The Path 1x09

The Path redet in A Room of One's Own nicht lange um den heißen Brei herum und schickt Sarah (Michelle Monaghan) und Eddie (Aaron Paul) direkt in die Konfrontation. Während Sarah dabei zu allen Mitteln bereit zu sein scheint, bestärkt sie Eddie damit immer weiter in seiner Agnostik und gibt sich selbst weiter den verführerischen Lügen Cals (Hugh Dancy) hin, der derweil seine eigenen Pläne mit der Bewegung in die Tat umsetzt. Am Ende der Episode scheint ein packendes Staffelfinale bereits spürbar zu sein.
We are what matters.
Nach dem zehntägigen Ausflug von Eddie und Hawk (Kyle Allen) scheinen die beiden Pilgerer vor allem zwei Erkenntnisse mitgebracht zu haben: Ernüchterung und Klarheit. Während Eddies Weg direkt durch die Konfrontation durch Sarah offengelegt wird, ist es für Hawk vor allem die Rückkehr zu Ashley (Amy Forsyth), die ihm den Mut gibt, sich aus den Fängen der Meyeristen freizukämpfen. Dabei schafft es die Serie so klar wie noch nie bisher aufzuzeigen, wie erbärmlich und lächerlich das Konstrukt des Meyerismus eigentlich ist.
Denn während Eddie ganz klar seiner Familie die oberste Priorität gibt, gibt Sarah dieser nur aufgrund ihrer Angehörigkeit zum Meyerismus ihre Bedeutung. Die böse Vorahnung der Abkapselung ihrer Schwester scheint sich leider zu wiederholen. Statt sich der in der letzten Episode aufgezeigten Nähe zu ihren Kindern zu widmen, verfällt sie in alte Muster und bedroht damit wesentlich mehr als nur den eigenen Haussegen. Sie bestärkt damit zudem auch noch die kritische Haltung Eddies und hilft diesem dadurch, seinen Widerstand auszubauen.

Das wird nicht nur im Gespräch mit seinen Schwiegereltern oder dem immer verbitterten Abe (Rockmond Dunbar) deutlich, sondern vor allem in der Konfrontation mit Cal vor versammeltem Plenum. Hätte Sarah in ihrer Verzweiflung nicht den kruden Geist von Cals Methoden geweckt, könnte Eddie sich in dieser Episode nicht so klar positionieren. Während Cal dabei jedoch durch reines Machtbestreben agiert und manipuliert, wird Sarah leider durch dessen falsche Botschaften fehlgeleitet.
We matter because we are a part of it.
Cal verkündet nämlich nun die frohe Kunde, dass Steven angeblich mit seinen Schriften fertig sei und sich von der Gruppe verabschiede. Des Weiteren kündigt er diese als bahnbrechend an und führt hinterrücks noch Verhandlungen mit John Ridge (Michael Countryman) bezüglich der Finanzierung der Meyeristen. Allem Anschein nach sieht Cal am Ende des Tunnels immer noch einen langen Weg vor sich, Meyer hin, Meyer her. Nicht nur enthüllt Cal damit weiter seine eigene Abkehr von den Lehren Stevens, es stellt besonders die eiskalten Haltungen von Sarah in ein sehr finsteres Licht und macht sie gleichzeitig zum Opfer und Täter ihres Glaubens.
Schienen am Ende der letzten Episode die Chancen einer einsichtigen, für die Familie einstehenden Sarah gar nicht mal so schlecht, so werden diese weichen Züge durch komplette Abkehr davon negiert. Um wieder Platons Höhlengleichnis aus dem Serienpiloten aufzugreifen, scheint sie all ihre Kraft dahingehend einzusetzen, ihren Kopf stur gerade aus und nicht zur Höhlenöffnung zu bewegen. Hier kann sicherlich nur noch die Erkenntnis über den eigentlichen Verbleib Stevens helfen, wenngleich ich mich auch frage, warum Eddie diesen Trumpf in der Schlusskonfrontation noch nicht gespielt hat.

