The Newsroom 2x09

Im Voraus eine Entschuldigung an alle, die es leid sind, hier Woche für Woche ähnliche Kritik zu finden. Aber auch ich bin es leid, immer wieder auf solch negative Weise überrascht zu werden. Fest hatte ich mir vorgenommen, der Finalepisode der zweiten Staffel von The Newsroom unvoreingenommen entgegenzutreten. Unabhängig davon gelang es Aaron Sorkin dieses Mal sogar, einige berührende, warmherzige und interessante Konflikte zu erzählen. Hätte die Episode mit dem Kuss zwischen Sloan Sabbith (Olivia Munn) und Don Keefer (Thomas Sadoski) geendet, ich hätte sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zur besten dieser Staffel erkoren.
I make friends everywhere I go
Aber nein, Sorkin lässt mich nicht! Er muss dem einen Happy End noch gefühlte 38 andere folgen lassen, er muss das Ganze mit einem unglaublich schwülstigen Song übermalen, der noch nicht gemerkt hat, dass die 90er Jahre schon längst vorbei sind, und er muss wirklich allen Charakteren ausnahmslos einen positiven Ausgang zugestehen. Sorry, so viel Schmalz und Glück und Gutmenschentum und Alle-haben-sich-lieb und Hochzeit und Tralala erträgt mein dramaverwöhntes Herz einfach nicht. Bevor ich mich hier jedoch um Kopf und Kragen schreibe, will ich mich zunächst lieber den positiven Aspekten widmen.

Die Dialoge sind bis zu besagten Minuten angenehm zurückgenommen und wohltemperiert. Niemand flippt aus, niemand hält Endlosmonologe, niemand verliert sich in pathetischen Worteskapaden. Sämtliche Charaktere sind von einer gewissen Nostalgie, einer Art Abschiedsstimmung ergriffen. Sie alle wissen, dass nach diesem Wahlabend Schluss sein wird, ob Leona Lansing (Jane Fonda) nun ihre Rücktrittsgesuche annehmen würde oder nicht. Das bevorstehende Auseinandergehen lässt jeden etwas ruhiger und reflektierter werden. Die Präsidentschaftswahl dient nur noch als Hintergrundgeräusch, längst sind die Beziehungen der Protagonisten in den Vordergrund getreten. Ein gelungener Schachzug für ein Staffelfinale.
Jims (John Gallagher, Jr.) neue Freundin Hallie Shea (Grace Gummer), mit der er hauptsächlich über Skype kommuniziert, stößt ihn auf Maggie (Alison Pill) und ihre radikale Frisur. Gleichzeitig bekommt er mit, dass seine Exfreundin Lisa (Kelen Coleman) im Gebäude ist und fängt sie ab, um mit ihr die Maggie-Problematik zu besprechen. Nachdem sich Lisa ob seiner Präsenz wieder beruhigt hat - sie hatte zu Beginn der Staffel aus einem YouTube-Video erfahren, dass er in Maggie verliebt ist -, erzählt sie ihm, dass sie keinen Kontakt mehr zu ihr habe, obwohl sie immer noch zusammenwohnen. Außerdem gibt sie ihm den Hinweis, dass Maggie sich wohl ihre Haare selbst geschnitten habe - ein alarmierendes Zeichen.
Also versucht er, Maggie etwas mehr Selbstbewusstsein einzuflößen und ihr klarzumachen, dass der Grund für ihre Depression - der Tod des kleinen Jungen in Uganda - dadurch ausgehebelt werden könne, dass sie die Schuld nicht bei sich selbst suche. Leichter gesagt als getan, denn eines ist unumstößlich richtig: „He's dead and I'm alive.“ Immerhin gelingt es Jim, Maggie und Lisa wieder zusammenzuführen und seiner aktuellen Freundin Hallie ein „I like you, too“ zu entlocken. Und ganz nebenbei schrammt er auch noch haarscharf vorbei an dem einen großen Fehler, den sich in dieser so wichtigen Nacht (warum eigentlich, wenn danach sowieso alle zurücktreten?) keiner hätte erlauben dürfen.
History should reflect that I acted admirably
Die Geschichte um Jim und Don wird leise erzählt, ohne große Gesten, ohne lautes Geschrei. Auch Will McAvoy (Jeff Daniels) und MacKenzie McHale (Emily Mortimer) bekommen einen zärtlichen - und teilweise sehr witzigen - Moment zugestanden. In einer konzertierten Aktion überlassen sie ihren potentiellen Nachfolgern Elliot Hirsch (David Harbour) und Don Keefer die Zügel und verdrücken sich in die leere Maske. Dort gelingt es der gewieften Journalistin Mac, den wahren Grund für ihr Nichtzusammensein mit Will herauszufiltern: „Are you sure you're not just a massive bag of douche?“ Sie schafft es sogar, dem hyperstolzen Will eine Entschuldigung zu entlocken: „I brutally hurt you and that's a fact. (...) But in my lifetime, I'd never done it intentionally.“

