The Strain 1x09

Nach dem überstandenen Vampirüberfall auf die Tankstelle in Creatures of the Night schaltet die FX-Horrorserie The Strain einen Gang zurück und vereint die Gruppe um Eph Goodweather (Corey Stoll) und Abraham Setrakian (David Bradley) mit einigen weiteren bekannten Gesichtern. Im Lieferwagen macht sich die Gruppe auf den Weg zu Ephs ehemaligem Zuhause, wo er seine Exfrau Kelly und seinen Sohn Zach (Ben Hyland) in Sicherheit bringen will.
Life will insist
Zach wird kurze Zeit zuvor von Kellys Freundin Diane (Inga Cadranel) nach Hause gebracht. Sie hält es trotz andauerndem Sirenengeheul und offensichtlichem Ausnahmezustand aber nicht für notwendig, den kleinen Zach ins dunkle Haus zu begleiten. Ein Schatten hinter einem schwach beleuchteten Fenster reicht ihr aus, um ihn in Sicherheit zu wägen. Im Haus entdeckt Zach sofort die Spuren eines Kampfes, kurze Zeit später findet er auch den Grund dafür. Sein zum Vampir mutierter Stiefvater Matt (Drew Nelson) tritt aus dem Dunkel und greift den Jungen mit seiner Monsterzunge an.
Zum großen Glück des Kleinen eilt Eph jedoch bereits zur Rettung heran. Er enthauptet den Angreifer und klärt Zach - mehr schlecht als recht - darüber auf, was mit Matt passiert sein könnte. Trotz aller offensichtlich gegenteiliger Erkenntnisse beharren Eph und seine Mitstreiterin und Liebhaberin Nora (Mia Maestro) weiterhin darauf, dass es sich um die Ausbreitung einer viralen Infektion handle - und nicht um ein übernatürliches Ereignis. Setrakian versucht abermals, die beiden Skeptiker zu überzeugen, hat damit aber keinen Erfolg. Nora will ihm nicht glauben, sie trägt ihm und Fet (Kevin Durand) weiterhin nach, Jim Kent (Sean Astin) präventiv ermordet zu haben.
Wenngleich es für eine spannende dramaturgische Entwicklung in einer „Pulp“-Serie wie dieser eher hinderlich ist, wenn sich Charaktere zu lange mit dem Tod eines geliebten Menschen aufhalten und sich weigern, die Realität zu erkennen, so ist Noras Reaktion hinsichtlich ihrer bisherigen Figurenzeichnung nachvollziehbar. Das Problem daran ist nur, dass wir als Zuschauer keinerlei emotionale Bindung zu Jim Kent hatten. Deshalb fühlen sich die Szenen, in denen Nora um ihren verstorbenen Kollegen trauert, so leer an. Sie behauptet, dass er der „kindest man I knew“ war. Wir kennen ihn aber nur als denjenigen, der den Ausbruch des Vampirvirus erst ermöglicht hat, als denjenigen, der das alles angeblich für seine Frau getan hat - und sie dann doch beinahe widerstandslos gehen ließ.

Zu diesem späten Zeitpunkt in der Staffel können wir also mit zunehmender Sicherheit festhalten, dass The Strain keinen großen Wert auf Charakterarbeit legt. Das wird auch an Vasiliy Fet deutlich, der als lebender one-liner durch die Serie stolziert - was nicht unbedingt etwas Schlechtes ist. Seine Sprüche sorgen für etwas Auflockerung und sind manchmal sogar richtig witzig, zum Beispiel, wenn er in dieser Episode trocken kommentiert, als er herausfindet, dass die Alte in Setrakians Geschäft Noras Mutter ist: „Obviously.“
This is why I don't have friends
Außerdem ist Fet momentan Setrakians fähigster Mitstreiter. Wenngleich man diesen Typen wohl im echten Leben nicht unbedingt begegnen möchte, ist er jedoch genau der richtige für die Vampirapokalypse. Er erkennt die Gefahr und merzt sie aus - ganz so, wie er es auf der Rattenfängerschule gelernt hat. Dieses Mal ist es die Hackerin Dutch (Ruta Gedmintas), die von seiner Gedankenschnelligkeit profitiert. Sie möchte aus unerfindlichen Gründen nicht bei der Gruppe bleiben, sondern lieber in ihr „heroinchices“ Loft nach Brooklyn zurückgebracht werden - als habe sie schon wieder vergessen, dass die Straßen New Yorks von Vampiren überlaufen sind.
Jedenfalls stellt sie dort fest, dass ihre beste Freundin (der in der letzten Episode die Flucht vor den Vampiren gelungen war) sie ausgeraubt hat. Viel schlimmer als das Geld, das sie gestohlen hat, ist aber der Klau des Laptops, wo angeblich alles gespeichert war, was Dutch besitzt. Anschließend kommt ihr Kiffernachbar vorbei, der aber gar nicht high ist, dafür aber ein Vampir. Fet erledigt ihn zielsicher. Sollte die Freundin nicht noch einmal auftauchen, war dies ein unnötiger Ausflug, da sie sich nach dem Erlebnis entschließt, sich der Gruppe doch anzuschließen. In Setrakians Kellergewölbe (ein schöner Gegensatz zu ihrem Hackerloft) beichtet sie ihm schließlich, dass sie für den kompletten Kommunikationsausfall der Stadt verantwortlich ist - erstaunlich im Angesicht der Tatsache, dass sie offensichtlich nicht fähig ist, ihre wichtigsten Besitztümer auf mehr als nur ein Medium zu verteilen.
Nach einer Episode ohne Gus (Miguel Gomez) und Felix (Pedro Miguel Arce), in der ich die beiden komplett vergessen hatte, kehren sie in die Handlung zurück. Der infizierte Felix verwandelt sich auf der Überfahrt zur Gefängnisinsel Rikers in einen Vampir und ermöglicht Gus die Flucht, indem er den Transportwagen in einen Unfall verwickelt. Gus, ganz Fets Bruder im Geiste, zögert nicht lange und erschießt seinen Vampircousin, nachdem der seine neue Superzunge dazu eingesetzt hat, die beiden Wachen und einen Mithäftling auszusaugen. Gut gemacht, Gus! Aber wenn Du Dich nicht bald mit der restlichen Gruppe zusammenschließt, werde ich Dich wohl allzu schnell wieder vergessen.

