The Strain 1x10

The Strain 1x10

The Strain wechselt in Loved Ones stellenweise die Perspektive. Die Episode betrachtet den Verwandlungsprozess vom Menschen in einen Vampir und reüssiert damit so sehr, dass man sich dies glatt als festen Bestandteil der Serie wünschen könnte.

Kelly (Natalie Brown) verwandelt sich in dieser Episode in einen Vampir und wird zum Master zitiert. / (c) FX
Kelly (Natalie Brown) verwandelt sich in dieser Episode in einen Vampir und wird zum Master zitiert. / (c) FX

Bevor wir in das Review einsteigen, ein kurzer rant meinerseits: Was ist nur mit dem zentralen Charakter von The Strain los? Eph Goodweather (Corey Stoll) ist das größte douchebag, das man sich nur einfallen lassen konnte. In der letzten Episode hatte er noch darüber gesprochen, wie sehr er seine Exfrau Kelly (Natalie Brown) liebt, obwohl er gerade Sex mit seiner Affäre Nora (Mia Maestro) gehabt hatte. In dieser Episode entschuldigt er sich dafür, liefert aber postwendend neue moralische Fragwürdigkeiten ab.

Eph is the worst

Sein gesamter Charakter scheint als einziger Kotzbrocken konzipiert worden zu sein. Als er von der Suche nach Kelly zurückkommt, stürmt er zuerst in Noras Arme, ohne sich auch nur kurz nach dem Wohlergehen seines Sohnes Zach (Ben Hyland) zu erkundigen. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit betont er, dass er Arzt ist beziehungsweise einen Doktortitel trägt und dass er für das Center for Disease Control (Seuchenschutzbehörde) arbeitet, was in Zeiten einer ausbrechenden Vampirapokalypse völlig bedeutungslos ist. Sein gigantisches Ego gebietet es ihm scheinbar auch, sich mit jedem anzulegen, der seine selbst erklärte Rolle als Anführer nicht völlig unterwürfig akzeptiert. Was Nora an dem Kerl findet und was wir Zuschauer an ihm finden sollen, ist mir völlig unerklärlich. Vielleicht können unsere Leser dieser Figur ja Sympathien abgewinnen?

Nachdem das also geklärt wäre, können wir uns den positiven Aspekten von Loved Ones widmen - denn davon gab es einige. Autorin Regina Corrado entschließt sich dazu, die Perspektive umzudrehen und den Verwandlungsprozess eines Vampirs anhand von Kelly Goodweather auszuleuchten. Abgesehen von Browns ausgezeichnetem Porträt einer in Wandlung Begriffenen etabliert der Perspektivenwechsel eine neue erzählerische Ebene, auf der sich neue dramaturgische Optionen ergeben. Kelly ist nämlich offensichtlich vom Master (Robin Atkin Downes) für eine besondere Aufgabe auserkoren worden - jedenfalls hört sie die Stimme des Masters, der sie zu sich in den New Yorker Untergrund ruft.

Ich würde mir wünschen, dass die Autoren diese neue Erzählebene beibehalten. Darin zahlt sich nämlich nun auch die viele Zeit aus, die wir zu Beginn der Serie mit Ephs Familie verbracht haben. Vielleicht kommt es ja am Ende der ersten Staffel zu einem Duell zwischen Kelly und Eph - Superzunge gegen Silberpatronen. Welchen Ausgang ich dabei präferieren würde, dürfte wohl nicht allzu schwer zu erraten sein.

Fet (Kevin Durand) von seiner schönsten Seite © FX
Fet (Kevin Durand) von seiner schönsten Seite © FX

Während Kellys Geschichte in Rückblenden erzählt wird, macht sich Eph auf die Suche nach ihr. Zach ist es gelungen, genügend Internetkapazität aufzubringen, um das Telefon seiner Mutter zu lokalisieren. Es stellt sich aber heraus, dass sie es während ihres Verwandlungsprozesses verloren hat. Auch zu Hause hat Eph kein Glück, im Keller des Nachbarhauses findet er aber Diane (Inga Cadranel) und ihren Sohn, die beide zuvor von Kelly angegriffen worden waren und ihre eigene Verwandlung bereits abgeschlossen haben. Mit gezielten Kopfschüssen aus der Silberpistole richtet Eph die beiden Vampire hin.

Hoffnung oder Trauer?

