The Strain 1x04

Kollege Axel befindet sich im wohlverdienten Urlaub, also darf ich ersatzweise die Besprechung der neuesten Folge von The Strain auf FX übernehmen. Dabei entsteht in It's Not for Everyone tatsächlich ein wenig der Eindruck, als ob wir uns langsam in eine Richtung bewegen könnten, die der Serie definitiv gut tun würde.
Doch auch wenn man sich allmählich von den allzu hölzernen Dialogen der ersten Episoden verabschiedet, die Charakterisierung einzelner Figuren stellt nach wie vor eine der Schwächen der Autoren dar, was in „It's Not for Everyone“ besonders an einem Charakter deutlich wird. Auf der anderen Seite weiß die vierte Episode der Premierenstaffel mit ein paar netten Einfällen und charmanten Referenzen an das Horrorgenre zu glänzen, zusätzlich gefallen auch die Hauptfiguren ein wenig mehr. „It's Not for Everyone“ mag jetzt nicht wesentlich besser als die vorangegangenen Episoden sein, doch es scheint etwas Bewegung in die ganze Sache zu kommen.
He's not gonna get up, right?
In „It's Not for Everyone“ starten wir exakt an der Stelle, wo wir letzte Woche in Gone Smooth aufgehört haben: Eph (Corey Stoll), Nora (Mia Maestro) und Jim (Sean Astin) haben gerade noch ihren zum Vampirwesen gewordenen Patienten zur Strecke gebracht, da dämmert es den dreien schon, dass es sich hier zweifellos um etwas anderes als nur eine Krankheit handeln muss. Um dem Mysterium nun ein wenig auf den Grund zu gehen, wird eine spontane Obduktion der niedergestreckten Kreatur durchgeführt.
Diese stellt sogleich das Ekel-Highlight der aktuellen Episode dar. Im Stile bekannter Found Footage-Filme wird das Prozedere mit der Handykamera von Jim festgehalten, während Eph und Nora munter drauflos schnippeln. Dabei entdecken sie einige abartige Veränderungen im Körper des ehemaligen Piloten, die plastisch wunderbar vom Art Department der Serie dargestellt wurden. An dieser Stelle kann man ruhig einmal ein Lob hinsichtlich der Produktionswerte aussprechen, die den Charme und die handgemachte Ästhetik älterer Horrorstreifen sehenswert referenzieren.
Zusätzlich erfahren unsere Hauptfiguren in dieser unangenehmen Stresssituation eine weitaus gelungenere Charakterzeichnung als noch zuvor. Anstelle des recht öden Familiendrama aus den letzten Episoden rund um Ephs Frau und seinen Sohn, fährt der Wissenschaftler dank einer aufrichtigen emotionalen Reaktion endlich mal aus seiner Haut. Nachdem Jim zugibt, an dem Verschwinden der geheimnisvollen Box am Flughafen nicht unschuldig zu sein, scheint das Tischtuch zwischen ihm und Eph erst einmal zerschnitten, da Jim die Ideale seiner beruflichen Pflichten verraten hat, um das Leben seiner Frau zu retten. Sowohl Jims Motivation als auch Ephs Reaktion sind nachvollziehbar und sorgen für einen ansehnlichen dramatischen Augenblick.

Rewriting human biology
Während sich Eph und Nora daran versuchen, eine Lösung für diese rätselhafte Transformation ihres Patienten zu finden, sind der schwerkranke Unternehmer Eldritch Palmer (Jonathan Hyde) und der dubiose Thomas Eichhorst (Richard Sammel) dabei, die Geschicke ihrer undurchsichtigen Organisation Stoneheart zu verbergen. Dafür wird flugs eine äußerst fähige Hackerin engagiert, die die dunklen Geheimnisse der beiden problemlos aufdecken könnte, diese dann aber aufgrund ihrer Anstellung bei Stoneheart vor einer rechtschaffenden Aktivistengruppe sichern kann.
