The Strain 1x11

The Strain 1x11

In The Third Rail wechseln sich wenige positive mit vielen negativen Momenten ab. Einige Figuren des The Strain-Universums haben offensichtlich immer noch nicht verstanden, welcher Gefahr sie ausgesetzt sind, und begeben sich deshalb ständig in verzwickte Situationen.

„Hallo, ist da jemand?“ Eph (Corey Stoll) am Zuhause des Master. / (c) FX
„Hallo, ist da jemand?“ Eph (Corey Stoll) am Zuhause des Master. / (c) FX

Der neuen FX-Vampirserie The Strain will es einfach nicht gelingen, eine dramaturgisch stringente Episode hervorzubringen. Die neue Folge The Third Rail ist ein perfektes Beispiel für diese Unzulänglichkeit. Ein Handlungsbogen ist spannend, aufwühlend, bisweilen sogar witzig und dadurch abwechslungsreich. Die beiden übrigen Handlungsbögen sind völlig redundant und vergessenswert.

Congratulations on the vampire apocalypse

Also: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Warum ist Gus (Miguel Gomez) Teil dieser Serie? In dieser Episode kehrt er nach seiner Flucht aus dem Gefangenentransporter in die Wohnung seiner Familie zurück und ist allen Ernstes überrascht, seinen Bruder als Vampir anzutreffen. Er schleicht dabei nicht vorsichtig in die Wohnung und wundert sich etwa darüber, dass es dort übel riecht und sein Bruder schweigend vor dem laufenden Fernseher steht. Erst als dieser sich umdreht und sein wahres Gesicht offenbart, greift Gus zum Baseballschläger und bringt Crispin (Francis Capra) sehenswert um.

In dieser Szene kulminiert beinahe alles, was an The Strain gut und schlecht ist. Die mangelnde Vorsicht der meisten Charaktere verleitet bisweilen zum verzweifelten Haareraufen. Die Art und Weise, wie sich die Figuren dann aus ihren misslichen Lagen befreien, ist wiederum äußerst sehenswert. Nachdem Gus also seinen Bruder erledigt hat, hört er verdächtige Geräusche aus einer Abstellkammer, ihn beschleicht sogleich der schlimme Verdacht, dass seine Mutter nun auch auf die dunkle Seite übergetreten sein könnte. Ein schneller, einmal mehr äußerst unvorsichtiger Blick in die Abstellkammer bestätigt seine Befürchtung.

Statt seine Mutter aber ins Vampir-Nirvana zu schicken, begnügt sich Gus damit, sie in der Wohnung einzusperren. Sowohl die Szene mit der Mutter als auch mit dem Bruder sind dazu installiert worden, dem Zuschauer einen emotionalen Moment zu bescheren. Mich ließ die Szene jedoch völlig kalt, denn sowohl Gus als auch die Mitglieder seiner Familie sind zuvor immer nur flüchtig erwähnt worden. Wir Zuschauer konnten keinerlei emotionale Bindung zu ihnen herstellen - was vor allem auch daran lag, dass Crispin (und auch Gus) bisher nur als gefährliche Kleinkriminelle porträtiert wurden.

Nora (Mia Maestro) hat ihre Mutter zurückgelassen; um auf Vampirjagd gehen zu können. © FX
Nora (Mia Maestro) hat ihre Mutter zurückgelassen; um auf Vampirjagd gehen zu können. © FX

Nun lässt Gus seine Vampirmutter also in der Wohnung zurück - wohl wissend, dass er dadurch andere Menschen in Gefahr bringt. Lieber schnappt er sich eine Axt (coole Waffe!) und geht auf den verwandelten Vermieter los, der sich in der Vergangenheit angemaßt hatte, die Miete von seiner Mutter pünktlich einzufordern. Irgendwann wird Gus wohl zu unserer etablierten Gruppe um Set & Fet stoßen - alle Ereignisse, die zu dieser langerwarteten Zusammenkunft führen, bleiben jedoch langweilig und vergessenswert.

You here for the rent, puto?

Ähnliches gilt für den Handlungsbogen um die zurückgelassenen Zack (Ben Hyland) und Mariela (Anne Betancourt). Der wurde aus einem einzigen Grund konstruiert: Um dramaturgische Lücken zu füllen. Nun, da der Holocaust-Erzählstrang abgeschlossen ist, braucht es wohl Ersatz - mag dieser auch so hanebüchen und redundant sein wie hier. Sämtliche Ereignisse darin sind vollständig vorhersehbar und auf äußerst fragwürdige Entscheidungen der Figuren zurückzuführen.

