The Good Wife 6x09

The Good Wife 6x09

Wie weit darf, wie weit muss man im Wahlkampf unter die Gürtellinie gehen? Und wie weit kann und darf man dem Kontrahenten vertrauen? Können Alicia und Frank die ungeschriebenen Gesetze des US-Wahlkampfs überwinden?

Kann Alicia (Julianna Margulies) Frank (David Hyde Pierce) vertrauen? / (c) CBS
Kann Alicia (Julianna Margulies) Frank (David Hyde Pierce) vertrauen? / (c) CBS

Das passiert in der The Good Wife-Folge Sticky Content:

Alicia (Julianna Margulies) und ihr Wahlkampf-Team - darunter ihr Manager John (Steven Pasquale), ihre Assistentin Marissa (Sarah Steele) und Werbespot-Regisseur Josh (David Krumholtz, Numb3rs) - arbeiten an den Wahlwerbespots für ihre Kampagne. Da erhält sie unerwartet Besuch von ihrem Kontrahenten Frank Prady (David Hyde Pierce, Frasier). Er schlägt ihr einen Pakt von Kandidat zu Kandidat vor, keinen negativen Wahlkampf - sprich: keine Schlammschlacht - zu führen. Zum Beweis seines guten Willens überreicht er ihr nicht nur seine private Handy-Nummer, sondern auch einen Karton mit belastendem Material, welches ihm der aus dem Rennen ausgeschiedene Amtsinhaber James Castro übergeben hat. Die Frage ist: Kann Alicia ihm trauen? Und was wird sie in der Schachtel finden?

Cary (Matt Czuchry) und Diane (Christine Baranski) erhalten unterdessen eine Einladung vom FBI. Die Agenten Harper (Michael Rispoli) und Delaney (Jill Flint) spielen ihnen eine Aufnahme vor, auf der angeblich Lemond Bishop (Mike Colter) zu hören ist, wie er mit einem seiner Komplizen über die geplante Ermordung Carys spricht. Die Äußerungen reichen jedoch nicht, um Bishop zu belangen. Deshalb will das FBI Cary zu einer Aussage gegen Bishop bewegen. Cary bezweifelt jedoch, dass das Band echt ist. Während Kalinda (Archie Panjabi) der Frage der Authentizität nachgeht, stellt die Kanzlei ihm einen Bodyguard zur Seite. Als Bishop zu einem Treffen in die Kanzlei kommt und den Leibwächter zu Gesicht bekommt, weckt dies jedoch um so mehr seine Befürchtungen, dass Cary sich zur Aussage bei den Behörden entschlossen hat.

Innehalten

Ein Leser hat in der vergangenen Woche unter das Review geschrieben, dass The Good Wife gerade ein bisschen „der Pfeffer“ fehlt. Und diese Einschätzung ist nicht völlig von der Hand zu weisen. Gerade, wenn man die vorangegangene Staffel zum Vergleich heranzieht. Das ist allerdings auch schon wieder ein Stück weit das Problem: In der fünften Staffel hat sich mit der Abspaltung von Lockhart Gardner und Wills Tod so viel in der Architektur der Serie verändert. Der Auftakt der sechsten Staffel hat mit der Inhaftierung Carys, dem Wechsel Dianes und der Kandidatur Alicias für das Amt des Bezirksstaatsanwalts dann noch einen draufgesetzt. Die Serie muss jetzt etwas innehalten. Sie kann nicht nur von Wendepunkt zu Wendepunkt hetzen, sondern muss die Figuren auf diesem Weg mitnehmen.

Was heißt es für Alicia, jetzt Kandidatin um ein politisches Amt zu sein? The Good Wife verfährt hier meines Erachtens ganz richtig, indem uns die Serie, nachdem die Figur einmal diese Bahn eingeschlagen hat, zu Begleitern auf dieser Reise macht. Das ist im Augenblick noch von einer geringen (Ausgangs-)Spannung: Die Wahl ist noch weit weg, wodurch dem Plot die akute Dringlichkeit fehlt. Zugleich ist das jedoch genau der richtige Augenblick, nahe an die Figuren heranzugehen.

