The Good Wife 7x12

Das passiert in der The Good Wife-Folge Tracks:
Crystal Dosek (Alexandra Wentworth, Head Cases) ist genervt: Fortlaufend klingeln bei ihr fälschlicherweise Mandanten, die eigentlich zu ihrer Nachbarin Alicia Florrick (Julianna Margulies) wollen. Ebenso fortlaufend landet bei ihr Post, die eigentlich für Alicia bestimmt ist. Crystal wird deshalb zunehmend giftig: Sie beschwert sich nicht nur bei der Wohnungseigentümer-Vereinigung, weil Alicia verbotenermaßen in ihrer Wohnung ein Geschäftsbüro unterhält. Ihre wütenden Kommentare fangen auch an, den ein oder anderen Mandanten zu vergraulen. Bea Wilson (Kelly Bishop) etwa, die gerade erst von Lockhart Agos Lee zu Alicia gewechselt ist, denkt ernsthaft darüber nach, ihre Entscheidung rückgängig zu machen, da sie sich nicht mit einer Anwältin anfreunden kann, die ihr Business von zu Hause aus erledigt.
Alicia und Lucca (Cush Jumbo) ahnen zunächst kaum, welche Gefahr ihnen von dieser Seite her droht. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Grace (Makenzie Vega) ihrer Mutter, zumindest was die Angelegenheit mit der Wohnungseigentümer-Vereinigung angeht, mal wieder die Kastanien aus dem Feuer holt.
Gemeinsam mit Cary (Matt Czuchry) vertreten die beiden Anwältinnen den Musiker Rowby Canton (Matthew Lillard), dem Alicia und Cary in Goliath and David schon einmal beigestanden haben, weshalb er darauf besteht, dass erneut beide ihn vertreten, obwohl Alicia und Cary nicht mehr in einer Kanzlei tätig sind. Erneut handelt es sich um einen komplizierten Urheberrechts-Streitfall: Rowby hat ein Kinderlied mit Hitpotenzial geschrieben. Seine alte Plattenfirma - vertreten durch die Anwältin Andrea Stevens (Christine Lahti) - behauptet nun aber, dass das Lied ihr gehört, weil Rowby ihr ohnehin noch ein Album aus ihrem abgelaufenen Vertrag schuldig sei.
Nach Peters verlorener Vorwahl löst sich das Wahlkampfteam auf. Ruth (Margo Martindale) räumt ihr Büro - und macht Platz für Eli (Alan Cumming), der auf seinen alten Posten zurückkehrt. Wirklich freuen kann er sich darüber aber nicht. Dafür leidet er zu sehr unter dem Konflikt mit Alicia, die partout nicht mehr mit ihm sprechen will. Seine Tochter Marissa (Sarah Steele) kehrt zurück - und merkt gleich, dass etwas mit ihrem Vater nicht in Ordnung ist. Nachdem er ihr schließlich gesteht, was vorgefallen ist, unternimmt sie den Versuch, zwischen Eli und Alicia zu vermitteln ...
Gastdarsteller
Erneut beweist The Good Wife ein gutes Gedächtnis, was frühere Gastdarsteller betrifft: Ich muss gestehen, hätte ich nicht nachgeschaut, hätte ich mich an Rowby (Matthew Lillard) nicht mehr erinnert. Der Fall damals war zwar keineswegs uninteressant. Er ist jedoch hauptsächlich deswegen in Erinnerung geblieben, weil Will (Josh Charles) damals alles versucht hat, um Alicia für ihren „Verrat“ eins auszuwischen, nicht so sehr wegen der Gastfiguren.
Tracks' Fall der Woche bietet solide Unterhaltung, wenn auch ohne besondere Höhepunkte. Als Trekkie freut man sich allerdings sehr, Ethan Phillips (Star Trek: Voyager) wiederzusehen, der hier als musikologischer Experte im Zeugenstand eine allgemein gültige Definition von Popmusik zu geben versucht.
Die Affäre
Nicht sonderlich glaubwürdig erscheint die Kurzzeit-Affäre, die Lucca mit Rowby eingeht: Erstens, weil er weniger wie ein genialer Musiker, stattdessen mehr wie eine furchtbare Nervensäge herüberkommt (und auch äußerlich nicht so viele Attribute für ihn sprechen, als dass man diesen Umstand so leicht übersehen könnte). Und zweitens, weil sowohl das Eingehen wie auch das Auflösen der Verbindung viel zu überhastet geschehen. Das alles wirkt mehr wie der verzweifelte Versuch, Lucca unbedingt irgendein Privatleben geben zu wollen. Zwischen ihr und Cary scheint sich ja nach Discovery nichts weiter abgespielt zu haben. Nun verlegt man sich also darauf, sie für eine Folge mit einem Mandanten ins Bett zu schicken. Was okay gewesen wäre, wenn man da auch nur den Funken einer Chemie gespürt hätte. Aber da war ja so wirklich gar nichts.
Der Drang der Autoren, Lucca irgendetwas mit auf den Weg zu geben abseits von „geniale Anwältin, die mit Alicia arbeitet“, ist ja durchaus verständlich. Interessanter ist die Figur durch die Bettgeschichte aber nicht geworden. Immerhin ist selbige aber für ein Kichern gut, als Rowby nach der - vermuteten - Liebesnacht auf einmal im Gerichtssaal in sexuellen Metaphern spricht und damit verlegene Blicke auf Luccas Seite provoziert.
