The Good Wife 7x20

Das passiert in der The Good Wife-Folge Party:
Alicia (Julianna Margulies) ist gerade über ihren Schatten gesprungen und hat Jason (Jeffrey Dean Morgan) gestanden, dass sie mit ihm zusammensein möchte. Er hofft, dass sie sich nicht deswegen von Peter (Chris Noth) scheiden lässt. Denn er ist sich hinsichtlich ihrer Beziehung noch nicht ganz sicher. Sie beschwichtigt ihn, dass es nichts damit zu tun hat, sondern dass es ihr darum geht, im Hier und Jetzt zu leben und nicht länger Dinge aufzuschieben.
Nicht ahnend, dass sie eine ernsthafte Unterredung haben würden, hat Jason Alicia ein nicht ganz ernst gemeintes Geschenk mitgebracht: ein Zertifikat über den Erwerb von 500 Morgen Land - auf dem Mars. Unter anderen Umständen hätte dies witzig sein können. Alicia kann in der aktuellen Situation aber so gar nicht darüber lachen. Ihr kommt das Geschenk, wie sie Lucca (Cush Jumbo) gegenüber offenbart, wie die Geste eines Zwölfjährigen vor.
Alicia hat allerdings gar keine Zeit, sich all zu viele Gedanken darüber zu machen, denn in ihrer Wohnung steht eine große Party bevor: Jackie (Mary Beth Peil) und Howard (Jerry Adler) wollen im Kreise ihrer Freunde und Familien die Ketubba unterzeichnen, den jüdischen Ehevertrag. Die Vorbereitungen der Party stehen allerdings unter keinem guten Stern: Sowohl der Florist als auch die Konditorei scheinen einem makabren Missverständnis erlegen zu sein. Statt für eine Hochzeit wurde ein Blumenarrangement für eine Beerdigung geliefert. Und auf der Torte prangt der Schriftzug: „Ruhe in Frieden.“
Auf der Party geht es derweil alles andere als ruhig und friedlich zu. Zach (Graham Phillips) hat seine vier Jahre ältere Freundin Hannah (Taylor Rose) mitgebracht, die, wie sich herausstellt, in Wahrheit sogar schon seine Verlobte ist. Die beiden wollen heiraten und gemeinsam - wegen Hannahs Job - nach Frankreich ziehen. Zach will dafür sogar die Uni unterbrechen. Alicia und Peter fallen aus allen Wolken und versuchen Zach die Sache auszureden.
Nicht gerade leichter wird diese Augabe, als Veronica (Stockard Channing) im Zustand fortgeschrittener Alkoholisierung die Bombe platzen lässt, dass Alicia und Peter sich scheiden lassen wollen, was sowohl für Jackie als auch für Grace (Makenzie Vega) und Zach ein Schock ist.
Während die Party in vollem Gange ist, hat Eli (Alan Cumming) einen Auftrag für Jason: Nachdem sich Peter gegen Jason als Ermittler ausgesprochen hat, wohl wegen dessen Beziehung zu Alicia, geht Eli gerade deshalb zu ihm. Um herauszufinden, was die Staatsanwaltschaft gegen Peter in der Hand hat, bittet Eli Jason, die Ermittlungen aufzunehmen - mit der Zielsetzung, Peters Schuld zu beweisen.
Als Erstes stattet Jason dem Staatsanwalt Matan Brody (Chris Butler) einen Besuch ab. Matan befürchtet, dass Peter die Schuld für den verpatzten Prozess auf die unteren Ränge abwälzen wird. Entsprechend warnt er auch Cary (Matt Czuchry) vor, der sich daraufhin sicherheitshalber schon mal einen Anwalt nimmt, und zwar keinen Geringeren als Louis Canning (Michael J. Fox)...
Abschiedsparty
Manche Leserkommentare zu Landing fielen überraschend negativ aus, was zumindest in einigen Fällen mit der zu Grunde liegenden Erwartungshaltung zusammenzuhängen scheint. Offensichtlich haben die Zuschauer damit gerechnet, dass es The Good Wife in den letzten Folgen noch mal ganz dramatisch „knallen“ lassen würde - mit großen Verstrickungen und Überraschungen. Stattdessen ist die Stimmungslage nicht erst seit Party eher die einer Abschiedsparty. Die Band spielt zwar auch den ein oder anderen neuen Song, aber es überwiegen die Greatest Hits. Das kann man gut oder schlecht finden. Für beide Positionen ließen sich Argumente benennen.
Wäre es reizvoll gewesen, zum Ende hin noch mal einen ganz großen Fall oder einen bedeutenden Konflikt in der Serie zu haben, der das Publikum auf das Ende hinfiebern lässt? Ja, absolut. Das wäre ein großartiger und dramaturgisch sicher sehr befriedigender Weg gewesen, um The Good Wife abzuschließen. Das Erfinder- und Autoren-Ehepaar Robert und Michelle King hat sich für eine andere Route entschieden, die jedoch keineswegs schlechter sein muss.
