The Strain 1x13

The Strain 1x13

Zum Abschluss der ersten Staffel findet The Strain eine ausgewogene Mischung seiner besten Elemente. Fet darf Sprüche klopfen und Setrakian über das Schicksal der Welt räsonieren. Die von vielen Tiefen und wenigen Höhen gezeichnete Staffel findet zu einem versöhnlichen Ende.

Die Vampirjäger vor ihrem vermeintlich letzten Kampf / (c) FX
Die Vampirjäger vor ihrem vermeintlich letzten Kampf / (c) FX

Die FX-Vampirserie The Strain konnte in ihrer Premierenstaffel nur selten überzeugen. Zu Beginn wurde zu viel Zeit auf die Exposition verwendet. Schon in den ersten Episoden zeichnete sich ab, dass die Autoren ihre Konzentration viel weniger auf pulpige Vampiraction legen wollten und stattdessen lieber die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander erforschten. Das hätte funktionieren können, wären die meisten Figuren nicht aus der Drehbuchretorte gekommen.

Munchers are going boom-boom

Zwischendurch hatte es immer wieder den Anschein, als hätten die Autoren realisiert, wo die Stärken ihrer Serie liegen - da waren nur leider schon sechs Episoden vergangen. Die siebte Episode, For Services Rendered, stimmte hoffnungsfroh, es würde nun endlich etwas mehr Bewegung in die Serie kommen. Diese Hoffnung wurde schnell enttäuscht, erhielt aber in Episode zehn, Loved Ones, neue Nahrung. Es sollte wiederum bis zum Finale dauern, bis diese wenigen Versprechen endlich (größtenteils) eingelöst wurden.

Die Episode The Master macht über große Strecken viel Spaß - immer dann nämlich, wenn Menschen gegen Vampire kämpfen, wenn die besten Charaktere von ihren Drehbuchzügeln befreit werden, wenn die mysteriöse Vampirkillercrew noch cooler wird. Sobald es aber zu tiefgründigen Charaktermomenten kommen soll, verfällt die Serie wieder in ihre nervtötende Lethargie. Im Finale macht das aber weniger aus als zuvor, weil diese Szenen auf ein Minimum zurückgefahren wurden.

Bevor es zum Showdown zwischen der Heldengruppe um Eph (Corey Stoll) und Setrakian (David Bradley) kommt, erfährt Eldritch Palmer (Jonathan Hyde) von seinem „Kollegen“ Thomas Eichhorst (Richard Sammel), dass er nach der Tröpfchengabe durch den Master kein Vampir und nicht unsterblich wurde. Er sei lediglich von seiner todbringenden Krankheit geheilt, der Verfallsprozess seines Körpers werde jedoch bald wieder einsetzen. Um das ersehnte ewige Leben zu erhalten, müsse er weitere Prüfungen bestehen: „Think of this as another test for your everlasting devotion“ („Dies ist ein weiterer Test deiner ewigwährenden Ergebenheit“).

Im Kampf gegen Setrakian fährt Eichhorst (Richard Sammel) die Zunge aus. © FX
Im Kampf gegen Setrakian fährt Eichhorst (Richard Sammel) die Zunge aus. © FX

Palmer, der zu Hause all seine nutzlos gewordenen Organe sammelt, widmet sich vorerst Gesundheitsministerin Maggie Pierson (Maria Ricossa) und CDC-Leiter Barnes (Daniel Kash), die New York City zu einer einzigen großen Quarantänezone machen wollen. Als Pierson nicht auf die Befehle Palmers hören will, schmeißt er sie kurzerhand vom Balkon. Dieser kleine Handlungsstrang war eigentlich nicht wirklich notwendig, scherte sich die Serie doch bisher kaum darum, die größeren Auswirkungen des Vampirvirus zu beleuchten.

Crisis? What crisis?

Zuvor hatte Fitzwilliams (Roger R. Cross) den Dienst bei Palmer quittiert - eine überfällige Handlung, hatte er doch schon vor einigen Episoden seine Loyalität aufgekündigt. Ob er nun auch zur Heldengruppe stößt? Wir erfahren zumindest, warum Fitzwilliams seinen bisherigen Dienstherrn nicht einfach getötet hat: Er steht bei ihm in der Schuld, die nun aber abgegolten sei: „Consider my debt to you paid in full. Never come after me.“ („Meine Schuld ist nun zurückgezahlt. Komme niemals hinter mir her.“)

In der amüsantesten Szene der gesamten Staffel gibt der stets gutgelaunte Fet (Kevin Durand) seinem Vampirjägerkollegen Eph auf der Suche nach dem Versteck des Masters eine Nachhilfestunde in New Yorker Stadtgeschichte. Er kennt die geheimen Schleichwege der Alkoholschmuggler aus der Zeit der Prohibition und zitiert bei seinem Vortrag den römischen Kaiser Marcus Aurelius. Sein Plan sieht vor, die Kanalisation mit Sonnenlicht zu fluten, um die Vampire, die den Master beschützen, mit Sprengstoff in die Luft jagen zu können.

