The Good Wife 7x22

The Good Wife 7x22

Die Folge heißt nicht nur End, sie ist es auch: Nach sieben Jahren kommt die CBS-Anwaltsserie The Good Wife zum Abschluss. Eine Rückfrage der Jury sorgt dafür, dass der Prozess gegen Peter weitergeht - und Alicia und Diane in einen schwerwiegenden Konflikt stürzt.

Abschied von „The Good Wife“ / (c) CBS
Abschied von „The Good Wife“ / (c) CBS

Das passiert im The Good Wife-Serienfinale End (7x22):

Am Ende von Verdict sah es so aus, als hätte die Jury zu einem Urteil gefunden. Das hat sie jedoch nicht. Ganz im Gegenteil: Die Jury hat eine Frage. Sie möchte den Mitschnitt des eingegangenen Notrufs hören. Um zu bestimmen, ob Peter (Chris Noth) überhaupt Veranlassung dazu hatte, die Anklage zu sabotieren, will die Jury wissen, was an dem Abend des Mordes eigentlich genau geschah.

Peters Verteidigung kann dieses Interesse nur recht sein. Lucca (Cush Jumbo) schafft es, Jason (Jeffrey Dean Morgan) dazu zu bringen, erneut bei den Ermittlungen zu helfen. Über einen Klingelton, der auf dem Notrufmitschnitt zu hören ist, findet er eine weitere Zeugin des Verbrechens. Unglücklicherweise lässt der Richter (David Paymer) sie nicht zur Aussage vor der Jury zu.

Alicia (Julianna Margulies) trifft sich derweil wiederholt mit Staatsanwalt Fox (Matthew Morrison), um die Höhe eines etwaigen Strafmaßes zu diskutieren, falls Peter sich doch auf einen Deal einlassen sollte. Je nachdem, wie die Karten im Prozess gerade stehen, liegt es zwischen einem und vier Jahren Gefängnis. Grace (Makenzie Vega) macht die Aussicht, ihren Vater im Knast zu sehen, extrem zu schaffen. Sie will deshalb sogar den Beginn ihres Studiums an der Westküste verschieben, was Alicia mit allen Mitteln zu verhindern sucht.

Peter erfährt unterdessen bei einem Treffen mit einem Großspender, dass Eli (Alan Cumming) seine politische Zukunft bereits abgeschrieben hat. Selbst wenn er den Prozess überstehen sollte, ist seine Karriere vorbei, da die Spender - auf Elis Anraten - künftig nicht Peter, sondern Alicia ihr Geld geben wollen. Der einzige Haken an der Sache ist allerdings, dass Alicia selbst noch gar nichts von den Plänen weiß, die Eli für ihre politische Laufbahn ausgeklügelt hat.

Alicia bittet Cary (Matt Czuchry) um Hilfe, der inzwischen an der Uni lehrt. Und tatsächlich: Ungeachtet des Grolls, den er gegenüber Alicia empfindet, obsiegt bei Cary das Interesse an der Wahrheit. Er geht zu seinem ehemaligen Kollegen Matan Brody (Chris Butler) und bewegt ihn dazu, sich erneut auf die Suche nach den verschwundenen Kugeln zu machen, die, wie sich herausstellt, die Asservatenkammer nie verlassen haben, sondern lediglich (gezielt?) verlegt worden sind.

Diane (Christine Baranski) und Lucca hoffen, mit den Kugeln den Beweis führen zu können, dass es für Peter überhaupt keinen Grund gegeben habe, sich in den Mordprozess einzumischen. Dabei gehen die beiden Anwältinnen allerdings von der Annahme aus, dass der damalige Angeklagte - der Sohn eines Unterstützers von Peter im Wahlkampf - nicht der Täter gewesen ist. Unglücklicherweise zeigt Kurts (Gary Cole) Analyse jedoch, dass die Kugeln aus der Waffe des Angeklagten abgefeuert worden sind. Daraus folgt: Peter hätte ein Motiv gehabt, den Prozess zu sabotieren.

Alicia sieht nur noch eine Möglichkeit: Die Verteidigung muss Kurts Expertenurteil untergraben. Diane will jedoch auf keinen Fall zulassen, dass die berufliche und/oder persönliche Reputation ihres Gatten in den Schmutz gezogen wird. Da Diane sich weigert diese Verteidigungsstrategie zu fahren, schmiedet Alicia einen Pakt mit Lucca. Sie soll Kurt vor Gericht frontal attackieren, um sicherzustellen, dass der Richter das ballistische Gutachten nicht als Beweismittel für die Jury zulässt.

Autsch!

