The Good Wife 7x11

Das passiert in der The Good Wife-Folge Iowa:
Alicia (Julianna Margulies) nimmt Elis (Alan Cumming) Geständnis, dass er vor Jahren die Voicemail mit Wills (Josh Charles) Liebesgeständnis gelöscht hat, gar nicht gut auf. Sie wirft ihn hochkant aus der Wohnung, wobei sie einige Teller als Wurfgeschosse einsetzt. Man kann sagen, sie ist ziemlich aufgebracht. Zu ihrem großen Unglück kann sie Eli jedoch nicht lange aus dem Weg gehen. Denn gemeinsam mit ihm, Ruth (Margo Martindale), Josh (David Krumholtz), Peter (Chris Noth) und den Kindern, Grace (Makenzie Vega) und Zach (Graham Phillips), geht es im Wahlkampfbus nach Iowa zu den ersten Vorwahlen im Präsidentschaftswahlkampf.
Auf Anraten von Ruth versucht Peter, im Vorfeld den so genannten „vollen Grassley“ zu absolvieren: eine Tour durch mehrere Counties innerhalb von nur wenigen Stunden. Vor Ort gibt es jeweils ein kurzes Meet-and-Greet mit den einheimischen Florrick-Fans, egal wie wenige es auch sind. Ted Willoughby (Mo Rocca) reist als embedded journalist auf der Wahlkampftour der Florricks mit. Zu einem mittelprächtigen Desaster kommt es, als Eli noch mal einen Versuch unternimmt, mit Alicia zu sprechen - und sie überdeutlich zum Ausdruck bringt, wie sehr sie es hasst, überhaupt hier im Bus durch Iowa zu touren. Ein Statement, welches von Willoughbys Producer aufgenommen und umgehend weiterverbreitet wird. Autsch!
Daheim in Chicago kümmert sich Lucca (Cush Jumbo) unterdessen um die Aushandlung des Ehevertrags zwischen Jackie (Mary Beth Peil) und Howard (Jerry Adler). Lucca vertritt Jackie. Howard wird von David Lee (Zach Grenier) vertreten. Jackie und Howard sind furchtbar ineinander verliebt. Von daher sollte eigentlich alles glatt über die Bühne gehen. Bevor er nach Kalifornien entschwindet, deckt Jason (Jeffrey Dean Morgan) jedoch auf, dass Howard noch über zwei Millionen Dollar in einer geheimen Briefkastenfirma deponiert hat. Plant Howard etwa, Jackie hinters Licht zu führen?
Tatsächlich verhält es sich jedoch ganz anders: David Lee wollte Firmengelder „in Sicherheit“ bringen, um vor Alicias Ausstieg die Bilanz im Sinne der Kanzlei zu frisieren, und hat dazu in Howards Namen besagte Firma gegründet. Als Howard die Wahrheit erfährt, möchte er die Hälfte des Geldes behalten, was David Lee ganz schön ins Schwitzen bringt. Gleichzeitig glaubt Jackie, als ihr Howard von den Vorgängen erzählt, dass ihr Verlobter senil sein muss - und sich irgendwas zusammenfantasiert.
Diane (Christine Baranski) und Cary (Matt Czuchry) können kaum fassen, was David Lee ihnen beichtet. Allerdings haben sie momentan ganz andere Sorgen: Eine Beschwerde von Monica (Nikki M. James), aus der Zeit unmittelbar nachdem ihre Bewerbung ursprünglich abgelehnt worden war, hat zu einer Bundesermittlung gegen Lockhart Agos wegen rassistischer Einstellungspraktiken geführt.
Eine Beziehung in Scherben
Unglücklicherweise habe ich mich durch den Trailer für die Episode ein wenig spoilern lassen, was die Eingangsszene von Iowa betrifft. Das nimmt dem Intro leider ein bisschen von seiner explosiven Wucht. Wie gewalttätig der Zorn aus Alicia herausbricht, wäre vielleicht besser eine Überraschung geblieben. Letztlich ist das aber natürlich meine Schuld: Meistens vermeide ich (Episoden-) Trailer, um mich den Folgen komplett unvoreingenommen und ungespoilert auszusetzen. In diesem Fall ist es mir irgendwie nicht gelungen.
Schon nach KSR ist die Frage aufgekommen: Warum musste Eli bloß von dieser alten Geschichte anfangen? Klar, es gibt Dinge, die das eigene Gewissen belasten und die man sich von der Seele reden muss. Nun ist es aber so, dass wir Zuschauer das fast schon vergessen hatten. Und uns möglicherweise gewünscht hätten, dass es Eli uns gleichtut - oder es zumindest verdrängt. Weil das Kapitel Will abgeschlossen ist und storytechnisch jetzt sowieso nirgendwo mehr hinführt.
Was wäre, wenn...?
Ein Grundsatz des Drehbuchschreibens lautet natürlich, Figuren niemals nur als Figuren zu sehen, sondern sie so zu behandeln, als wären sie reale Menschen. Und ja, reale Menschen werden von Gewissensbissen geplagt. Und reale Menschen zermartern sich den Kopf, wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn ein Schlüsselmoment anders gelaufen wäre. Denn darum geht es ja in Iowa letztendlich: Alicia, die durch Elis Geständnis noch einmal mit dem ganz großen „Was wäre, wenn...?“ ihres Lebens konfrontiert wird.
