The Good Wife 7x21

Das passiert in der The Good Wife-Episode Verdict:
Der Prozess gegen Peter (Chris Noth) hat begonnen. Er ist angeklagt, in seiner Zeit als Generalstaatsanwalt das Verfahren in einem Mordprozess bewusst sabotiert zu haben, um den Sohn eines Großspenders freizubekommen. Connor Fox (Matthew Morrison, Glee) führt die Anklage gegen Peter, Diane (Christine Baranski) ist seine Verteidigerin. Alicia (Julianna Margulies) gibt ganz die gute Ehefrau, die hinter ihrem Ehemann steht beziehungsweise sitzt - und ihm dann und wann als Showeinlage für die Jury das Händchen hält.
Die Anklage hat starke Zeugen an der Hand: Da ist zum einen der besagte Großspender Lloyd Garber (Howard McGillin), dem Peter - trotz der Beweislage gegen Garbers Sohn - versichert haben soll, sich keine Sorgen zu machen. Zum anderen treten auch Peters damalige Untergebene Matan Brody (Chris Butler) und Geneva Pine (Renée Elise Goldsberry) als Zeugen gegen Peter auf: Sie attestieren das ungewöhnlich hohe Maß an Einmischung, welches ihr damaliger Chef in diesem Fall gezeigt hat. Geneva bezeugt außerdem, dass der Nachweis geführt worden sei, dass die Kugeln aus der Waffe des Beschuldigten abgefeuert worden seien - kurz bevor jene Kugeln auf mysteriöse Weise verschwanden.
Louis Canning (Michael J. Fox), der die Interessen von Cary (Matt Czuchry) vertritt, gibt Alicia Informationen an die Hand, welche die Glaubwürdigkeit von Geneva untergraben würden: Demnach soll Peter eine langjährige Affäre mit ihr gehabt und erst kürzlich mit ihr Schluss gemacht haben. Zu Cannings großer Überraschung nimmt Alicia den Bericht von Peters erneutem Ehebruch sehr gelassen zur Kenntnis. Peter indes bestreitet, dass es diese Affäre jemals gegeben hat, und will die Aussagen von Genevas Kollegen nicht für seine Verteidigung nutzen. Also müssen Alicia und Diane einen anderen Weg finden.
Kurt (Gary Cole) ist seinerzeit der Ballistikexperte in dem Fall gewesen. Diane bezirzt ihn, dass er eine für Peter vorteilhafte Aussage macht. Unglücklicherweise kontert die Anklage dies umgehend mit einer Aussage von Kurts Musterschülerin Holly (Megan Hilty), welche das Urteil ihres Lehrers in ein schiefes Licht rückt - und ihn ziemlich dumm dastehen lässt. Mit ihrer Aussage zieht Holly außerdem Cary in die Angelegenheit mit hinein: er sei der Staatsanwalt gewesen, der die Verantwortung für die Beweismittel getragen habe.
Doch Cary lässt sich nicht den schwarzen Peter zuschieben. Stattdessen reiht er sich in die Riege der Zeugen gegen Peter ein. Der damalige Diskussionsstand sei der gewesen, dass - bei aller Vorsicht in Kurts Einschätzung - die Kugeln der Waffe des Beschuldigten zugeordnet werden konnten. Als Lucca (Cush Jumbo) ihn darauf anspricht, gibt Cary unumwunden zu, dass er auf die Florricks nicht gut zu sprechen ist. Das ändere jedoch nichts daran, dass er die Wahrheit sage, so wie sie sich ihm darstelle.
Die Lage für Peter ist brenzlig. So brenzlig, dass er selbst in den Zeugenstand tritt, um seine Handlungsweise zu verteidigen. Das, was ihm andere als unbotmäßige Einflußnahme auslegen, will er als Gewissenhaftigkeit verstanden wissen.
Die Kanzlei wird derweil von einigen verirrten Bauarbeitern heimgesucht, welche zu spät merken, dass sie im falschen Stockwerk gelandet sind. Als Diane und Alicia eintreffen, da ist der Schaden bereits angerichtet und die Wand des Konferenzraums bereits eingerissen. Diane nimmt dies als Wink des Schicksals: Warum nicht die Gelegenheit beim Schopfe packen - und tatsächlich expandieren? Alicia zeigt sich zögerlich. Auf regelrechten Widerstand trifft Diane dagegen bei David Lee (Zach Grenier), der sich vor allem daran stört, dass seine Kollegin die Expansion scheinbar nur mit weiblichen Anwälten vorantreiben will...
