The Good Wife 7x19

Das passiert in der The Good Wife-Folge Landing:
Jeff Dellinger (Zach Woods), der „Edward Snowdon für Arme“, versucht, über den Flughafen von Toronto in die Vereinigten Staaten zurückzukehren, um an der Beerdigung seiner Mutter teilzunehmen. Sein alter NSA-Kumpel Tyler (Tobias Segal) versichert ihm, dass nach ihm nicht mehr gefahndet wird. Unglücklicherweise sind Tylers Informationen etwas veraltet, weil er seit zwei Wochen nicht mehr für die NSA arbeitet. Außerdem scheint er sich nicht der Tatsache bewusst zu sein, dass er nun seinerzeit von seinen ehemaligen Kollegen (Michael Urie, Haynes Thigpen) abgehört wird. Die NSA weiß also von der bevorstehenden Einreise Dellingers - und informiert umgehend die Zollbehörde am Flughafen.
Doch Dellinger riecht den Braten. Er macht im letzten Augenblick einen Rückzieher. Die US-Beamten versuchen jedoch, ihn trotzdem einzukassieren, was für einen kleinen internationalen Zwischenfall zwischen US-amerikanischen und kanadischen Beamten gut ist.
Alicia (Julianna Margulies) und Lucca (Cush Jumbo) eilen nach Toronto, wo sie mit einem NSA-Anwalt (Chuck Cooper) vor einer kanadischen Schlichterin (Jayne Atkinson, House of Cards) über die Frage streiten, wo US-amerikanisches Hoheitsgebiet beginnt - und unter welchen Umständen die US-Behörden auf einem internationalen Flughafen eine Festnahme vornehmen können. Sehr zum Unbehagen von Alicias - und zum Ärger der NSA - kommt im Laufe des Verfahrens auch immer mehr heraus, dass Alicia nach wie vor abgehört wird. Die Amerikaner sind jedoch nicht die einzigen, die andere belauschen.
Peter (Chris Noth) steckt unterdessen in ernsthaften Schwierigkeiten: Staatsanwalt Connor Fox (Matthew Morrison) hat genügend belastendes Material gegen ihn zusammengetragen, um vor der Grand Jury eine Festnahme des Gouverneurs zu erwirken. Eli (Alan Cumming) und Mike (Will Patton) wollen verhindern, dass aus der Festnahme ein öffentliches Spektakel wird. Doch Connor hält sich nicht an die Absprache. Am Abend erscheint er mit einem Haufen Polizeibeamte in Alicias Wohnung, um Peter die Handschellen anzulegen, während draußen bereits die Kamerateams warten. Obwohl Alicia nach wie vor fest entschlossen ist, sich von Peter scheiden zu lassen, stellt sie sich in dieser Situation vor ihren Ehemann - und tut alles, um ihn in dieser Situation möglichst gut aussehen zu lassen.
Eli und Peter sind unterdessen etwas irritiert, weil Mike ausgerechnet Jason (Jeffrey Dean Morgan) als Ermittler anheuert, um herauszufinden, welches belastende Material die Staatsanwaltschaft in der Hand hat. Was Mike nicht weiß: Dass Jason und Alicia ein Paar sind. Oder so etwas Ähnliches. Seit Alicia ihrem Lover erzählt hat, dass sie sich von Peter scheiden lässt, ist die Stimmung zwischen ihnen etwas seltsam, weil sich beide nicht so ganz darüber im Klaren sind, was das nun für sie und ihre Beziehung bedeutet. Alicia insistiert darauf, dass es überhaupt keine Bedeutung hat, was allerdings nicht so ganz der Wahrheit entspricht.
Schwierigkeiten in der Paarkommunikation haben auch Diane (Christine Baranski) und Kurt (Gary Cole). Als er ihr sagt, dass sie mal miteinander „reden müssen“, befürchtet sie schon, dass er die Scheidung will. Stattdessen will er ihr nur sagen, dass er sein Geschäft verkaufen und endlich mit ihr zusammenziehen möchte. So weit, so romantisch. Als Diane jedoch sieht, an wen Kurt verkaufen will - und das auch noch zu einem viel zu niedrigen Preis -, da wird sie doch etwas von ihrer unsicheren Seite gepackt.
