The Good Wife 7x10

The Good Wife 7x10

Mehrere Associates desertieren von Lockhart Agos zu Canning. Alicia und Lucca beschäftigen sich mit einem Fall, in dem es um verbotene Fantasien geht. Und Jason nimmt ein Angebot von Courtney an, was den ohnehin schon existierenden Spalt zwischen Alicia und Eli noch vergrößert.

Manchmal ist, sich entschuldigen zu wollen, doch keine so gute Idee... / (c) CBS
Manchmal ist, sich entschuldigen zu wollen, doch keine so gute Idee... / (c) CBS

Das passiert in der The Good Wife-Folge KSR:

Eine Gruppe junger Associates beschließt, Lockhart Agos zu verlassen. Alles, was sie zurücklassen, sind ihre Firmenhandys. Für Cary (Matt Czuchry) und Diane (Christine Baranski) ist es eine Katastrophe: Die betreffenden Anwälte waren nämlich alle mit einem neuen Fall des milliardenschweren Mandanten Dimple betraut. Sie hatten die Unterlagen für eine Klageeinreichung zusammenstellen sollen. Ohne sie ist es kaum noch fristgerecht zu schaffen. Was die Sache sogar noch schlimmer macht: Cary findet heraus, dass die jungen Anwälte bei Canning anheuern wollen, der den Klagegegner von Dimple vertritt.

Innerhalb der Kanzlei machen schnell die Schuldzuweisungen die Runde: Ist Cary dafür verantwortlich, weil er sich maßgeblich dafür eingesetzt hat, die Harvard Boys zu engagieren? Oder sind es doch eher Diane, David Lee (Zach Grenier) und Howard (Jerry Adler), die viel zu wenig auf die jungen Mitarbeiter eingegangen sind? So oder so - es hilft ja alles nichts. Die Kanzlei braucht neue Leute, wenn überhaupt noch eine Chance bestehen soll, die Klage rechtzeitig einzureichen. So erhält schließlich auch Monica (Nikki M. James) Gelegenheit, bei Lockhart Agos anzufangen.

Alicia (Julianna Margulies) und Lucca (Cush Jumbo) vertreten unterdessen einen bedeutenden Herzchirurgen (Josh Stamberg, The Affair), dem vorgeworfen wird, gemeinsam mit einem anderen Mann die Entführung und Vergewaltigung einer Frau geplant zu haben. Abgespielt hat sich das Ganze auf einer Webseite für dunkle Erotikfantasien. Und der Arzt schwört Stein und Bein, dass es nichts anderes gewesen ist als genau das - eine Fantasie.

Die Anwältinnen könnten in diesem kniffligen Fall sehr gut die Hilfe ihres Ermittlers Jason (Jeffrey Dean Morgan) gebrauchen. Doch daraus wird nichts. Denn Jason erhält auf einmal einen sehr lukrativen Auftrag, der ihn für zwei Monate nach Kalifornien führt. Auftraggeberin ist Courtney Paige (Vanessa Williams), die dazu von Ruth (Margo Martindale) angestiftet worden ist. Alicia weiß dies jedoch nicht. Und gibt deshalb Eli (Alan Cumming) die Schuld ...

Blass

Ausgerechnet vor der Weihnachtspause schwächelt The Good Wife ein wenig. KSR ist als Episode nicht per se schlecht, bleibt aber doch hinter dem Staffelschnitt zurück. Die Folge hat einige gute Momente. Sie findet aber nicht zu einem Rhythmus, der den Zuschauer wie gewohnt so ganz und gar in den Bann zu ziehen vermag.

Der Fall der Woche ist zwar keineswegs uninteressant. Wo ist die Grenze zwischen bloßer Fantasie und einer konkreten (Straf-)Absicht zu ziehen? Das ist eine durchaus spannende Frage. Leider bleibt der Doktor mit den verbotenen Fantasien ziemlich blass. So ziemlich jede andere Figur um ihn herum - seine kühl analysierende Ehefrau, sein Beinahe-„Komplize“ - hinterlässt einen stärkeren Eindruck. Was natürlich möglicherweise auch so beabsichtigt sein kann: dass es gerade diese unscheinbare Person ist, die von solch diabolischen Fantasien umtrieben ist.

