The Killing 1x03

The Killing 1x03

Linden und Holder bekommen Hinweise, die zu rekonstruieren erlauben, mit wem Rosie die letzten Stunden ihres Lebens verbracht hat. Serienjunkies.de-Redakteur Vladislav Tinchev braucht nach jeder Episode ein heißes Bad.

Der Blick in den Abgrund / (c) AMC
Der Blick in den Abgrund / (c) AMC

Mit El Diablo schreitet The Killing unaufhaltsam und immer tiefer in die Unendlichkeit menschlichen Schmerzes hinab. Die Serie verĂ€ndert nichts an ihrem Tempo, das - verstĂ€ndlicherweise - manchen Zuschauern zu langsam erscheint, aber fĂŒr The Killings Thematik genau das richtige ist. The Killing ist eine offene Wunde, das rohe Fleisch, dessen Anblick einen Knoten im Hals verursacht. Der Verlauf der ErzĂ€hlung in El Diablo löst diesen Knoten und zieht ihn dann wieder fest.

Die dritte Episode balanciert zwischen einem grauenvollen, totalen Stillstand und dem nicht minder erschreckenden Fortschritt der Morduntersuchung. Zwei Szenen beschreiben am besten dieses Schwindel erregende Gleichgewicht: In der ersten bringt sich Rosies Vater mit qualvoller Überwindung dazu, im strömenden Regen die Tageszeitung aufzuheben; in der zweiten schauen sich die Ermittler das Video auf dem beschlagnahmten Handy an - und der Horror bekommt Gestalt.

El Diablo ist eine Episode ĂŒber Erkenntnis - und die vollkommene Paralyse, die jene hervorbringen kann. Als Linden (Mireille Enos) die Frage von Rosies Mutter beantworten muss, ob Rosies letzte Minuten qualvoll waren, lĂ€sst sie unmittelbar Eines erfahren: Manche Wahrheiten sind einfach unertrĂ€glich und können nicht ausgesprochen werden. Aber das lĂ€sst sie nicht verschwinden: nicht fĂŒr Sarah.

Nicht in erster Linie die Anrufe ihres Freundes und das Aufschieben der Fahrt nach Sonoma zeigen uns in The Killing, wie Linden von den Ereignissen mehr und mehr mitgenommen wird.

Die Serie verbringt nicht so viel Zeit mit Sarah wie in den ersten zwei Episoden. Die kurzen Momente jedoch, wie der bei den Larsens, zeigen uns, wie die emotionale Verstrickung der Hauptfigur in den Mordfall zunimmt. Linden findet keine Ruhe mehr. Nur einmal, als sie sich neben ihren schlafenden Sohn legt, kann sie Luft holen. Der anderen Mutter, Rosies Mutter Mitch (Michelle Forbes), gibt das Bad, das sie nimmt und in dem sie willentlich fast ertrinkt, die grĂ¶ĂŸte NĂ€he zu ihrer Tochter und eine Art Nachempfinden der letzten Minuten in Rosies Leben.

Luft holen und Luft anhalten. Den Knoten zuschnĂŒren und wieder lösen. Lindens Reise nach Sonoma muss warten; dafĂŒr nimmt die in das Kaninchenloch menschlicher Grausamkeit Fahrt auf und wird immer obsessiver.

Genau wie die Darstellung dieser schleichenden Obsession wird die Partnerschaft, die Zusammenarbeit mit Holder (Joel Kinnaman) nicht erzwungen und ĂŒberhastet vorangetrieben, sondern wirkt irgendwie balanciert, ungezwungen. Man hat das GefĂŒhl, als bestĂŒnde zwischen Linden und Holder ein stillschweigendes EinverstĂ€ndnis darĂŒber, diesen Weg gemeinsam bis zum Ende zu gehen. NatĂŒrlich gibt es Meinungsunterschiede bezĂŒglich der Art, wie man die Untersuchung fĂŒhrt, aber die Serie schafft es, das alles geschickt im Nebensatz zu halten.

Wirklich nebensĂ€chlich erscheint gegenwĂ€rtig die Story um Darren Richmonds (Billy Campbell) politischen Kampf. Aber ist tatsĂ€chlich Jamie der Maulwurf? Ist dieser ErzĂ€hlstrang nicht auch einfach eine Maske, wie die Teufelsmaske, die Kris Echols (Gharrett Patrick Paon) und Jasper im Video tragen, als sie in The Cage ĂŒber Rosie herfallen? Was The Killing tut, ist zu demonstrieren, dass die NormalitĂ€t hinter der Maske erschreckender ist als diese selbst.

Verfasser: Vladislav Tinchev am Montag, 11. April 2011
Episode
Staffel 1, Episode 3
(The Killing 1x03)
Titel der Episode im Original
El Diablo
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 10. April 2011 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 15. MĂ€rz 2013
Autoren
Dawn Prestwich, Nicole Yorkin
Regisseur
Gwyneth Horder-Payton

Schauspieler in der Episode The Killing 1x03

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?