The Strain 1x08

The Strain 1x08

In Creatures of the Night, einer klassischen Bottle-Episode, passiert kaum etwas Neues. Die Protagonisten wiederholen alte Gewissheiten und tauschen wenige neue aus. Der Plot wird indes nicht vorangetrieben. Nach der starken letzten Episode tritt The Strain wieder auf der Stelle.

Neu im Team der Vampirkiller: Hackerin Dutch (Ruta Gedmintas) / (c) FX
Neu im Team der Vampirkiller: Hackerin Dutch (Ruta Gedmintas) / (c) FX

Die neue Episode der FX-Vampirserie The Strain, Creatures of the Night, setzt dort ein, wo uns die Serie beim letzten Mal zurückgelassen hatte. Die Gruppe um Setrakian (David Bradley) und Eph Goodweather (Corey Stoll) macht sich auf die Suche nach potenziellen Vampirbekämpfungsmitteln, während Thomas Eichhorst (Richard Sammel) leicht verletzt die Flucht antritt - und in dieser Episode nicht mehr zu sehen sein wird.

I work alone

Beim Einbruch in ein Lagerhaus für Medizinprodukte trifft die Gruppe, zu der außerdem Nora (Mia Maestro) und Jim (Sean Astin) gehören, auf Schädlingsbekämpfer Vasiliy Fet (Kevin Durand), womit die beiden stärksten Charaktere der Serie, Vasiliy und Setrakian, endlich zueinandergefunden haben. Brüderlich teilen sie UV-Lampen unter sich auf, müssen dann aber den gemeinsamen Rückzug in eine Tankstelle antreten, weil sie von Vampiren umzingelt werden.

Fortan entspinnt sich eine lupenreine bottle-Episode, die sich wie die Kurzversion eines herkömmlichen Horrorfilms anfühlt - inklusive sämtlicher Tropen aus diesem Genre. Dabei werden all jene in der letzten Episode eingeleiteten positiven Elemente der Serie durch die Schwächen des Drehbuchs konterkariert, die hier in voller Stärke zurückkehren. Die Autoren verspüren offenbar den unbedingten Drang, expositorische Dialoge mehrmals in der Serie unterzubringen. Dies ist vielleicht ein Konstruktionsfehler der Geschichte, denn jedes Mal, wenn unsere Helden neue Gruppenmitglieder kennenlernen, muss denen beigebracht werden, worum es sich bei den verwandelten Kreaturen handelt.

Wir Zuschauer wissen das alles natürlich schon längst, und deswegen ist es schlicht ermüdend, wenn Setrakian zum fünften Mal erklärt, dass man Vampire am besten köpft und sie nur durch Silberkugeln aufgehalten werden können. Trotz all dieser redundanten Informationen erfahren wir von Setrakian aber auch neue Vampirfacts. So dauert es ungefähr einen Monat, bis die Vampire voll entwickelt sind. Innerhalb dieser Entwicklungsphase gibt es mehrere Abstufungen, ein regelrechtes Kastensystem. Wer in welcher Kaste landet, darüber entscheidet der Master. Er hat außerdem die Macht, die Vampire zu lenken, weil er durch ihre Augen beobachten kann, was vor sich geht. Überdies greifen die Neuvampire als Erstes diejenigen an, die ihnen nahestehen: „Human love is corrupted into the need to consume those closest to you.“ („Menschliche Liebe verkommt zum Drang, diejenigen, die einem am nächsten sind, zu verzehren.“)

Teil I des %26bdquo;Awesome%26ldquo; Vampirkillerduos: Fet (Kevin Durand) © FX
Teil I des %26bdquo;Awesome%26ldquo; Vampirkillerduos: Fet (Kevin Durand) © FX

So ist es denn auch zu erklären, dass der Freundin von Hackerin Dutch Velders (Ruta Gedmintas) so einfach die Flucht gelingt, während sich die Gruppe um Abraham Setrakian - dem eigentlichen Ziel des Masters - schnellstmöglich aus dem Vampirrudel befreien muss. Während sie also in der Tankstelle an einem Fluchtplan bastelt, nimmt sich das Drehbuch die Zeit, sämtliche Horrorfilmklischees durchzuspielen.