Die kalte Gattin

Was einem an der Konstruktion der Geschichte übel aufstoßen kann, ist allerdings die Darstellung der Ehefrau (Michelle Duffy). Weil man dabei fast den Eindruck bekommen könnte, dass uns die Episode sagen will: Na, kein Wunder, dass der Mann Vergewaltigungsfantasien entwickelt - bei dieser Gattin! Wäre sie nur etwas warmherziger, dann würde er auf andere Art und Weise Ausgleich und Entspannung finden können.

Das wäre eine ziemlich perfide Wendung der „Die Frauen sind doch selbst schuld!“-Behauptung. In dubio pro reo wollen wir mal annehmen, dass die The Good Wife-Macher einfach nur auf der Suche nach einem weiteren Plot-Hindernis gewesen sind („Wir brauchen einen Grund, warum die Frau nicht aussagen kann/soll...“) - und ihnen dabei diese mögliche Interpretation entgangen ist.

Schakowksy

Den Fall als solchen fliegen Alicia und Lucca auf Autopilot. Was die Geschichte dann doch noch etwas spannend macht, ist jedoch die Rolle, welche Richter Schakowsky (Christopher McDonald) darin spielt. Dass der Arzt wegen einer OP zu spät zur Verhandlung erscheint, nimmt er ihm sehr übel. Gleichzeitig besteht zwischen Schakowsky und Alicia ohnehin bereits ein angespanntes Verhältnis aus Kautionsgerichtstagen. Alicia wirft alles in die Waagschale, um für ihren Mandanten ein faires Verfahren herauszuschlagen. Sie wirft dem Richter sogar im Zwei-Augen-Gespräch an den Kopf, was sie von Eli weiß: nämlich, dass dieser den Richter vor einer FBI-Ermittlung wegen Bestechlichkeit gewarnt hat.

Schakowsky zeigt sich unbeeindruckt. Er macht Alicia und Lucca vor Gericht das Leben so schwer wie nur möglich. Das ändert sich erst, als ihn, so scheint es jedenfalls, die Beweisführung der beiden Anwältinnen tatsächlich zu überzeugen beginnt. Von da an taut er auf - und überstimmt am Ende sogar das Votum der Jury. Man kann nur darüber spekulieren, warum er so handelt: Versucht er sich mit Alicia - immerhin möglicherweise die Frau des nächsten US-Präsidenten - gut zu stellen? Hat er bei seiner Entscheidung vielleicht eigene verbotene Fantasien im Hinterkopf, die von seinem Urteil betroffen wären? Oder handelt er aus genuinem Gerechtigkeitsempfinden heraus?

Lucca entfaltet, während sie mit Alicia zusammen in einer Bar sitzt, eine sehr düstere Sicht auf die Menschheit. Welche von Schakowsky zumindest ein Stück weit über den Haufen geworfen wird: Menschen können uns überraschen, indem sie aus heiterem Himmel heraus das Richtige tun.

Haben reichlich Gesprächsbedarf: Diane (Christine Baranski) und Cary (Matt Czuchry). © CBS
Haben reichlich Gesprächsbedarf: Diane (Christine Baranski) und Cary (Matt Czuchry). © CBS

High Five

Schakowsky ist ein Pluspunkt für KSR. Ebenso die Story rund um die abtrünnigen Associates, welche für Cary und Diane reichlich Konfliktpotenzial birgt, ihnen am Ende aber die Gelegenheit zu einem triumphierenden High Five gibt. Die Vergeltung, welche die beiden für den Verrat der jungen Anwälte üben, macht Spaß. Zu bemängeln ist allerdings erneut, dass die Geschichten rund um Lockhart Agos in kompletter Isolation von allem anderen ablaufen. Man hätte den Kanzlei-Plot herausnehmen und in eine andere Folge einfügen können, ohne dass es jemandem aufgefallen wäre.