Wo ist das Urteil?
So kurz vor Schluss würde ich eigentlich gerne jede Folge von The Good Wife großartig finden wollen. Das fällt mir bei Verdict jedoch leider etwas schwer. Was bereits mit dem Titel beginnt: Die Folge heißt zwar Verdict, was sie uns jedoch vorenthält, ist ausgerechnet das Urteil im Prozess gegen Peter. Einerseits ist es zwar durchaus verständlich, dass die Serie genau aus dieser Frage - wie hat die Jury geurteilt? - ihren allerletzten Cliffhanger bezieht. Andererseits hätte man dann vielleicht lieber einen anderen Titel wählen sollen, der die Erwartungshaltung weniger in die Irre lenkt.
Schuldig oder nicht?
Ein ausgeprägtes Einerseits und Andererseits existiert auch bezüglich der Frage, wie klug es von den Autoren gewesen ist, die Zuschauer über Peters Schuld oder Unschuld im Dunkeln zu lassen. Wir wissen nicht, was wirklich geschehen ist. Hat Peter die Kugeln verschwinden lassen, um sich den Großspender gewogen zu machen? Trauen wir ihm so etwas wirklich zu? Mehr als um die Antwort, was passiert ist, scheint es genau darum zu gehen, den Zuschauer mit dieser Frage zu konfrontieren: Wie schätzen wir Peter ein? Und wie kommen wir zu unserem Urteil?
Ja, er hat Alicia betrogen, er hat mit Prostituierten (und auch noch mit zahlreichen anderen Frauen) geschlafen. Folgt daraus aber automatisch, dass er auch korrupt ist? Der Richter (wie immer famos: David Paymer) mag Peter nicht. So wird es auch manchen Zuschauern gehen, einschließlich des Rezensenten. Aber dürfen wir ihn deshalb vorverurteilen?
Die Frage nach Peters Schuld oder Unschuld in der Schwebe zu belassen, öffnet einerseits den Raum für eine Reihe interessante Fragen, über die das Publikum reflektieren kann. Dabei ist Verdict auch eine großartige Bühne für eine letzte Glanzdarbietung von Chris Noth, der es schafft, mit festem Blick und sonorer Stimme ein Bild von Glaubwürdigkeit zu projizieren, uns dabei aber stets Rätsel aufgibt, inwieweit dahinter tatsächlich Aufrichtigkeit steckt - oder doch nur der Politiker, der diese Aufrichtigkeit (wie etwa in den vertraulich anmutenden Gesten mit Alicia) mimt.
Wo ist die Spannung?
Andererseits birgt dieses In-der-Schwebe-halten aber auch einige Probleme, vor allem was das Entstehen von Spannung angeht. Ohne den tatsächlichen Sachverhalt zu kennen, fällt es deutlich schwerer, um einen bestimmten Ausgang der Handlung zu bangen. Wüssten wir, dass Peter unschuldig ist, könnten wir mit ihm mitfiebern, dass er freigesprochen wird. Wüssten wir sicher, dass er schuldig ist, könnten wir darauf hoffen, dass er für seine Verfehlungen endlich die verdiente Strafe erhält. Beides entfällt in Ermangelung einer diesbezüglichen Kenntnis.
Die Folge funktioniert damit primär auf einer intellektuell-analytischen und weniger auf einer emotionalen Ebene. Das kann man gut finden. Oder auch weniger. Mich lässt es etwas zwiegespalten zurück. Einerseits und andererseits eben.
Alicia
Das gilt ähnlich für Alicia: Einerseits ist die „neue“, souveräne Alicia ein überaus vergnüglicher Anblick. Eindeutiger Höhepunkt der Folge, jedenfalls unter dem Unterhaltungsaspekt, ist ihre Szene mit Canning, in der sie der Nachricht, dass Peter sie womöglich auch mit Geneva betrogen hat, nicht nur zu Cannings maßlosem Erstauen völlig unerschrocken begegnet. Nein, sie persifliert mit einer gespielten Heulattacke auch noch die Reaktion, welche die Außenwelt von einer betrogenen Ehefrau erwartet. Alicia macht deutlich, dass sie sich nicht länger von äußeren Erwartungen leiten lässt. Good for her!
