The Strain 2x02

The Strain 2x02

Auch die zweite Episode von The Strain scheut nicht vor Ungereimtheiten und stellenweise unerträglichen Charaktermomenten zurück. Weil das aber mit ganz viel tollem pulpigem Trash garniert ist, können wir mit By Any Means mehr Spaß haben als mit dem Auftakt.

A Beautiful Mind: Nora (Mia Maestro) und Eph (Corey Stoll) gehen ihrer Arbeit nach. / (c) FX
A Beautiful Mind: Nora (Mia Maestro) und Eph (Corey Stoll) gehen ihrer Arbeit nach. / (c) FX

Kindervampire, Nazivampire, handelsübliche Vampire, die von einem Rattenfänger und einer Hackerin sehenswert hingerichtet werden: Genau das erwarte ich von der FX-Vampirserie The Strain. Von Beginn an war klar, dass es sich hier um kein zweites The Walking Dead mit tiefen Einsichten in menschliche Abgründe handeln würde. Mit dieser einfachen Erkenntnis ging jedoch jene einher, dass die bierernsten Momente höchstwahrscheinlich zum Scheitern verurteilt sein würden.

Still in the game

Deshalb macht die Serie immer dann am meisten Spaß, wenn sie den eigenen Wahnsinn inbrünstig umarmt. In By Any Means sehen wir davon mehr als in der Auftaktepisode BK, N.Y., weshalb diese Folge ungleich unterhaltsamer ausfällt. Das soll nun nicht heißen, dass sie keine Schwächen hätte, nein, davon gibt es immer noch genug. Wenig überraschend tauchen diese immer dann am deutlichsten auf, wenn die Handlung ihre exzentrische Hülle abzuschütteln versucht. Oder anders ausgedrückt: Wenn Eph (Corey Stoll) das Wort ergreift.

Ich frage mich ernsthaft, ob sich Stoll angesichts seines Materials schon einmal beim Autorenteam beschwert hat. Bis auf wenige Ausnahmen wird Eph nämlich als ungenießbarer Kotzbrocken gezeichnet. In dieser Episode ist das wieder der Fall. Nachdem erste Recherchen nicht den gewünschten Durchbruch gebracht haben, wendet er sich dem Alkohol zu und verhält sich hernach wie ein dreijähriges Kind, dem seine Mutter zum ersten Mal etwas verweigert. Ich kann es kaum in Worte fassen, wie rasend mich die Szene gemacht hat. Überdies kann ich mir einfach nicht vorstellen, welcher Autor glaubt, hier eine Identifikationsfigur geschaffen zu haben.

Ähnlich schlimm wie sein Vater ist Zach, der nach dem Darstellerwechsel von Ben Hyland zu Max Charles noch eine ordentliche Schippe Kotzigkeit aufgelegt zu haben scheint. Zach ist mittlerweile gar keine echte Figur mehr, nur noch ein Plotinstrument, das eingesetzt wird, um dem Team zusätzliche Hürden in den Weg zu legen. Hier darf er nun also die Forschungsergebnisse von Nora (Mia Maestro) und Eph von der Tafel - natürlich schreiben sie auf Glas - wischen. Das kann nur dramatisch sein, wenn die beiden Wissenschaftler vergessen haben sollten, weitere Aufzeichnungen zu machen, was ihnen niemals unterlaufen würde, wären sie wirklich so fähig wie hier dargestellt.

The woooorst! © FX
The woooorst! © FX

Trotz dieses schauerlichen und abenteuerlich unrealistischen Plotfortschritts gibt es auch Positives von der Ephraim-Front zu melden. Es gibt eine starke Szene, in der sich Eph entscheidet, dem infizierten Ehepaar, das zuvor zugestimmt hatte, sich untersuchen zu lassen, die angesichts horrender Schmerzen eingeforderte Sterbehilfe zu verweigern. Die Kamera fährt langsam aus dem Raum, während der betrunkene Eph seine Untersuchungsobjekte auf ihren Bahren festschnallt.

Don't know, don't care

Dieser Moment hinterlässt den emotionalen Fußabdruck, den die Serie wohl gerne öfter hinterlassen würde. Überraschend kommt er indes nicht - wer sonst als the worst Eph würde keine Sekunde zögern, die Qualen eines Menschen für vermeintliche Forschungserkenntnisse in Kauf zu nehmen? Das Ende der Episode gibt ihm jedoch Recht. Auf dem Höhepunkt seiner allepisodigen Selbtsmitleidsphase kommt Nora der rettende Einfall. Wie dieser genau aussieht? Keine Ahnung. Die beiden murmeln irgendwas von Aminosäuren. Könnte mich kaum weniger interessieren.

