The Newsroom 2x07

Eigentlich ist es müßig, jede Woche von neuem die Schwächen von The Newsroom auszubreiten. Spätestens mit der neuen Episode Red Team III steht fest, dass sich die eingeschlagene Richtung der zweiten Staffel nicht ändern und die Episode News Night with Will McAvoy die wohl einzige wirklich gelungene bleiben wird.
We don't have the trust of the public anymore
Warum ist das so? Man merkt dem Drehbuch an, dass es von einer dominanten Figur geschrieben wird. Auch wenn Aaron Sorkin nicht sämtliche Drehbücher verfasst hat, so ist er zumindest für die dramaturgische Ausrichtung der meisten verantwortlich. Zudem ist er in bisher jeder Episode zumindest als Koautor benannt worden. Die Serie trägt also eindeutig die Handschrift eines einzigen Autoren. Um diese Tatsache aufzuspüren, bedarf es keiner grandiosen Recherche. Es reicht völlig, die Serie aufmerksam zu schauen.

Dabei fallen einem sofort mehrere Merkmale ins Auge, die nun, nach 17 ausgestrahlten Episoden, als „serientypisch“ und somit auch „Sorkin-typisch“ bezeichnet werden können. Fangen wir mit den positiven Aspekten an. Da wären zuallererst die überragenden Dialoge. Seit The West Wing gilt Sorkin als Erfinder und Meister des spitfire dialogue, also des rasend schnellen Wortwechsels. Diese Verbalgefechte sind sehr komplex, ihnen ohne Verständnisverlust zu folgen, erfordert hohe Konzentration. Dafür muss Sorkin belobigt werden - die Anforderungen und der Anspruch an den Zuschauer sind hoch.
So handwerklich brillant diese Dialoge auch konstruiert sind, so oft erzeugen sie jedoch das Gegenteil der erhofften Wirkung. Sorkin will sympathische Charaktere etablieren, die Teil einer angeregten, reflektierten und nachhaltigen politischen Debatte sind. Genau in diesen Punkten liegen aber die größten Schwächen des Drehbuchs. Die zentralen Charaktere finden nicht ihren Weg in die Herzen der Zuschauer. Allesamt sind sie kluge, politisch denkende Köpfe, die jedoch regelmäßig an ihrer eigenen Selbstverliebtheit scheitern. Als Beispiel aus der aktuellen Episode ließe sich die Szene anführen, in der Will McAvoy (Jeff Daniels) den Anwälten rund um Rebecca Halliday (Marcia Gay Harden) ein ums andere Mal sein bemerkenswertes Allgemeinwissen präsentiert.
Es reicht Sorkin nicht, die Charaktere als rechtschaffene, hart arbeitende, ideologisch gefestigte, prinzipientreue und idealistische Journalisten zu porträtieren. Nein, er muss sie auch noch als hoch talentierte, neunmalkluge und allzeit besserwisserische Hochbegabte charakterisieren. Wer mag schon Menschen, die nie müde werden, zu betonen, wie toll sie doch sind, was sie schon alles erreicht haben und was sie noch alles tun werden? Sorkin schafft es nicht, den gestiegenen Serienansprüchen unserer Zeit Tribut zu zollen und Charaktere zu ersinnen, die viele Facetten haben und eben keine unantastbaren Genies sind. Vielleicht will er dies auch gar nicht.
How much of what you said do you believe?
Der Auftritt von Jane Fonda als Konzernchefin Leona Lansing am Ende der Episode ist hierfür das beste Beispiel. Die Szene ist an Blasiertheit, Popanz und Pathos kaum zu überbieten. Fonda versammelt in ihrem Spiel alle negativen Charaktereigenschaften der „Newsroom“-Protagonisten und bündelt sie in einen bemerkenswert unsympathischen Auftritt. Sie nimmt die Rücktrittsgesuche der für das „Genoa“-Desaster Verantwortlichen nicht an und hält eine flammende Rede für ACN (American Cable News) und ihre führenden Angestellten Will, MacKenzie McHale (Emily Mortimer) und Charlie Skinner (Sam Waterston). In den achtziger oder neunziger Jahre hätte solche Pompösität beim Publikum vielleicht noch gezündet, heute fragt es sich nur noch stirnrunzelnd: „Wer redet so?“

