The Strain 2x07

Nachdem die Episode Identity aus der letzten Woche alles andere als überzeugen konnte und an deren Ende einige vielversprechende neue Ideen sofort wieder über den Haufen geworfen wurden - so zum Beispiel der Tod von Reggie Fitzwilliam (Roger R. Cross), der gerade erst zur Gruppe gestoßen war -, stellt sich in dieser Woche mit The Born leichte Besserung ein.
Die Handlung bewegt sich zwar nach wie vor eher schleppend sowie recht spannungsarm voran und die Entscheidung der Autoren für neues künstliches Drama hätte man sich auch sparen können. Jedoch nimmt die Jagd nach dem Master mit der gelungenen Einführung eines neuen Charakters wieder etwas Fahrt auf und zeigt, dass The Strain oftmals dann am besten ist, wenn es um die Mythologie der Serie, die eigentliche Bedrohung durch die Strigois sowie die Hintergründe der Vampirplage und ihres Anführers geht.
Barbarian gladiator
Mit der neuen Figur des mysteriösen Mr. Quinlan (Rupert Penry-Jones), der in Quick and Painless zum allerersten Mal zu sehen war, weckte man bei nicht wenigen Zuschauer das Interesse. Man ließ uns ein wenig zappeln, präsentiert uns jetzt aber endlich etwas mehr Informationen zu diesem nebulösen Charakter, die gewohnt episch anmuten soll und ihren Zweck durchaus erfüllt. Während Setrakians (David Bradley) Stimme erklingt und dieser von einem legendären Gladiator aus der römischen Antike berichtet, bekommen wir einen eher unspektakulären Gladiatorenkampf vor einer sichtbaren CGI-Kulisse präsentiert.
Bei dem kurzen Scharmützel der beiden Schwertkämpfer hätte man sich gerne etwas mehr Mühe geben können, aber letztlich horcht man interessiert auf, als man weitere Informationen zu diesem geheimnisvollen Strigoi geliefert bekommt und dessen Figur immer mehr Form annimmt.
Wie sich später herausstellt, ist Quinlan dem Master schon seit einer halben Ewigkeit auf den Fersen und verfolgte diesen gar bis nach Albanien, wo er jedoch nur ein paar Vampirschergen und den Gehstock fand, den jetzt Setrakian sein Eigen nennt. Auf diesen und Fet (Kevin Durand) trifft Quinlan nun, nachdem er sich ein paar Informationen über potentielle Vampirjäger von den Ancients eingeholt hatte. Der alte Professor hat nach dem Tipp des verstorbenen Fitzwilliams gemeinsam mit dem kantigen Kammerjäger der Fabrik einen Besuch abgestattet, die Palmer gehört und in der der Master seinen neuen Rückzugspunkt hat. Dort findet das Duo auch die Grube, die aus den blinden Kindern die gespenstischen Fußsoldaten der umgedrehten Kelly Goodweather (Natalie Brown) gemacht hat.

