The Newsroom 2x06

Die Episode One Step Too Many eröffnet mit einer Zusammenfassung der vergangenen Ereignisse im Fall von âOperation Genoaâ. Die involvierten Redakteure und Produzenten unter Leitung von MacKenzie McHale (Emily Mortimer) erlĂ€utern dem âRed Teamâ die bisherigen Rechercheergebnisse. Dieses ist dafĂŒr zustĂ€ndig, die Nachforschungen auf Herz und Nieren zu prĂŒfen. Momentan gehören dazu Don Keefer (Thomas Sadoski), Sloan Sabbith (Olivia Munn) und Jim Harper (John Gallagher, Jr.). Alle drei sind sie sehr skeptisch ob der AusmaĂe des angeblichen Giftgaseinsatzes der US-Armee im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet.
We torture people now
In dieser Auftaktszene spielt The Newsroom seine StĂ€rken voll aus. Mit einer ansprechenden Mischung aus Witz, Intelligenz und Charisma werfen die Redakteure ihre Argumente in den Ring, es fallen militĂ€rische Fachbegriffe und Akronyme. In rasend schnellem Tempo rekapitulieren sie die Ereignisse und spielen alle möglichen Konstellationen und EventualitĂ€ten durch. Trotz der vorherrschenden Skepsis des âRed Teamâ will Jerry Dantana (Hamish Linklater) die Recherchen fortfĂŒhren. Er ist fast schon zu sehr an der Veröffentlichung der Geschichte interessiert. Sein Ehrgeiz grenzt an Fanatismus. Hier platziert Autor Sorkin ein wohlĂŒberlegtes GegenstĂŒck zum ansonsten offensichtlich linksliberalen Grundton der Serie.

In den vorherigen Episoden gab es nĂ€mlich kaum einmal einen Filter fĂŒr all die linksideologischen Postulate, die durch die Sendung an die interessierte Ăffentlichkeit herangetragen wurden. Dies nahm ein solches AusmaĂ an, dass man selbst als jemand, der diesen politischen Positionen zustimmt, die (fiktive) Nachrichtensendung innerhalb des Serienkontextes kaum noch als angemessen neutrale Berichterstattung bezeichnen konnte. Jerry setzt dem nun mit seinem unbedingten Willen zur Kundmachung dieses noch lange nicht bewiesenen Angriffs einen Kontrapunkt. Er steigert sich so sehr in die Geschichte hinein, dass man glauben könnte, er wĂŒrde sich unbedingt wĂŒnschen, der Angriff habe tatsĂ€chlich stattgefunden.
Anstatt diese fĂŒr Journalisten so schwierige Situation - schlieĂlich hat jeder seine eigene politische Meinung - nĂ€her zu beleuchten, beschrĂ€nkt sich Sorkin jedoch darauf, Dantana als EinzeltĂ€ter zu charakterisieren. Der ganze gigantische âGenoaâ-Flop war also kein kollektives Versagen, sondern das Werk eines Fanatikers. Die Figur des Jerry Dantana ist sowieso recht problematisch konstruiert, denn sie hat kaum charakterliche Tiefe. Jerry existiert nur fĂŒr âOperation Genoaâ, er hat keine anderen Eigenschaften, als ein Journalist zu sein, der diesem einen groĂen Scoop hinterherhechelt. Er wird nie alleine gezeigt, er wird nie in seinem Privatleben gezeigt, er trinkt noch nicht einmal ein Bier nach dem Feierabend mit seinen Kollegen, wie es sonst ausnahmslos alle tun.
Diese EinschrĂ€nkung des Charakters ist ein Grund, warum die Geschichte rund um âGenoaâ nicht richtig zĂŒnden will. Der andere ist die Tatsache, dass der Zuschauer schon seit der ersten Episode der zweiten Staffel ĂŒber den Ausgang aufgeklĂ€rt ist. Die Details, die zu einer endgĂŒltigen Ausstrahlung fĂŒhren, sind eigentlich unwichtig. Einige Menschen haben gelogen, Jerry hat manipuliert, fĂŒnf Minuten nach Ausstrahlung wusste Charlie Skinner (Sam Waterston) schon, dass „none of it was true.“
It couldn't matter less, but Santa Claus has nine reindeers
Was bleibt also noch von The Newsroom ĂŒbrig, wenn man den groĂen ErzĂ€hlstrang abzieht? Eigentlich nur ein Haufen hochintelligenter, aber auch problembeladener und hochgradig neurotischer junger Leute. Und ein neurotischer Ă€lterer Mann. Und seine mittelalte ehemalige Freundin, die ihn auf seiner unendlichen Suche nach Liebe und Anerkennung auf ewig verletzt hat. Bei den meisten Charakteren ist dabei wenig Entwicklungspotential auszumachen. StĂ€ndig kreisen sie um die gleichen Probleme.

