The Strain 1x03

Anfang und Ende der neuen Episode von The Strain schaffen zwei der denkwürdigsten Momente der bisherigen Staffel. Dazwischen liegt aber leider wieder viel expositorisches Material, das eigentlich schon in der ersten, spätestens aber in der zweiten Episode hätte abgehandelt sein müssen. Wir Zuschauer wissen längst, dass sich die Überlebenden des Flugzeugunglücks in Vampire verwandeln werden. Die einzigen, die das noch nicht wissen (und am Ende der Episode zum Glück erfahren), sind Eph (Corey Stoll) und sein Team. Ihnen bei ihrem langsamen Erkenntnisprozess zuzuschauen, ist größtenteils langweilig.
This is about damage control
Dabei hätte man den Prozess wunderbar beschleunigen können, wenn man nur Abraham Setrakian (David Bradley) etwas mehr Glauben geschenkt hätte - und er selbst nicht nur in Rätseln sprechen würde. Seine verschwörerischen Prophezeiungen gegenüber Nora Martinez (Mia Maestro) sind etwas, mit dem ich wohl niemals warm werde. Da hat er nun endlich jemanden gefunden, die ihm trotz seiner vermeintlich größenwahnsinnigen Anwandlungen zuhört, und dann schleudert er ihr nur kryptische „Halbsätze“ entgegen: „Being good means nothing, unless you are willing to do what needs to be done.“ („Gut zu sein bedeutet nichts, solange man nicht bereit ist, das zu tun, was getan werden muss.“)
Weil Martinez ohne Nachfragen (verständlicherweise!) nicht willens ist, auf Zuruf sämtliche Leichen aus dem Flugzeug sowie die Überlebenden zu „zerstören“, hält Setrakian sie für „nicht bereit“, statt ihr zu erklären, um was es eigentlich geht. Lieber schwadroniert er davon, dass das Kommende „die Welt auffressen und das Licht verschlucken wird.“ Auf die Anweisung dieses Mannes soll Martinez also fraglos reagieren? Das größte Problem sind dabei nicht die bedeutungsschwangeren Sätze, die Setrakian von sich gibt, diese gehören einfach zu einer abgefahrenen Horrorproduktion. Es ist vielmehr der Grund, warum Setrakian nur in Rätseln spricht: Das Drehbuch will es so.
Wäre Setrakian eine ordentlich durchdachte Figur, würde er sich die Mühe machen, die zuständigen Wissenschaftler in das Vampirmysterium einzuweihen. Er ist schließlich gerissen genug, das Gericht davon zu überzeugen, ihn laufen zu lassen. Er hat ein offensichtliches Interesse daran, gegen die Ausbreitung des Vampirvirus vorzugehen und dies nicht alleine zu tun, sonst wäre er nicht zum Flughafen gefahren und hätte gegenüber Nora nichts gesagt. Weil die Autoren hier aber lieber auf möglichst plakative Dialoge setzen, statt den Charakter grundlegend auszuformulieren, bekommen wir solch unbefriedigende Szenen wie die zwischen Setrakian und Martinez.