Die gegenwärtigen Handlungsstränge werden durch erneute Rückblenden ins polnische Konzentrationslager ergänzt, wo die Inhaftierten ihre eigenen (Massen-)Gräber ausheben müssen, weil die Nazis realisieren, dass sie dem Vormarsch der Alliierten nichts mehr entgegenzusetzen haben. Der junge Setrakian wird nachts einmal mehr Zeuge davon, wie sich der Master in den Baracken neue Opfer sucht und schmiedet einen Plan, seinem grausamen Tun ein Ende zu bereiten. Der Master kann darüber aber nur müde lächeln, gibt erneut einen lapidaren Kommentar über Setrakians unauffindbaren Gott ab und bricht ihm die Finger. Aber warum tötet der Master ihn nicht einfach? Auf diese Frage erhalten wir keine Antwort.
To a new order
Am nächsten Tag wird das KZ befreit, kurz bevor Setrakian und Konsorten erschossen werden sollen. Mithilfe seiner Mithäftlinge gelingt dem verkrüppelten Abraham die Flucht. Auch Standartenführer Eichhorst (Richard Sammel) bringt sich vor den nahenden Befreiungskräften in Schutz und sucht Zuflucht in einem Bunker, wo er den Sarg des Master gelagert hat. Er betrinkt sich, beweint die unumgängliche Niederlage und den Untergang des Dritten Reichs und fleht schließlich den Master (Robert Atkin Downes), der sich nun in voller Pracht präsentiert, darum an, ihn zu seinem willfährigen Untertanen zu machen.
Der Höhepunkt kommt spät in dieser Episode, aber dafür mit voller Wucht. Was The Strain schon seit dem Start gut macht, wird hier noch besser: Ausstattung und Make-up des Master sind wahrlich furchteinflößend, gepaart mit dem tollen Sounddesign gibt er einen großartigen Bösewicht ab. Auch von Eichhorst erfahren wir Neues. Er ist eben nicht der strahlende, selbstbewusste, machtorientierte Anführer, sondern eigentlich nur ein Feigling, der jemanden braucht, dem er sich unterordnen kann. Dies macht ihn zu einer regelrecht widerlichen Figur, ist aber bitter nötig, da er ansonsten bisweilen beinahe schon sympathisch wirken konnte.
The Strain schafft es weiterhin, mein Interesse aufrechtzuerhalten, auch wenn es nur solche kurzen Szenen sind wie die abschließende. Momentan scheinen sich die Autoren aber immer noch nicht zu trauen, etwas mehr Actionpulver in ihre Dramakanone zu packen. Die Serie hält sich zu lange damit auf, immer und immer wieder den Plot zu erklären, die Gruppenbildung zieht sich scheinbar unendlich hin. Wenn sie es einmal schaffen, neue, spannende Figuren (wie die Vampirjäger) an prominenter Stelle zu positionieren, lassen sie sich daraufhin zu viel Zeit, zu diesem Material zurückzukehren. Sie haben all die richtigen Zutaten für eine schnelle, „pulpige“, gruslige Vampirserie - leider finden sie momentan nicht die richtige Mischung dafür. Es bleibt die Hoffnung, dass die Schlagzahl gegen Ende der Staffel erhöht wird.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 9. September 2014(The Strain 1x09)
Schauspieler in der Episode The Strain 1x09
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