Nun, da wir den Ephraim-Sumpf erfolgreich durchwatet haben, können wir uns erfreulicheren Dingen widmen. Dazu gehören die beiden hervorragend harmonierenden Figuren Fet (Kevin Durand) und Dutch (Ruta Gedmintas), die beide als Einzige verstanden zu haben scheinen, in welcher Art Serie sie sich bewegen. Sie streunern zu Beginn der Episode los, weil sie nichts Besseres zu tun haben, als die Umgebung allmählich von Vampiren zu befreien. In einem Fitnesscenter kommt es zur sehenswertesten Szene der Episode. Dort haben sich einige Vampire zur täglichen Ruhepause zurückgezogen, welche vom Jägerduo unsanft unterbrochen wird.

Dutch und Fet zünden selbstgebastelte Silbergranaten und metzeln im Blitzlichtgewitter ihre Widersacher nieder. Regisseur T.J. Scott fängt das maximal pulpig ein, inklusive rollender Köpfe, ausgefahrener Zungen und anschließendem Nacktflirt im fitnessstudioeigenen Pool. Hier haben sich nicht nur zwei Figuren gefunden, auch ihre Darsteller harmonieren bestens miteinander. Könnte ich nur noch den beiden zusehen und müsste dafür nie wieder Eph, Nora und Zach folgen, würde ich einschlagen, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern.

The best! © FX
The best! © FX

Fet dürfte sich nicht nur wegen seiner Liaison mit Dutch zum Publikumsliebling entwickeln, sondern auch wegen seines Umgangs mit Setrakian (David Bradley). Der alte Mann verzweifelt zunehmend an den ersten Anzeichen von Senilität: „With all the evils a man faces, growing old is the one I can't do anything about.“ Eph würde das wahrscheinlich mit einem herablassenden Kommentar bedenken, während Fet aufmunternde Worte findet und weiß, wann er den Vampirforscher mit seinen sonderbaren Anwandlungen in Ruhe lassen muss.

You once were a proud knight of the Reich

Am Ende bekommen wir eine weitere Kostprobe der hervorragenden Teamarbeit des Powerduos Set & Fet. Da ermöglicht Fet seinem Mitaufklärer die Flucht, nachdem der in der Mimik seines Gegenspielers Palmer (Jonathan Hyde) lesen konnte, dass der kürzlich Wiedererstarkte auch keine Ahnung hat, wo sich das vielbeschworene Occido Lumen befindet. Darin ist nämlich die Anleitung enthalten, wie man dem in dieser Episode abwesenden Master endgültig das Handwerk legt.

Zuvor liefert uns die Serie weitere Einblicke in die gemeinsame Vergangenheit von Palmer und Setrakian. Erstgenannter beauftragte Abraham schon im Jahre 1965 - damals noch im Rollstuhl sitzend - damit, das besagte Buch und das Gehstockschwert des Masters ausfindig zu machen. Zweiteres gelingt, wobei es abermals zur Konfrontation mit einer ehemaligen KZ-Bekanntschaft kommt. Die Rückblenden liefern nicht allzu viele neue Informationen, machen aber Spaß, weil darin Nazivampire wie Eichhorst (Richard Sammel) auftauchen, die für coole Spiegeleffekte sorgen.

Diese Szenen sind es, die mir an The Strain am besten gefallen. Wenn da nur nicht die ständigen leidigen Unterbrechungen mit Eph und seinem unausstehbaren Ego wären. Vielleicht haben wir ja Glück und die Vampirkinderarmee seiner Ehefrau Kelly (Natalie Brown) findet ihn bald. Momentan hat sie ihre Schützlinge ja leider nur auf Zach angesetzt, was immerhin schon ein Anfang wäre. Deswegen werden wir wohl noch lange mit Eph vorliebnehmen müssen - und natürlich wegen der schlichten Tatsache, dass er die Hauptfigur der Serie ist.

Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 22. Juli 2015
Episode
Staffel 2, Episode 2
(The Strain 2x02)
Deutscher Titel der Episode
Willkommen in der Herde
Titel der Episode im Original
By Any Means
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 19. Juli 2015 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 24. September 2015
Regisseur
T.J. Scott

Schauspieler in der Episode The Strain 2x02

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