Überhaupt kann nach nunmehr drei Episoden festgehalten werden, dass Charakterzeichnung und -entwicklung wohl nicht zu den Stärken der Serienschaffenden gehören - und vielleicht auch gar nicht im Mittelpunkt ihrer kreativen Arbeit stehen. Besonders auffallend ist das bei den kleinen Nebenrollen, die in Gone Smooth zu sehen waren. Es gibt einen Investmentmanager, der sich größere Sorgen über Aktienkurse macht als um das Wohl seiner Tochter. Es gibt eine Trickbetrügerin, die im Tausch mit einer Playstation sensible Dokumente für Setrakian besorgt. Es gibt die Ehefrau eines Neuvampirs, die auf sämtliche Erschütterungen maximal nervös reagiert. Es gibt den Arzt des Rockstars, der freizügig Medikamente verschreibt.
You have two bosses now
Vielleicht würden diese Mängel in der Charakterformulierung weniger auffallen, wenn das Erzähltempo höher wäre. Doch wir schauen seit drei Stunden größtenteils Menschen dabei zu, wie sie versuchen, das Vampirmysterium aufzuklären. Immerhin verspricht die Schlussszene, dass die Aufklärungsgeschwindigkeit fortan höher sein wird - und sich die Serie endlich dem zuwendet, was uns von Anfang an versprochen wurde. Dann bekommen wir sicher auch mehr Szenen wie die am Ende, als der infizierte Flugkapitän Redfern (Jonathan Potts) aus der Quarantäne flüchtet und im Keller des Krankenhauses Eph, Nora und Jim Kent (Sean Astin) angreift.
Für einen Vampir mit übernatürlichen Kräften stellt er sich dabei ziemlich dämlich an. Sind Neuvampire etwa wie Babys, die alles erst noch lernen müssen? Zunge zielsicher einsetzen? Blut saugen? Sich vor Licht verstecken? Wohl eher nicht, schließlich hat die kleine Emma (Isabelle Nelisse) mit dem ersten Zungenschlag zielsicher die Gurgel ihres Vaters erwischt. Insgesamt war die letzte Szene aber eine ordentlich choreografierte Actionsequenz mit guten Spezialeffekten. Obwohl del Toro dabei keine Regie mehr geführt hat, bleibt seine Handschrift erkennbar.
Die Vampirszenen überzeugen in The Strain viel mehr als der große Rest. Zu Beginn lauscht Obervampir Eichhorst (Richard Sammel) Beethovens fünftem Klavierkonzert, legt dabei seine Maske an und lässt uns auf Deutsch wissen: „Bald ist Schluss mit dem Affentheater. Zum Sieg.“ Später wird er dem Chef der Fluglinie Regis einen Besuch abstatten und ihn zum Selbstmord zwingen, damit die öffentliche Aufmerksamkeit von einem möglichen übernatürlichen Vorgang abgelenkt wird.

Wie Eichhorst ist auch der Kammerjäger Vasiliy Fet (Kevin Durand) bislang noch eine reine Comicfigur (beide werden aber von ihren Darstellern wunderbar hingebungsvoll porträtiert). Bei seinem ersten Auftrag soll er das Apartment eines schwerreichen New Yorkers von einer Ratte befreien - wobei er sich doch viel lieber um Krankenhäuser und Schulen kümmern würde. Dabei entdeckt er, dass die Ratten New Yorks scheinbar die kollektive Flucht aus der städtischen Kanalisation angetreten haben.
I want what's best for my dad
Jim Kent lässt sich unterdessen von Eichhorst weiter einspannen, weil der ihm einen Platz für seine Frau in einer neuen Krebsforschungsstudie verspricht. Eph kann bei der gerichtlichen Anhörung zum Sorgerecht seines Sohnes Zach (Ben Hyland) einmal mehr nicht verstehen, dass es nicht ausreicht, einem Kind zu sagen, wie sehr man es liebt, sondern dass man eben auch nach dieser Maxime handeln muss.
Solche ärgerlichen und wegen ihrer Abgenutztheit langweiligen Handlungsbögen werden wiederum von anderen aufgewertet, wie dem von Rockstar Gabe (Jack Kesy). Seine Vampirismussymptome werden immer stärker, bis er schließlich feststellen muss, dass sein Penis einfach abfällt und in der Toilette weggespült wird. Er scheint darüber gar nicht allzu verstört zu sein - seine Verwandlung könnte hiermit abgeschlossen sein.
Meine Vermutung aus der Rezension der Pilotepisode hat sich bisher bewahrheitet: The Strain macht immer dann am meisten Spaß, wenn das Format den Wahnsinn mit beiden Armen umarmt. Jetzt müssen nur noch die verschiedenen Parteien - Ephs Team, Vasiliy, Gus und Setrakian - zusammenfinden, dann kann die muntere Vampirjagd endlich losgehen!
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 28. Juli 2014(The Strain 1x03)
Schauspieler in der Episode The Strain 1x03
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