Das Ganze endet dann - hinlänglich bekannt - in einem um Jahre verspäteten Heiratsantrag. Ich kann mich dabei nicht entscheiden: Bin ich nun froh darüber, dass das ewige Gezicke zwischen den beiden aufhört? Oder wird es in einer Ehe nur noch schlimmer? Wie dem auch sei, im Wettbewerb um die schönste Versöhnungs- beziehungsweise Kussszene geht der Titel eindeutig an Sloan und Don. Durch die tatkräftige Mithilfe des allzeit hilfsbereiten Neal Sampat (Dev Patel) und dank eines dicken Zufalls (nicht dem einzigen in dieser Episode) findet Sloan heraus, wer eine vierstellige Summe für ihre Doktorarbeit über Hyperinflation in der Weimarer Republik ersteigert hat. Es war natürlich Don und als sie das realisiert, missachtet sie sämtliche professionelle Verhaltensregeln, stürmt die Regie und knutscht ihn vor versammelter Mannschaft. Das Highlight der Episode - und vielleicht sogar der ganzen Staffel! Zusammen mit dem anschließenden Spruch Dons: „What I have can't be taught.“
Über Politik wird übrigens auch gesprochen - und das auf überaus angenehme und unprätentiöse Art und Weise. Vor der Kamera streiten sich Will und die republikanische Meinungsführerin Taylor Warren (Constance Zimmer) über den Zustand der republikanischen Partei. Will hält ein flammendes Plädoyer gegen die aktuellen, zutiefst unsäglichen Entwicklungen: „I have to be a homophobe. I have to count the times I go to church. I have to deny scientific facts and think research is a long con. I have to think poor people are getting a sweet ride. And I have to have such a stunning inferiority complex that I fear education and intellect. And (...) I have to hate Democrats.“
Fazit
Das sitzt. Das hat Format. Das ist nicht pathosbeladen. Das ist die Wahrheit. Dagegen kann man in einer vernünftigen Diskussion kaum Argumente finden. So ist es richtig und wichtig und leider viel zu selten vorgekommen in dieser zweiten Staffel von The Newsroom.
Auf gewisse Weise hat sich die Serie selbst ein Bein gestellt, wie in der Finalepisode Election Night; Part 2 sehr deutlich wurde. Sorkin kann einfühlsam, ruhig, bedächtig und nachvollziehbar erzählen. Allzu oft setzte er in dieser Staffel aber auf den Knalleffekt, sowohl, was die politischen Inhalte angeht, als auch, was die Beziehungen der Protagonisten untereinander betrifft.
Genau so ist es denn auch am Ende dieser Episode gekommen. Trotzdem soll an dieser Stelle jetzt nicht zum wiederholten Male in die gleiche Kerbe geschlagen werden. Es bleibt zu wünschen, dass Sorkin sich für die bereits bestellte dritte Staffel an den ersten 45 Minuten seines Finales orientiert statt nach dem Pomp und Protz der letzten 15 Minuten zu schielen.
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 18. September 2013(The Newsroom 2x09)
Schauspieler in der Episode The Newsroom 2x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?