In Dianes Hand findet er die Halskette seiner Exfrau, die im Kampf der beiden abgerissen wurde. Er weiß jetzt, dass Kelly zur Vampirin mutiert ist, hält Zach diese Information jedoch noch vor, weil er ihn nicht zu stark traumatisieren will. Er beweist in der Situation vermeintliches Fingerspitzengefühl (was durch all seine anderen Aktionen aber ständig konterkariert wird). Wäre es jedoch nicht viel ehrlicher und auf lange Sicht auch zielführender, würde er seinem Sohn die Wahrheit sagen und ihm keine illusorischen Hoffnungen mehr machen?

Viel lieber legt sich Eph aber mit einzelnen Mitgliedern seiner Schicksalsgemeinschaft an, wenn er nicht gerade vor allen anderen mit Nora schmust, als wäre er ein erstmalig verliebter Teenager. Der Konflikt zwischen ihm und Dutch (Ruta Gedmintas) ist so konstruiert wie unnötig. Er dient lediglich dazu, beide Charaktere unsympathischer zu machen: Eph, weil er weiter wie ein egoistischer Narzisst denkt und handelt. Und Dutch, weil sie bei der geringsten Opposition gleich ausflippt und lieber auf die vampirverseuchten Straßen abhauen will, statt im sicheren Setrakian-Headquarter zu bleiben.

Von Setrakian (David Bradley) sehen wir in dieser Episode kaum etwas, von Eichhorst (Richard Sammel) gar nichts - zum nunmehr zweiten Mal hintereinander. Sehr schade eigentlich, gehört letztgenannter doch zu den interessantesten Figuren der Serie - und Sammel zu den besten Darstellern. Dafür bekommen wir eine Extraportion Fet (Kevin Durand), dieses Mal jedoch nicht als Teil des dynamischen Duos „Fet & Set“, sondern im neckisch-flirtigen Doppelpack mit Dutch.

Zum Schluss kommt der Twist: Fitzwilliams (Roger R. Cross) ist gar nicht böse! © FX
Zum Schluss kommt der Twist: Fitzwilliams (Roger R. Cross) ist gar nicht böse! © FX

Die beiden machen sich - mit einem völlig unausgereiften Plan im Gepäck - auf den Weg zum Gebäude der sinistren Stoneheart Group. Dort wollen sie einbrechen und sich Zugang zu Eldritch Palmer (Jonathan Hyde) verschaffen, um - ja, warum eigentlich? Offenbar kann Dutch ihren Internethack nur von Palmers Computer aus wieder rückgängig machen. Die beiden Amateureinbrecher werden jedenfalls schon im Fahrstuhl an ihrem Vorhaben gehindert und zu Palmer gebracht.

It's all about confidence

Der legt in bester Filmschurkenmanier seine Pläne für immerwährendes Leben offen, um das Duo danach von Fitzwilliams (Roger R. Cross) und seinen Schergen hinrichten zu lassen. Doch - Überraschung! - Fitzwilliams ist gar kein Erfüllungsgehilfe des Bösen, sondern hat sich selbst gegen seinen Auftraggeber gewendet. Er lässt Fet und Dutch laufen, aber warum verschafft er ihnen nicht gleich Zugang zu Palmers Computer? Warum nehmen sie nicht gemeinsam den alten, gebrechlichen Mann gefangen und unterbinden seine Aktivitäten? Fitzwilliams organisiert die Sicherheit des Gebäudes, dessen Mitglieder ihm offensichtlich loyal ergeben sind. Da wäre es doch ein Leichtes, die Kontrolle zu übernehmen, Palmer gar sterben zu lassen. In Zeiten der Vampiranarchie würde das wohl kaum jemanden interessieren.

Diese kleinen logischen Inkonsequenzen wiegen in Loved Ones aber nicht so schwer, denn das Positive dominiert. Das Zusammenspiel von ausgezeichneter Darstellung und erneut großartigem Sounddesign machen Kellys Erzählbogen zu einem der interessantesten der gesamten Staffel. Und dem neckischen Hin und Her zwischen Fet und Dutch könnte ich auch stundenlang zusehen. Die einzigen Downer sind momentan Eph und Nora. Wenn deren Spielzeit zukünftig mehr Auftritten von Setrakian und Eichhorst zum Opfer fällt, werde ich darüber alles andere als traurig sein.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 15. September 2014
Episode
Staffel 1, Episode 10
(The Strain 1x10)
Deutscher Titel der Episode
Rattenfänger
Titel der Episode im Original
Loved Ones
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 14. September 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 16. April 2015
Regisseur
John Dahl

Schauspieler in der Episode The Strain 1x10

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