Was bedeutet es für eine Serie, wenn der größte „Yeahh!“-Moment des Serienfinales darin besteht, dass die Hauptfigur am Ende eine Ohrfeige verpasst bekommt?

The Education of Alicia Florrick“ - Die (charakterliche) Bildung der Alicia Florrick, das war in den Worten der Schöpfer von The Good Wife, Robert und Michelle King, stets der inhaltliche Kern der Serie. Die Reise von Alicia ist mit der Folge End natürlich keineswegs zu Ende.

Offene Fragen

Geradezu ostentativ werden im Serienfinale zahlreiche Fragen offengelassen, was Raum lässt für viele mögliche zukünftige Entwicklungen in Alicias Leben: Wie wird es für sie beruflich weitergehen? Das Tischtuch zwischen ihr und Diane scheint zerschnitten. Es ist nur schwer vorstellbar, dass die beiden Frauen jemals wieder vertrauensvoll werden zusammenarbeiten können. Wird Alicia also erneut eine politische Laufbahn einschlagen, wie Eli es gerne hätte? Und was passiert in ihrem Privatleben? Gibt es für sie und Jason eine Zukunft? Oder hat er tatsächlich das Weite gesucht, ohne, wie von ihr erbeten, auf sie zu warten?

Fragen über Fragen. Möglichkeiten über Möglichkeiten, was sich als Nächstes in Alicias Leben ereignen wird. Nicht Alicias Reise endet, sondern nur der siebenjährige Ausschnitt, den wir daraus beobachtet haben. Das ist durchaus wichtig, im Hinterkopf zu behalten. Denn erstens verleiht dies der Serie eine Aura von Authentizität. Schließlich gibt es auch im wirklichen Leben so gut wie nie den einen Zeitpunkt, an dem alle losen Enden verknüpft werden. Selbst mit dem Tod bleibt häufig vieles ungesagt und ungelöst - was wir ja eindrucksvoll beim Abschied von Will (Josh Charles) in Staffel fünf vorgeführt bekommen haben.

Zweitens bewahrt es uns vor der Versuchung, ein abschließendes „Urteil“ über Alicia zu fällen. Denn es ist nichts abgeschlossen. End ist lediglich der Punkt, an dem wir aus der Beobachtung von Alicias Leben aussteigen.

Souverän

Fragen lässt sich allerdings, wie weit Alicia mit ihrer charakterlichen Bildung in den letzten sieben Jahren gekommen ist - und wie wir zu der Person stehen, die sie in dieser Zeit geworden ist. End lässt uns, was das angeht, sehr zwiegespalten zurück. Einerseits ist es ja ganz wunderbar zu sehen, in welchem Ausmaß Alicia an Souveränität gewonnen hat. Aauch und gerade gegenüber den Erwartungen, die (männliche) Verhandlungspartner bezüglich ihrer Reaktionen als (Ehe-)Frau haben. Siehe hier vor allem ihre Gespräche mit Connor Fox. Alicia lässt sich in kein vordefiniertes Rollenbild mehr pressen. Sie hat sich innerlich davon freigemacht. Das ist fraglos ein Fortschritt für sie.

Alles dreht sich um Peter

Andererseits ist und bleibt sie The Good Wife. Auch wenn sie sich am Ende von Peters Seite löst, so ist Peter in End ein immer noch geradezu erschreckend bestimmender Faktor in Alicias Leben. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, setzt sie ihre Freundschaft und berufliche Partnerschaft mit Diane aufs Spiel, um den bestmöglichen Deal für Peter herauszuholen. Erschreckend daran ist noch nicht einmal so sehr die Rücksichtslosigkeit und Abgebrühtheit, mit der Alicia vorgeht, sondern ihre Motivation: Sie handelt, wie sie handelt, weil es um ihren Ehemann geht. Und das, obwohl sie kurz vor der Scheidung steht!

Die Autoren versuchen, die im Raum stehende Gefängnisstrafe für Peter noch mit allerlei anderen Faktoren aufzuladen: Grace, die ihre eigene Zukunft gefährdet, weil sie sich weigert, fürs Studium wegzuziehen, sollte ihr Vater tatsächlich in den Knast kommen. Jason, der befürchtet, dass sich Alicia in diesem Fall nicht scheiden lassen und keinen Neuanfang mit ihm starten wird.