Die gute Ehefrau
Begebenheiten wie der erneute Umbruch in der Kanzlei (mit der Umbenennung in Lockhart, Florrick and Associates) und der erneute Prozess gegen Peter (Stichwort: Greatest Hits) geben dem Finale beziehungsweise dem Weg dorthin eine gewisse Struktur, ohne jedoch sonderlich herauszustechen.
Was die Autoren stattdessen zum Ende hin in den Mittelpunkt stellen, ist, eingebettet in einen vertrauten Rahmen und begleitet von der Rückkehr beliebter Figuren, die Auseinandersetzung mit dem thematischen Grundpfeiler der Serie: The Good Wife ist zwar von Beginn an eine Anwaltsserie gewesen. Von Beginn an ging es auch um Politik. Der buchstäblich titelgebende Kern der Serie ist jedoch ein anderer: The Good Wife. Die gute Ehefrau.
Unter allen anderen Schichten, welche die Serie ausmachen, geht es um Liebe, Partnerschaft und Ehe. Der Titel The Good Wife ist dabei im Hinblick auf die Figur der Alicia Florrick weniger eine Feststellung als vielmehr eine über die Jahre hinweg immer wieder neu aufgeworfene Frage: Ist Alicia eine gute Ehefrau? Was ist das überhaupt, eine gute Ehefrau / ein guter Ehepartner?
Entwicklung
Zu Beginn haben wir Alicia als die gute Ehefrau gesehen, die geradezu automatisch handelnd, aus ihrem Selbstverständnis als Ehefrau heraus an der Seite ihres Mannes steht - ungeachtet seines Betrugs und der öffentlichen Demütigung, die sie dadurch erfährt. Später war Alica die gute Ehefrau, deren innige Liebe zwar einem anderen Mann, nämlich Will, galt, die sich aber wiederum wegen ihres Verständnisses der Begriffe Ehefrau, Mutter und Familie nicht dazu durchringen konnte, ihren Gatten zu verlassen. Erst nach Wills Tod ist ihr klar geworden, welche leere Hülle ihre Ehe mittlerweile ist. Aber selbst in dieser Situation ist Alicia die gute Ehefrau geblieben, sogar als es sich nur noch um eine Charade für die Kinder und für die Öffentlichkeit gehandelt hat.
Das, was die Serie in diesen letzten Folgen erkundet, ist das Ende - oder vielleicht besser gesagt ein neues Stadium - dieser Entwicklung. Alicia und Peter stehen kurz vor der Scheidung. The Good Wife ist im Begriff aufzuhören, die gute Ehefrau zu sein. Und die Frage steht im Raum: Was ist Alicia, wenn sie nicht mehr die die gute Ehefrau ist?
Alicia und Peter
In Party sehen wir sie zusammen mit Peter: Beide sind traurig über die bevorstehende Scheidung, gleichzeitig liegt aber auch ein Gefühl der Akzeptanz in der Luft. Wahrscheinlich auch bedingt durch den Umstand, dass ihre Ehe zuletzt ohnehin nur noch eine Farce gewesen ist, haben sie sich mit dem Gedanken arrangiert, nicht mehr verheiratet zu sein.
Und haben jetzt, da die Bürde der Ehe quasi schon von ihren Schultern genommen ist, im Grunde eine viel bessere Beziehung als vorher. Ihr Umgang miteinander in der Folge ist freundschaftlich entspannt. Als Eltern, die sie ja weiterhin zusammen sind, harmonieren sie gut miteinander. Sie geben sich gegenseitig Rückhalt (etwa als Alicia ihren Bald-Ex-Ehemann dafür lobt, ein guter Vater zu sein). Als Zuschauer kommt man kaum um die Feststellung herum, dass die bevorstehende Scheidung für Alicia und Peter etwas Positives ist.
Alicia und Jason
Zugleich befindet sich Alicia an der Schwelle zu einer neuen Beziehung. Dabei versuchen sie und Jason auszuloten, wie eine gute Partnerschaft zwischen ihnen aussehen könnte. Eine Anziehung ist zwischen ihnen fraglos vorhanden, wie wir in den vergangenen Folgen sehen konnten. Nun geht es um die Frage, wie ihre Lebensentwürfe miteinander in Einklang gebracht werden können. Alicia ist gerade Namenspartnerin ihrer Kanzlei geworden. Sie ist an ein bestimmtes Leben gebunden. Jason kann sich dagegen nur schwer vorstellen, längere Zeit an einem Ort zu bleiben. Immerhin: Dass er sich schließlich dazu bekennt, mit Alicia zusammensein zu wollen, ist für die Beziehung der beiden ein großer Schritt.
