The Strain 2x01

Der Titel der Auftaktepisode zur zweiten Staffel kann exemplarisch hergehalten werden für ein großes Problem der FX-Vampirserie. Obwohl die Serie stets sehr genaue Ortsangaben einblendet, ist zu keinem Zeitpunkt klar, wie groß die Bedrohung durch die Strigoi wirklich ist. Unter Tage haben wir in der letzten Staffel bereits eine riesige Herde dieser Monster gesehen, im Hintergrund sind ständig Geräusche eines Ausnahmezustands zu vernehmen. Gleichzeitig werden aber Pressekonferenzen abgehalten, die am Times Square live mitverfolgt werden können. Auch die Schule hat den regulären Betrieb noch nicht eingestellt.
It has begun
Einerseits will uns die Serie weismachen, dass die Bedrohung allumfassend und immanent ist, andererseits scheint sich abseits der Hauptfiguren aber niemand allzu große Sorgen zu machen. Die durch das Sounddesign angedeutete Massenpanik ist jedenfalls nirgendwo zu sehen. Nun sehe ich ein, dass die Produktion solcher Szenen schlichtweg zu teuer ist - selbst dann, wenn man zur Kostenersparnis in Kanada und nicht im echten New York dreht; selbst dann, wenn man sich beim Design des großen Bösewichts, dem Master, keine allzu große Mühe gibt.
Die Geographie des Terrors war in der ersten Staffel schon eine Schwäche, in BK, N.Y. kündigt sich dahingehend keine Besserung an. Eher ist das Gegenteil der Fall: Man scheint sich darüber noch weniger Gedanken gemacht zu haben. Gleiches gilt für die Charakterzeichnung, die vor allem bei Eph (Corey Stoll) ein Problem darstellt. Für ihn dürfte der Begriff douchebag erfunden worden sein. Schon früher war es kaum verständlich, wie es jemand überhaupt nur ein paar Minuten mit ihm in einem Raum aushalten konnte.
Das sollte seine Figur wohl als Antihelden etablieren, ging aber grandios schief, weil der Charakter erstens nicht annähernd genug ausgeformt war und zweitens von Stoll nicht besonders enthusiastisch gespielt wurde. Dass Zach (in neuer Besetzung: Max Charles) sein Sohn ist, könnte man wissen, hätte man die beiden noch nie in einer Szene zusammen gesehen. Der Kleine imitiert den Vater in all seiner Patzig- und Bräsigkeit furchterregend gut. Was jedoch Nora (Mia Maestro) und Dutch (Ruta Gedmintas) und wir Zuschauer an ihm sympathisch finden sollen, entzieht sich meiner Kenntnis.
Von der Charakterfront gibt es jedoch auch Positives zu vermelden. Der blühenden Buddy-Freundschaft zwischen Abraham Setrakian (David Bradley) und Vasiliy Fet (Kevin Durand) aka Set & Fet könnte ich stundenlang zusehen. Die Verbindung zu den Vampirkillern ist endlich hergestellt, was Gus (Miguel Gomez) die Möglichkeit gibt, mit größerer Relevanz in die Geschichte zurückzukehren. Das Zusammenspiel und der angedeutete Zwist zwischen den Bösewichten Eichhorst (Richard Sammel) und Palmer (Jonathan Hyde) ist wegen der Qualität ihrer Darsteller ebenfalls sehenswert.
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Sie planen den Aufbau eines neuen Hauptquartiers, das unbedingt über ausreichend aufnahmefähige Abwasserkanäle verfügen muss, wie sie es der Maklerin Coco Marchand (Lizzie Brochere) diktieren. Was sie dort genau vorhaben, wird noch nicht enthüllt, lässt sich aber leicht erahnen. Ich tippe mal ganz stark darauf, dass sie die neuen Fazilitäten für den weiteren Ausbau ihrer Vampirarmee nutzen werden. Als ersten Schritt gibt Eichhorst Ephs mutierter Ehefrau Kelly (Natalie Brown) die gleichen menschlichen Fähigkeiten zurück, über die er verfügt. Sie soll nun in die Fußstapfen des Masters treten, der ja bereits angekündigt hat, einen neuen Körper zu brauchen. Zumindest soll sie aber die Kindertruppe Children of the Night anführen, die am Ende sehr sehenswert aus ihrer erdigen Ruhestätte aufsteigt.
Damit wären wir denn auch bei den Elementen angelangt, die The Strain sehenswert machen. Wenn ich schon eine Serie habe, der dramaturgische Kohärenz ein Fremdwort ist, dann sollte diese wenigstens so abgedreht sein, dass ich vor lauter Spaß vergesse, mir über narrative Stringenz Gedanken zu machen. Das geschieht hier in Momenten wie dem soeben erwähnten oder dem Vampirüberfall auf die Lagerhalle, wo die Gruppe nach Setrakians Aufzeichnungen sucht. Die Actionszenen sind hier sehenswert umgesetzt, münden aber immer wieder in langweilige Sequenzen, bei denen ich schnell abschalte.
Was interessiert es mich, ob ein Gebäude den amtlichen Regularien entspricht? Da draußen ist die Vampirapokalypse ausgebrochen. Warum brauchen wir drei Szenen, in denen Setrakian den richtigen Lagerraum nicht findet? Soll das witzig sein? Welchem dramaturgischen Zweck dient es? BK, N.Y. kann als Paradebeispiel für die zerrissene Welt von The Strain herhalten. Eph und Nora suchen zu zweit nach einer Infektion, die die Vampire auslöscht: Langweilig. Setrakian erschließt anhand seiner persönlichen Geschichte mit dem Master dessen origin story und seine Angriffsflächen: Spannend.
Dieses Resümee hätte auch am Ende der ersten Staffel stehen können, weshalb bei mir die Enttäuschung darüber überwiegt, dass die Schwächen der Serie weder erkannt, geschweige denn behoben wurden.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 14. Juli 2015The Strain 2x01 Trailer
(The Strain 2x01)
Schauspieler in der Episode The Strain 2x01
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