Die Rückkehr der Ziege
Landing ist eine NSA-Folge, was, wie uns die Erfahrung lehrt, praktisch einer Garantie für beste Unterhaltung gleichkommt. Und wir werden nicht enttäuscht: Angefangen beim Gezerre an der Zollabfertigung über den Running Gag mit den Ziegenvideos bis hin zu Tylers interessierter Nachfrage, ob Grace (Makenzie Vega) schon ein College gefunden hat (was Alicia ein irritiertes „Kennen wir uns?“ entlockt), ist es eine gleichermaßen spannende wie amüsante Folge, welche uns mal wieder in die durch und durch verlogene Welt der Geheimdienste führt.
Wie sich zeigt, sind die Kanadier dabei kaum besser: Sie mögen vielleicht nicht ihre eigenen Bürger abhören, sind aber sehr neugierig, wenn es darum geht, den Tätigkeiten ihrer südlichen Nachbarn zuzuhören (wobei man natürlich durchaus argumentieren könnte, dass das eines der wenigen sinnvollen geheimdienstlichen Einsatzgebiete ist: die Überwachung der Aktivität fremder Geheimdienste auf eigenem Boden).
Leak
Wie dem auch sei: Alicia und Lucca finden einen sehr geschickten Weg, Jeff das Asyl in Kanada zu garantieren. In dem Wissen, dass die NSA ihre Telefone abhört, und darauf spekulierend, dass die NSA wiederum von den Kanadiern abgehört wird, sprechen die beiden freimütig darüber, welche angeblichen Kenntnisse Jeff über die Abhöraktivitäten der NSA in Kanada besitzt. Wodurch er für die Kanadier auf einmal viel zu wertvoll ist, um an die USA ausgeliefert zu werden.
Lucca passt das sichtlich nicht in den Kram. In ihren Augen ist Jeff ein Verräter. Wie sich nämlich herausstellt, sind Tyler und er das Leak in Targets gewesen, wofür Alicia ihm auch gehörig den Kopf wäscht. Dass sie ihm trotzdem weiterhin hilft, dürfte wohl damit zusammenhängen, dass sie auf die NSA noch ein Stück weit schlechter zu sprechen ist: a) weil diese sie erneut abhört und b) weil Captain Hicks bestraft wurde, obwohl die NSA gewusst hat, dass er nicht für das Leak verantwortlich gewesen ist, diese Information aber offensichtlich nicht mit dem Militär geteilt hat.
(Wobei, das nur als Anmerkung zu Targets, es fragwürdig erscheint, ob es geholfen hätte: Um sicherzustellen, dass das Panel zum Tötungsbeschluss kommt, sollte der Skeptiker Hicks doch offenkundig um jeden Preis diskreditiert und aus dem Panel entfernt werden; wäre es nicht der Vorwurf des Leaks gewesen, dann hätten die Verantwortlichen sicherlich etwas anderes gefunden, womit sie ihn hätten belasten können.)
Lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt...
Wie bereits häufiger an dieser Stelle ausgeführt, gehört es zu den großen Stärken von The Good Wife, Gerichtsverhandlungen oder gerichtsverhandlungsähnliche Szenarien unter befremdlichen Bedingungen stattfinden zu lassen: Diesmal vor einer kanadischen Schlichterin, die nicht als „Your Honor“, sondern „Your Worship“ angesprochen werden will. Und das in einer Flughalle, in der die Verhandlung fortlaufend durch die sattsam bekannten Durchsagen à la „Don't leave your luggage unattended...“ unterbrochen wird. Das Schöne daran: Es sorgt nicht nur für eine gewisse Heiterkeit, sondern bricht auch stets die eingeschliffenen Wahrnehmungsmuster und Mechaniken der gewohnten Gerichtssaalprozeduren auf.
Landing spielt dabei auch mit dem Image Kanadas als der saubereren, höflicheren und generell zivilisierteren Version Amerikas. Die Haltung der The Good Wife-Autoren dazu scheint etwas ambivalent zu sein: Einerseits benutzen sie die Schlichterin dazu, den USA den Spiegel vorzuhalten. Andererseits scheint ihr Insistieren auf die zivilisatorische Überlegenheit Kanadas mitunter schon etwas übertrieben, was dazu geeignet ist, Zweifel aufkommen zu lassen, inwieweit Kanada tatsächlich das bessere Amerika ist. So sehr dies, nicht zuletzt im Zuge des aktuellen US-Präsidentschaftswahlkampfs, manche Menschen südlich der Grenze gerne glauben würden.