Hinsichtlich Palmer erfahren wir dann, dass sein Einfluss durchaus weite Kreise zieht. So empfängt er nämlich die tief im Gesundheitssektor der Regierung verankerte Maggie Pearson, die er selbst einst finanziell unterstützte, um sich auch in diese Richtung ob unangenehmer Nachfragen abzusichern. Jonathan Hyde gefällt in seiner Rolle als Eldritch Palmer, auch wenn seine oftmals kryptischen Bemerkungen ähnlich denen von Abraham Setrakian (David Bradley) ein wenig zu viel des Guten sind. Auch hier wird sich noch zeigen müssen, ob Palmers Wunsch nach Unsterblichkeit in Erfüllung gehen wird oder ob Eichhorst und sein Master auch mit dem schwerreichen Unternehmer ein geheimnisvolles Spiel mit gänzlich anderen Intentionen betreiben.
Mr. Taylor from next door
Fernab von alledem nimmt auch einer der vier Überlenden der Flugzeugtragödie eine gewichtige Rolle in It's Not for Everyone ein: Ansel (Nikolai Witschl) verwandelt sich langsam immer mehr zu einem Vampirwesen, was dessen Frau Ann-Marie (Alex Paxton-Beesley) stark verängstigt. Warum diese ob dem eigenartigen Verhalten ihres Gatten keine Hilfe ruft, bleibt ein Rätsel und kann eventuell nur mit ihrer strenger Religiösität und Glauben an Gott als auch ihren Ehemann erklärt werden.
Dennoch kann man dieser kleinen Geschichte in It's Not for Everyone etwas abgewinnen, auch wenn es nur die ansprechenden Horrorfilmelemente sind. Nachdem Ann-Marie die Kinder zu Ansels Schwester gebracht hat, muss sie nach ihrer Rückkehr mit Entsetzen feststellen, dass der Schäferhund der Familie blutig umgebracht wurde. Ein Blick in den anliegenden Geräteschuppen erklärt dann auch wieso: Ansels Transformation zu einer blutsaugenden und kreidebleichen Kreatur schreitet immer weiter voran, der kleine Schockmoment, als er aus der Dunkelheit des Schuppens hervorschnellt, ist erwartbar, aber trifft ins Schwarze. Klugerweise hatte sich Ansel zuvor selbst angekettet, um so keinen Schaden anzurichten.
Ann-Maries emotionaler Kampf mit der Erkenntnis, dass ihr Mann zu einem Monster geworden ist, geht zwar nicht komplett auf, trotzdem bekommen wir hier mal eine andere Perspektive als sonst geboten. Großartig interessant mag diese nicht sein, aber es stellt durchaus eine Abwechslung zum bisher Gesehenen dar. Zusätzlich bekommen wir eine unfreiwillig komische und verstörenden Szene zu sehen, als Ann-Marie ihrem blutrünstigen Ehemann den nervenden Nachbar von nebenan zum Fraß vorwirft. Nach dieser Grausamkeit kann man sich beim besten Willen ein Schmunzeln nicht verkneifen.

You forgot something
Kommen wir zu dem Teil, der in „It's Not for Everyone“ am meisten Probleme bereitet. Nachdem Gus (Miguel Gomez) in den letzten Episoden vorwiegend durch Abwesenheit geglänzt hat, erhält er nun einen eigenen kleinen Nebenplot, um näher charakterisiert zu werden. Dies gelingt jedoch nur bedingt. Zum einen ist seine Charakterzeichnung oftmals arg klischeehaft, zum anderen gestaltet sich diese alles andere als subtil. Wenn den Autoren derartig viel an der bis dato sehr generischen Figur des Gus' liegen sollte, dann sollte man sie auch etwas geschickter einführen und weniger platt charakterisieren.
Gleichzeitig wirkt Gus' Handlungsstrang um seine Familie und einem kleinen Autodiebstahl derartig nebensächlich, dass man sich beim Zuschauen dabei ertappt, uninteressiert auf die Uhr zu gucken. Inwiefern Gus in die übergeordnete Handlung mit eingebunden werden soll, bleibt auch fraglich. Wenn dies ähnlich plump und simpel wie seine Charakterzeichnung verlaufen sollte, dürften sich die Serienmacher wohl auf reichlich Kritik einstellen.
Natürlich nehmen wir aus It's Not for Everyone einige markante Charakterzüge von Gus mit, doch der Anspruch sollte einfach höher sein, als uns mit einer solch stereotypen und einfachen Präsentation einer augenscheinlich nicht unwichtigen Figur zu langweilen. Zumindest dürften einige The Wire-Fans kurz frohlocken, ist doch Jamie Hector (a.k.a. Marlo Stanfield) kurz als Autohehler Alonso zu sehen.
