The Path 1x10

The Path 1x10

Im ersten Staffelfinale von The Path wird vor allem auf den Ausbau weiterer Mysterien gesetzt, wenngleich die Spannung etwas zu wünschen übriglässt. Dennoch endet eine starke erste Staffel auf solide Weise.

Sarah (Michelle Monaghan) und Cal (Hugh Dancy) bilden die neue Doppelspitze der Meyeristen. / (c) Hulu
Sarah (Michelle Monaghan) und Cal (Hugh Dancy) bilden die neue Doppelspitze der Meyeristen. / (c) Hulu

Eines ist nach dem Staffelfinale von The Path klar und zwar, dass nichts klar ist. Während Sarah (Michelle Monaghan) sich so langsam hinter die Fassade des intriganten Cal (Hugh Dancy) investigiert, scheint der neue Weg des ausgestiegenen Eddies (Aaron Paul) alles andere als klar zu sein. Könnten wir es bei der Dramaserie doch noch mit übernatürlichen Kräften zu tun bekommen oder wird hier weiterhin versucht, uns einen dicken Bären aufzubinden?

Geht auseinander!

Wir machen einen kleinen Zeitsprung und werden Zeuge, wie die Ereignisse der letzten Episode die endgültige Trennung von Eddie und Sarah herbeiführen. So steigt Eddie nun aus der Bewegung der Meyeristen aus und gilt damit - wie bereits zuvor Sarahs Schwester - von nun als Unperson. Zwar darf er Hawk (Kyle Allen) und Summer (Aimee Laurence) noch ab und an sehen, jedoch wird besonders durch Sarahs restliche Familie sehr deutlich der Graben aufgezeigt, welcher nun zu Eddie gezogen wurde.

Mag diese Trennung vor allem durch die Reaktion Summers und durch den ambivalenten Umgang Sarahs dabei an Dramatik gewinnen, so bleiben dennoch ein paar Handlungserwartungen aus, die ich mir nach der Eskalation der letzten Episode gewünscht hätte. Diese drehen sich für mich vor allem um den weiteren Werdegang von Hawk, welcher trotz der Enthüllung von Sarahs Methoden einfach wie gewohnt fortgesetzt wird. Warum hat Eddie seinem Sohn, dem er bisher auf Augenhöhe begegnet ist, nichts von der Manipulation Ashleys (Amy Forsyth) erzählt und schaut stattdessen dabei zu, wie dieser von der Schule geht und sich nun ganz den Meyeristen zuwendet?

Ein weiterer, für mich nicht ganz aufgehender Handlungsstrang ist die Etablierung von Seans (Paul James) Eltern, welche aufgrund der bevorstehenden Heirat mit Mary (Emma Greenwell) angereist sind und sich dabei für meinen Geschmack zu leicht von dem Charme Cals um den Finger wickeln lassen. Auch das wiederkehrende Verhältnis zwischen Mary und Cal wirkt mitlerweile etwas verbraucht und schafft es leider nicht, Marys Handlungsstrang zum Ende hin noch einmal etwas Schwung zu geben.

Jesus, schenk mir dein Leben!

Der Hauptplot dreht sich jedoch um den Umgang Eddies mit seiner neuen Position. Denn obgleich er sich nun auf eigenen Füßen befindet, seinen eigenen Sinnen scheint er nicht vertrauen zu können. Denn auf einmal nehmen die im Laufe der Staffel recht rar gesähten Visionen Überhand und zeigen dem neuen Agnostiker die bereits bekannte Schlange und andere tote Tiere, welche dieser zuvor von den Wirkungen der immer noch myseriösen „Medizin“ kannte.

Doch damit nicht genug, nimmt er auch noch wieder Kontakt zu Abe (Rockmond Dunbar) auf und besucht diesen mitsamt seiner Familie im Krankenhaus, um ihm trotz Abkehr vom Meyerismus mit einem kleinen, lichterfüllten Segen zu versehen. Nicht nur muss sich daraufhin Abes Tochter auf wundersame Weise nicht mehr der vorbereiteten OP unterziehen, vor allem das nicht klar zugeordnete Treffen mit Steven Meyer (Keir Dullea) soll uns wohl einen weiteren Hinweis geben, dass wir es bei Eddie eventuell mit mehr als einem einfachen Menschen zu tun haben.

