The Strain 2x06

Die Episode Identity der FX-Vampirserie The Strain gibt sich keinerlei Mühe, nachvollziehbare Zusammenhänge zwischen all ihren Ereignissen herzustellen. Würde man diese Ereignisse aus einem narrativen Vakuum betrachten, wären sie gar nicht unspannend. Im Kontext der Serie funktionieren sie aber überhaupt nicht, weil man sich bei fast jedem Handlungsbogen fragt, wieso diese Figuren genau diese Entscheidungen treffen. Meist sind es Entscheidungen, die keinen Sinn ergeben.
Now I'm nothing
Beginnen wir mit Eph (Corey Stoll) und seiner Mission in Washington, D.C. Mit seinem Bekannten Rob (Tom Ellis) feiert er erst einen schwer erträglichen douchebag bro-down, bevor die beiden einen Deal mit der Abgesandten eines Pharmaunternehmens einfädeln, das im Tausch mit den Rechten an Ephs Antivampirvirus zustimmt, zusätzliche Forschungskapazitäten zur Verfügung zu stellen. Weil alle Frauen der Welt Sex mit Eph haben wollen, landet er mit ihr natürlich noch im Bett. Uuuuugggghhhhh.

Überdies hat Rob glücklicherweise nicht nur beste Kontakte zur Privatwirtschaft, sondern auch in hohen Staatsämtern. Der Chef der Nationalgarde ist ebenso empfänglich für die Idee, das Antivirus weiterzuentwickeln und baldmöglichst nach New York zu bringen. Der Kampf mit den Institutionen ist ein bekannter Topos sämtlicher Katastrophenerzählungen und könnte durchaus spannend aufbereitet sein. Hier geschieht das jedoch nicht. Die Serie konzentriert sich lieber darauf, Eph beim Trinken und Flirten zu beobachten. Am Ende werden beide Rothemden von einem Stoneheart-Auftragsmörder erschossen, der es offensichtlich für eine gute Idee hält, das Logo seines Auftraggebers als Hintergrundbild im Handy aufzubewahren.
Genauso konstruiert wie diese Actionsequenz fühlt sich auch die um Nora (Mia Maestro) und Zach (Max Charles) an. Die beiden müssen sich bis nach Einbruch der Dunkelheit die Zeit bei Justine Faraldo (Samantha Mathis) vertreiben, damit es zu einer gefährlichen Situation kommen kann. Sie werden von Kelly (Natalie Brown) und ihrer Vampirkinderarmee (aka „Spiderkids“) aufgespürt, wobei die Anführerin nur drei ihrer Jünger zum Angriff abkommandiert. Kein Wunder, hätten Nora und Zach doch gegen die gesamte Armee keine Chance gehabt. Auch so ist es schon schwer annehmbar, dass sie überhaupt entkommen. In der letzten Episode gaben die kleinen Monster noch eine eindrucksvolle Demonstration ihrer Geschwindigkeit - hier sieht es das Drehbuch aber vor, dass sie gerade langsam genug sind, um Nora und Zach entkommen zu lassen.

Diese beiden Kritikpunkte sind aber noch nicht die größten Ärgernisse dieses Handlungsbogens. Das ereignet sich am Ende, als Fet (Kevin Durand), Setrakian (David Bradley) und Fitz (Roger R. Cross) ihren Freunden zur Hilfe eilen. Nachdem die Serie zwei Episoden darauf verwendet hat, Fitz als Figur (sogar mit einer sinnvollen Aufgabe!) zurückzuholen, lässt sie diesen interessanten Charakter einfach sterben. Das Drehbuch verlangt einen vermeintlich bestürzenden Tod? Das Drehbuch bekommt ihn. Nur leider löst das bei mir nicht mehr als ein müdes Axelzucken aus.
This is my body
Ebenso egal ist mir die überraschende Ernennung von Gabriel Bolivar (Jack Kesy) zum neuen Master. Die Figur wurde in dieser zweiten Staffel nur noch marginal verwendet - wäre sie gar nicht mehr aufgetaucht, wäre es mir nicht aufgefallen. Ähnliches gilt für Eichhorst (Richard Sammel), der eigentlich damit gerechnet hatte, die Nachfolge seines Königs anzutreten. Die Szene kommt nicht nur aus dem dramaturgischen Nichts, sie ist auch noch so wahnsinnig „trashig“ inszeniert, dass man sie kaum ernst nehmen kann. Wir sollen dabei wohl vor Ehrfurcht erstarren, können dies aber nicht, weil die involvierten Figuren nicht wichtig genug sind.
Die nächste Gelegenheit zum wiederholten „Facepalming“ lässt nicht lange auf sich warten. Statt Imbissbudenbesitzertochter Aanya (Parveen Kaur) auszureden, eine Bestellung in einer Stadt abzuliefern, wo sich Menschen gerade in Vampire verwandeln, begleiten sie Gus (Miguel Gomez) und sein neuer Intimfeind Angel (Joaquin Cosio), der sich weiterhin weigert, aus seiner etablierten Charakterzeichnung als grumpy old guy auszubrechen. Gemeinsam erledigen sie zwei Vampire - eigentlich eine gute Möglichkeit, um die Fronten zwischen ihnen aufzuweichen. Es geschieht nichts dergleichen. Dabei weiß der geübte Fernsehzuschauer längst, dass die beiden ein Team abgeben werden.
Kommen wir also zum einzigen Lichtblick dieser Episode, der leider noch keinen Namen trägt (Buchleser wissen sicherlich mehr). Der Vampirkiller mit dem Knochenschwert kommt in New York an und liest den ancients sogleich die Leviten. Viel mehr erfahren wir über ihn leider nicht. Er wird sich auf die Suche nach dem Master machen, also eine ganz ähnliche Mission verfolgen wie Vaun und dessen Vampirkillertruppe vor ihm. Storytechnisch gibt es hier noch keinen großen Fortschritt, allein das Design des Knochenmanns sieht aber so cool aus, dass ich nun unbedingt wissen will, wie es mit ihm weitergeht.
Eph hingegen kann noch eine Weile in Washington bleiben und dort an seinem Mittelchen weiterforschen. Es würde mir nichts ausmachen, wäre da keine Kamera dabei. The Strain legt sich momentan unnötige dramaturgische Ketten ans Bein. Lasst doch einfach coole Vampirkiller Jagd auf Vampire machen - viel mehr muss die Serie nicht tun, um gut zu unterhalten.
Trailer zur Episode „The Born“ (2x07) von „The Strain“:
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 18. August 2015(The Strain 2x06)
Schauspieler in der Episode The Strain 2x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?