The Strain 2x09

Es ist und bleibt das alte Lied: Die zweite Staffel von The Strain findet nicht so recht ihren Weg. The Battle for Red Hook steht dabei fast exemplarisch für diesen bisweilen ärgerlichen Umstand, denn wie schon in einigen Episoden zuvor stehen die Vorzeichen auf gute Fernsehunterhaltung zu Beginn dieser Episode gar nicht einmal so schlecht. Tatsächlich bekommt man den Eindruck, dass hier ausnahmsweise mal etwas auf dem Spiel steht, was der oft sehr spannungsarmen Handlung sehr guttun sollte. Leider sorgen dann jedoch einzelne Szenen, deren Aufbau zumeist wenig bis gar keinen Sinn ergeben, dafür, dass man als Zuschauer entnervt abwinkt. Das ist durchaus schade, denn, während man visuell im Großen und Ganzen solide Arbeit abliefert, macht man sich inhaltlich abermal so einiges zunichte.
Es ist ja bei weitem nicht so, dass die Vampirserie uns in ihrer zweiten Staffel Woche für Woche extrem enttäuschende neue Episoden präsentiert. Doch, sobald man sich zu sehr an den positiven Aspekten, wie zum Beispiel der atmosphärischen Inszenierung oder den Darbietungen einzelner Darsteller, festklammert, schmeißen einem die Macher mit unbeholfenen Zwischensequenzen und eigenartigem Verhalten der handelnden Figuren einen Knüppel zwischen die Beine. Dadurch ist der Frustrationslevel extrem hoch und der Spaß, den man eigentlich beim Ansehen einer derartig überzeichneten Serie über Vampire haben sollte, geht verloren.
True power
Doch der Reihe nach. Der Auftakt dieser Episode ist alles andere als misslungen und zeigt eigentlich, dass die Verantwortlichen es durchaus verstehen, Spannung sowie eine gewisse Erwartungshaltung beim Zuschauer zu generieren. Nachdem sich der New Yorker Stadtteil Red Hook unter der Leitung der engagierten Stadträtin Feraldo (Samantha Mathis) zu einer wahren Bastion im Kampf gegen die Vampire gemausert hat, führt Eichorst (Richard Sammel) nun den Plan des Masters aus, den scheinbar sicheren Rückzugspunkt der New Yorker Bevölkerung zu attackieren und den Menschen zu zeigen, wer in der Stadt wirklich die Hosen anhat. Diese Ausgangssituation hört sich schon einmal vielversprechend an. Doch bevor wir uns in die Schlacht um Red Hook stürzen, müssen zunächst noch ein paar Nebenkriegsschauplätze abgeklappert werden.
So zum Beispiel an der Beziehungsfront der verschiedenen Charaktere, siehe Fet (Kevin Durand) und Dutch (Ruta Gedmintas) sowie Nora (Mia Maestro) und Eph (Corey Stoll). Während Eph mit Sohnemann Zach (Max Charles) und einem äußerst grummeligen Abraham (David Bradley) Feraldo vor dem bevorstehenden Angriff durch die Strigoi warnen, tut sich die schmollende Nora mit Fet zusammen. Dieser will Dutch, die sich nun gemeinsam mit ihrer Freundin Nikki (Nicola Correia Damude) verschanzt hat, von den letzten Vorfällen informieren. Es ist zunächst einmal positiv, dass Fet jetzt anscheinend über Dutchs Rückkehr zu Nikki steht, denn, wie bereits letzte Woche erwähnt, ist der Charakter zu schade dafür, um in einem derartig unausgegorenen Liebesdreieck voller Eifersüchteleien zu verenden.

No quitters here
Die Autoren versuchen hier vielmehr, etwas Licht in das Verhältnis zwischen Dutch und Nikki zu bringen, was jedoch nur teilweise gelingt. So richtig nachvollziehbar ist die Beziehung der beiden für mich nicht, denn, selbst wenn Ruta Gedmintas eine ordentliche Darbietung abliefert, die Figur der Nikki könnte für uns als Zuschauer unwichtiger nicht sein. Das macht es wiederum auch sehr schwer, sich in die offensichtlich sehr emotionale Beziehung der beiden hineinzuversetzen, da Nikki nie wirklich zu einem ausgereiften Charakter gemacht wurde. So verpufft die Szene zwischen den beiden leider auch etwas im Nichts. In einigen kleineren Momentaufnahmen zieht sich mir gar der Magen ein Stück weit zusammen, da die Figuren sich sehr unbeholfen anstellen und man abermals ins Seifenopergenre abdriftet, so dass man es als Zuschauer schon fast mit der Fremdscham zu tun bekommt.