Jim sorgt sich um Maggie (Alison Pill), die nach der Arbeit ihre Sorgen an Hotelbars und in fremden Betten zu vergessen sucht. Er kann sich jedoch nicht ganz ihrer annehmen, weil er ja noch seine Freundin Hallie (Grace Gummer) hat. Don und Sloan tĂ€nzeln voreinander herum, kommen sich aber auch nicht wirklich nĂ€her, obwohl sie eigentlich fĂŒreinander bestimmt zu sein scheinen. Sloan trifft sich lieber mit dem hundertsten stinkreichen, aber sozial inkompetenten Angeber, wĂ€hrend Don an seiner Stammtheke in Selbstmitleid versinkt. Tipps dazu kann er sich von Will McAvoy (Jeff Daniels) holen, der sich abwechselnd um die Zuschauergunst und um sein Liebesleben Sorgen macht.
Wirklich stark fĂŒhlt er sich nur, wenn er vor der Kamera seine politischen Gegner niederschreien oder sich mit weniger intellektuellen GesprĂ€chspartnern anlegen kann. So langsam fĂ€llt es immer schwerer, dem Charakter etwas genuin Positives abzugewinnen. Er wirkt wie ein blasierter Wichtigtuer, wie der RĂŒpel auf dem Schulhof, der seine mentale Ăberlegenheit ausnutzt, um seine Opfer bloĂzustellen. Selbst als jemand, der seine politischen Ansichten voll und ganz teilt, muss man doch seine PrĂ€sentation kritisieren. Sorkin und seine Hauptfigur haben das gleiche Problem wie die demokratische Partei: Sie nehmen ihre Gegenspieler nicht wirklich ernst, behandeln sie von oben herab und wirken deshalb oftmals ĂŒberheblich und arrogant.
NatĂŒrlich ist es keine einfache Frage, wie man mit einem GegenĂŒber umgeht, das teilweise abstruse Forderungen stellt und Vorstellungen hat, die jeglicher Vernunft entbehren. Die Jahre der Obama-PrĂ€sidentschaft haben jedoch gezeigt, dass der politische Stillstand in den amerikanischen Institutionen nicht dadurch aufgelöst werden kann, dass man jeweils versucht, lauter zu schreien als der andere. Ăhnliches gilt fĂŒr The Newsroom: Die Kritik wird kaum verstummen, wenn man immer wieder Ă€hnliche Geschichten mit Ă€hnlicher Ausrichtung erzĂ€hlt. Da können die Dialoge noch so genial sein.
Fazit
Als Rezensent muss man selbstverstÀndlich auch aufpassen, nicht immerzu in die gleiche Kerbe zu schlagen. Es ist nur schade um das verschenkte Potential dieser Serie. Statt die Charaktere immer wieder um die gleichen Probleme kreisen zu lassen, könnte man ihnen etwas mehr FÀhigkeit zur persönlichen Entwicklung zugestehen.
AuĂerdem hĂ€tte Jerry Dantana etwas mehr Charaktertiefe verdient. Immerhin ist er die entscheidende Figur in dem Nachrichtendebakel rund um âOperation Genoaâ. Seine echte Motivation - auĂer einem unbedingten AufklĂ€rungswillen - wird nicht wirklich herausgearbeitet. Dies hĂ€tte seine Figur sicherlich interessanter gemacht. Die Option, diesen gesamten ErzĂ€hlstrang spannender zu machen, haben sich die Autoren selbst genommen, indem sie sich dazu entschieden, den Flash-Forward einzusetzen.
Bei aller Kritik sollen hier auch die positiven Elemente von The Newsroom hervorgehoben werden. Die Dialoge sind auf auĂergewöhnlich hohem sprachlichen und intellektuellen Niveau. Sorkin versteht es wie kein Zweiter, komplexe Sachverhalte in rasend schnellen Wortgefechten unterzubringen. Dank der ausgezeichneten Schauspieler fĂŒhrt dies beim Zuschauer jedoch keinesfalls zu Verwirrung. Vielmehr lernt er dabei noch etwas.
Es ist kaum zu erwarten, dass die Serie in ihren letzten drei Episoden noch einmal einen Kurswechsel unternimmt. DafĂŒr sind die diversen ErzĂ€hlstrĂ€nge schon zu weit fortgeschritten. Die letzte Episode war mit ihrem Zeitsprung eine willkommene Abwechslung. Vielleicht kommt es ja zum Abschluss noch zu der einen oder anderen Auflösung oder Neuorientierung. Zu wĂŒnschen wĂ€re es.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 20. August 2013(The Newsroom 2x06)
Schauspieler in der Episode The Newsroom 2x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?