The Good Wife 6x08

The Good Wife 6x08

Wie sehen mich andere Menschen? Das ist eine Frage, die sich Alicia und Cary in Red Zone mit besonderer Dringlichkeit stellt: Alicia, weil sie für den Posten der Bezirksstaatsanwältin kandidiert. Cary, weil er in eigener Sache vor Gericht wird aussagen müssen.

Bei der Arbeit in der Suppenküche ist für Alicia auf jeden Fall der richtige Dress Code zu beachten. / (c) CBS
Bei der Arbeit in der Suppenküche ist für Alicia auf jeden Fall der richtige Dress Code zu beachten. / (c) CBS

Das passiert in der The Good Wife-Episode Red Zone:

Es sieht nicht gut aus für Cary (Matt Czuchry): Mit dem Tod des letzten auffindbaren Zeugen seiner verhängnisvollen Konversation im Hause Bishop sehen er und Diane (Christine Baranski) sich mit der vollen Wucht der belastenden Tonband-Aufnahme konfrontiert. Cary sieht für sich keine andere Möglichkeit, als selbst vor Gericht auszusagen. Diane und Alicia (Julianna Margulies) halten das für keine gute Idee: Anwälte geben vor Gericht die schlechtesten Zeugen ab. Um zu testen, wie sich Cary im Zeugenstand machen würde, veranstaltet die Kanzlei deshalb eine Probe-Vernehmung, bei der Viola Walsh (Rita Wilson) die Rolle der befragenden Staatsanwältin übernimmt. Cary macht im Zeugenstand keine gute Figur, was allerdings auch daran liegt, dass ihn die komplizierte Situation mit Kalinda (Archie Panjabi) ablenkt. Er entdeckt, dass sie ihn angelogen hat - und nebenher eine Beziehung zu der FBI-Agentin Lana Delaney (Jill Flint) unterhält.

Das hat auch Lemond Bishop (Mike Colter) spitz gekriegt. Und er versucht über Kalinda herauszufinden, ob Lana mit seinem Fall beschäftigt ist.

Owen (Dallas Roberts) bittet unterdessen seine große Schwester Alicia um Hilfe: Eine Studentin an seiner Uni hat eine Anhörung einberufen, um einen Kommilitonen, der sie vergewaltigt hat, von der Uni exmatrikulieren zu lassen. Owen bittet Alicia, der Studentin beizustehen. Eli (Alan Cumming) macht sich derweil Sorgen, dass sich der Fall negativ auf Alicias Wahlkampf auswirken könnte. Ohnehin möchte er, dass sich Alicia mehr auf ihre Kampagne konzentriert. Ein Meinungsforschungs-Panel, das er und Johnny (Steven Pasquale) zusammengestellt haben, hat zu Alicia nämlich bislang noch sehr unterschiedliche Meinungen...

Fremdwahrnehmung

Eines der dominierenden Themen in Red Zone ist die Frage der Fremd- und Selbstwahrnehmung. Eine Frage, mit der sich sowohl Alicia als auch Cary auseinanderzusetzen haben. Alicia bekommt mit, wie eine Frau aus dem Meinungsforschungs-Panel sie als egozentrisch beschreibt: alles - ihr Schmerz, ihre Erfolge - drehe sich immer nur um sie. Alicia ist davon zutiefst getroffen, weil diese Beschreibung so überhaupt nicht ihrer Selbstwahrnehmung entspricht. Und auf einmal spukt ihr die Frau aus dem Panel im Kopf herum.

Dieses Verfahren kennen wir schon aus Dear God, als Alicia immer wieder Visionen der Feministin Gloria Steinem hatte. In dem Maße, wie sie mehr und mehr zu einer öffentlichen Figur wird, gewinnt scheinbar auch immer mehr das, was andere Leute von ihr sagen und denken (und das, was sie möchte, das andere Leute von ihr sagen und denken) an Gewicht. Alicia steht hier an der Grenze zur dunklen Seite der Macht. Sie ist drauf und dran, den Weg zu beschreiten, der sie zu einer richtigen Politikerin macht, für die Image wichtiger ist als Substanz.

Substanz vs. Image

Am Anfang versucht Alicia noch, ihr Verhalten auf ihre Selbstwahrnehmung hin zu modifizieren. Sie will - auf Anregung von Finn (Matthew Goode) - in der Suppenküche helfen, ohne dass sie daraus einen Pressetermin macht. Es geht ihr darum, sich selbst zu beweisen, dass sie nicht so ist, wie sie von außen wahrgenommen wird. Das geht jedoch schrecklich nach hinten los, als ein Bild davon nach außen gelangt und in einen falschen Kontext gestellt wird. Damit bleibt Alicia kaum noch etwas anderes übrig, als sich in die Hände der Profis zu begeben, die ihr Image formen.

Alicia und Cary

Umgekehrt befindet sie sich durch die Erfahrung, die sie mit der Differenz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung gewonnen hat, in einer Position, dass sie Cary ein Feedback zu seiner Fremdwahrnehmung geben kann.

Die Szene zwischen den beiden ist von einer überraschenden emotionalen Intensität. Cary hat Kalinda gerade zur Hölle gewünscht und sich mit Diane überworfen, weil sie - in seiner Wahrnehmung - nicht genug zu seiner Verteidigung unternimmt. Alicia ist damit die einzige Unterstützerfigur, die in diesem Augenblick noch an seiner Seite steht. Für Alicia ist es wiederum ein willkommener Augenblick, in eine aktive Rolle zu finden. Als Kandidatin ist sie, wie ihr schmerzhaft bewusst wird, auf Eli und Johnnys Expertise angewiesen. In dem Uni-Verfahren wird sie wiederholt dazu angehalten, in ihrer Rolle als stille Beobachterin die Klappe zu halten.

