The Good Wife 6x06

Das passiert in der The Good Wife-Episode Old Spice:
Alicia (Julianna Margulies) und Elsbeth (Carrie Preston) vertreten die Softwarefirma J-Serve und deren frühere Managerin (Jan Maxwell) gemeinsam vor Gericht. US-Staatsanwalt Josh Perotti (Kyle MacLachlan) wirft dem Unternehmen das Plagiieren eines Software-Codes vor. In Wahrheit geht es ihm jedoch, wie Alicia bald erkennt, darum, dass J-Serve die Software nach China verkauft hat, woraus er den Vorwurf der Industriespionage ableitet. Er und Elsbeth haben vor Gericht schwer mit ihrer gegenseitigen Anziehung zu kämpfen, die sie fortwährend von dem zu verhandelnden Fall ablenkt.
Auch Alicias Konzentration ist nicht ungeteilt: Eli hat ihr seine Tochter Marissa (Sarah Steele) als persönliche Assistentin zur Seite gestellt. Ihr Berater Johnny Elfman (Steven Pasquale) empfiehlt ihr außerdem dringend für den Wahlkampf, in der Sendung von Pastor Jeremiah Easton (Frankie Faison) aufzutreten. Alle wichtigen Politiker gehen dorthin, um über ihren Glauben zu sprechen. Das müsse Alicia auch, wenn sie gewählt werden will. Dabei darf sie sich jedoch auf gar keinen Fall zu ihrem Atheismus bekennen.
Diane (Christine Baranski) macht unterdessen ernst: Sie schickt Canning (Michael J. Fox) und Lee (Zach Grenier) die Kündigung für die Büroräume von LGC. Doch Canning kontert umgehend mit einer - für Diane potenziell sehr kostspieligen - Beschwerde hinsichtlich einer nicht vorschriftsgemäßen Ausstattung der Räumlichkeiten...
Call me... maybe...
Old Spice ist die große Carrie Preston-und-Kyle MacLachlan-Show. Was die beiden Schauspieler in dieser Episode als schräges Traumpaar abliefern, das ist einfach ganz großes Kino! Beiden Figuren ist, wie schon im vergangenen Review anhand von Elsbeth erläutert, etwas (komödiantisch) Überhöhtes zueigen. Trotzdem fühlt sich die Geschichte ihrer gegenseitigen Attraktion ungemein real an. Was nicht zuletzt daran liegt, dass sie - buchstäblich - mit Sinnlichkeit aufgeladen wird. Wir sehen, wie sie sich gegenseitig „beschnuppern“. Diese Form der olfaktorischen Anziehung ist noch ursprünglicher, ja animalischer als die bloße optische Attraktion. Joshs Geruchsnote Old Spice verleiht der Episode sogar ihren Titel.
Wir hören, wie die Knöpfe von ihrer Bluse beziehungsweise seinem Hemd abspringen, als sie anfangen, sich in Elsbeths Büro die Kleider vom Leib zu reißen. Bei aller Komik, die in den Interaktionen zwischen den beiden Figuren liegt, kommt hier auch ein gehöriges Maß an Erotik zum Tragen.
Man(n) ist fast geneigt, stellvertretend für (Carrie Prestons Ehemann) Michael Emerson (Person of Interest) einen Anflug von Eifersucht zu verspüren...
Fantasia
Großartig ist natürlich auch, wie Elsbeth sich ungeachtet der wilden Liebesnacht (man schaue sich nur die Verwüstung in ihrem Büro an!!!) am Ende nicht aus dem Konzept bringen lässt - und sie Josh dadurch schlägt, dass sie genau weiß, dass er das (vermeintliche) Beweisstück vernichten wird, womit sie ihn in die Falle lockt. Das ist von vorne bis hinten ganz famos! Da kann auch Alicia nur noch voller Anerkennung, ja Bewunderung nicken.
Im Grunde lässt der Elsbeth-Plot nur noch einen Wunsch offen: Ich würde ja zu gerne einmal ihre Sekretärin Fantasia kennenlernen. Vielleicht ist es aber auch besser, wenn das nicht passiert. Jemand, der schon Fantasia heißt, bleibt möglicherweise besser der Fantasie überlassen.
Religion und Öffentlichkeit
Der zweite große Handlungsstrang der Episode dreht sich um die Absurditäten der US-Politik, wenn es um das Thema Religion geht. Das Spannende an diesen Szenen ist nicht nur, wie Alicia das offene Bekenntnis zu ihrem Atheismus vermeidet, dabei aber gleichzeitig ein Mindestmaß an persönlicher Integrität zu wahren versucht. Das ist ein schwieriger Balanceakt, der nicht gerade dadurch erleichtert wird, dass der Pastor einige für Alicia sehr persönliche Dinge (Wills Tod, die Religiosität ihrer Tochter) zur Sprache bringt.