Zack hatte in der letzten Episode noch angedeutet, dass er ein schlaues Kerlchen sein könnte. Mit seinen Handlungen in dieser Episode konterkariert er dieses Bild jedoch wieder. Eph (Corey Stoll) und Nora (Mia Maestro) lassen ihn mit Mariela zurück, weil es für beide zu gefährlich wäre, an der Jagd auf den Master teilzunehmen - so weit, so nachvollziehbar. Dann hält es die demente Mariela nicht in Setrakians (den sie übrigens nicht mag) Keller aus, ohne entweder nach ihrer Tochter oder neuen Zigaretten zu schreien. Schließlich erklärt sich Zack bereit, ihr die Zigaretten zu besorgen.

In einem kleinen Kiezsupermarkt wird er fündig, bei seiner Suche aber von einem Pärchen unterbrochen, das zunächst gar nicht bedrohlich aussieht. Zack beschließt trotzdem, in den dunklen Keller (!!!) des Ladens zu flüchten und sich dort einer Vampirgefahr auszusetzen, anstatt sich den beiden Plünderern zu stellen. Was glaubt er denn? Dass die beiden ihn sofort umlegen? Und wenn ja, warum klettert er dann mit den Füßen voraus in eine dunkle Ladeluke? Dort unten wartet natürlich ein Vampir auf ihn, er verliert sein Telefon, kann sich aber trotzdem retten. Auf seine Kosten sterben jedoch die beiden Eindringlinge, bevor schließlich Gus auftaucht und dem Vampir (off-screen) den Garaus macht.

Tunnelvampire sind die schlimmsten Vampire. © FX
Tunnelvampire sind die schlimmsten Vampire. © FX

Das Schlimmste an dieser Szene ist aber, dass sich Zack und Gus nicht zusammenschließen, obwohl der Moment augenscheinlich konzipiert wurde, um Gus endlich näher an die Gruppe zu bringen. Noch schlimmer wird es, wenn man sich vor Augen hält, was wegen solchen Szenen geopfert wurde. In dieser Episode taucht erneut kein Eichhorst auf, es gibt schon wieder keine bad-ass-Vampirkiller-Monster - letztgenannte gehen nach dieser ersten Staffel wohl als größter Tease in die Seriengeschichte ein.

I will take everything from you

Die positiven Elemente von The Third Rail beschränken sich auf den Handlungsbogen von Eph und Konsorten, die sich - äußerst blauäugig - auf die Suche nach dem Master machen. Setrakian (David Bradley) lässt dabei einen neuen Vampirfakt aus dem Sack: Der Master und seine Gefolgschaft kongregiert immer dort, wo den Menschen größtes Leid zugefügt wurde (eine Erklärung dafür, dass sich der Master im KZ herumtrieb). Also suchen sie den König der Vampire in der U-Bahnstation unter der ehemaligen Stätte des World Trade Center.

Sämtliche Szenen, die sich dort abspielen, sind von größter Pulp-Schönheit. Sowohl die nistenden Vampire, die sich - wie wir von Setrakian erfahren - tagsüber zur Ruhe legen, als auch der Tunnel, durch den die Helden kriechen müssen, erzeugen eine beklemmende, gruslige Atmosphäre. Die Szenen im Tunnel sind höchst spannend, Setrakians Fanatismus im Angesicht des Master beklemmend, Ephs ständige Besserwisserei nervtötend. Fet (Kevin Durand) spielt einmal mehr den gutgelaunten Vampirjäger, dem es sichtlich Spaß macht, sich mit Eph anzulegen.

Der wird von der Stimme seiner verwandelten Ehefrau Kelly (Natalie Brown) zum Sarg des Master gelockt und dort von Vampiren umzingelt, bevor der Master leibhaftig auftaucht und verkündet, wen und was er alles zerstören werde. Fet rettet Eph mit seiner selbstgemachten UV-Lichtbombe, woraufhin Setrakian beinahe ausflippt, weil er glaubt, den Master an Ort und Stelle besiegen zu können. Seine Obsession lässt auch dann nicht nach, als die Gruppe gemeinsam eine riesige Höhle voller nistender Vampire entdeckt. Eine über weite Strecken schwache Episode endet also mit einem starken Bild. Vielleicht dreht sich diese Dichotomie in den nächsten beiden Folgen ja nochmal um. Wünschenswert wäre es.

Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 23. September 2014
Episode
Staffel 1, Episode 11
(The Strain 1x11)
Deutscher Titel der Episode
Der Schlaf der Vampire
Titel der Episode im Original
The Third Rail
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 21. September 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 23. April 2015
Regisseur
Deran Sarafian

Schauspieler in der Episode The Strain 1x11

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