The Strain 1x05

The Strain 1x05

In der neuen Episode von The Strain machen die Serienschöpfer leider eher einen Schritt zurück, als dass sie wirklich vorankommen. Zwar haben einige Aspekte von Runaways durchaus Mehrwert, gleichzeitig schleichen sich jedoch erneut fragwürdige und gar etwas sinnfreie Elemente ein.

Dr. Ephraim „Eph“ Goodweather (Corey Stoll) im Gespräch mit Boss Barnes (Daniel Kash) in „Runaways“ / (c) The FX
Dr. Ephraim „Eph“ Goodweather (Corey Stoll) im Gespräch mit Boss Barnes (Daniel Kash) in „Runaways“ / (c) The FX

Nach der gelungenen, wenn auch nicht fehlerfreien Episode It's Not for Everyone aus der Vorwoche waren meine Hoffnungen etwas gestiegen, dass die US-Serie The Strain des Kabelsenders FX vielleicht endlich ihren Ton gefunden haben könnte. Oder sich zumindest zielgericheter in eine dementsprechende Richtung entwickeln würde, die so nach den ersten drei Episoden des Mysterythrillers nicht wirklich erkennbar war.

Mit Runaways bekommen wir jedoch gerade im Vergleich zur vorangegangenen Episode eher eine Enttäuschung serviert, die wiederum dem „Nicht Fisch, nicht Fleisch“-Charakter der ersten drei Episoden von „The Strain“ entspricht. Auf der einen Seite kann man auch in dieser fünften Episode der FX-Serie atmosphärisch dichte Akzente setzen sowie dem Zuschauer einige interessante Hintergrundinformationen anbieten. Andererseits fühlen sich einzelne Szenen schlichtweg redundant und wenig interessant an. Hinzu kommt dann noch das Verhalten einiger Figuren, das irritiert und abermals Fragen aufwirft.

A corruption both of flesh and spirit

Der Anfang von „Runaways“ mag mir hier persönlich noch am besten gefallen, da hier noch am ehesten versucht wird, der aus der letzten Woche entstandenen, neuerlichen Erwartungshaltung gegenüber „The Strain“ gerecht zu werden. Der Besuch der Ärztin beim längst verwandelten Rockstar Gabriel Bolivar (Jack Kesy) ist durchaus spannungsvoll gestaltet, obwohl man sich schon die Frage stellen muss, warum dessen Managerin beim Anblick des blutigen Massakers, das ihr Klient angerichtet hat, einen Fixer anstelle von Ordnungshütern ruft. Natürlich möchte sie ihren Arbeitgeber schützen, doch hier sollte mehr als deutlich werden, dass Bolivar längst nicht mehr menschlich ist. Letztendlich wird auch den etwas skurrilen Fixer ein unschönes Ende ereilen, was für uns wohl eher weniger überraschend ist.

Abseits von alledem halten Abraham (David Bradley) und Eph (Corey Stoll) eine Lagebesprechung darüber ab, wie es denn nun weitergehen soll. Abraham redet dabei etwas weniger in bedeutungsschwangeren Rätseln, als dies sonst der Fall ist, was der Szene definitiv guttut. Auch wenn Eph etwas ungläubig dreinschaut, als ihm von einem geheimnisvollen „Master“ erzählt wird, der das Vampirvirus systematisch verbreitet und die Menschheit vernichten will, ist der Virologe trotz einiger Zweifel mit an Bord und will Abe bei seiner Jagd nach den gefährlichen Blutsaugern unterstützen.

Eph (Corey Stoll) und Abraham (David Bradley) kümmern sich um Ansel (Nikolai Witschl)... © The FX
Eph (Corey Stoll) und Abraham (David Bradley) kümmern sich um Ansel (Nikolai Witschl)... © The FX

Durch einen Flashback in das Jahr 1944 erfahren wir dann nicht nur etwas mehr über den mysteriösen Vampirkult, sondern auch über Abraham Setrakian selbst, was dieser Figur etwas mehr Profil gibt und zugleich ein wenig entmystifizierend wirkt. Als junger Mann wurde Abe mit seiner Großmutter und seinem besten Freund in ein polnisches Arbeitslager gesteckt. Dort erfuhr er die Schrecken des Holocausts und kam auch erstmals in Berührung mit Eichhorst (Richard Sammel), der in diesem Arbeitslager der Chefaufseher war. Doch nicht nur Eichhorst zeigte sich hier zum allerersten Mal, auch der „Master“ trat hier in Erscheinung und vergriff sich an Abes Mitinsassen, darunter auch seinem besten Freund.

