The Middle 9x24

© amilie Heck in der Serie „The Middle“ / (c) ABC
Die Comedy The Middle war vieles nicht. Sie war nicht so progressiv wie Modern Family, nicht so divers wie Fresh Off the Boat, nicht so mutig wie Black-ish. Dafür waren die Hecks, ebenso wie die Serie, so manches andere, nämlich: hart arbeitend, zuverlässig und urkomisch. Nun mussten wir Abschied nehmen von einer Familie, die uns neun Jahre begleitet und sich dabei keinen einzigen qualitativen Durchhänger geleistet hat.
Zu Beginn der einstündigen Finalepisode A Heck of a Ride sehen wir, wie Axl (Charlie McDermott) seinen Umzug verkündet. Von Orson wird es nach Denver gehen, eine Tagesreise von seinem Elternhaus entfernt. Während Frankie (Patricia Heaton) sich noch in der Dunkelheit den Keksen und den Tränen hingibt, hören wir dieses Mal auch Mikes (Neil Flynn) Stoischkeit bröckeln. Das wird auch für ihn nicht etwas, durch das er sich durchsitzen und -zappen kann. Im Verlauf der Episode sehen wir, wie die einzelnen Hecks mit der Neuigkeit, dass sie fortan zum ersten Mal nicht mehr alle zusammen sein werden, umgehen.
Sue (Eden Sher) will einen emotionalen Moment mit ihrem Bruder und Brick (Atticus Shaffer) will vor allem die Maße des Zimmers nehmen, das bald ihm alleine gehören wird. Doch hinter der Fassade auch derer, die es cool nehmen, brodelt es. Frankie versucht lediglich, sich locker zu geben, damit Axl zu Besuch kommt - und auch Brick wird seinen Bruder vermissen.
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Doch gehen wir der Reihe nach durch die Ereignisse. Denn die überschlagen sich, als Mike in einer urkomische Szene feststellt, dass sein Sohn mit dem neuen Highprofil-Job Probleme mit den Monaten und den damit zusammenpassenden Ziffern hat, denn Mai ist - trotz Cinco de Mayo und Axls System - der fünfte Monat. Die Hecks müssen die Vorbereitungen und Abschiede nun in wenige Tage stopfen, unter anderem müssen sie Kartons aus dem Lager des Supermarktes holen.
Innerhalb des Geschwisterkreises zeigt sich mal wieder, dass man Axl am besten mit Ignoranz angeln kann. Auf Sues Aufmerksamkeit reagiert er genervt, aber dass Brick nicht weiter mitgenommen scheint, das wurmt den Ältesten dann doch. Und so macht er sich in der letzten gemeinsamen Nacht unter einem Dach auf die Suche nach seinem Bruder. Er findet ihn im Auto, in dem Brick sich einen Fensterplatz für die Fahrt am nächsten Tag sichern will. Als auch noch Sue dazu kommt, bekommen wir den ersten emotionalen Moment zwischen den Figuren. Das Schöne daran ist, dass die Serienautoren hier einmal mehr beweisen, dass sie ihre Serie genau kennen. Es könnten durchaus Tränen fließen, aber es ist immer weit von Kitsch und Melodrama entfernt. Es ist und bleibt der Blick in eine durchschnittliche Familie aus dem Heartland der USA, in der sich alle bemühen, voranzukommen, aber meistens auch einfach gerne den Feierabend auf der Couch genießen wollen.
In der zweiten Hälfte der Finalepisode steht dann der Abschied an, wir machen uns an der Seite der Hecks auf den Weg nach Denver. Die Vorbereitungen bringen so manches Wiedersehen - mit Nachbarn, alten Weggefährten wie Weird Ashley (Katlin Mastandrea) und natürlich mit der blauen Tasche.
