The Strain 1x12

The Strain 1x12

Die Vampirserie The Strain kann sich in Last Rites nur minimal vom Staffeltiefpunkt der letzten Episode erholen. Einige positive Entwicklungen kommen viel zu kurz und werden durch mangelhafte Charakterarbeit und zweifelhafte Plotentwicklungen untergraben.

Endlich. / (c) FX
Endlich. / (c) FX

Nun, da wir uns kurz vor dem Ende der ersten Staffel von The Strain befinden, sollte ein jeder Zuschauer begriffen haben, dass es sich dabei um nichts mehr und nichts weniger handelt als eine pulpige, bisweilen trashige Actionserie. Aber muss es wirklich so trashig sein? Muss einer der Hauptcharaktere am Ende wirklich im Regen stehen und seine Freude über neues „Leben“ mit ausgestreckten Armen gen Himmel herausbrüllen? Muss die Hintergrundgeschichte einer anderen Figur wirklich so einfallslos konzipiert sein? Muss das langersehnte Auftauchen der Vampirkillerbande so wenig nachvollziehbar in die Geschichte eingebaut sein?

I brought you a plan

Für die letzten beiden Episoden hat sich kein Geringerer als Executive Producer Carlton Cuse (Lost, Bates Motel) dazu erbarmt, am Drehbuch mitzuschreiben - besser ist es dadurch nicht geworden. In Rückblenden erzählt die Episode vom letzten Zusammentreffen zwischen den großen Erzfeinden Eichhorst (Richard Sammel) und Setrakian (David Bradley). Im Jahre 1967 wähnte sich der junge Setrakian (Jim Watson) in Albanien auf des Masters heißer Spur. Seine Ehefrau Miriam (Adina Verson) warnte ihn jedoch, seine Suche nur auf die Tageszeit zu beschränken - spätestens da ist klar, dass sie den folgenden Tag wohl nicht mehr - zumindest nicht mehr als Mensch - erleben wird.

Und so kommt es, wie es kommen muss: Abraham vergisst bei seinem Ausflug in einen trockengelegten Brunnenschacht die Zeit, wird aber von einem vom Master gesteuerten Vampir darauf hingewiesen, dass sich seine Frau in akuter Gefahr befindet. Als er wieder aus dem Brunnen klettern will, fehlt das Seil - von oben grinst ein amüsierter Eichhorst diabolisch auf ihn hinab. Setrakian kehrt erst am nächsten Morgen nach Hause zurück, die Kampfspuren dort lassen alle Hoffnungen fahren. Als nach Anbruch der Dunkelheit seine Vampirfamilie zurückkehrt, ist er bestens vorbereitet - in physischer und mentaler Hinsicht.

Er schlägt seinen Geliebten die Köpfe ab und schneidet Miriam das Vampirherz heraus - zu Forschungszwecken, versteht sich. Den dazugehörigen gore kann The Strain immer noch prima: Das animierte herausgeschnittene Herz sieht klasse aus, die abgeschlagenen Köpfe und die überall hinlaufende weiße Soße ebenso. Überhaupt ist aus visueller Hinsicht (mit Ausnahme des Masters vielleicht) kaum etwas an dieser Serie auszusetzen - im Gegenteil, in der visuellen Gestaltung liegen ihre Stärken.

Nervt; nervt; cool (v.l.n.r.) © FX
Nervt; nervt; cool (v.l.n.r.) © FX

Da müssen schon viel eher Charakterzeichnung und Dramaturgie kritisiert werden. Abgesehen davon, dass immer noch nicht klar ist, wie weit sich diese Epidemie ausgebreitet hat, und wieso die Straßen New Yorks noch nicht im völligen Chaos versinken, geben sich die Autoren auch keine Mühe bei der Herleitung von Plotentwicklungen. Bestes Beispiel dazu in dieser Episode: der Handlungsstrang von Gus (Miguel Gomez) und Alonso Creem (Jamie Hector).

I specialize in passionate destructive relationships

Wenngleich ich ja unendlich froh darüber bin, dass endlich (ENDLICH!) die Vampirkillercrew in die Handlung zurückgekehrt ist, ist diese Rückkehr viel zu konstruiert, um auch nur halbwegs glaubwürdig zu sein. Gus überfällt Alonso, weil er Waffen und einen Wagen braucht. Just in dem Moment bekommt Alonso Besuch von einem Geschäftspartner, der ihm eine Tasche voller Geld vorbeibringt. Gus genügt es daraufhin nicht, mit Waffen, Geld und Auto abzuhauen - nein, er muss auch noch unbedingt wissen, was sich in dem Container befindet, der dem Geschäftspartner so wertvoll war.