Little monkeys
Dass sich Setrakian und Fet am Ort des ganzen Übels befinden, wird ihnen erst durch Quinlan bewusst, der Setrakian wiederum seinen Respekt zollt, schaffte es der Greis doch tatsächlich, den Master dazu zu zwingen, seine körperliche Hülle auszutauschen. Quinlan kümmert sich nebenbei noch um ein paar der verwandelten Kinder, die es auf Fet und Setrakian abgesehen haben. Das Monsterdesign der kleinen Krabbler ist nach wie vor hervorragend und absolut grauenerregend. Auch das Setting gefällt in diesen Szenen gut und ist äußerst stimmungsvoll. Highlight ist hier jedoch ganz eindeutig Quinlans lässiger Auftritt und wie er kurzen Prozess mit den kindlichen Angreifern macht, die er absolut nüchtern in die Pfanne haut.
Mit einem Schwert und zwei Uzis bewaffnet lässt er keine Zweifel aufkommen, dass er als Vampirjäger in einer ganz anderen Liga spielt. Seine imposanter Auftritt, der übrigens sehr einfach gehalten ist und erfrischenderweise komplett auf eine reißerische musikalische Untermalung verzichtet, erinnert dabei fast ein wenig an Blade aus der gleichnamigen Filmreihe. Das ist eventuell gar nicht so weit hergeholt, betrachtet man die Verbindung von Produzent Guillermo del Toro zu dem Vampirfilmfranchise und dessen Engagement als Regisseur für den zweiten Teil der Reihe.
Hidden truths
So interessant die Vorgeschichte Quinlans und die Rätselei um dessen Motive sind, so enttäuschend ist dann leider die Auflösung dieses Handlungsstranges. Quinlan stellt den Master in den Hallen der Fabrik, um diesen endlich zur Strecke zu bringen. Dieser Plan wird aber durch Sprengmeister Fet durchkreuzt, der wieder einmal ein Bündel Dynamitstangen mit sich trägt und das Gebäude zufälligerweise genau an der richtigen Stelle zum Einsturz bringt, so dass der Master und sein Lakai Eichorst (Richard Sammel) fliehen können. Der Showdown wird also vertagt, was schon ein wenig schade ist, da eine knackige Auseinandersetzung zwischen den beiden Parteien sicherlich noch einmal für ordentlichen Schwung gesorgt hätte.
Jetzt heißt es abwarten, bis Quinlan seine nächste Chance bekommt, während sich Setrakian und Fet in dessen Augen eher weniger verdient gemacht haben. Die wahren Beweggründe für Quinlans Hass auf den Master werden derweil in einigen Nebensätzen umschrieben, die recht deutlich machen, dass es sich hier eventuell sogar um den Sohn des Masters handeln könnte, dessen Mutter von dem Obervampirwesen scheußlich behandelt wurde. Dies wirft einige spannende Fragen für die weitere Mythologie der Serie um den Master und die Strigoi auf. Quinlans Figurenzeichnung mag vielleicht nicht wahnsinnig originell sein, der neue Charakter bringt aber etwas frischen Wind mit sich und legt einen im Großen und Ganzen einprägsamen Auftritt hin.
Romantic worries
So können der Handlungsstrang um die Jagd nach dem Master und der Fokus auf die Strigoi-Bedrohung in dieser Woche am meisten überzeugen, da eine durchaus kurzweilige und visuell ansprechende Geschichte erzählt wird - trotz platten Schlusspunkts. Sobald sich die Autoren jedoch wieder den menschlichen Charakteren ihrer Serie widmen, stellen sich die bereits bekannten Schwächen von The Strain ein, welche mitunter sehr störend sein können. Am unnötigsten ist hier der kleine Handlungsbogen um Fet, der von der Eifersucht gepackt wird, nachdem Dutchs (Ruta Gedmintas) Freundin und alte Liebschaft Nikki (Nicola Correia Damude) wieder auf den Plan tritt.
Dieses Verhalten passt gar nicht zum stämmigen Haudrauf, dessen neuerliche Gefühlslage schon ein wenig nachvollziehbar ist, da er nun eine nette kleine Beziehung mit Dutch führt. Das „Drama“ und wie Fet auf Nikkis Rückkehr reagiert, wird aber leider wie in einer mäßigen Seifenoper dargestellt. Da spricht einem Setrakian schon fast aus der Seele, als er seinen Mitstreiter mitteilt, dass dessen Liebessorgen völlig irrelevant sind.
In Eph (Corey Stoll) findet Fet zum Ende hin den perfekten Trinkkumpanen, hat doch auch dieser einen neuen Tiefpunkt erreicht, nachdem sein Ausflug nach Washington ein sehr blutiges Ende nahm und nicht den erhofften Erfolg mit sich brachte. Recht fix findet sich Eph nun wieder in New York ein, wo die Vampirbedrohung nach wie vor nicht wirklich spürbar ist, schaut man sich zum Beispiel nur an, wie friedlich der gesellige Abend von Eph und Fet in einer New Yorker Bar wirkt. Zur allgemeinen Atmosphäre und dem Gefühl, dass die ungemütlichen Kreaturen auf dem Vormarsch sind, trägt dies nicht wirklich bei.
Die obligatorische Vater-Sohn-Szene zwischen Eph und Zach (Max Charles) darf natürlich auch nicht fehlen. Diese ist abermals ziemlich nichtssagend, dabei hätte man doch erwarten können, dass der junge Zach nach dem Aufeinandertreffen mit seiner Strigoi-Mutter wesentlich aufgelöster sein würde und Eph seine wenigen Vaterqualitäten einsetzen müsste.

Regeneration
Doch dem Sohnemann ist schnell geholfen und etwas Hoffnung gemacht, so kann sich Eph auf das Wesentliche konzentrieren. Sein neues Ziel: Eldritch Palmer (ein nach wie vor gut aufgelegter Jonathan Hyde). Dieser hatte den Auftragskiller auf ihn angesetzt und scheint sich auch keine weitere Sorgen um Ephs und Noras (Mia Maestro) Biowaffe gegen die Vampire machen zu müssen, die sich nach Aussage einer seiner Handlanger in sicheren Händen befindet. Es besteht Hoffnung, dass durch die Zusammenführung dieser Figuren und einem neuerlichen Konflikt zwischen Eph und Palmer der Handlung ein ordentlicher Schub gegeben wird.
Palmer, der seiner neuen Assistentin Coco (Lizzie Brocheré) auf deren Initiative hin deutlich näherkommt, befindet sich in einer dramaturgisch sehr interessanten Rolle, an der man nun weiter feilen könnte. In den Augen der Öffentlichkeit ist er ein Samariter, während Eph und seine Gruppe genau wissen, dass Palmer im Bunde mit dem Bösen steht. Was die Verantwortlichen aus der ambivalenten Position des gediegenen Geschäftsmannes, der eine eine neue Weltordnung anzustreben scheint („Complecancy is the enemy of all empires.“ - „Selbstzufriedenheit ist der Feind aller Imperien.“), letztlich machen werden, müssen die nächsten Episoden zeigen.
In eigener Sache: Da sich Axel im Urlaub befindet, werde ich nun für kurze Zeit die Reviews zur zweiten Staffel von „The Strain“ übernehmen.
Trailer zur „The Strain“-Episode „Intruders“:
Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 25. August 2015The Strain 2x07 Trailer
(The Strain 2x07)
Schauspieler in der Episode The Strain 2x07
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