The Newsroom 2x04

The Newsroom 2x04

In Unintended Consequences wendet sich The Newsroom weiter seinen fiktionalen Handlungssträngen zu. Es geht weniger um das Porträt seriöser journalistischer Arbeit denn um die Darstellung menschlicher Dramen.

Die Selbstgefälligkeit in Person: Will McAvoy (Jeff Daniels) auf Kreuzzug gegen die „Gutmenschen“ von „Occupy Wall Street“. / (c) HBO
Die Selbstgefälligkeit in Person: Will McAvoy (Jeff Daniels) auf Kreuzzug gegen die „Gutmenschen“ von „Occupy Wall Street“. / (c) HBO

In der vorhergehenden Episode von The Newsroom, Willie Pete, legte Drehbuchautor Aaron Sorkin noch großen Wert auf diverse humoristische Einlagen, die teilweise weit über das Ziel einer unterhaltenden Dramaserie hinausschossen. Wenngleich er es auch in Unintended Consequences nicht schafft, ganz auf den für ihn so typischen, wenig feingeistigen Humor zu verzichten, so platziert er ihn doch viel weniger prominent als beim letzten Mal. Und siehe da: Die Ausgewogenheit ist wiederhergestellt. Wirtschatfsexperte Don Keefer (Thomas Sadoski) erscheint nicht mehr nur als Karikatur seiner selbst, sondern nur noch als etwas selbstverliebter und schnell reizbarer Charakterkopf.

I'm not smug. I'm having a crisis of confidence.

Seine Rolle als Neal Sampats (Dev Patel) Notnagel interpretiert er trotz dessen gegenteiliger Beteuerungen völlig verquer: „The only guy for the job. (...) The only one who can get it done. (...) Nobody but me.“ Neal gibt schließlich auf, den völlig entrückten Don von den wahren Gegebenheiten zu überzeugen und setzt stattdessen all seine Hoffnung in ihn. Nachdem es nämlich weder Neal selbst noch seiner Kollegin Sloan Sabbith (Olivia Munn) gelungen war, die von Will McAvoy (Jeff Daniels) öffentlich düpierte „Occupy-Wall-Street“-Aktivistin Shelley Wexler (Aya Cash) zur Räson zu bringen, ist nun Don seine letzte Hoffnung. Ausgerechnet Don.

Maggie (Alison Pill) ist noch gar nicht richtig angekommen; da endet ihr afrikanisches Abenteuer schon wieder. © HBO
Maggie (Alison Pill) ist noch gar nicht richtig angekommen; da endet ihr afrikanisches Abenteuer schon wieder. © HBO

Denn wie die meisten seiner Kollegen von „News Night“ ist er nicht gerade bekannt für seine Einfühlsamkeit und grenzenlose Geduld. Und so schleudert Shelley den diversen Bittstellern etwas entgegen, das ungewollt auch als Kritik an der ganzen Serie verstanden werden kann: ihre smugness - ihre Selbstgefälligkeit. So macht es sich The Newsroom weiterhin zu einfach, auf den großen, omnipräsenten Schwächen der amerikanischen Rechten herumzutrampeln, statt dezidiert die Gründe dafür zu erforschen. Zwar setzt Sorkin mit McAvoy einen - nach eigener Aussagen „moderaten“ - Republikaner in den Chefsessel der Nachrichtensendung, seine Handlungen und Meinungen spiegeln aber doch größtenteils die des linken amerikanischen Mainstream wider.

Die Demokratische Partei hat indes dasselbe Problem, das auch Will und seine Kollegen haben. Anstatt den marktschreierischen Republikanern mit Kompromissvorschlägen den Wind aus den Segeln zu nehmen, lassen sie sich entweder auf deren Niveau der gegenseitigen Schuldzuweisung hinab oder - fast noch schlimmer - behandeln sie wie zu belehrende Schulkinder, eben smug. Kein Wunder, dass Shelley dagegen ihren einzigen Trumpf ausspielt: das Wissen um die Identität eines potentiellen Zeugen für die ominöse „Operation Genoa“, während der ein verdecktes Rettungskommando der US-Marine angeblich chemische Waffen eingesetzt haben soll. Eine Aufdeckung dieser Affäre wäre für das „News-Night“-Team natürlich der scoop of a lifetime, vergleichbar etwa mit der Watergate-Affäre um US-Präsident Richard Nixon.

Bevor jedoch darüber berichtet werden kann, muss ein mehrfach überprüfter, von einem sogenannten „Red Team“ abgenommener Rechercheprozess abgeschlossen sein, der eine falsche Berichterstattung und die damit verbundenen verheerenden Implikationen für den fiktiven Kabelsender ACN nahezu ausschließt. Hier wiederum kommt ein für Sorkins Drehbuchkonstruktionen nicht gerade seltener Zufall ins Spiel, der die Recherchebemühungen der Journalisten wieder etwas schmälert. Gerade, als der größte Apologet der Geschichte, Jerry Dantana (Hamish Linklater), Stoßgebete Richtung Himmel sendet, weil sich ein möglicher Informant einfach nicht auftreiben lässt, fällt ihm ebendieses Wunder vor die Füße: Shelley.

I can't ignore evidence. It's not like I'm in Congress.