Beides macht die Sache jedoch nicht besser, sondern nur noch schlimmer. In vielen Würdigungen der Serie, die in den letzten Tagen und Wochen erschienen sind, wurde immer wieder darauf hingewiesen, wie sehr Alicia zu einer Ikone des Feminismus geworden ist. Das Serienfinale kratzt allerdings ganz erheblich an diesem Eindruck, indem Peter diese völlig übersteigerte Bedeutung für Alicias Leben (und letztlich auch für das von Grace) zugewiesen wird. Er muss auf freiem Fuß bleiben, sonst können die Frauen in der Welt von The Good Wife nicht den nächsten Schritt gehen. WTF?!

Will

Und dann noch Will. Ich kann gar nicht genug betonen, wie sehr ich mir gewünscht hätte, dass Alicia und Will am Ende von The Good Wife zusammenkommen. Ich war ein großer Freund seiner Figur. Und sein Tod in Staffel fünf hat mich sehr getroffen - und ratlos gemacht, weil ich keine Ahnung hatte, wie die Serie nach der Auflösung des Liebesdreiecks Peter-Alicia-Will überhaupt dramaturgisch funktionieren sollte. Und ja, auf gewisse Weise war es schön, ihn im Finale wiederzusehen. Josh Charles verströmt eine Leichtigkeit und einen Charme, für die die Serie in den letzten zweieinhalb Jahren nie einen adäquaten Ersatz gefunden hat.

Trotzdem ging mir der Fanservice mit den Visionen, die Alicia von ihrem verstorbenen Geliebten hat, ziemlich gegen den Strich. Alicia stellt sich der Frage, die Lucca aufgeworfen hat: Wen möchte sie in ihrer Wohnung sehen, wenn sie abends nach Hause kommt? Doch statt sich zwischen Jason und Peter zu entscheiden, ergänzt sie in ihrer Vorstellung noch eine dritte Option: Will. So ziemlich alles daran fühlt sich falsch an: Ja, Will mag die Liebe ihres Lebens gewesen sein. Aber hatten wir nicht gerade zur Mitte der siebten Staffel drei lange Episoden damit verbracht, dass Alicia ihr Will-Trauma verarbeitet und schließlich bereit für einen Neuanfang in ihrem (Liebes-)Leben ist? Vor diesem Hintergrund erscheint einem die Rückkehr von Will in Alicias Visionen wie ein Schritt zurück.

Befremdlich

Auch die Tatsache, dass es nun ausgerechnet ein Mann ist, der ihr - wenn auch nur in Form einer Vision - sagen muss, was juristisch Sache ist und was sie bitteschön mit ihrem Leben anfangen soll, bereitet Bauchschmerzen. Einerseits gibt sie sich total tough und unabhängig. Cary hat sie im Machtkampf der Kanzlei gnadenlos über die Klinge springen lassen, wofür sie in End nicht den Anflug von Reue zeigt (im Gegenteil: die Autoren schicken zu Alicias Entlastung sogar noch eine Art Rechtfertigung hinterher, dass Cary jetzt an der Uni erst seine wahre Bestimmung gefunden hat ... Als ob Alicia ihm einen Gefallen erwiesen hätte!). Andererseits ist ihr Denken ganz und gar von den Männern in ihrem Leben durchdrungen, welche auf die ein oder andere Art ihr Handeln diktieren.

Man muss kein Feminist sein, um diese Gemengelage befremdlich zu finden. Das Ende vom Lied ist eine Figur, die dermaßen unsympathisch geworden ist, dass Dianes Ohrfeige mehr als verdient erscheint. Ebenso wie es Alicias Ohrfeige für Peter in der Pilotfolge gewesen ist. Die bittere Lehre der Serie scheint zu lauten: Um sich von der Existenz der good wife zu lösen, muss frau ein schlechterer Mensch werden. Oder wie es Robert King in einem Interview im Anschluss an das Finale erklärte: „Wir hatten immer die Idee, dass Alicia mehr und mehr zu dem wird, was sie an ihrem Mann nicht mag.“ Das Opfer wird selbst zu einem Täter. Damit schließt sich der Kreis der Serie - von Ohrfeige zu Ohrfeige.

Sicher: Für eine Dramaserie ist es absolut legitim, Hauptfigur und Publikum ein Happy End vorzuenthalten. Über die Jahre hinweg hat es immer wieder Anzeichen dafür gegeben, dass Alicia zweifelhafte Charakterzüge in sich trägt, die Peters nicht unähnlich sind. Gleichzeitig ist The Good Wife aber nie Breaking Bad gewesen und Alicia Florrick nicht Walter White, bei dem im Grunde von Beginn an klar war, dass es sich um eine Spirale in den Abgrund handelt. Alicia schien hingegen sehr wohl in der Lage, über die problematischen Seiten ihres Charakters (zum Beispiel ihre wachsende Abhängigkeit vom Alkohol) hinauswachsen zu können. Genau deshalb ist es so enttäuschend, ja frustrierend, die Figur diesen Weg einschlagen zu sehen: Stand By Your Man - koste es, was es wolle.