Ein weiteres Problem der Sorkin'schen Charaktere ist neben ihrer Eindimensionalität ihre Darstellung als wahre Hellseher. In der neuen Episode sind sie natürlich die ersten, die die Anschläge auf das amerikanische Konsulat in Bengasi als Terrorakt identifizieren und nicht als aus dem Ruder gelaufener Protest gegen den antiislamischen Hetzfilm „The Innocence of Muslims“. Hier macht es sich Sorkin mit dem Drehbuch zu einfach. Während es ein gelungener Einfall ist, historische Ereignisse in der Rückschau zu betrachten, sollte dabei jedoch weiterhin eine objektive Betrachtung gewahrt werden. Vor allem in einer Nachrichtenredaktion.
Sorkin versieht diese Nachrichten jedoch durchweg mit seiner eigenen linksliberalen Weltanschauung. Wenngleich es im amerikanischen medialen Diskurs wichtig ist, ein Gegenstück zum rechten „Nachrichtensender“ Fox News zu etablieren, sollte darauf geachtet werden, nicht die gleichen marktschreierischen Mittel anzuwenden wie ebenjener meinungsbildende Medienriese. Genau dies geschieht jedoch in The Newsroom. Manchmal hat es den Anschein, als würde Sorkin diese Serie nur schreiben, um sein eigenes Genie und seine politische Haltung in die Welt hinausposaunen zu können.
Die Schwachstellen der Charakterzeichnung könnten durch eine besonders spannende oder mitreißende Geschichte ausgeglichen werden, beispielsweise durch eine Verwebung tatsächlicher historischer Ereignisse mit den Vorgängen im „Newsroom“. Diese Chance wurde jedoch mit der starken Konzentration auf die fiktive „Genoa“-Story vertan. Zu allem Überfluss wurde auch noch der Ausgang der Geschichte vorweggenommen. Der Einsatz dieses Stilmittels schon zu Beginn der neuen Staffel bleibt weiterhin überaus fragwürdig.
Fazit
Die neue Episode von The Newsroom erzählt detailliert das Scheitern der Berichterstattung über einen angeblichen Einsatz von Chemiewaffen während der sogenannten „Operation Genoa“. Zu Beginn der Episode kommt Spannung auf, als in der Rückschau die Abschlusskonferenz über eine endgültige Ausstrahlung der Geschichte auseinandergenommen wird.
Das Stilmittel, die redaktionsinternen Debatten von verschiedenen Protagonisten rekapitulieren zu lassen, ist durchaus gelungen. Die Erklärungen, die darauf folgen, sind jedoch wieder zu konstruiert. Sorkin macht es sich zu leicht. Keiner der Mitglieder der drei verschiedenen „Red Teams“ bemerkt die „Shot Clock“ des Basketballspiels, die wild zwischen den Ziffern 3 und 24 hin- und herspringt. Dass Jerry Dantana (Hamish Linklater) darauf selbst bei der Fälschung des Videos nicht geachtet hat, scheint doch sehr unplausibel.
Army-Sergeant Eric Sweeney (Roderick Hill) berichtet erst nach der Ausstrahlung - übrigens live on air - von seinem Gehirntrauma. Soldat Herman Valenzuela (Michael Buonomo) bekam nur Suggestivfragen gestellt und wollte seinen Kumpel Sweeney schützen. Und Charlies geheimer Informant Shep Pressman (Frank Wood) rächt sich mit falschen Informationen für den Tod seines Sohnes, der wohl irgendwie mit dessen Praktikum in der ACN-Redaktion zusammenhängt.
Das alles ist zu konstruiert, zu sehr gewollt. Die Geschichte fühlt sich nicht organisch, nicht echt an. Exemplarisch dafür ist die Szene, als Mac in Wills vollbesetztes Büro stürmt und dem Team die schlechten Nachrichten überbringt. Alle starren betreten zu Boden, keiner spricht ein Wort, alle scheinen zu Salzsäulen erstarrt. Fast glaubt man, einer Theater-AG dabei zuzusehen, wie sie „schockiert“ spielt. Wirklich schade!
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 27. August 2013(The Newsroom 2x07)
Schauspieler in der Episode The Newsroom 2x07
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