The Good Wife 6x05

The Good Wife 6x05

Alicia hat wieder alle Hände voll zu tun: Peter will nicht bei ihrer Wahl-Ankündigung sprechen, wenn Finn auch auftritt. Diane bringt mit einem falschen Klick einen gefährlichen Virus über alle Computer der Kanzlei. Und vor Gericht sieht sich Alicia mit einer ebenbürtigen Gegnerin konfrontiert.

Zwei Carys und eine Diane sehen sich einem ziemlich großen Malware-Problem konfrontiert. / (c) CBS
Zwei Carys und eine Diane sehen sich einem ziemlich großen Malware-Problem konfrontiert. / (c) CBS

Das passiert in der The Good Wife-Folge Shiny Objects:

Alicia (Julianna Margulies) und Dean (Taye Diggs) vertreten vor Gericht eine Klientin (Jan Maxwell), die gegen ihre frühere Firma klagt. Die Frau ist CEO eines großen Technologieunternehmens gewesen - und beschuldigt ihren ehemaligen Arbeitgeber, sie aus sexistischen Gründen entlassen zu haben. Die Firma hält jedoch dagegen und sagt, sie sei eine unmögliche Chefin gewesen. In zwei Monaten habe sie fünf Assistentinnen verschlissen. Nach einer habe sie sogar mit ihrem Handy geworfen. Vor Gericht vertreten wird das Unternehmen von Rayna Hecht (Jill Hennessy) und Elsbeth Tascioni (Carrie Preston). Die erratisch brillante Elsbeth macht Alicia und Dean gehörig das Leben schwer, weshalb Alicia schon bald zu einem ziemlich fiesen Trick greift, um die Achillesferse der gegnerischen Anwältin zu treffen.

Unterdessen nähert sich für Alicia der Tag, an dem sie offiziell ihre Kandidatur um das Amt des Bezirksstaatsanwalts bekannt geben und an dem Peter (Chris Noth) ihre Kandidatur offiziell unterstützen wird. Auch Finn (Matthew Goode) will zu ihren Gunsten öffentlich sprechen. Dagegen hat Eli (Alan Cumming) jedoch Einwände. Für ihn ist Finn ein zu kleiner Fisch. Er will, dass Alicia ihre Einladung an ihn zurückzieht.

Gleichzeitig geht auch in der Kanzlei alles drunter und drüber: Diane (Christine Baranski) hat mit einem falschen Klick Ransomware auf das Computersystem der Kanzlei aufgespielt. Sind die Anwälte nicht bereit innerhalb von 72 Stunden 50.000 Dollar zu bezahlen, will ein Unbekannter alle Daten der Kanzlei löschen. Für Florrick Agos wäre das eine Katastrophe...

Don't Click!

Gehen wir die Handlungsstränge einmal von hinten nach vorne durch: Nicht ganz so recht zu überzeugen vermag der Plot mit der Computer-Erpressung. Datensicherheit ist zwar sicherlich ein spannendes und aktuelles Thema. Und nicht wenige Zuschauer werden schon selbst einmal vor der Situation gestanden haben, dass ihr Computer von einem vergleichbaren Programm (in Deutschland etwa der GEMA-Trojaner) gekapert worden ist.

Trotzdem bleibt ein etwas schales Gefühl: Diane wird im Umgang mit Computern als allzu unbeholfen dargestellt. Der Moment, in dem sie mit der Maus über den Enter-Button fährt, erinnert ein bisschen an einen Horrorfilm, in dem man als Zuschauer denkt: „Geh nicht allein zum Dachboden hoch!“ - aber natürlich macht es die Figur trotzdem. Es hätte vielleicht geholfen, wenn der Trojaner etwas unauffälliger dahergekommen wäre, so dass der Klick weniger wie eine Dummheit Dianes ausgesehen hätte.

Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, ist es erneut ein Fehler von Diane (diesmal mit der Auto-Vervollständigung), durch den die E-Mail des Erpressers mit dem (vermeintlichen) Entschlüsselungscode im falschen Postfach, nämlich bei LG landet. Auch das ist etwas, das einem im Alltag jederzeit passieren kann. Trotzdem lässt es Diane - eine fähige und im Umgang mit Computern kompetente - Anwältin in der Summe gar zu schlecht aussehen.