About
Das latent Karikaturhafte in der Darstellung der Schlichterin mag auch in ihrem (über-) betont kanadischen Akzent liegen („about“, „about“, „about“...). Vielleicht wäre es keine schlechte Idee gewesen, für diese Rolle tatsächlich eine Kanadierin zu engagieren und keine Engländerin. Die ein oder andere aus Kanada stammende Schauspielerin ist ja schließlich (worauf in der Folge selbst hingewiesen wird) durchaus in Hollywood aktiv. Selbst wenn man es nicht geschafft hätte, Kim Cattrall für die Rolle zu verpflichten.
The Good Wife
Peters Schwierigkeiten sind unterdessen doch ernsthafter, als es lange Zeit schien: Ihm drohen drei Jahre Gefängnis. Womit wir, wie Peter selbst bemerkt, wieder am Anfang stehen. Die Zirkelstruktur wird dabei nicht zuletzt dadurch unterstrichen, dass Alicia ihm erneut zur Seite steht. Die entsprechenden Bilder finden sogar im Vorspann Verwendung - und lösen das seit sieben Jahren verwendete Still aus dem Piloten ab.
Und doch lenkt gerade die Zirkelstruktur die Aufmerksamkeit auf die Dinge, die sich in den letzten sieben Jahren verändert haben: Alicia stellt sich nicht aus (falsch verstandenem) ehelichem Pflichtgefühl an die Seite ihres Mannes. Dass sie und Peter sich scheiden lassen, steht bereits fest. Daran ist nicht mehr zu rütteln. Das Eintreten für ihren Bald-Ex-Mann scheint durch zweierlei motiviert zu sein: Zum einen ihre Empörung über das Vorgehen Connors, zum anderen aber auch ein Mitgefühl - soll man es vielleicht sogar Mitleid nennen? Sie will Peter, den Vater ihrer Kinder, nicht beschämt sehen.
Sie ist in diese Moment nicht die kleine, gute Ehefrau, die nicht weiß, wie ihr im Lichte der Öffentlichkeit geschieht, sondern sie ist die souveräne, Bald-Ex-Frau, die sich ganz bewusst entscheidet, die Würde ihres Noch-Gatten zu bewahren.
Unsicherheiten
Souveränität - das ist es, was Alicia und Jason im Umgang miteinander fehlt, jedenfalls nachdem Alicia mit der Information herausgerückt hat, dass sie sich von Peter scheiden lassen will. Beide, sie und Jason, versuchen krampfhaft, jeden Eindruck zu vermeiden, dass man nun möglicherweise etwas mehr vom anderen und der Beziehung zueinander erwarten könnte. Keiner der beiden will so recht eingestehen, was man vom anderen will, bis Alicia ganz zum Schluss das emotionale Risiko eingeht, Farbe zu bekennen: „Was willst Du?“ / „Dich.“
Solche Unsicherheiten im Umgang miteinander sind jedoch keineswegs nur Beziehungen im Anfangsstadium vorbehalten. An Diane und Kurt zeigen die Autoren, dass es selbst nach Jahren der Ehe kaum besser ausschaut. Dass sich Diane von der jungen, hübschen Käuferin (Megan Hilty) dermaßen aus der Ruhe bringen lässt, ist zwar ein wenig... irritierend. Das hätte man von der gestandenen Anwältin nicht unbedingt gedacht.
Was den Handlungsstrang dann jedoch wiederum auszeichnet, ist der liebevolle, vertrauliche Umgang des Ehepaars miteinander. Einschließlich einer Zahnkollision beim leidenschaftlichen Herumknutschen. Genau solche Details sind es, an welche die Macher von The Good Wife denken - und damit den Szenen eine Authentizität und Natürlichkeit verleihen, die vielen anderen Serien fehlt.
Fazit
Was soll man sagen? Die Kritikpunkte sind kaum der Rede wert. Landing ist The Good Wife in Topform. Und ein Grund mehr, warum einem jetzt doch allmählich das Herz schwer wird beim Gedanken, dass es nur noch drei weitere Folgen gibt.
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 19. April 2016(The Good Wife 7x19)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 7x19
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