Eine Frage, deren Antwort so oder so konsequenzlos bleibt, weil wir hier bei The Good Wife und nicht Doctor Who sind (und selbst dem Doctor wäre es verboten, in die persönliche Zeitlinie einer Person einzugreifen). Trotzdem: Es ist eine Frage, die sehr nachvollziehbar ist. Auch wenn daraus nicht unbedingt die beste Story resultiert. Wir sehen in Iowa eine Alicia, die sich nach dem ersten verletzten Aufschrei ganz und gar zurückzieht. Sonnenbrille auf, Depri-Musik (Clem Snides „No One's More Happy Than You“) auf die Ohren und ein E-Book mit „Jane Eyre“ zur Hand.
Als Geschichte macht das jetzt nicht sehr viel her. Immerhin gibt es Alicia und Ruth die Gelegenheit, sich mal auf menschlicher Ebene näher zu kommen. Das ist ja auch schon etwas.
Super-Fan
Der Plot um die Wahlkampftour ist leidlich amüsant. Nicht mehr und nicht weniger. Letztlich dreht sich alles um die Absurdität, dass ausgerechnet dem ländlichen und nicht sehr bevölkerungsstarken Bundesstaat Iowa in der (Vor-) Entscheidung über die US-Präsidentschaftskandidatur eine derart überzogene Bedeutung zukommt. Samt der irrwitzigen Rituale, die wahlkämpfende Politiker deshalb in Iowa absolvieren (etwa die sich in jedem Ort gleichermaßen abspielende Verköstigung der örtlichen Delikatesse, wobei es sich jedes Mal um die gleiche Art von Sandwich handelt).
Witzig - wenn auch mit hohem Fremdschäm-Faktor - kommt der Florrick-Superfan (Christopher Sieber) herüber. Bemerkenswert ist dabei aber vor allem das grandiose Gedächtnis, das die Macher an dieser Stelle bewiesen haben. Denn der rappende Neil Howard Sloan-Jacob begegnet uns tatsächlich nicht zum ersten Mal: Bereits in Real Deal in der zweiten Staffel (!) ließ er Peter auf ähnliche Weise seine Unterstützung angedeihen.
Niederlage
Seine Hilfe bewegt zwar etwas, aber nicht genug. Peter gewinnt nur in vier Stimmbezirken. Damit ist seine Kandidatur so gut wie erledigt. Das kommt nicht völlig überraschend. So eng, wie sich die Serie an den realen Wahlkampf angelehnt hat, war es letztlich unvermeidlich, dass irgendwann dieser Punkt kommt. Nicht ganz klar ist jedoch, wo die Geschichte eigentlich hinführen soll. Wird Peter jetzt doch noch versuchen, sich (was ja anfangs der Plan gewesen ist) als Kandidat für die Vize-Präsidentschaft ins Spiel zu bringen? Oder wird Eli mit seinem Plan Erfolg haben, dass Alicia aus den Trümmern von Peters gescheiterter Kandidatur als die eigentliche politische Kraft im Hause Florrick hervorgeht?
So sehr, wie das Verhältnis zwischen ihm und Alicia momentan zerrüttet ist, scheint Letzteres eigentlich undenkbar, zumindest im Augenblick. Irgendwie ist The Good Wife gerade sehr dringend auf der Suche nach einer dramatischen Triebfeder. Zu Beginn der Staffel kamen hier sehr viele Impulse von Eli: Er wollte Ruth sabotieren und sich an Peter für die Demütigung rächen. Beide Absichten scheint er irgendwo unterwegs fallen gelassen zu haben. Und seine hochfliegenden Pläne für Alicia kann er mit seinem Geständnis in KSR wohl erst mal beerdigen.
Die Richtungslosigkeit, die Alicia in ihrem Leben beklagt? Sie scheint, ein stückweit auch auf die Handlungsstränge der Serie übergegangen zu sein.
Cary vs. Howard
Konsequent sind die Macher immerhin, was die Themen angeht, die sie anhand der Kanzlei in dieser Staffel erzählen: Dabei geht es einerseits immer wieder um das Problem des strukturellen Rassismus in der Einstellungspraxis von Unternehmen. Und andererseits um einen Kampf zwischen Alt und Jung. Zu den interessanteren Story-Entwicklungen in Iowa gehört der Punkt am Ende, als Cary eigenmächtig entschließt, Howard gegenüber der Bundesbehörde zum Sündenbock für die Verfehlungen in der Einstellungspolitik der Kanzlei zu machen, um damit eine Handhabe zu besitzen, ihn endlich aufs Altenteil schicken zu können.
Und das genau in dem Augenblick, als Howard durch David Lees Tricksereien an ein zwei Millionen Dollar schweres Pfund geraten ist, mit dem er gegenüber der Kanzlei wuchern kann.
Ich muss ja ganz ehrlich gestehen, dass mir dieser Plot viel mehr Spaß gemacht hat als die ganze Iowa-Tour. Howard gehörte zwar nie zu meinen Lieblingsfiguren (obwohl ich Jerry Adler schon seit seiner Zeit bei Mad About You sehr schätze). Sein Zusammenspiel mit David Lee in dieser Folge und auch die zärtliche Altersromanze zwischen ihm und Jackie sind große Pluspunkte, welche die Figur aufwerten.
Fazit
Kann es sein, dass wir gerade in so einer Art Midseason-Tief stecken? Schon KSR war nicht gerade die beste The Good Wife-Folge und auch Iowa ist zwar ganz okay. Von The Good Wife sind wir aber durchaus Besseres gewohnt. Da ist, zumal wenn Staffel sieben die letzte sein sollte, doch noch erheblich Luft nach oben.
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 12. Januar 2016The Good Wife 7x11 Trailer
(The Good Wife 7x11)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 7x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?