The Newsroom 2x08

Was sich über den Verlauf der gesamten zweiten Staffel angedeutet hat, wird nun im ersten Teil des zweiteiligen Staffelfinales von The Newsroom zur Gewissheit: Die Serie verliert sich in ihrer zweiten Ausgabe in der Bedeutungslosigkeit. Die Protagonisten baden die erheblichen Nachwirkungen des „Genoa“-Skandals aus und lernen die rechtlichen Fallstricke einer außerordentlichen Kündigung kennen. Damit soll sich an dieser Stelle jedoch schon die (negative) Kritik erschöpft haben. In den Rezensionen der vergangenen Episoden wurde schließlich hinreichend dargelegt, wieso es Aaron Sorkin dieses Mal nicht gelungen ist, eine packende Geschichte zu erzählen.
Have you located the Cha?
Die Stärken der neuen Staffel sind die Stärken der ersten. Sorkins Dialoge sind messerscharf, atemberaubend schnell und wirklich witzig. Sie können zwar nicht verbergen, dass sich die meisten Protagonisten immer wieder in ein- und denselben Dilemmata suhlen. Trotzdem bieten sie abwechslungsreiche Unterhaltung und den einen oder anderen Moment unfreiwilliger Komik. Auffallend ist auch, wie oft sich die Handlung ausnahmslos im „Newsroom“ abspielt. Dies wird so kompromisslos durchgezogen, dass man diese Staffel durchaus als Kammerspiel bezeichnen kann. Ein Kammerspiel mit vielen interessanten Figuren, die sich aber leider immer wieder in den gleichen Problemchen verfangen und wenig Entwicklungspotential aufweisen.

Nachrichtensprecher Will McAvoy (Jeff Daniels) und seine leitende Angestellte MacKenzie McHale (Emily Mortimer) streiten sich vordergründig um das richtige Verhalten zur Ablehnung ihrer Rücktrittsgesuche durch Leona Lansing (Jane Fonda). Dabei brechen immer wieder alte Wunden auf, der neue Streit ist durchzogen mit gegenseitigen Schuldzuweisungen. Beide können und wollen nicht wahrhaben, wieso sie nicht wieder zueinanderfinden, obwohl sie doch so eindeutig füreinander bestimmt sind.
MacKenzie wirft ihm vor, zu viel Zeit zu brauchen, um ihr endlich ihren Fehltritt von vor sechs Jahren zu vergeben: „King George forgave America in less time than it takes you.“ Der „unhappiest guy in the building“ will sich jedoch nicht vorschreiben lassen, wie lange er seine ehemalige Angebetete zappeln lässt. Er macht sich sehr uncharmant Sorgen um Mac, weil sie zu wenig schlafe und zu oft zu lang unter Strom stehe: „You look like you were grown in an environment where it's dark and damp.“ An diesem letzten Abschnitt lässt sich das Dilemma von The Newsroom denn auch wunderbar ablesen: Schöne Verpackung, kaum Inhalt.
In einer ähnlichen Situation befinden sich Jim Harper (John Gallagher, Jr.) und Maggie Jordan (Alison Pill). Beide wissen, dass sie zueinander gehören. Alle anderen wissen, dass sie zueinander gehören. Und trotzdem gibt es eine unsichtbare Schranke zwischen ihnen, wenngleich diese in Person von Hallie Shea (Grace Gummer) doch sehr sichtbar wird. Jedenfalls bekommt Maggie mithilfe der bei der Romney-Kampagne geschassten und bei ACN als Expertin angeheuerten Republikanerin Taylor Warren (Constance Zimmer) die Gelegenheit, endlich einmal eine Story schneller als Jim zu enthüllen.
You are a member of a godless, soulless race of extortionists
Taylor gibt ihr einen Hinweis, wonach der kalifornische Kongressabgeordnete Brody in einer Veröffentlichung der Studentenorganisation „Students for America“ einen äußerst fragwürdigen Standpunkt zum Thema Abtreibung nach Vergewaltigung eingenommen hatte. Maggie ersucht zu Recherchezwecken die Hilfe von Don Keefer (Thomas Sadoski). Nachdem wir also zunächst von Dons bevorzugten Duschgewohnheiten erfahren, schlägt der Wahlkampfmanager des Kongressabgeordneten einen Handel vor: ACN schweigt zu den früheren Äußerungen und bekommt dafür einen noch viel größeren Scoop.