Charakterspannung

Die Spannung, die momentan im Kandidatur-Plot liegt, ist keine auf den Handlungsausgang gerichtete Spannung. Sie ist stattdessen von etwas subtilerer Natur - und vorwiegend auf die Entwicklung von Alicias Charakter konzentriert. Die Frage, die Sticky Content aufwirft, ist ja nicht nur, ob Alicia Frank vertrauen kann. Es ist die Frage, ob sich Alicia von der zynischen Professionalität der Wahlkampf-Maschinerie verschlingen lässt. Es ist die Frage, wie sehr sie zu einer Marionette wird, zu einer Schauspielerin, die im richtigen Kostüm auf die richtige Art und Weise im Dienste der politischen Inszenierung ihren Text aufsagt. Und inwieweit sie sich trotz allem ihre Authentizität und Sensibilität für das, was richtig und falsch ist, bewahren kann.

Im ersten Gespräch mit Frank gibt sie die abgeklärte Politikerin, die mit Lüge und Tücke auf Seiten ihres Kontrahenten rechnet. Frank gelingt es jedoch, ein - wenn auch wackliges - Vertrauensverhältnis zwischen ihnen herzustellen. Als Zuschauer hoffen wir, dass es den beiden Kandidaten, die sich - wie wir ja schon in Message Discipline) festgestellt hatten - eigentlich sehr ähnlich sind, gelingt, den unausweichlich scheinenden Mechanismen des US-Wahlkampfs zu entkommen. „We resist!“ lautet die hoffnungsfroh stimmende Ansage Alicias am Ende.

Die Affäre

Kein Widerstand scheint hingegen bei der Inszenierung ihres Privatlebens möglich. Für die Kameras muss sie mit Peter (Chris Noth) das glückliche Ehepaar spielen, während sie der Geliebten ihres Mannes, die hinter der Kamera steht, ins Gesicht blickt. Durch die Fotos, die sie von Prady bekommen hat, weiß Alicia nun, dass Peter tatsächlich (wie wir als Zuschauer bereits vermuten konnten) mit Ramona (Connie Nielsen) schläft. Was er jedoch sogar noch in dem Augenblick abstreitet, als Alicia ihm bereits die Fotos unter die Nase hält. Um den Schein zu wahren, wird (nicht nur von Peter) hier getäuscht und gelogen, dass sich die Balken biegen.

Zu den Lügen gehört auch, wie wir annehmen dürfen, dass Alicia nur aus politischer Raison etwas gegen die Affäre ihres Mannes hat. Ihre erste Reaktion auf die Bilder (und auch ihr sehr glaubhaft scheinendes Bekenntnis, dass der Moment, als Peter zum ersten Mal seinen Arm um sie gelegt hat, der glücklichste in ihrem Leben gewesen ist) spricht eine andere Sprache. Ihre Ehe mag nur noch aus Vernunftgründen bestehen; trotzdem reagiert Alicia verletzt. Zumal sie fürchten muss, dass Peters Affäre mit Ramona noch sehr viel weiter in die Vergangenheit zurückreicht. Sie konfrontiert Peter, was ein weiterer glorreicher Moment einer Klartext sprechenden Alicia ist, die deutlich macht, dass sie nicht (wie noch im Piloten) wieder an seiner Seite stehen wird, wenn alles auffliegt.

Finn

Eine weitere Reaktion auf Peters Affäre ist Alicias Besuch in Finns (Matthew Goode) Büro. Es scheint fast so, als wollte sie sich nun ihrerseits auf ein außereheliches Schäferstündchen einlassen. Zugleich wirkt Alicia allerdings unentschlossen, beinahe konfus. Sie weiß offenbar selbst nicht genau, was sie jetzt will. Fraglos besteht zwischen ihr und Finn eine Anziehung. Gleichzeitig ist da jedoch nicht nur die Gefahr der Entdeckung (welche Alicia plötzlich aufschreckt und geradezu fluchtartig aus dem Büro treibt). Sondern auch Will. Immer wieder Will. Finn ist der Mann, in dessen Armen Will gestorben ist. Finn ist der Mann, der genau in dem Augenblick in Alicias Leben getreten ist, als sie Will verloren hat.