Burn them
Zum Abschluss von It's Not for Everyone machen wir noch einmal einen Bogen zurück zu Eph und Nora, die nun Monsieur Arnot und seiner totgeglaubten Tochter Emma einen Besuch abstatten wollen. In deren Haus angekommen wartet auch schon eine unschöne Überraschung in Form der längst verwandelten Emma auf sie. Der Aufbau bis zum rigorosen und überraschenden Eingriff durch Abraham Setrakian stellt erneut eine kleine Reminiszenz an alte Horrorschinken dar. Mir persönliche sagte die unheimlich Atmosphäre samt musikalischer Untermalung zu, auch wenn hier ganz tief in der Kiste bekannter Genretropen gewühlt wurde.
Setrakian, der zuvor kurz auf Gus traf und die von Gus' Bruder entwendete Uhr zurückerhielt, legt hier also einen kleinen Überraschungsauftritt hin und enthauptet im letzten Moment dank seiner Silberklinge die angriffslustige Emma beziehungsweise das, was von ihr noch übrig ist. Ihr transformierter Vater lässt auch nicht lange auf sich warten und ereilt ein ähnliches Schicksal. Nora ist von Abrahams Kaltblütigkeit zutiefst entsetzt und widersetzt sich, mit ihm und Eph gemeinsam auf Vampirjagd zu gehen, sieht sie in diesen Kreaturen doch nach wie vor auch Menschen. Abraham zufolge scheint sie einfach nicht aus dem richtigen Holz geschnitzt zu sein, die Dinge zu tun, die getan werden müssen.

Dies mag einerseits ein wenig naiv von Nora sein, zum anderen sind ihre moralischen Bedenken nachvollziehbar, glaubt sie doch immer noch an ein Heilmittel. Eph ist da schon einen Schritt weiter und scheint nun Abraham bei der Ausmerzung der restlichen Flugzeugpassagiere tatkräftig zur Hand gehen zu wollen. Eine gute Entscheidung, denn endlich scheint der Hauptcharakter etwas anderes tun zu wollen, als weiter überfragt durch die Gegend zu hetzen. Erwartet uns jetzt eine kleine Vampirjagd? Ich würde mich damit anfreunden können, denn so könnte das Format etwas mehr Tempo aufnehmen und sich mehr in Richtung unterhaltsame Vampirhatz mit trashigen Horrorelementen als träges Drama mit eindimensionalen Figuren entwickeln.
Fazit
Dem Episodentitel gebührend ist It's Not for Everyone und die Serie selbst weiterhin nicht etwas für Jedermann. Speziell auf die aktuelle Folge angewandt, trifft dies wohl am ehesten auf die unappetitliche Obduktion am Anfang der Episode zu, wo man sich die Hände vor das Gesicht hält und vorsichtig auf die Mattscheibe schielt. Mit Blick auf die gesamte Serie dürften sich einige Zuschauer weiterhin an dem recht behäbigen Tempo stören, sowie der Tatsache, dass Woche für Woche schlichtweg nicht viel passieren zu scheint.
„It's Not for Everyone“ macht aber auch Andeutungen, dass sich eventuell kleinere bis mittelgroße Veränderungen anbahnen könnten. Neben dem eher vergesslichen Handlungsstrang um Gus wissen die Charaktere hier mehr als noch zuvor zu gefallen. Gleichzeitig nimmt man sich mehr den Aspekten aus dem Horrorgenre an und kann so durch eine zwar nicht makellose, jedoch charmant stilsichere Inszenierung punkten. Es fehlt noch der entscheidende Schubser in Richtung pulpiger Horrorserie, doch das Potential dahingehend ist in „It's Not for Everyone“ stärker erkennbar als je zuvor. Nun bleibt nur abzuwarten, ob die Macher den leicht eingeschlagenen Weg aus dieser Woche in der nächsten Episode weitergehen oder in alte Muster zurückfallen. Die Hoffnung beruht auf ersterem.
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 6. August 2014(The Strain 1x04)
Schauspieler in der Episode The Strain 1x04
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