Also öffnen sie gemeinsam die ominöse Box und entdecken darin einen Haufen hungriger Vampire. Wie bitte? Woher kommen die? Haben Palmer und Eichhorst etwa mehrere Transportfachleute mit der Einschleusung von strigoi beauftragt? Und falls ja, wieso? Reicht es nicht, dass sich die Seuche auch so schon blitzschnell ausbreitet? Jedenfalls geraten Gus und Alonso in eine äußerst brenzlige Situation, in der sie erkennen, dass herkömmliche Schusswaffen wenig bis nichts gegen die Vampire ausrichten können. Zu allem Überfluss fängt Alonso auch noch an, auf seinen einzigen Verbündeten in dieser misslichen Lage zu zielen. Zum Glück kommen kurze Zeit später die übercoolen Vampirkiller vorbei. Sie packen Gus in ihren Truck und überlassen Alonso seinem Schicksal.

Das Team um Eph (Corey Stoll) und Setrakian ist derweil damit beschäftigt, sich nach der Rückkehr von Hackergirl Dutch (Ruta Gedmintas) in das Notsignal der amerikanischen Katastrophenschutzbehörde einzuhacken und eine Warnmeldung abzusetzen. Der Großteil dieses Handlungsstrangs besteht aus Dutchs technobabble, ihrer quälend langweiligen, weil absolut generischen Vorgeschichte und Fets (Kevin Durand) unbeholfenen Flirtversuchen. Schließlich gelingt es dem Team endlich, die Botschaft abzusetzen, wobei Eph aber nicht seinen ganzen Text ablesen kann, weil er zu lange damit beschäftigt ist, sich selbst vorzustellen. Eph nervt.

Eldritch Palmer (Jonathan Hyde) - singing in the rain © FX
Eldritch Palmer (Jonathan Hyde) - singing in the rain © FX

Hernach kommt es zum Höhepunkt der Episode, als nämlich Eichhorst zusammen mit einem kleinen Vampir-Stoßtrupp Setrakians Laden überfällt. Zu seinen Schergen gehört auch Rockstar-jetzt-Vampir Gabriel Bolivar (Jack Kesy), der durch ein Fenster einbricht und Noras (Mia Maestro) Mutter Mariela (Anne Betancourt) mit seiner Superzunge anfällt. Das Team flüchtet sich in den sicheren Keller, von wo es die Flucht vor Eichhorst antritt.

Until we meet again

Weil alles schnell gehen muss, sieht sich Setrakian gezwungen, das Herz seiner Ehefrau Miriam zurückzulassen - was Eichhorst später die Möglichkeit gibt, einen Monolog auf Deutsch zu halten: „Sie haben zurückgelassen, was sie am meisten lieben. Aber auch das wird nicht genügen.“ Am gleichen Ort dürften er und seine Vampirfreunde auch den abgeschlagenen Kopf von Mariela finden, deren Schicksal sich Nora höchstpersönlich angenommen hat. Wären die beiden Charaktere bisher nicht nur damit beauftragt gewesen, für genervtes Stöhnen beim Zuschauer zu sorgen, hätte die Szene glatt emotionale Wirkung entfalten können.

Am Ende bekommt Palmer (Jonathan Hyde) den erwünschten Besuch des Masters, der ihm auf dessen eigenen Wunsch den Vampirvirus eintröpfelt. Sofort kehrt das Leben in den Körper des beinahe Gestorbenen zurück und er darf dem Regen seine Freude kundtun. Fitzwilliams (Roger R. Cross) beobachtet das Geschehen mit fragendem Blick. Hat er sich nicht vor einigen Episoden als Freund unseres Anti-Vampir-Teams offenbart? Warum dient er Palmer dann also noch so untertänig? Warum hat er nicht einfach dessen Geräte abgeschaltet? Hätte er mal besser gemacht - so wird er vielleicht bald zum ersten Opfer des Neu-Vampirs.

The Strain hat auch zum Ende der ersten Staffel immer noch nicht realisiert, wo seine Stärken und Schwächen liegen. Manch positive Entwicklung wird durch die bisweilen haarsträubend nachlässige Charakterarbeit abgewürgt, die Episoden wirken wie eine wahllos aneinandergereihte Abfolge loser Entwicklungen, die weder erklärt noch nachvollziehbar zusammengeführt werden. Optisch macht auch Last Rites wieder einiges her, einige wenige Charaktere können begeistern (Setrakian, Eichhorst, die Vampirkiller) - insgesamt erreicht die Serie aber noch lange nicht das Niveau, das sie dank der stofflichen Vorlage haben könnte.

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 30. September 2014
Episode
Staffel 1, Episode 12
(The Strain 1x12)
Deutscher Titel der Episode
Miriams Herz
Titel der Episode im Original
Last Rites
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 28. September 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 30. April 2015
Regisseur
Peter Weller

Schauspieler in der Episode The Strain 1x12

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