The Strain 2x03

Die ersten beiden Episoden der zweiten Staffel von The Strain haben dank des Eintauchens in die Mythologie des Masters und seiner Vampirarmee hoffnungsvoll gestimmt. Weil dieser Teil der Erzählung in Fort Defiance ausgeblendet wird, müssen wir uns mit gegenwärtigen Geschehnissen begnügen. Dabei wird offensichtlich, dass es bislang nicht genügend interessante Handlungsbögen gibt, um eine ganze Episode damit zu füllen.
This is our message
Zu Beginn erfahren wir, dass der 94-jährige Setrakian (David Bradley) ähnlich wie sein Widersacher Palmer (Jonathan Hyde) ein eigenes Mittelchen einsetzt, um seine Gesundheit zu bewahren. Er besorgt sich Vampirwürmer, vermengt diese in einer speziellen Lösung und verabreicht sich diese. Der angenehme Effekt der Lebensverlängerung wird durch den unangenehmen Nebeneffekt blutender Augen begleitet. Weil Nora (Mia Maestro) ihn so sieht, muss er sich erklären.
Wir wissen nun also, dass auch Setrakian sein Leben künstlich verlängert. Er macht das jedoch aus einem gänzlich anderen Grund als Palmer, denn sein einziges Lebensziel ist es, den Master endlich zu besiegen. Hätte er diesen Sieg bereits früher errungen, wäre er wohl nicht mehr am Leben. Palmer hingegen ließ sich vom Master aus Gründen der Eitelkeit mit ewigem (oder zumindest langem) „Leben“ infizieren. Jedenfalls ist es wunderbar mit anzusehen, wie Setrakian nach dieser Injektion zu neuer Kraft kommt, seinen Appetit wiederfindet und sogar ein bisschen mit Dutch (Ruta Gedmintas) flirtet.
Die hat gerade einen ernüchternden Ausflug mit Fet (Kevin Durand) hinter sich. Ihre eigentliche Mission, die Sprengung eines U-Bahn-Tunnels zur Abschottung vor weiteren Vampirhorden, haben sie zwischenzeitlich aufgegeben, weil Dutch beim Anblick eines lesbischen Liebespaares an ihre Freundin Nikki erinnert wurde, von der sie einst während des Ausbruchs der Vampirseuche im Stich gelassen wurde. Von deren Mutter muss sie sich die Vorwürfe gefallen lassen, dass Nikki wegen ihr auf die schiefe Bahn geraten und deshalb nun wohl auch tot sei. Verabschiedet wird Dutch mit einer Drohung: „Life's coming for you.“
Dieses unschöne Erlebnis nimmt die Hackerin zum Anlass, ihren neuen Sexpartner Fet oral zu befriedigen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob mir diese neue Charakterzeichnung gefällt. Dutch wird dadurch aus der Ecke der eigensinnigen, selbstbewussten Figur in die einer gebrochenen Frau gedrängt, die ihr Heil im sexuellen Abenteuer sucht. Darunter könnten wiederum ihre Schlagfertigkeit, vor allem aber ihre sehenswerten Zankereien mit Fet leiden. Ich will sie viel lieber als freigeistige Unabhängige erleben denn als Trauerkloß voller Selbstzweifel.
This is who we are
Dahingehend ist jedoch noch nichts entschieden. Als sie und Fet nämlich ins Hauptquartier zurückkehren, haben sie beinahe schon wieder ihren alten Groove zurück. Dieser kurze Umweg könnte also bald schon wieder vergessen sein. Wer hingegen wohl so bald nicht seinen Groove wiederfinden wird, sind Eph (Corey Stoll) und sein Sohn Zach (Max Charles). Der Kleine will zu Beginn abhauen, um seine Mutter wiederzufinden, weil er glaubt, sie würde ihn vermissen. Eph versucht zunächst, dieser Fantasievorstellung mit eindeutigen Worten und einem Zugeständnis entgegenzuwirken.