An dieser Stelle fällt die Realität wieder in den „Newsroom“ ein. Zwar war die Realität stets präsent, jedoch nur in Form der quälend langweiligen Sondersendung zur amerikanischen Präsidentschaftswahl im November 2012. Die Nachricht, die Maggie und Don gegen ihre eigene Recherche eintauschen, enthält einiges an Sprengstoff: Der amtierende CIA-Direktor General David Petraeus hatte eine außereheliche Affäre. Als die beiden mitten im Wahlchaos die eigentlich gute Nachricht Will und Charlie (Sam Waterston) verkünden, fällt es schwer, die Reaktionen der beiden zu deuten. Charlie, dessen Figur in dieser gesamten Staffel wegen seiner stets prätentiösen und überspielten Art zu den großen Verlierern gezählt werden muss, brüllt etwas vollkommen Unverständliches durch die Redaktion, während Will wieder von etwas Kampfgeist beseelt zu sein scheint.
Neben diesen größeren Handlungsbögen gibt es diverse Nebenkriegsschauplätze. Der arme Internetboy Neal Sampat (Dev Patel) wird von gleich zwei Furien zu ihm völlig unverständlichen Aufträgen verdonnert. Sloan Sabbith (Olivia Munn) ist so entsetzt, wie sie es kaum je war, dass ihre Doktorarbeit über die wirtschaftliche Entwicklung in der Weimarer Republik mit einer gefälschten, auf Deutsch verfassten Widmung von ihr versteigert wurde. Und MacKenzie nötigt Neal, sich mit den Feinheiten des Wikipedia-Kleingedruckten herumzuschlagen, weil sie es nicht ausstehen kann, dass dort ihre universitäre Laufbahn falsch wiedergegeben wird.
Jim lässt sich so sehr von seinen Skype-Konferenzen mit Hallie ablenken, dass er Michigan mit Mississippi verwechselt und bekommt von seiner Freundin die Anweisung, sich besser um seine „Beinahefreundin“ zu kümmern. Don darf mit offenem Mund die Nachricht entgegennehmen, dass die ACN-Nemesis Jerry Dantana (Hamish Linklater) auch ihn persönlich verklagt und sieht fortan einem Leben in Schulden entgegen. Hier gelingt Sorkin ein schöner Seitenhieb auf die unsägliche amerikanische Rechtskultur. Ansonsten bleibt alles: beliebig, weichgespült, wenig herausfordernd.
Fazit
Was ist schwieriger? Eine interessante Geschichte über reale Ereignisse zu erzählen oder sich witzige und charmante Dialoge auszudenken? Und wieso kann beides nicht kombiniert werden? Vielleicht hat sich Aaron Sorkin einfach etwas übernommen mit dem Anspruch, das Serienschiff The Newsroom ganz alleine durch das Meer amerikanischer und internationaler Politik zu steuern.
Es gelingt ihm scheinbar mühelos, menschliche Interaktion witzig, geistreich und immer auch etwas schrullig darzustellen. Seine Charaktere sind überwiegend sehr helle, kompetente Köpfe, die sich jedoch stets allzu sehr durch ihre privaten Irrungen und Wirrungen ablenken lassen. So wird Drama schnell zur Dramedy. Dies sollte nicht der Anspruch eines einstündigen HBO-Formats am Sonntagabend sein.
Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei der zweiten Staffel von The Newsroom um eine Art Kammerspiel handelt, kann auch nicht allzu viel über die technische Umsetzung geschrieben werden. Vielleicht würden einige Gadgets wie die SMS-Einblendungen in Sherlock helfen, der Serie einen etwas weniger biederen Look zu verleihen. Ansonsten bleibt für die neue Staffel zu hoffen, dass Sorkin sich wieder etwas mehr auf solides Storytelling besinnt.
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 11. September 2013(The Newsroom 2x08)
Schauspieler in der Episode The Newsroom 2x08
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