Fuck the light.
Mit der Rückkehr von seiner Pilgerreise schafft es Hawk direkt in die Arme von Ashley, die damit jeden Zweifel beseitigt, sich aus freien Stücken von ihm getrennt zu haben. Dieser kleine „Romeo und Julia“-Plot bekommt jedoch weiteren Gegenwind, indem Cal versucht, Ashley mit einer eigenen Wohnung mundtot zu machen, indem er ihre Schwäche des Vaterverlusts ausnutzt. Wie bereits zuvor wird die Aberkennung der Mündigkeit von Jugendlichen bei den Meyeristen aufgezeigt, indem Sarah den Entschluss ihren eigenen Sohnes für nichtig erklärt, während Eddie Hawk auf Augenhöhe begegnet.
Zwar überzeugt mich die erneute Kehrtwende Ashleys nicht ganz, wäre eine Offenlegung von Cals Methoden doch für sie und Hawk wesentlich ergiebiger. Nichtsdestotrotz stellt die daraus resultierende Schlägerei am Ende der Episode einen der wohl spannendsten Momente der Serie bisher dar und gibt uns eine kleine Kostprobe, wie sich der Kampf um die Erkenntnis von Eddie anfühlen könnte.
Mit Erkenntnissen müssen sich auch Sean (Paul James) und Abe auseinandersetzen. So erfährt ersterer von den Drogenproblemen seiner Freundin und durch Betsy (Whitney Crowder) zudem von Marys (Emma Greenwell) manipulativer Seite. Das alles scheint ein bisschen viel auf einmal für ihn zu sein und durch die beschwichtenden Worte Cals, der sich ebenfalls an seiner Freundin vergriffen hat, alles andere als aus dem Weg geräumt zu werden.
Abe versucht derweil mit einem letzten Versuch doch noch wieder an den Fall der Meyeristen zu kommen und zeigt dabei das erste Mal in der Serie seine eigentliche, abwertende Haltung dem Kult gegenüber auf. Doch leider scheint sein Engagement zunächst zu verebben, wäre da nicht der Fund seines ehemaligen Partners bezüglich des Suizids von Alisons Ex-Mann (Sarah Jones). Diese scheint es ihm derweil gleichmachen zu wollen, entscheidet sich in der finalen Szene jedoch stattdessen für eine Rückkehr ins Camp. Könnte das Tagebuch tatsächlich als Dokument eines echten Wunders herhalten und sie überzeugen?

Fazit
The Path setzt seinen stringenten Erzählpfad weiter fort und schmeißt uns direkt in die Konfrontation zwischen Sarahs naiver Gläubigkeit und Eddies nüchterner Aufklärung. Konnte ich in der letzten Episode noch einen kleinen Hoffnungsschimmer in ihrem Umgang mit der Abkehr von den Meyeristen erkennen, so wird dieser durch die Wiederholung von kalten Verhaltensmustern ad acta gelegt. Die Fronten scheinen sich zu verhärten, bringen Sarah weiter in die Arme von Cal und stärken Eddie in seiner Rebellion.
Somit scheinen alle Zutaten für ein packendes Staffelfinale angerichtet zu sein, wenngleich auch ein paar Kehrtwenden wie etwa Ashleys wiederholte Trennung von Hawk nicht ganz so leicht von der Hand gehen, wie mir die Serie suggerieren mag. Dafür besticht die Episode durch eine bis dato noch nicht aufgezeigte Lächerlichkeit des Meyeristenkults, der sich von Sarah über ihre Eltern bis hin zu Cal und allen Angehörigen aufzeigen lässt. Ich bin sehr gespannt, wer es am Ende der ersten Staffel aus der Höhle Platons schaffen wird oder ob der Titel „The Miracle“ nicht doch noch so manchen mystischen Twist bereit hält, was ich jedoch nicht hoffe.
Verfasser: Henning Harder am Freitag, 20. Mai 2016(The Path 1x09)
Schauspieler in der Episode The Path 1x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?