Die Szene zwischen ihr und Cary ist ein vergleichsweise stiller, aber trotzdem sehr kraftvoller Moment innerhalb der Episode, in dem deutlich das Gefühl der Freundschaft mitschwingt, das zwischen den beiden Figuren besteht. Alicia hat sich ihm gegenüber dermaßen loyal erwiesen und besorgt gezeigt, dass er sich von ihr (anders als von Diane) auch sagen lässt, wie furchtbar er bei der Befragung herübergekommen ist.

Mitgefühl

Zugleich hat diese Szene etwas geradezu köstlich Ironisches: Alicia ist nachgerade besessen davon, Selbst- und Fremdwahrnehmung in Einklang zu bringen. Sie will unbedingt beweisen, dass sie sich nicht nur um sich selbst, sondern auch um andere sorgt. Dabei ist genau das doch schon längst der Fall. Die Sorge, die sie gegenüber Cary zeigt; die besorgten Nachfragen, die sie an Canning (Michael J. Fox) richtet; all das resultiert doch nicht aus einer Arbeit an ihrem Image, sondern offenkundig aus genuinem Mitgefühl mit anderen Menschen. Mit Konkurrenten ebenso wie mit Freunden. Sie ist alles andere als eine schlechte, selbstinvolvierte Person. Die Folge zeigt jedoch, wie sehr wir uns verunsichern lassen, wenn wir mit (negativer, abweichender) Fremdwahrnehmung konfrontiert werden.

Go to Hell!

In der zweiten Schlüsselszene der Episode verletzt Cary die Anordnung des Gerichts, einen 30-Fuß-Abstand zu Kalinda zu halten. Er konfrontiert sie damit, dass er von ihrer Beziehung zu Lana weiß. Für beide Figuren ist es der Moment, in dem sie die Karten auf den Tisch legen: Cary, der sie eine engere, exklusive Beziehung zwischen ihnen wünscht. Und Kalinda, die sich (wie gehabt) nicht festlegen möchte.

Im Hinblick auf Cary löst die Szene etwas gespaltene Gefühle aus: Einerseits kann man seine Enttäuschung über Kalinda und das „Go to hell!“ durchaus nachvollziehen. Andererseits erinnern wir uns daran, dass er in Old Spice (gerade mal zwei Folgen zurück) nicht allein, sondern in weiblicher Begleitung vom Harvard-Treffen nach Hause gekommen ist. Würde so jemand handeln, der sich wirklich mit ganzem Herzen nach einer exklusiven Beziehung sehnt?

Lächeln und Topf dürfen keinesfalls zu glänzend sein. © CBS
Lächeln und Topf dürfen keinesfalls zu glänzend sein. © CBS

Dreieck mit vier Kanten

Kalinda wiederum steckt in Red Zone mächtig in der Bredouille. In einer (viel) schlechteren Serie als The Good Wife würde eine Figur einfach nur in einem Liebesdreieck zwischen zwei anderen Figuren stehen. In The Good Wife verhält sich die Situation jedoch um einiges komplizierter: Es ist ja nicht nur so, dass sich Kalinda nicht auf einen Partner/Partnerin (und damit auch auf eine Sexualität) festlegen kann/will. Das Liebesdreieck, in dem sie steckt, hat darüber hinaus auch noch eine vierte Ecke: Lemond Bishop.

Gerade weil Kalinda Cary helfen will, hat Bishop diese Macht über sie. Schließlich hat Bishop in der Vergangenheit keinen Hehl daraus gemacht, was mit Cary passieren wird, sollte Cary (um seine eigene Haut zu retten) mit der Staatsanwaltschaft einen Deal schließen, mit dem er Bishop in die Pfanne haut. Kalinda kann ja schon allein deshalb nicht mit Lana Schluss machen, weil diese (wie Kalinda erlauscht hat) mit dem Bishop-Fall (und damit de facto auch mit Cary) betraut ist. Es ist ein geradezu unwahrscheinlich delikater Drahtseil-Akt, den Kalinda hier hinlegen muss. Wie weit darf sie sich von Bishop gegenüber Lana instrumentalisieren lassen, um Cary zu helfen? Es ist eine äußerst spannende Konstellation, in der sie sich da befindet. Und welche auch die dramatische Einstiegsmusik rechtfertigt, die den Vorspann unterlegt.

Castro?

Etwas irritierend, und das ist der einzige größere Kritikpunkt an der Episode, ist der unvermutete Ausstieg von Amtsinhaber James Castro (Michael Cerveris) aus dem Wahlkampf. Da hat er so verbissen um den Posten gekämpft. Und nun erfahren wir von seinem Ausstieg so nebenbei aus einer TV-Nachrichtensendung? Das wäre ziemlich enttäuschend (und im Hinblick auf Carys Prozess, bei dem Castro ja durch die Aussicht, Alicia schaden zu können, besonders motiviert gewesen ist auch der Spannung abträglich).

Fazit

Red Zone überzeugt vor allem als Charakterstudie, in der Alicia und Cary mit der Fremdwahrnehmung ihres eigenen Verhaltens konfrontiert werden. Mit Spannung darf erwartet werden, welche Lösung Kalinda für die Zwickmühle findet (gefunden hat?), in der sie wegen Lemond Bishop steckt.

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 11. November 2014
Episode
Staffel 6, Episode 8
(The Good Wife 6x08)
Deutscher Titel der Episode
In der Gefahrenzone
Titel der Episode im Original
Red Zone
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 9. November 2014 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 9. Februar 2016
Autor
Nichelle D. Tramble
Regisseur
Félix Enríquez Alcalá

Schauspieler in der Episode The Good Wife 6x08

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