Dass Alicia auf das scherzhaft gemeinte Geschenk vom Mars derart heftig reagiert - und sogar die Beziehung zu Jason insgesamt in Frage stellt, mag etwas überraschen. Letztlich ist es aber gar nicht mal so unverständlich: Sie steht vor der Scheidung. Ein für die Ewigkeit gedachter Lebensentwurf ist gescheitert. Alicia sucht nach einer neuen Verbindlichkeit in ihrem (Liebes-) Leben. Der außerirdische Landerwerb ist jedoch geradezu das Papier geworene Symbol für die Unverbindlichkeit, mit der Jason ihr zu Beginn der Folge noch begegnet.
Eine neue Definition von Ehe
Ehe und Partnerschaft können, das zeigt The Good Wife sehr anschaulich in dieser Folge, viele verschiedene Dinge sein: Jackie und Howard heiraten in einem Alter, in dem andere nicht an einen neuen Lebensabschnitt denken, sondern bereits unter der Erde liegen.
Eine Schlüsselszene in Party ist sicherlich das Gespräch zwischen Alicia und Hannah, in dem Zachs Verlobte eine weniger permanent und weniger bindend gedachte Vision von Ehe entfaltet, in der die Institution selbst hauptsächlich nur noch der Steuerersparnis dient. Mag Hannah mit ihrer intellektuellen Attitüte am Anfang etwas aufdringlich und befremdlich herüberkommen, so gibt sie Alicia mit diesem Konzept von Ehe jenseits des „Bis dass der Tod Euch scheidet...“ offenkundig sehr zu denken.
Alicia hält die Verlobung ihres Sohnes danach zwar immer noch für einen Fehler, sie hört jedoch auf, ihn davon mit aller Macht abbringen zu wollen.
Unschuldig
Im Zentrum von Party steht eine dicht an den Figuren orientierte Reflektion der Themen Ehe und Partnerschaft. Der Plot um Peters bevorstehenden Prozess spielt dagegen nur die zweite Geige. Immerhin kommen wir zu einer (überraschenden?) Erkenntnis: Peter scheint tatsächlich unschuldig zu sein. Jason findet anfangs zwar Hinweise auf ein mögliches Fehlverhalten des ehemaligen Bezirksstaatsanwalts, die Peter jedoch, als er von Eli damit konfrontiert wird, entkräften kann. Und das immerhin so erfolgreich, dass auch Jason bei der anschließenden Überprüfung davon überzeugt ist, dass es die Kriminaltechnikerin (Rebecca Harris, Outsiders) ist, die gelogen hat - und nicht Peter.
Darkness at Party?
Es ist eine interessante und dank des Party-Chaos auch immer wieder sehr amüsante Folge. Was den Unterhaltungswert ein bisschen schmälert ist der Umstand, dass das Chaos - gerade zu Beginn mit der Blumenlieferung - etwas erzwungen wirkt. Wer lässt Blumen und Torte erst wenige Minuten vor Beginn einer Party anliefern?
Und weil wir gerade dabei sind: Wer setzt sich, während in der eigenen Wohnung eine Party in vollem Gange ist, zwischendurch hin, um immer mal wieder die Glotze anzumachen? Selbst als Serienjunkie kommt einem dieses Verhalten höchst befremdlich vor. Beziehungsweise: Gerade als Serienjunkie. Denn wer bitte schön konsumiert seine Lieblingsserie (und allem Anschein nach handelt es sich ja auch noch um das Serienfinale!) so nebenbei und nicht mit voller Konzentration?
Es ist ja sehr löblich, dass die Autoren „Darkness at Noon“ nicht vergessen haben, sondern ebenfalls zu einem Abschluss bringen wollten. Die Party-Folge war dafür allerdings die denkbar unpassendste Gelegenheit.
Fazit
Das Ende von The Good Wife rückt spürbar näher. Party ist in vielerlei Hinsicht auch eine Art Abschiedsparty - und vermutlich tatsächlich die letzte Folge, in der wir Figuren wie Zach, Victoria oder Jackie zu Gesicht bekommen haben. The Good Wife setzt zum Abschied weniger auf Spannung, die über den Plot generiert wird, sondern sehr stark auf figurenorientierte, thematische Reflektion. Es ist absolut verständlich, dass das nicht jedermanns/jederfraus Sache ist.
Mich persönlich stört es in diesem speziellen Fall nicht, weil es um den thematischen Kern der Serie selbst geht. Weil es mir so vorkommt, dass The Good Wife hier ganz bei sich selbst ist. Deshalb kann ich - gegen meine sonst viel stärker plotorientierte Sehgewohnheit - diese ruhigere Art des Serienabschieds akzeptieren und goutieren.
Noch zwei Folgen...
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 26. April 2016(The Good Wife 7x20)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 7x20
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?