Uns zum Abschied auf einen Roadtrip zu schicken, eine Situation, auf die sich viele Menschen freuen und sie im Nachhinein feiern, die aber in der Gegenwart, besonders im Familienkreis hochgradig anstrengend ist, ist eine geniale Idee. Er bietet auch Gelegenheit, die verschiedenen Bedeutungsmöglichkeiten von The Middle zu erkunden, so zum Beispiel der Mittelplatz im Auto, den niemand haben will. Doch im Zuge der Hackordnung nimmt Brick ihn dieses eine letzte Mal dann doch ein. Auf der anderen Seite findet Sue die Tatsache, das Mittelkind zu sein, wunderbar. „Es ist der sicherste Platz, man bekommt Liebe von beiden Seiten.“
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Doch wir müssen die Familienfeier kurz unterbrechen für die Liebesgeschichte der Serie, Sue und Sean (Beau Wirick), die sich ihr Happy End hart und lange erarbeitet haben. Die Szene auf der Landstraße ist natürlich aus dem Blauen gestampft - wie hat er es überhaupt so schnell dorthin geschafft? Aber egal, diesen kleinen Moment grenzwertiger Schwülstigkeit darf man der Serie mehr als nachsehen. Immerhin haben sie an der Liebesfront auf der Zielgeraden nicht übertrieben.
Das Pferd-Kuh-Spiel, das drohende Ende des Datenvolumens, das Geschenk mit der Biene, viele werden in dem Heck-Ausflug wohl eigene Erfahrungen wiedererkennen, so, wie es in der ganzen Serie immer wieder passierte. Das war von jeher eine der größten Stärken der Serie, wie es die Ko-Schöpferin Eileen Heisler zu Deadline sagte: „Über die gesamte Serie hinweg haben uns immer wieder Leute gesagt: ,Ihr müsst eine Kamera in meinem Haus haben!'“ Die Autoren haben es über ganze neun Staffeln geschafft, uns das Gefühl zu geben, in eine unterhaltsamere Parallelwelt der eigenen Wirklichkeit zu schauen und dabei auf Figuren zu stoßen, die wir kennen und über die Jahre lieben gelernt haben.
Der Ausblick auf die Zukunft der Familie bleibt kurz und trotzdem emotional. Axl eifert seinen Eltern nach, er hat ein größeres Haus in Orson als seine Eltern, aber im Grunde dieselben Probleme. Besonders, weil er drei Söhne bekommt, die genau wie er sind. „Die beste Rache von allen“, wie Frankie es nennt. Von Sue bekommen wir leider nicht mehr als die Hochzeit mit Sean zu sehen, aber wir wissen, dass sie sicher noch vieles andere zu bieten hat. Und Brick hat es auf seine eigene Art zu Ruhm und Ehre gebracht - und zu einem Bart, der ihm extrem gut steht. Außerdem trägt er einen Ehering, dessen Gegenpart hoffentlich Cindy (Casey Burke) am Finger hat.
Fazit: Für das, was wir alles nicht hatten, hatten wir dennoch eine Menge!
Während die Rückkehr von Roseanne als die große Auferstehung der Arbeiterfamilie auf der Mattscheibe gefeiert wird, wissen The Middle-Fans, dass sie niemals weg war. Nur leider hat diese Serie viel zu wenig Beachtung gefunden, was aber die Fans und glücklicherweise auch die Senderverantwortlichen nicht daran gehindert hat, neun wundervolle Staffeln lang dranzubleiben, von denen keine einzige einen Ausreißer nach unten darstellte. Die Serie, wie die Hecks selbst, war stets zuverlässig, unaufgeregt und hart arbeitend. Eine Comedy, auf die man sich verlassen konnte und zu denen man als Zuschauer selbst gut die Koordinaten aufbewahren sollte, denn sie zeigt uns, wie man eine starke Familienserie abseits des buzz durch die Zeiten bringt, liebenswerte Charaktere kreiert und den Fans das Gefühl eines Zuhauses schenkt.
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Verfasser: am Freitag, 25. Mai 2018The Middle 9x24 Trailer
(The Middle 9x24)
Schauspieler in der Episode The Middle 9x24
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