Die Rückblicke in Abes Vergangenheit bringen hinsichtlich seines Charakters etwas Licht ins Dunkel. Und auch wenn die Erklärung von Abes Motivationen etwas einfach gerät, funktionieren diese Szenen und wissen darüber hinaus auch mit einer atmosphärischen Inszenierung zu überzeugen.

You believe it now?

Atmosphärisch wird es auch dann, wenn sich Abraham und Eph den ersten Namen auf der Liste der Flugzeugpassagiere vornehmen: Ansel Barbour (Nikolai Witschl). Zuvor bringt Abraham noch den Nachweis, dass er trotz seines überernsten Auftretens eine durchaus amüsante Ader hat, als er sich mit Eph in dessen Wagen auf dem Weg zu Ansels Haus unterhält. Im Hause Barbour angekommen wartet dann jedoch schon der erste Schock auf die beiden: Ansels Ehefrau Ann-Marie (Alex Paxton-Beesley) hat sich aufgrund der drastischen Veränderungen ihres Gattens erhängt.

Dieser wird dann wiederum von Abe und Eph im Gartenschuppen niedergestreckt. Mithilfe einer recht coolen Nagelpistole, die silberne Nägel verschießt und ein charmantes Trashelement darstellt, kann Eph das Wesen, was einst Ansel war, kleinhalten und zeitgleich ein Beweisvideo für seine Vorgesetzten machen, damit diese endlich ihre Augen öffnen. Abe übernimmt dann den Rest und köpft nicht nur Ansel, sondern auch den von ihm längst infizierten Nachbarn, Mr. Taylor (Darrin Baker). Der grantige Pfandleiher ist nunmal ein Mann der Tat, so kaltblütig er hier auch rüberkommt. Dass Ansel jetzt schon das Zeitliche segnet, ist nach dem ergiebigen Plot um seine Figur aus der letzten Woche vielleicht sogar ein wenig schade, auch wenn es absehbar war. Zumindest scheint Eph nun endgültig überzeugt zu sein, dass sie es hier mit etwas Größerem und weitaus Übernatürlicherem zu tun haben als anfangs noch angenommen.

Drawn to misery

Von Anfang an weniger überzeugt von irgendwelchen Vampirwesen und den Jagdplänen Abes war Nora (Mia Maestro), die in Runaways einen kleinen Nebenplot bekommt, der wiederum erklären soll, warum sie derzeit dermaßen angespannt ist. Neben ihrer beruflichen Belastung muss sie sich nämlich auch um ihre geistig verwirrte Mutter kümmern, die immer wieder aus dem Altenheim ausbüxt.

An ihrer Belastungsgrenze: Nora (Mia Maestro) in %26bdquo;Runaways%26ldquo; © The FX
An ihrer Belastungsgrenze: Nora (Mia Maestro) in %26bdquo;Runaways%26ldquo; © The FX

An dieser Stelle muss man leider festhalten, dass es den Autoren abermals nicht richtig gelingt, eine halbwegs interessante Charakterisierung durchzuführen. Mitproduzent Guillermo del Toro sprach auf der diesjährigen Comic-Con in San Diego noch davon, The Strain als Chance für Charaktere mit lateinamerikanischem Hintergrund zu sehen und ebensolche klischeebefreit einem breiteren Publikum zu präsentieren. Nach fünf Episoden ist davon leider noch nicht viel zu sehen, was schon letzte Woche anhand der Figur des Gus (Miguel Gomez) deutlich wurde. Auch hier in „Runaways“ kann man keine richtige Verbindung zu Mia Maestros verzweifelter Nora aufbauen.

Letztendlich fühlen sich die lateinamerikanischen Charaktere in „The Strain“ mehr nach einem Gimmick als nach irgendetwas anderem an. Das ist schade und muss sich in den nächsten Episoden stark verbessern - ansonsten bleibt es nur bei den bisher leeren Versprechungen del Toros. Seine Intention ist zwar löblich, doch lateinamerikanische Charaktere hin oder her: Wenn die Figur an sich stereotyp und langweilig konzipiert ist, ist deren ethnische Herkunft so oder so zweitrangig.

A higher power

Ein weiteres Problem in „Runaways“ ist der kurze Abstecher zum schwer kranken Palmer (Jonathan Hyde). Der erfahrene Schauspieler Hyde ist dabei frei von allen Vorwürfen, der Handlungsstrang selbst ist es, der uns einfach wenig Substantielles in diesem Moment anbieten kann. Ein wenig besser schlägt sich da schon die Geschichte um Kammerjäger Fet (Kevin Durand), der trotz seiner wenigen Auftritte bis dato und vor allem wegen seiner comichaften Figurenzeichnung bereits jetzt schon zu einem Fanliebling avanciert ist. Dieser geht dem Phänomen der fliehenden Rattenscharen nach und begibt sich in die Kanalisation New Yorks, wo auch schon ein Schwarm aggressiver Vampirwesen auf ihn wartet. Diese Entwicklung könnte dazu führen, dass Fet schon bald selbst aktiv wird, worauf einige Zuschauer sicherlich schon gespannt warten. Auch dieser Nebenplot in „Runaways“ fühlt sich recht lieblos integriert und zu nebensächlich an.