Waiting for authorisation

Erst wird mehrmals wiederholt, dass sämtliche Kommunikationsmöglichkeiten ausgefallen sind (wofür ja Dutch verantwortlich ist), dann fällt das Licht aus, dann kriechen Vampire durch das Lüftungssystem, dann werfen sie eine Scheibe ein und dann wird einer unserer Helden infiziert. Das größte Ärgernis ist jedoch, dass sämtliche (verzichtbaren) Nebencharaktere genauso handeln, wie jeder verzichtbare Nebencharakter in jedem Horrorfilm jemals gehandelt hat: unsagbar dumm. Sowohl die Freundin der Hackerin als auch ein Lieferant und der Verkäufer sehen mit bloßem Auge, dass vor der Tür gerade feindselige Verwandelte zu ihnen vordringen wollen. Trotzdem bestehen sie darauf, auf eigene Faust zu handeln beziehungsweise gar nichts zu tun.

Mögen dies auch geringfügige Probleme sein, die sich mit dem Ende dieser Episode erledigt haben, so bleibt eines weiterhin bestehen: Der zentrale Charakter, Eph, ist kein Sympathieträger - eher das Gegenteil. Zu Beginn hat sein Handlungsstrang gelangweilt, weil die Autoren an ihm sämtliche Antiheldenklischees abarbeiteten. Nun nervt die Figur, weil sie einfach nicht einsehen will, dass sie dieses Mal nicht Recht hat und es eben keine rationale, wissenschaftlich nachweisbare Erklärung für das Aufkommen der Vampire gibt. Trotzdem weigert sich Eph standhaft, Setrakian Glauben zu schenken, obwohl sich ständig und direkt vor seinen Augen abspielt, was Setrakian gebetsmühlenartig predigt.

Nora als sein ergebener sidekick ist weniger nervtötend - aber auch nur, weil sie nur halb so viel Dialog hat wie er. Wo ist eigentlich ihre Mutter? Sollte sich nicht mal jemand um sie kümmern? Mir würde in Zukunft jedenfalls nicht auffallen, wenn die Autoren die Existenz der Mutter einfach vergessen - genau, wie es mir nicht schwerfallen wird, den Tod von Jim Kent zu verkraften. Sein Ausscheiden sollte offensichtlich ein erster großer emotionaler Moment werden, konnte diesen Anspruch aber zu keinem Zeitpunkt erfüllen. Er war weder eine besonders sympathische Figur noch eine, die irgendwelche individuellen Fähigkeiten gehabt hätte, die in einer Vampirapokalypse unverzichtbar wären.

Teil II des %26bdquo;Awesome%26ldquo; Vampirkillerduos: %26bdquo;Set%26ldquo; (David Bradley) © FX
Teil II des %26bdquo;Awesome%26ldquo; Vampirkillerduos: %26bdquo;Set%26ldquo; (David Bradley) © FX

Immerhin eines haben die Autoren mit dem - zugegeben überraschenden - Tod Jim Kents bewiesen: Sie trauen sich, zentrale Charaktere frühzeitig aus der Serie zu schreiben. Könnte es also sein, dass Eph oder Nora bald das Zeitliche segnen? Ich hätte damit jedenfalls kein Problem, solange nur Vasiliy und Setrakian (aka „Fet & Set“, danke, AV Club) als badass-Duo zusammenbleiben.

Oh my God, crazy old man with a bloody sword

The Strain weiß ja, wie unterhaltsames Apokalypsefernsehen geht. Zumindest hat die Serie das in der letzten Episode bewiesen. Auch in Creatures of the Night gibt es genügend positive Elemente, die die Folge zu einer ordentlichen machen. Das Vampirdesign und die dazugehörigen Soundeffekte funktionieren immer noch außergewöhnlich gut, auch die neuen Erkenntnisse seitens Setrakian fördern das Verständnis der Verwandlung. Wenn da nur nicht all diese ausgelutschten Erzählversatzstücke wären, auf die sich die Drehbuchautoren nur allzu gerne verlassen.

Und so bleibt von dieser Episode eher ein schaler Beigeschmack zurück, vor allem auch, weil For Services Rendered solch hohe Erwartungen geweckt hatte. Hoffentlich tauchen die großartigen Vampirkiller vom Ende jener Episode bald wieder auf. Vielleicht schließen sie sich ja auch bald mit „Fet & Set“ zusammen und ballern sich schwertschwingend zum Master vor, während Eph und Nora irgendwo versuchen, die Vampirseuche mit wissenschaftlichen Methoden zu bekämpfen.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 1. September 2014
Episode
Staffel 1, Episode 8
(The Strain 1x08)
Deutscher Titel der Episode
Kreaturen der Nacht
Titel der Episode im Original
Creatures of the Night
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 31. August 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 2. April 2015
Regisseur
Guy Ferland

Schauspieler in der Episode The Strain 1x08

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?