Nicht alles ist schlecht

Julianna Margulies hatte im Vorfeld der Ausstrahlung gesagt, dass man dieses Finale entweder liebt oder hasst, aber dass es kaum einen Raum dazwischen gäbe. Dieses Review kommt dezidiert zu einem anderen Urteil. Es gibt, wie aufgeführt, Einiges, was an End Missfallen weckt. Nicht vergessen werden sollen darüber aber die guten Momente des Finales.

Allen voran ist hier Cary zu nennen, der im Interesse der Wahrheit über den eigenen Schatten springt. In der ersten Staffel eingeführt als karrieregeiler Konkurrent von Alicia hat er die möglicherweise größte und erfreulichste Veränderung als Figur vollzogen: Spielte er anfangs fast schon die Rolle eines Antagonisten (der zwischenzeitlich ja sogar tatsächlich auf der anderen Seite des Gerichtssaals, nämlich bei den Anklägern Platz genommen hat), ist er im Laufe der Jahre mehr und mehr zum heimlichen Sympathieträger der Serie geworden.

Glanzlicht: Christine Baranski

Die darstellerischen Leistungen sind wie gewohnt superb. Wenn man eine darunter ganz besonders hervorheben wollte, dann wäre das die von Christine Baranski. Allein für ihr Mienenspiel, als Lucca Kurt unter Beschuss nimmt - und Diane der Szene schließlich den Rücken kehrt und den Gerichtssaal verlässt -, hätte Baranski die längst überfällige Auszeichnung als beste Nebendarstellerin bei den Emmy Awards verdient.

Anders als in Verdict ist die gerichtliche Auseinandersetzung in Peters Fall diesmal durchaus spannend geraten. Dazu tragen zum einen die verbundenen persönlichen Konflikte bei, wie etwa durch die Beteiligung von Dianes Ehemann als Gutachter. Zum anderen aber auch köstliche Szenen wie die im Zimmer des Richters, als Connor und Lucca, ohne es zu ahnen, jeweils gegen die eigenen Interessen argumentieren. Das sind genau die Augenblicke des Finales, in denen The Good Wife wie eh und je Spaß macht.

Hier knallt es gleich ganz gewaltig... © CBS
Hier knallt es gleich ganz gewaltig... © CBS

Fazit

Eine Würdigung der Serie insgesamt steht noch aus - und wird zu einem späteren Zeitpunkt entweder in Form eines Artikels oder als Podcast bei uns erfolgen. Dabei dürfte die Bewertung der Serie insgesamt fraglos weitaus positiver ausfallen als die des Finales. Betrachtet man die vergangenen sieben Jahre, so hat The Good Wife Großartiges geleistet: intelligente Unterhaltung auf einem Level, das viele Betrachter einer Network-Serie überhaupt nicht zugetraut hätten.

Das Serienfinale lässt den Zuschauer jedoch etwas konsterniert zurück. Alicia hat sich insbesondere in dieser letzten, siebten Staffel auf eine Art und Weise entwickelt, die reichlich Anlass zum Kopfschütteln gegeben hat - und mitunter wenig konsistent erschien. Da hat sie gerade ihre Freundschaft zu Cary geopfert, um mit Diane die Idee einer komplett weiblich geführten Kanzlei zu verwirklichen, und da setzt sie genau diese Partnerschaft gleich wieder aufs Spiel, weil sie unbedingt und um jeden Preis ihren Noch-Gatten vor einer (möglicherweise wohlverdienten) Gefängnisstrafe bewahren will.

Ein strahlendes Happy End war von The Good Wife sicher nicht zu erwarten. Dieses Ende ist für meinen Geschmack jedoch ein Stück zu niederschmetternd geraten. Vor allem weil es uns der Sympathie für eine Figur beraubt, mit der wir sieben Jahre lang durch Dick und Dünn gegangen sind. Und von der ich jetzt das Gefühl habe: Selbst wenn The Good Wife weiterginge, dieser Alicia Florrick würde ich auf ihrem Weg nicht mehr folgen wollen.

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 10. Mai 2016
Episode
Staffel 7, Episode 22
(The Good Wife 7x22)
Deutscher Titel der Episode
Am Ende
Titel der Episode im Original
End
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 8. Mai 2016 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 21. März 2017
Autoren
Robert King, Michelle King
Regisseur
Robert King

Schauspieler in der Episode The Good Wife 7x22

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