Als das nicht funktioniert, Zach einen erneuten Anfall hat und seinen Todesblick auspackt, greift der Alkoholiker zu einer rigorosen Maßnahme. Per Schocktherapie zeigt er dem Jungen, was aus Menschen wird, die mit dem Vampirvirus infiziert wurden. Vielleicht beruhigt sich Zach ja nun wieder. Eph allerdings kriegt sich so schnell nicht wieder ein. Durch die Augen seines Versuchskaninchens kommuniziert er mit dem Master. Er kündigt an, sich und seinen Sohn umzubringen, bevor sie sich zu Vampiren verwandeln könnten. Was genau erwartet Eph von dieser Ansprache? Dass sich der Master am anderen Ende der Leitung vor Angst in den Umhang macht?
Während Nora in dieser Episode weitaus erträglicher gestaltet ist, verharrt Eph in der ihm eigenen unsäglichen Mischung aus Selbstmitleid und Jähzorn. Immerhin kann er am Ende die frohe Botschaft verkünden, dass die Experimente am gefangenen Vampir erfolgreich waren und baldmöglichst die Testphase beginnen könne. Gut wäre ja, wenn er sich mit der resoluten Stadträtin Feraldo (Samantha Mathis) zusammenschlösse, der es dank rabiater Methoden gelungen ist, den New Yorker Stadtbezirk Staten Island von Vampiren zu säubern. Angesichts dieses Erfolgs bekommt sie von Bürgermeister Lyle (Ron Canada) den Auftrag, ihre Vampirpogrome auch in den vier anderen boroughs durchzuführen.
Auf Staten Island weilt indes auch Reggie Fitzwilliam (Roger R. Cross), der seinen Job bei Palmer aufgegeben hat und nun seinen Bruder Curtis (Kevin Hanchard) besucht. Was aus diesem Handlungsbogen wird, erschließt sich da noch nicht. Immerhin wissen wir nun, dass manche Grenzpolizisten der Insel Rassisten sind.
Excellent
Dieser Erzählstrang soll uns erst wieder interessieren, wenn er für die übrigen Geschichten interessant wird. In diesem Status bereits angekommen ist der Handlungsbogen um Gus (Miguel Gomez), der am Ende der ersten Staffel in den erlauchten Kreis der Strigoi-Vampirjäger aufgenommen worden war. Bevor er für sie (und mit ihnen) seinen ersten Auftrag erfüllen darf, muss er aber noch ein Training durchlaufen, das ihm sowohl den Vampirkampf mit Schusswaffe als auch den mit bloßen Händen näherbringt.
Nachdem er diesen Test bestanden hat, eröffnet ihm der Anführer der Vampirjäger den nächsten Schritt auf dem Weg zum Sieg über den Master: Palmer soll entführt werden. Angesichts der Zeit, die sich diese Partei für Übungsmaßnahmen lässt, verwundert es in der Folge aber doch, wie unvorsichtig sie bei der geplanten Entführung Palmers vorgeht. Der kann über ihren Angriffsversuch nur müde lächeln und steuert aus sicherer Entfernung die Gegenattacke. Genüsslich schaut er zu, wie die Strigoi in seinem Büro im UV-Lichthagel eingehen.
Gus gelingt zwar die Flucht, die Vampirjäger aber (die wir nie auch nur annähernd ausreichend zu Gesicht bekamen) ereilt ein frühes tödliches Schicksal. Wird er nun der alleinige Befehlsempfänger des Ältestenrats? Es ist sehr schade, dass die Vampirkillertruppe bereits das Zeitliche segnen musste (es sei denn, es gibt eine plötzliche Wiederauferstehung), gehörten sie doch zu den interessantesten Figuren von The Strain.
Es bleibt dabei: Charakterentwicklung ist die größte Schwäche der Serie, „pulpiger“ Actiontrash die Stärke. Wenn sich eine Episode wie Fort Defiance also vor allem auf Charaktermomente konzentriert und nur eine Actionszene bereithält, muss sie derzeit auf dem schwächeren Ende der Bewertungsskala eingeordnet werden.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 28. Juli 2015(The Strain 2x03)
Schauspieler in der Episode The Strain 2x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?