Als die beiden nach ihrer Expedition zurück ins Basislager kommen, müssen wir Zuschauer jedoch erst einmal einige der besagten schwachen Charaktermomente aushalten. Nora (Mia Maestro) besingt (auf Jiddisch?) die Verwandlung ihrer Mutter in einen Vampir, während Dutch (Ruta Gedmintas) es vorzieht, ihre Sorgen in Alkohol zu ertränken. Zu dem Zeitpunkt ist Eph noch stark genug, sich seiner Sucht nicht hinzugeben. Später, als er nach der erfolglosen Jagd auf den Master nach Hause zurückkehrt und dort auf seine Vampirehefrau Kelly (Natalie Brown) trifft, bringt er diese Stärke nicht mehr auf.

Awesome-Alarm! Ein schlafender %26bdquo;Ancient%26ldquo; sollte nicht geweckt werden. © FX
Awesome-Alarm! Ein schlafender %26bdquo;Ancient%26ldquo; sollte nicht geweckt werden. © FX

Der Kampf gegen den Master verläuft weniger spektakulär, als man sich das vielleicht gewünscht hätte, macht in seiner pulpigen Tollpatschigkeit aber trotzdem viel Spaß. Mit vereinten Kräften gelingt es den selbsternannten Vampirjägern, den Master ins Sonnenlicht zu stoßen, was den aber nicht daran hindert, die Flucht zu ergreifen und seine Vampirarmee, zu der auch Eichhorst und Bolivar (Jack Kesy) gehören, zum Rückzug aufzufordern. Offensichtlich war die Annahme, der Master würde im Sonnenlicht einfach eingehen, falsch. Die dazugehörige Erklärung Setrakians habe ich nach mehrmaligem Hinhören aber leider nicht verstanden. Vielleicht weiß einer unserer Leser ja mehr?

An ancient truce has been broken

Gus (Miguel Gomez) gerät unterdessen in die Gefangenschaft der übercoolen Vampirkiller, deren Anführer es aber zunächst nicht gelingen will, den Hitzkopf von mehrfachen Fluchtversuchen abzuhalten. Schließlich kommt es zu einem toll inszenierten Initiationsritus, bei dem Gus ins Team der Vampirkiller aufgenommen wird - und wir nebenbei winzige Brocken über die Vorgeschichte dieser Spezies erfahren. Ganz der Gangster, lässt sich Gus erst zur Teilnahme an der Vampirjagd überreden, als ihm eine größere Summe Bargeld angeboten wird. Dieser Teil der Geschichte ist für mich der stärkste und interessanteste, es bleibt zu hoffen, dass er in der kommenden zweiten Staffel eine größere Rolle spielt.

Die technische Umsetzung der Finalepisode befindet sich auf dem gewohnt hohen Niveau. Vampir- und Sounddesign fangen regelmäßig die Schwächen des Drehbuchs auf. Der animierte Master, der an der Hauswand herunter kriecht und dann im Untergrund verschwindet, hätte etwas liebevoller gestaltet sein können. Insgesamt aber war die Actionsequenz durchaus sehenswert.

Am Ende wird ein Stilmittel wieder aufgenommen, das seit der Pilotepisode nicht mehr eingesetzt worden ist. Setrakian widmet sich da im Voice-over dem zukünftigen Schicksal der Welt: „Nothing that's written cannot be changed. It is a small world after all. We made it that way“ („Nichts Geschriebenes ist in Stein gemeißelt. Die Welt ist schließlich ein Dorf. Wir haben sie dazu gemacht“). Auch wenn diese letzten Worte etwas zu pathetisch klingen mögen, sie passen besser zur pulpigen Machart der Serie als die verzweifelte Suche der Autoren nach starken Charaktermomenten. Das zu erkennen und die Serienhandlung entsprechend anzupassen, ist ihre große Herausforderung für die nächste Staffel. Nach dieser Episode freue ich mich darauf.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 6. Oktober 2014
Episode
Staffel 1, Episode 13
(The Strain 1x13)
Deutscher Titel der Episode
Der Meister
Titel der Episode im Original
The Master
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 5. Oktober 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 7. Mai 2015
Regisseur
Phil Abraham

Schauspieler in der Episode The Strain 1x13

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?