Operation (die Eph trotz nicht vorhandenen Wissens locker-leicht über die Bühne bringt) ist zügig vorüber und spielt sich vor allem off-screen ab. Wir Zuschauer können kaum nachvollziehen, wie diese eigentlich intensive Drucksituation das Verhältnis zwischen Vater und Sohn beeinflusst hat, weil sie im Grunde genommen gar nicht stattfindet. Das ist ärgerlich für die beiden Charaktere und deren Beziehung zueinander, an der die Autoren weiterhin recht erfolglos schrauben und die keinerlei Empathie bei mir weckt.

Ruthless

Auch die Geschichte um Kelly kann mich in Intruders nicht recht überzeugen. Es ist durchaus spannend mit anzusehen, wie sich ihre Verwandlung gestaltet, was sich für sie verändert und ob vielleicht doch noch aufrichtige Gefühle für ihre Familie in ihr schlummern. Auch die Szene, als sie Zach heimlich durch das Fenster des Unterschlupfes der Gruppe beobachtet, sorgt für einen schaurigen Gänsehautmoment. Man könnte recht viel mit diesem Charakter machen und ihre Entwicklung tiefgründiger thematisieren, doch leider kommt Natalie Brown hier zu kurz. Wobei sie gute Arbeit leistet und treffend ihr neues Ich wiedergibt, vor allem körperlich durch ihr unkontrollierbares Zucken.

Nora (Mia Maestro) und Eph (Corey Stoll) in %26bdquo;Intruders%26ldquo;. © FX
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Faithful servant

Doch man vermasselt sich einiges, so zum Beispiel durch die komische Einlasskontrolle, durch die die geschminkte Kelly durchkommen muss, um in die Nähe ihres Sohnes zu kommen. Es sieht nicht so aus, als wäre die Ablenkung durch einen Strigoi so geplant gewesen, sodass Kelly unentdeckt in die abgesperrte Zone eindringen kann. Und warum sollte der Wachposten sie dann überhaupt hastig durchwinken? Der Sinn dahinter erschließt sich mir hier nicht, einzig der Plot wird so zweckdienlich vorangetrieben. Weitere Kritikpunkte lassen sich in den finalen Szenen der Episode finden. Diese sind zwar aufregend gestaltet, da das Versteck der Gruppe von Kelly und ihren kleinen Schergen attackiert wird, doch wie es zu dieser Infiltrierung kommt, sorgt für Kopfschmerzen. Ja, Zach liebte seine Mutter und kann nicht akzeptieren, dass sie jetzt ein seelenloses Vampirwesen ist. Aber die gesamte Action und Spannung beruht letztlich auf einer selten dämlichen Aktion des Sprösslings. Kelly kann letztlich dank Noras beherzten Auftretens in die Flucht geschlagen werden, während Zach realisiert, dass dies nicht mehr seine Mutter ist und sich für seinen Vater einsetzt.

Schlussendlich will man uns diese Szene als den Moment verkaufen, in dem Zach sich ein für alle Mal von seiner Mutter löst. Wäre die Figur auch nur ein Stück weit realistischer geschrieben, hätte Zach dies schon lange vorher getan. Neben den eher bescheidenen Auftritten von Jungdarsteller Max Charles bleibt auch dessen Charakter selbst ein großer Störfaktor. Eine solide und aufgrund guter Darbietungen bisweilen sehr kurzweilige Episode bekommt so zum Abschluss einen unangenehmen Beigeschmack. Gus' (Miguel Gomez) Nebengeschichte läuft schon unter ferner liefen und könnte rein theoretisch ausgespart werden - man würde es kaum bemerken. Er bekommt eine kleine Romanze verpasst und darf mit dem Idol seiner Kindheit abhängen, bis er letztlich von Quinlan (Rupert Penry-Jones) aufgesucht wird, der mit Gus gemeinsam auf Vampirjagd gehen will. Gus' frecher Charakter in allen Ehren, auch an dieser Front herrscht vorwiegend Stillstand. „Intruders“ weist einige positive Aspekte auf, zum Beispiel die teilweise gespenstische Inszenierung sowie die Auftritte von Darstellern wie Hyde, Sammel oder Bradley. Letztendlich kommt The Strain aber nach wie vor auf keinen grünen Zweig.

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 31. August 2015

The Strain 2x08 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 8
(The Strain 2x08)
Deutscher Titel der Episode
Occido Lumen
Titel der Episode im Original
Intruders
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 30. August 2015 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 5. November 2015
Autoren
David Weddle, Bradley Thompson
Regisseur
Kevin Dowling

Schauspieler in der Episode The Strain 2x08

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