Um diese viel zu stark konstruierte Wendung achselzuckend an ihm vorübergehen zu lassen, müsste der Zuschauer schon eine größere Dosis Schlafmedizin zu sich genommen haben. Noch ärgerlicher macht diese kaum glaubhafte Überraschung die Tatsache, dass es eines solchen dramaturgischen Hilfsvehikels gar nicht bedurft hätte. Die Geschichte hätte ja einfach das ureigene Handwerk eines jeden Journalisten dokumentieren können: die Recherche. So jedoch bleibt natürlich Raum für die aufwändige Ausbreitung persönlicher Befindlichkeiten, was ein Drama nach Sorkin'scher Interpretation wohl braucht. Dieser Erzählbogen bringt jedoch keine neuen Charaktermerkmale der darin Involvierten zutage, sondern bekräftigt eher noch die alten. Um es auf einen Nenner zu bringen: Sind wir nicht alle ein bisschen smug? Alle außer Neal natürlich.

McAvoys würdiges weibliches Pendant: Auch Wirtschaftsexpertin Sloan Sabbith (Olivia Munn)hat wenig Toleranz für Traumtänzer. © HBO
McAvoys würdiges weibliches Pendant: Auch Wirtschaftsexpertin Sloan Sabbith (Olivia Munn)hat wenig Toleranz für Traumtänzer. © HBO

Und Maggie (Alison Pill). Die darf zum zweiten Mal nach der Auftaktepisode wieder ihr Kurzhaartoupet vorführen und wird in der Zukunft von 1200-Dollar-pro-Stunde-Anwältin Rebecca Halliday (Marcia Gay Harden) zur Vergangenheit und ihrem Fiasko auf dem afrikanischen Kontinent befragt. Der Zuschauer wird dabei über das Drama aufgeklärt, das sich nun seit drei Episoden angekündigt und in der ugandischen Einöde stattgefunden hatte. Dorthin war Maggie zusammen mit Redaktionskollegen Gary Cooper (sic!: Chris Chalk) aufgebrochen, um ein US-Spezialkommando bei der Suche nach dem Kriegsverbrecher Joseph Kony zu begleiten.

Der real existierende Kony ist Anführer der ugandischen Rebellenorganisation „Lord's Resistance Army“. Für die Terrorisierung der Bevölkerung - vor allem der massiven Rekrutierung von Kindersoldaten - wird er seit 2005 mit Haftbefehl vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gesucht. Bisher konnte er sich jeder Ergreifung erfolgreich entziehen. Maggie und Gary schaffen es derweil nicht einmal, auch nur volle 24 Stunden in Uganda zu verbringen, ohne direkt angegriffen zu werden.

Eine Reihe unglücklicher Zufälle führt - wieder einmal - dazu, dass sie die Nacht in einem Waisenhaus verbringen müssen, wo sich Maggie mit dem kleinen Außenseiter Daniel anfreundet. Ihre Flucht vor den innerbürolichen zwischenmenschlichen Komplikationen endet dann in einem Anschlag auf das Waisenhaus, bei dem Daniel stirbt. Viel schneller als gewünscht sitzt sie zurück im Flugzeug nach New York. Mit einem neuen Trauma im Gepäck.

Fazit

Die Stärken von The Newsroom werden in der vierten Episode routiniert ausgespielt. Die Behandlung aufsehenerregender Nachrichtenereignisse aus der Vergangenheit, die politische Kommentierung ebenjener Ereignisse und das Porträt der dahintersteckenden journalistischen Tätigkeit sind sehenswert und bieten dem weniger bewanderten Zuschauer einen intimen Blick hinter die Kulissen einer Nachrichtensendung.

Wobei die echten Protagonisten einer solchen Sendung sehr wahrscheinlich sehr viel weniger fotogen und sehr viel professioneller agieren als das dauerdilettierende Team von „News Night“. Wahrscheinlich sind sie auch viel weniger selbstgefällig. In großen Leuchtbuchstaben kritisiert Sorkin mit der ausladenden Darstellung ebendieser smugness ungewollt sein eigenes Format. So viel Selbstreferentialität kann Sorkin gar nicht beabsichtigt haben, die unfreiwillige Kritik ist eher Zufallsprodukt denn kritische Selbstbeleuchtung.

Dies ist spätestens seit Sorkins Anweisungen an die Verfasser der sehr durchwachsenen Kritiken zur ersten Staffel der Serie offensichtlich, denen er vorzuschreiben versuchte, wie sie ihren Beruf ausüben sollten. Seitdem hat sich das zuvor schon unterkühlte Verhältnis zu einer Art Fehde entwickelt. Zugegeben, es ist schwer, sich auf Sorkins Seite zu schlagen, geriert er sich doch oftmals als Posterboy der smugness, wie so viele seiner Charaktere.

Eigentlich ein Wunder, dass Sorkin kein Alumnus der in dieser Episode unverständlich oft erwähnten Eliteprivatuniversität Vassar ist. Jims (John Gallagher, Jr.) neuer love interest Allie Shea (Grace Gummer) darf ihre Alma Mater ungestört hochleben lassen, während sich sein Handlungsbogen im Niemandsland verirrt. Immerhin bekommt er am Ende das Mädchen.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 5. August 2013
Episode
Staffel 2, Episode 4
(The Newsroom 2x04)
Deutscher Titel der Episode
Unbeabsichtigte Konsequenzen
Titel der Episode im Original
Unintended Consequences
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 4. August 2013 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 6. Oktober 2013
Autor
Aaron Sorkin
Regisseur
Carl Franklin

Schauspieler in der Episode The Newsroom 2x04

Darsteller
Rolle
Emily Mortimer
John Gallagher, Jr.
Thomas Sadoski
Dev Patel
Sam Waterston
Chris Chalk

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