Partnerinnen auf Augenhöhe
Viel interessanter als die ganze Bettgeschichte ist der Konflikt, der sich am Ende zwischen Alicia und Lucca abzeichnet: Cary lässt beide wissen, dass die abspenstigen Klienten das „Komplettpaket“ wünschen. Sie wollen Alicia und Lucca als Anwältinnen, aber sie wollen zugleich die Infrastruktur von Lockhart Agos Lee. Cary bietet ihnen deshalb die Rückkehr (beziehungsweise in Luccas Fall: den Einstieg) in die Kanzlei an. Alicia lehnt ab. Ihr ist vor allem an ihrer Unabhängigkeit gelegen. Großkanzlei - das hat sie sechs Jahre lang gemacht. Das braucht sie nicht mehr. Lucca ist dagegen durchaus interessiert und verständlicherweise ein Stück weit empört, dass Alicia das Angebot ausgeschlagen hat, ohne sich vorher mit ihr abzusprechen.

Grace
Alicia hat in Tracks ein echtes Händchen dafür, die Freundinnen und Unterstützerinnen in ihrem Leben vor den Kopf zu stoßen. Diese Erfahrung muss auch Grace machen. Weil ihre Noten etwas schlechter geworden sind, schmeißt Alicia sie als Assistentin raus. Grace soll sich um ihre eigene Zukunft kümmern, nicht um die ihrer Mutter. Aus der mütterlichen Perspektive ist die Entscheidung durchaus nachvollziehbar. Gleichzeitig ist sie für den Zuschauer kaum weniger frustrierend als für Grace. Die Arbeit macht ihr Spaß. Sie ist gut darin. Und sie bindet sie dramaturgisch in die Geschichten ein. Klar, wollen wir sehen, dass Grace weiter für die Kanzlei tätig ist!
Weiterhin ungeklärt ist - daran sei nur am Rande erinnert -, wieso Grace zwischendurch derart, für ihren Charakter ungewohnt, monetär orientiert gewesen ist. Vielleicht hat sie ja schon den Zeitpunkt kommen sehen, an dem ihre Mutter, die Spaßbremse, ihr den Job wieder wegnimmt und sie wollte dafür schon mal finanziell vorbauen. Hehe.
Die lieben Nachbarn
Die Geschichte um die genervte Nachbarin bringt etwas herrlich Alltägliches und Authentisches in die Episode. So, wie die Mandanten in Alicias Wohnung ein- und ausgehen, musste es einfach irgendwann Ärger mit den Nachbarn geben.
Marissa
Was in Tracks vom emotionalen Gesichtspunkt her am Besten funktioniert, ist die Geschichte mit Marissa, die auf einmal in die Krise zwischen Alicia und Eli hineingezogen wird. In gewisser Weise ist sie die perfekte Vermittlerin: Sie hat zu beiden Figuren eine vertrauensvolle Beziehung. Gleichzeitig kommt ihr aber auch der Status einer Außenstehenden zu. Anders als Peter, der ja ebenfalls ein Verbindungsglied zwischen Alicia und Eli ist, spielt sie keine eigene Rolle in dem Drama.
Marissa hat mit ihren Vermittlungsbemühungen zwar (vorerst) keinen Erfolg. Trotzdem spielt sie in Tracks einen unschätzbaren Part, indem sie beiden Seiten zunächst einmal ihre Gefühle entlockt: Eli verwirft - mit glaubhafter Entrüstung - jeden Gedanken daran, dass er an Alicia romantisch oder erotisch interessiert ist. Seine freundschaftliche Zuneigung bewegt sich auf einer völlig anderen Ebene.
Mit einem Blick
Großartig ist Sarah Steeles unschuldig-treuherziger Hundeblick, mit dem sie es Alicia unmöglich macht, sie zum Teufel zu jagen. Stattdessen öffnet sie sich und enthüllt ihren Schmerz, der es ihr - zumindest im Augenblick - unmöglich macht, Eli zu vergeben. In dieser Szene habe ich selbst schlucken und einen Moment lang gegen die Tränen ankämpfen müssen: Die Freundschaft zwischen Alicia und Eli ist (nach dem Ende derselbigen zwischen Alicia und Kalinda) zu einer der heimlichen Säulen der Serie geworden. Die beiden im freundschaftlichen Schlagabtausch zu sehen, gehört mit zu den größten Vergnügen von The Good Wife. Gleichzeitig kann man Alicias Verletztheit in dieser Situation sehr gut verstehen, auch wenn es sich um einen Vorfall von vor sechs Jahren handelt.
In gewisser Weise ist Marissa hier die Stellvertreterin des Zuschauers in der Handlung: Sie würde sich wünschen, dass zwischen ihrem Vater und Alicia alles in Ordnung kommt. Aber am Ende kann sie nur traurig gucken - und hoffen, dass die Zeit gewisse Wunden heilt.
Fazit
Dass die Freundschaft zwischen Alicia und Eli wieder in Ordnung kommt, kann man nur hoffen. Ob man sich auch wünschen soll, dass Alicia in den Schoß der Kanzlei Lockhart Agos Lee zurückkehrt? Da bin ich im Augenblick noch etwas unentschlossen. Was wäre dann der Sinn gewesen, sie überhaupt unabhängig werden zu lassen? Was hätte sie daraus gelernt? Dass sie es auf eigenen Beinen nicht schaffen kann? Andererseits ist es vom dramaturgischen Standpunkt aus gesehen natürlich sehr verlockend, alle Hauptfiguren wieder unter ein Dach zu führen.
Wir werden sehen, wohin die Reise für Alicia geht. Tracks war auf diesem Weg eine vielleicht nicht überragende, aber doch recht unterhaltsame Episode.
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 19. Januar 2016(The Good Wife 7x12)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 7x12
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