Da fiebert man eher schon der großen Auseinandersetzung zwischen Mensch und Vampir an der Einlasskontrolle von Red Hook entgegen, die immer mehr Form annimmt. Eichorst schmuggelt mithilfe eines naiven Schiffskapitäns über eine Fähre ein paar Strigoi sowie Kelly (Natalie Brown) nach Red Hook, wo diese zunächst die Energiezufuhr für das gegen die Vampirbrut effektive UV-Licht kappen. Ein herber Schlag für die Menschen vor Ort, die dann kurzzeitig von ein paar angreifenden Vampiren auf die Probe gestellt werden. Dies ist jedoch nur ein erster Vorgeschmack, formiert sich die eigentliche Bedrohung doch gerade erst im Schutz der Dunkelheit.
Moment of truth
Während Eph, Nora, Zach und Fet sich darum kümmern sollen, dass der Strom wieder fließt und Abraham sein eigenes Süppchen braut, da er Eichorst endlich zu Fall bringen will, sieht Feraldo die Chancen der Menschen von Red Hook immer mehr schwinden, da die Verteidiger in der krassen Unterzahl sind. Also schwingt sie sich auf den nächstbesten Pick-up-Truck und mobilisiert die Massen, was leider wie so oft in The Strain ein wenig lachhaft und unfreiwillig komisch wirkt. Als sich dann der große Kampf um Red Hook entspinnt, bricht großes Chaos aus, das aber anfänglich noch mitreißen kann. Dann wird der ganze Trubel jedoch leider ein klein wenig zu unübersichtlich und hektisch, so dass man als Zuschauer gar nicht mehr so richtig weiß, wo oben und unten ist. Das mag beabsichtigt sein, da dies nun mal eine Extremsituation ist. Jedoch gibt es Möglichkeiten, ein solches Chaos besser zu filmen und den Zuschauer eben nicht nur lieblos ins Geschehen hineinzuwerfen.
Da hätte ich persönlich etwas mehr erwartet, denn letztlich habe ich keinen richtigen Zugang zu diesem Großereignis Mensch gegen Vampir gefunden, das am Ende des Tages von Feraldo als der Wendepunkt im Kampf gegen die Strigois bezeichnet wird. Die Bevölkerung von Red Hook geht vor allem dank Nora und Fet als Sieger hervor, die die Energiezufuhr für die UV-Lichter wiederherstellen.
Doch hier kommt es zum nächsten Problem. Eichorst sorgte im Vorfeld dafür, dass der Strom abgestellt wird und ist geradezu erzürnt, als seine Widersacher die UV-Lampen wieder zum Laufen bringen. Vielleicht hätte er auch einfach nicht nur die Schalter ausstellen, sondern die Technik im Elektrizitätswerk entscheidend und dauerhaft beschädigen sollen. So viel Weitsicht hätte man vom Adjutanten des Masters erwartet, denn letztlich dreht Nora nur ein paar Schalter um und zack, es werde Licht. Dass sie aufgrund dieser ungewöhnliche Leistung später von Fet als Genie bezeichnet wird, setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf.
Personal matters
Auch die Szene mit Kelly, die ihren Sohn Zack „befreien“ will, stößt mir letzten Endes übel auf. Der Schauplatz der Auseinandersetzung zwischen ihr und Fet gefällt gut, doch der Kampf der beiden sorgt für allerlei Kopfschütteln. Dass in „The Strain“ nicht die besten Schützen auftreten (insbesondere, wenn es darauf ankommt), ist ein alter Hut. Doch dass die verwandelte Kelly sich derartig ungeschickt gegen Fet anstellt, ist einfach nur nervig. Nicht einmal hatte ich das Gefühl, dass dem nonchalanten Hünen etwas zustoßen könnte. Ich wünsche mir ja nicht, dass die Macher Fet abservieren, doch wie soll ich als Zuschauer mitfiebern und um dessen Leben bangen, wenn die Gefahr für ihn nicht existent ist? Selbst die glibbrigen, weißen Würmchen, die jeden anderen Menschen sofort infiziert hätten, schüttelt der stämmige Kammerjäger ab, als wäre es nichts. Da hier jedwede Spannung fehlt, belächelt man letztlich nur noch Szenen wie diese, die man im Grunde genommen gar nicht richtig ernst nehmen kann.