Interessant ist dieser Handlungsfaden vor allem wegen der Art und Weise, wie er sich mit der Frage von Religion und Öffentlichkeit auseinandersetzt. In unserer säkularisierten Welt ist Religion ein Thema für den privaten Raum. Und wir fühlen uns unwohl, wenn unser Glauben diese Privatheit verlässt - und zu einem Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzung wird. Das kann man in Old Spice sehr schön beobachten. Gegenüber Grace (Makenzie Vega) gibt sich Alicia vollkommen offen. Sie führen ein ehrliches, respektvolles Gespräch miteinander. Auf dem Sofa; in enger, familiärer Situation. Wenn es um Religion geht, das weiß Alicia inzwischen, kann sie sich vertrauensvoll an ihre Tochter wenden. Sie ist ihre Ratgeberin und eine geschätzte Gesprächspartnerin auf Augenhöhe. Es ist eine der schönsten und emotional wärmsten Momente der Episode.
Ganz anders gestaltet sich die Lage, als das Thema Glauben zum Gegenstand der öffentlichen Debatte wird. Im Gespräch mit dem Pastor weiß Alicia, dass jedes Wort auf die Goldwage gelegt werden wird. Und auch Grace befindet sich plötzlich in einer unbequemen Situation: in ihrem Gebetskreis erhält sie auf einmal Applaus für etwas, das eigentlich ein intimes, vertrauensvolles Gespräch mit ihrer Mutter gewesen ist. Aber natürlich gehen alle davon aus, dass der (vermeintliche) Sinneswandel Alicias auf den Einfluss von Grace zurückgeht. An ihrem etwas gequälten Gesichtsausdruck merkt man deutlich, dass ihr diese öffentliche Würdigung von etwas, das eigentlich privat, das eine Sache zwischen ihr und ihre Mutter ist, überhaupt nicht gelegen kommt.
Der Umzug
Apropos bewegende Augenblicke: Old Spice ist eine heitere, rasant erzählte Episode, die zum Ende hin jedoch sehr bewusst innehält. Diane hat LGC - unter Mithilfe des wie immer köstlichen Howards (Jerry Adler) - erfolgreich aus ihren Büros vertrieben, um Florrick Agos dort unterzubringen. Bei der Neuverteilung der Büros erhält / entscheidet sich Alicia für das ehemalige Büro von Will. Diane bietet ihr an, die Büros zu tauschen. Doch Alicia nimmt an Wills Schreibtisch Platz. Und die beiden Frauen nicken einander zu. Es ist ein bewegender, fast ehrfurchtsgebietender Moment, in dem ein Neuanfang (Alicias neue Position, der Umzug in neue Räumlichkeiten) mit dem Gedenken an einen vergangenen Protagonisten zusammenfällt.
Alles in allem weiß ich im Augenblick noch nicht so recht, ob mir der (Rück-) Umzug in die Büros von Lockhart Gardner gefällt. Ich mochte den bodenständigen Charme der alten Industrieanlage - und hätte vermutlich mit Carry (Matt Czuchry) gegen den Umzug gestimmt.
Kein freier Mann
Der von einem Harvard-Treffen zurückkehrende Cary wird derweil nachdrücklich daran erinnert, das er kein uneingeschränkt freier Mann ist. Der Besuch der für ihn zuständigen Gerichtsbeamtin Mrs. Gubrick (Linda Lavin) hat fast das Ende seiner Bewährung zu Folge (als sich herausstellt, dass er unterwegs versehentlich die (Bundes-) Staatsgrenze überquert hat, was ein Verstoß gegen seine Bewährungsauflagen ist).
Bemerkenswert an diesem Handlungsstrang ist zum einen, dass Carry - ähnlich wie Kalinda (Archie Panjabi) in der Folge davor - ihre Beziehung als nicht-exklusiv betrachtet. Jedenfalls kehrt er in weiblicher Begleitung vom Harvard-Treffen zurück. Zum anderen ist da das etwas merkwürdige Gebahren von Mrs. Gubrick, die gegenüber Carry eine vielleicht nicht direkt eifersüchtige, aber doch latent besitzergreifende Haltung an den Tag legt. Anders ist schwerlich ihre Empfehlung an das Gericht zu verstehen, Carry den Kontakt mit Kalinda zu untersagen.
Fazit
Beste The Good Wife-Unterhaltung, auf die man sich Woche für Woche aufs Neue freut. Auch wenn - Danke Elsbeth! - „Maybe“ jetzt wieder als Ohrwurm im Kopf feststeckt...
Abgesehen davon bleibt nur noch zu sagen, was mein Kollege Adam gestern getwittert hat:
Gebt doch bitte #carriepreston den Emmy. Danke. Gezeichnet alle #goodwife-fans
- Adam Arndt (@AwesomeArndt) 27. Oktober 2014Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 28. Oktober 2014
(The Good Wife 6x06)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 6x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?