Caterpillars turning into butterflies

Nachdem mit Bolivar, Flugzeugkapitän Redfern (Jonathan Potts) und Ansel drei der vier Überlebenden des mysteriösen Flugzeugvorfalls etwas mehr Raum zur Entfaltung bekommen haben, darf sich jetzt auch die Vierte im Bunde über etwas mehr Screentime freuen. Die Anwältin Joan Luss (Leslie Hope) macht nämlich langsam, aber sicher eine ähnliche Transformation wie die drei erstgenannten durch. Das wird recht ansehnlich in Szene gesetzt und generiert ordentlich Spannung, während sie entgeistert auf den saftigen Nackenbereich ihres eigenen Sohnes blickt.

Ihr Hausmädchen traut dem Braten jedoch nicht und will die Kinder in Sicherheit bringen, was an und für sich eine recht sinnvolle Entscheidung ist. Dennoch muss sich The Strain wie bereits zuvor hier die Kritik gefallen lassen, dass sich viele Figuren einfach seltsam verhalten. Warum nicht die Polizei rufen, warum das Offensichtliche ignorieren und auf die leichte Schulter nehmen? Dies zeigt sich auch in einem Gespräch zwischen Eph und seinem Boss (Daniel Kash), der trotz Beweisvideo einfach nicht erkennen kann beziehungsweise will, wie ernst die Lage wirklich ist. Hier büßt die Serie zu viel ihrer Glaubwürdigkeit ein, und, auch wenn viele Momente spannend und sehenswert inszeniert sind, Aspekte wie dieser hinterlassen einen faden Beigeschmack.

Macht eine unschöne Entdeckung: Kammerjäger Vasiliy Fet (Kevin Durand). © The FX
Macht eine unschöne Entdeckung: Kammerjäger Vasiliy Fet (Kevin Durand). © The FX

Während sich Jim (Sean Astin) und Eph ein Stück weit versöhnen und ersterer letzterem bei der Flucht aus dem Gebäude hilft, möchte Ephs Boss diesen doch in Gewahrsam nehmen, scheinen sich die Vampirwesen langsam immer mehr in der Stadt zu verbreiten. Fets Blick in die Kanalisation war nur der erste Hinweis darauf, ein plötzlicher Angriff einer solchen Kreatur auf ein paar Arzthelfer im Altenheim, wo Nora mit ihrer Mutter ist, verstärkt diesen Eindruck. Die Biester scheinen auf den Geschmack gekommen zu sein und, auch wenn man Woche für Woche diverse Probleme von „The Strain“ nicht von der Hand weisen kann, bin ich nach wie vor guter Dinge, dass der Serienneustart sein Potential trotz einiger Makel noch abrufen kann.

Fazit

Ein wenig enttäuscht bin ich nach Runaways schon, hat man doch eine Chance verschenkt, da weiterzumachen, wo man letzte Woche aufgehört hatte. Ich persönlich fühle mich immer noch von der oft spannenden Inszenierung mit ansprechendem Genrecharme unterhalten, doch bei den Figuren und einzelnen Teilen der Handlung zeigten sich nun erneut eklatante Schwächen, die es auszumerzen gilt.

Für den Gruselfaktor ist gesorgt, die richtigen Zutaten für ein gutes Format sind da, doch die Macher taumeln eher durch die verschiedenen Aspekte und Elemente ihrer Geschichte, als gezielt und geradlinig ihre Vision anzugehen. Diese Unbeständigkeit und Unausgewogenheit der Serie macht die Bewertung der einzelnen Episode alles andere als einfach. Die Hoffnung ruht jetzt auf den nächsten Episoden, einem entschlosseneren story telling und den sinnvollen Verknüpfungen verschiedener Handlungsstränge, die für sich alleine zu oft zu wenig anbieten, um gänzlich überzeugen zu können.

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 12. August 2014
Episode
Staffel 1, Episode 5
(The Strain 1x05)
Deutscher Titel der Episode
Strigoi
Titel der Episode im Original
Runaways
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 10. August 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 12. März 2015
Regisseur
Peter Weller

Schauspieler in der Episode The Strain 1x05

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?