Geld

Etwas merkwürdig verhält sich Jason: So lange ist er standhaft geblieben, als Diane ihm höhere Honorare geboten hat. Stets wollte er sich die Option offen halten, weiterhin für Alicia arbeiten zu können. Geld schien ihm vergleichsweise unwichtig. Doch kaum kommt Courtney mit einem Super-Angebot um die Ecke, da zieht er auf einmal von dannen. Ist ihm das Geld also doch so wichtig? Oder ist das so zu verstehen, dass Elis Interventionen in Discovery schließlich doch Erfolg gezeitigt haben?

Depri-Eli

Apropos Eli. Und Courtney. Ihr Handlungsstrang gehört wohl zu den größten Minuspunkten von KSR. Schon der Start ihrer Beziehung fiel reichlich überhastet aus. Nun ist also genau so schnell, Knall auf Fall, wieder Schluss. So richtig glaubhaft sind die beiden als Paar ohnehin nur selten gewesen. Entsprechend schwer fällt es, Elis Trennungsschmerz so voll und ganz nachzuempfinden. Dafür ging alles viel zu schnell.

Einerseits ist es ein durchaus ehrbares Anliegen, auch mal andere Facetten von Elis Charakter zu zeigen. Und America Ferrera, seine letzte Flamme, ist schließlich momentan im Superstore beschäftigt - und stand deshalb nicht zur Verfügung. Andererseits ist Depri-Eli weitaus weniger unterhaltsam als Verschwörungs-Eli oder Choleriker-Eli. Von daher ist zu hoffen, dass dieser Zustand nicht lange anhalten möge.

Der Cliffhanger

Immerhin: Der Liebeskummer, in dem Eli schwelgt, führt dazu, dass er das politische Tier einmal ganz beiseite legt - und stattdessen im alkoholgetränkten Gespräch mit Alicia ganz schwer zu menscheln beginnt. Er sagt ihr, dass er ihr das private Glück wünscht, selbst wenn es mit den politischen Interessen kollidieren sollte. Schließlich offenbart Eli ihr sogar seine größte Schuld (ihr gegenüber): Nämlich, dass er schon einmal alles getan hat, um ihr privates Glück im Namen der Politik zu durchkreuzen, als er am Ende von Running Wills Liebesgeständnis in Alicias Mailbox gelöscht hat.

Wow! Für einen Moment konnte man wirklich glauben, dass Alicia das Whiskyglas nehmen und es Eli an den Kopf werfen würde. Er mag sich ja dadurch erleichtert gefühlt haben, dass er sich seinen Schmerz und seine Schuld endlich von der Seele geredet hat. Wie es scheint, könnte ihn die Beichte aber teuer zu stehen kommen.

Alicia war es ohnehin schon leid, wie sehr die Politik immer wieder von ihrem Leben Besitz ergreift. Und nun muss sie erfahren, dass in einem Schlüsselmoment die Liebe ihres Lebens zum Greifen nahe gewesen ist. Alles wäre möglicherweise anders gekommen. Doch erneut muss sie erfahren, dass sich die Politik ihres Lebens bemächtigt hat. Und das sogar in Gestalt einer Person, die zumindest in den letzten Jahren mehr und mehr zu so etwas wie einem Freund geworden ist.

Das ist erst mal schwer zu verdauen. Für sie. Und für die Zuschauer, die mit einem wahrhaft fiesen Cliffhanger in die Weihnachtszeit entlassen werden.

Fazit

Eine in Relation zum Standard der Serie schwächere Folge, die aber natürlich da und dort auch ihre guten Momente hat - und mit einem Cliffhanger aufwartet, der uns gedanklich fast wieder an den Anfang der Serie zurückwirft.

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 15. Dezember 2015
Episode
Staffel 7, Episode 10
(The Good Wife 7x10)
Deutscher Titel der Episode
Vorsatz
Titel der Episode im Original
KSR
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 13. Dezember 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 7. Februar 2017
Autor
Craig Turk
Regisseur
Jim McKay

Schauspieler in der Episode The Good Wife 7x10

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