Diese Entwicklung steht natürlich im krassen Kontrast zu dem Werdegang Cals, der nicht nur weiterhin aus seinen selbst erfundenen Neuerungen der heiligen Schrift schöpft, sondern zudem auch Marys „heilige“ Ehe vor der Trauung noch mal bricht. Besonders die Teilung der dreigeteilten Zeremonie mit Sarah als zweiter Führungsfigur macht hierbei bei jeder der Einzelpredigten den verlogenen Hintergrund dieser deutlich. Denn Alison (Sarah Jones) war bereits auf dem Weg der Besserung und wird nun wieder zurückgeholt, Hawk wird unter falschen Voraussetzungen an den Meyerismus gebunden und Marys und Seans Weg wird immer noch durch die Affäre von Cal und Mary unterwandert.

Hier wird ganz klar der Unterschied zwischen Eddie und Cal herausgearbeitet. Nachdem Cal bereits zuvor von Silas (Steve Mones) als Hochstapler entlarvt wurde und dafür mit seinem Leben bezahlen musste, so trägt Eddie dagegen die Züge des bescheidenen Heilpredigers, der aus authentischer Nächstenliebe handelt und stets eher den Kontakt auf Augenhöhe denn auf hierarchischer Ebene sucht. Zum Glück scheint die Hochstaplerei nun langsam auch Sarah gewahr zu werden, wie es im dramatischen Cliffhanger deutlich wird.

Fazit

Die Finalepisode von The Path kann zwar nicht ganz an die dramaturgischen Glanzmomente der äußerst überzeugenden ersten Staffel heranreichen, bietet jedoch einen interessanten Ausgangspunkt für die kommende zweite Staffel. Die emotionalen Höhepunkte werden dabei weiterhin durch die darstellerischen Fähigkeiten Aaron Pauls und Michelle Monaghans getragen, während Hugh Dancy leider etwas zum „Big Bad“ verkommt, der leider außerhalb seiner Familiengeschichte keine Empathie beim Zuschauer hervorrufen kann.

Mögen dabei auch ein paar Handlungsstränge die bisher positiv zu betonende Stringenz der Serie nicht aufgreifen, so bietet dennoch der Schlusskonflikt zwischen Sarah und Cal als Wiederholung der tödlich geendeten Diskussion zwischen Silas und Cal einen spannungsgeladenen Schlussmoment, der durchaus Lust auf mehr macht. Zum Abschluss dieser Staffel möchte ich mich noch mal bei all meinen Lesern und den wenigen Kommentatoren bedanken sowie einen Schlussausblick präsentieren, wie sich The Path von nun an weiterentwickeln könnte.

Unbreakable oder Leben des Eddie? - Ein Ausblick

Wie könnte sich die Serie von diesem Ausgangspunkt in der kommenden, bereits bestellten, zweiten Staffel also entwickeln? Für mich gibt es hier vor allem zwei Möglichkeiten, die beide ihre Schwächen und ihre Stärken hätten. Auf der einen Seite könnte die Serie nun sicherlich dafür sorgen, aufzuklären, warum es sich bei der überraschenden Heilung von Abes Tochter nicht um ein Wunderwerk Eddies handelt, jedoch käme dabei eventuell die Frage auf, ob dem Staffelfinale dann so viel Bedeutung beizumessen wäre. Auf der anderen Seite würde damit das Konzept der Entmystifizierung weitaus stringenter durchgezogen werden, vor allem, wenn man überlegt, dass es für Eddies Visionen auch schlichtweg psychische Probleme geben könnte, die durch die bewusstseinserweiternde Medizin in bester „Das weiße Rauschen“-Manier ausgelöst worden wäre.

Auf der anderen Seite könnte das Finale mit Bezug auf den bedeutungsschweren Episodentitel jedoch auch die Etablierung von wahrhaftigen Wundern bedeuten und damit dem Game of Thrones-Muster der ersten Staffel folgen. Natürlich könnte die Serie dabei im Laufe der Handlung eine ähnlich nüchterne Darstellung wie etwa M. Night Shyamalans „Unbreakable“ übernehmen und einen diskursiven Beitrag zur bereits von Superhelden überfluteten Serien- und Filmlandschaft einnehmen, jedoch birgt dieser Weg dennoch die Gefahr in sich, die bisher für mich größte Stärke der aufklärerischen Botschaft durch eine simple Heilsgeschichte zu ersetzen.

Verfasser: Henning Harder am Freitag, 27. Mai 2016
Episode
Staffel 1, Episode 10
(The Path 1x10)
Deutscher Titel der Episode
Anfang oder Ende?
Titel der Episode im Original
The Miracle
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 25. Mai 2016 (Hulu)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 15. September 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 15. September 2016
Regisseur
Michael Weaver

Schauspieler in der Episode The Path 1x10

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