Canning reagiert voller Bewunderung: „God, I love you.“ Was zugleich ein Stück weit aber auch die Kehrseite der Medaille - das Andererseits - darstellt. Es scheint mitunter in diesen letzten Folgen von The Good Wife fast so, als ob die „Education of Alicia Florrick“, die den Machern zufolge immer im Mittelpunkt der Serie gestanden hat, sie letztlich dahin führt, so eine Art weibliche Ausgabe von Louis Canning zu werden. Dazu passt jedenfalls ihr, zumindest gegenüber Connor Fox geäußertes, demonstratives Desinteresse an der Frage, was in Peters Fall die Wahrheit ist. Es gehe doch nur darum, was der Staatsanwalt beweisen könne.
Unbehagen
Alicias Verhältnis zu Jason (Jeffrey Dean Morgan) leidet derweil unter Peters Prozess. Tatsächlich bringt sie ihn in eine ziemlich merkwürdige Position: Beweise für die Unschuld des Noch-Ehemanns seiner Geliebten aufzutreiben, wozu auch Informationen über Peters Treue gehören können. Objektive Ermittlungen sind unter diesen Umständen kaum möglich. Entsprechend sagt Jason auch, dass er so nicht länger weitermachen kann. Und man merkt Alicia sichtlich die Erleichterung an, als er klarstellt, dass er damit die Ermittlungen und nicht ihre Beziehung meint.
Jasons Unbehagen ist durchaus nachvollziehbar, ebenso seine Sorge, dass sich Alicia nicht von Peter scheiden lässt, sollte dieser tatsächlich verurteilt und ins Gefängnis gesperrt werden. Etwas enttäuschend ist indes, dass Luccas Rolle zum Ende der Serie hin auf die eines Amor-Engels reduziert wird, der Jason geradezu penetrant in den Ohren liegt, zu seinen Gefühlen für Alicia zu stehen.
Verzeih mir
Diane und Kurt sind in der Folge zwar nur ein Nebenstrang; hier kommt es jedoch zu der wahrscheinlich berührendsten Szene der ganzen Folge. Schon die Vorbereitung ist sehr gelungen: Während Holly ihre Zeugenaussage macht, sehen wir die Scham in Kurts Gesicht, weil er seine Integrität verraten hat. Noch in derselben Einstellung wechelt der Fokus - und wir sehen in Dianes Gesicht, dass ihr absolut klar ist, in welche Verlegenheit sie ihren Mann gebracht hat. Später kommt sie zu ihm ins Bett und fleht ihn geradezu um Verzeihung an. Er schläft - oder tut so, als ob er schläft. Schließlich aber greift er nach ihrer Hand - und nimmt damit ihre Entschuldigung an.
Während das Händchenhalten der Florricks vor Gericht nicht mehr als eine leere Geste für die Juroren ist, ist es hier ein zärtlicher Akt der Versöhnung.
Guck' mal wer da hämmert
Humoristischer Kontrapunkt in einer ansonsten sehr ernst gehaltenen Folge ist das Demolieren der Kanzlei. So kann man eine Serie natürlich auch beenden, indem man am Schluss einfach mal die Kulissen kurz- und kleinschlagen lässt. Die Szene, in der die beiden Arbeiter auftauchen und einfach mal mit dem Hammer Hand an die Wand anlegen, während Jason und Lucca noch im Raum sitzen und sich besprechen, ist von herrlicher Absurdität.
Auch David Lees Erstaunen, als er - abseits seiner musikalischen Entspannung - endlich mitbekommt, was in der Kanzlei vor sich geht, ist wahrhaft köstlich. Weniger gelungen ist dagegen sein Aufmucken gegen Dianes Pläne für die Kanzlei. Das kommt nämlich reichlich spät: Er hätte es doch in der Hand gehabt, diesen Kurs zu verhindern. Stattdessen hat er sich von Diane seine Stimme de facto abkaufen und seinen Bundesgenossen Cary über die Klinge springen lassen. Dann soll David Lee jetzt bitteschön die Klappe halten!
Fazit
Verdict hat einige sehr schöne Szenen. Richtig gepackt hat mich die Folge aber nicht. Dafür fehlt im Prozess gegen Peter einfach die Spannung. Letztlich steht genau wie in der vorangegangenen Folge Party die figurenorientierte Reflektion im Mittelpunkt. Da hat es mich weniger gestört, hier leider schon, weil es doch sehr den dramaturgischen Erwartungen an eine vorletzte Folge zuwiderläuft.
Mal schauen, was das Finale bringt...
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 3. Mai 2016(The Good Wife 7x21)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 7x21
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