Nicht nur dem Zuschauer, auch den Figuren selbst muss dies emotional heikel vorkommen. Eine Kollegin von mir hat sich kürzlich im Gespräch über The Good Wife als Verfechterin einer Beziehung zwischen Finn und Alicia zu erkennen gegeben und meinen „Ja, aber würde das Finn nicht zu einem Ersatz-Will machen?“-Einwand mit einem „Soll Alicia denn immer einsam bleiben?“ gekontert. Ja, dieses Argument hat was. Der letzte große noch ausstehende Schritt in Alicias Entwicklung ist fraglos ihre (aktuell noch mangelnde) Bereitschaft, sich auf eine neue, intime Beziehung einzulassen.

Muss es aber ausgerechnet Finn sein? Reduziert das nicht auch die Bedeutung von Will, indem es ihn für beliebig austauschbar erklärt?

Die Absicht der Autoren, eine Beziehung zwischen Finn und Alicia in die Wege zu leiten, ist unverkennbar. Trotzdem streube ich mich noch gegen den Gedanken.

Schlingerkurs

Apropos Gefühlsverwirrung: Mit ihrem Schlingerkurs hat Kalinda nicht nur Cary (in Red Zone) gegen sich aufgebracht. Auch Lana zeigt sich mit dem Stand ihrer Beziehung unzufrieden - und macht Kalinda deutlich, dass sie selbst durchaus noch andere Optionen hätte. Damit stellt sich die Frage, wie lange Kalinda ihre Politik des Sich-Niemals-Festlegens noch aufrechterhalten kann.

In der Höhle des Löwen

Die Angst Carys, ins Visier Bishops zu geraten, wird sehr überzeugend transportiert - sowohl durch Matt Czuchrys Spiel als auch durch die albtraumhaften Visionen, die er von seiner eigenen Ermordung hat. Die ganz große Spannung will sich trotzdem nicht einstellen. Dafür ist die Bedrohung für Cary dann doch zu wenig konkret. Nach der Manipulation des vorangegangenen Bandes muss Cary (und mit ihm der Zuschauer) schließlich damit rechnen, dass das FBI ihn mit einem Trick zur Zusammenarbeit bewegen will. Darauf weist auch die anfängliche Weigerung der Behörde hin, die Aufnahme einer unabhängigen Prüfung unterziehen zu lassen.

Gänsehaut überkommt einen dann aber natürlich doch, als sich Cary allein in die „Höhle des Löwen“ wagt. Die Szene bringt die Geschichte nicht wirklich voran: Am Ende stehen wir genau dort, wo wir die ganze Zeit schon waren. Bishop verspricht, Cary nichts zu tun, wenn dieser den Mund hält. Das ist im Grunde die Situation, in der sich Cary seit The Line befindet. Von daher fungiert der Plot in Sticky Content eher als eine Art Reminder. Mit dem Serie aber zugleich unterstreicht, welche Nervenstärke Cary selbst im Antlitz höchster Gefahr besitzt.

Fazit

Eine von den Figuren her interessante und im Gefüge der Serie notwendige Folge, die summa summarum aber nicht ganz so mitreißend daherkommt. Der unvermittelte (und nach wie vor rätselhafte) Ausstieg Castros aus dem Rennen sorgt nach wie vor für latenten Unmut. Castro war so eine wunderbare Hassfigur, die sowohl den Alicia- als auch den Cary-Plot bereichert hat. Mit ihm ist der Serie eine nicht unwichtige antagonistische Kraft verloren gegangen.

Vor der Kamera scheinbar ein Herz und eine Seele: Alicia und Peter. © CBS
Vor der Kamera scheinbar ein Herz und eine Seele: Alicia und Peter. © CBS
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 18. November 2014
Episode
Staffel 6, Episode 9
(The Good Wife 6x09)
Deutscher Titel der Episode
Schlammschlacht
Titel der Episode im Original
Sticky Content
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 16. November 2014 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 16. Februar 2016
Autoren
Robert King, Michelle King
Regisseur
Michael Zinberg

Schauspieler in der Episode The Good Wife 6x09

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