Ähnliches gilt für das Aufeinandertreffen zwischen Eichorst, Abraham und Eph. Letzterer will Abraham bei der Bekämpfung von Eichorst unterstützen, findet sich aber selbst recht schnell im Visier des unheimlichen Anzugträgers wieder. Richard Sammel ist hier wie so oft über jede Form der Kritik erhaben, merkt man ihm doch förmlich an, wie sehr er es genießt, dem speziellen Charakter von Eichorst Leben einzuhauchen. Mit geschickten Psychospielchen dringt er in den Kopf von Eph ein, während die Intonation Sammels sowie sein diabolisches Grinsen für wunderbare Gänsehautmomente sorgt. Als es dann jedoch zum Kampf kommt, trifft derselbe Kritikpunkt zu, der auch schon in der Szene zwischen Fet und Kelly galt. Die Gefahr ist nicht wirklich spürbar, so effektiv man auch vorher mit dem unheimlichen Auftritts Eichorst dafür gesorgt hat, uns in Unruhe zu versetzen.

Unfinished business
Es wäre hier für Eichorst ein Einfaches, Abraham ein für alle Mal zu töten, doch dann geht er plötzlich nur noch auf Eph, wobei er kurz zuvor noch zum Besten gab, dass Setrakian sein primäres Ziel sei. Als Eichorst Eph dann gestellt hat, taucht auf wundersame Weise Abraham auf (der in seinem Alter anscheinend noch über erstaunliche Sprinterqualitäten verfügt), der Eichorst mit ein paar wilden Pistolenschüssen in die Flucht schlägt. Diese Szene kommt uns bekannt vor, da sie sich so oder so ähnlich bereits etliche Male in „The Strain“ abgespielt hat. Der große Kampf wird wieder einmal verschoben, erneut nimmt Eichorst die Beine in die Hand und man fragt sich abermals: Warum eigentlich?
Be careful what you wish for
Es ist langsam, aber sicher zu einer bewährten Methode der Macher des Vampirdramas geworden, sich eine auf dem Papier spannende Prämisse oder Szene auszudenken, diese zur Hälfte in die Tat umzusetzen, nur um letztlich doch noch schnell einen Rückzieher zu machen. Für unsere Hauptcharaktere gibt es bisweilen gar keine Konsequenzen - und das frustriert. Dutch wird am Ende natürlich im perfekten Augenblick noch von Nikki gerettet, zwischen Nora und Fet scheint es gar ein klein wenig zu funken und die Jagd nach dem Master und Eichorst geht für Abraham unverändert weiter. Wir drehen uns leider weiter im Kreis und selbst wenn man sich einige positive Aspekte in „The Strain“ herauspickt, schlussendlich hapert es oft einfach an der konsequenten Ausführung vielversprechender Ideen. Dies sollte sich schleunigst ändern, denn sonst wird die Serie nur noch durchschnittlicher, als sie es bereits ist.
Doch zumindest einen großen Pluspunkt kann das Format in dieser Woche noch verzeichnen: Man präsentiert uns nämlich zu Beginn der Episode etwas überraschend ein schmissiges neues Intro, das im sehenswerten Comicstil gehalten ist. Dies macht einiges her, wobei man sich auch fragen muss, warum man jetzt erst darauf zurückgreift. Wie bereits erwähnt: Es gibt einfach zu viele Entscheidungen der Serienmacher, die für mich als Zuschauer nicht wirklich nachvollziehbar sind.
Verfasser: Felix Böhme am Montag, 7. September 2015(The Strain 2x09)
Schauspieler in der Episode The Strain 2x09
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