Dianes Trumpfkarte

Der Plot scheint dabei vor allem zwei Funktionen zu erfüllen: Erstens, er gibt Diane einen Grund, ihre alte Arbeitsstätte aufzusuchen, wo sie und David Lee (Zach Grenier) sich auch umgehend einen Schlagabtausch liefern. Wie es aussieht, hat Diane noch eine Trumpfkarte gegen LG in der Hand: Der Mietvertrag über die Räumlichkeiten der Kanzlei läuft auf ihren Namen. Sie könnte LG also jederzeit vor die Tür setzen (eine Option, die ihr um so verführerischer erscheint, je weniger sie sich mit den baulichen Mängeln und Kakerlaken-Sichtungen an ihrem neuen Arbeitsplatz anfreunden kann).

The Good Wife ist eine ungemein schnell und dicht erzählte Serie. Trotzdem wird einem in Momenten wie diesem bewusst, dass es eigentlich noch sehr viel mehr zu erzählen gäbe, was der zeitliche Rahmen der Serie jedoch kaum hergibt. So hätte ich persönlich ja sehr gerne die Reaktion von David Lee und Louis Canning (Michael J. Fox) auf Dianes gesehen. Stattdessen ist LG eine Zeitlang komplett vom Radar verschwunden - und taucht erst jetzt wieder auf.

Kalinda

Zweitens gibt der Erpressungs-Plot Kalinda (Archie Panjabi) etwas zu tun. Und vor allem bringt er sie wieder mit ihrer Gelegenheits-Liebhaberin, der FBI-Agentin Lana Delaney (Jill Flint) zusammen. Kurz vor der US-Ausstrahlung von Shiny Objects ist bekannt geworden, dass Archie Panjabi die Serie zum Ende der sechsten Staffel verlassen wird (bevor jetzt alle aufgeregt SPOILER rufen: Die Art und Weise, wie diese Information von Darstellerin und Produzenten an die Öffentlichkeit getragen wurde „63188“, legt nahe, dass sie das Publikum, anders als bei Josh Charles, nicht überraschen, sondern ganz bewusst von dieser bevorstehenden Entwicklung in Kenntnis setzen und und die weitere Rezeption der sechsten Staffel unter dieses Vorzeichen stellen wollten; von daher scheint es mir legitim, darüber an dieser Stelle auch im Review zu sprechen).

Ebenfalls anders als bei Josh Charles ist die Entscheidung von Panjabi, ihren Vertrag nicht zu verlängern, nicht ganz unverständlich. Kalinda hatte zwar in letzter Zeit immer etwas zu tun, immer irgend etwas zu ermitteln. Aber als Figur steht sie schon längst nicht mehr so im Mittelpunkt, wie dies in den ersten drei Staffeln der Fall gewesen ist. Ein Grund dafür ist der Bruch zwischen ihr und Alicia gewesen, durch den die bis dahin zentrale Figurenkonstellation der Serie zerrissen worden ist. Bemerkenswert (und auch ein bisschen bedauerlich) ist in diesem Zusammenhang, dass die Serie bislang keine Gelegenheit gefunden hat, die Tatsache, dass Alicia und Kalinda wieder unter dem gleichen Dach arbeiten, in irgendeiner Form zu würdigen. Allerdings ist das auch bezeichnend für den Zustand ihrer Beziehung: aus Freundschaft ist (auf Alicias Seite) Hass und nunmehr offenbar Gleichgültigkeit geworden.

Identität

Der andere Grund ist der Plot rund um ihren Ex-Mann (Marc Warren) in der vierten Staffel der Serie, der vorne und hinten nicht funktioniert hat - und als der wohl größte erzählerische Fehler in die Geschichte von The Good Wife eingehen wird. Die Kings haben schnell gemerkt, dass sie sich daran die Finger verbrannt haben. Und so, als hätten sie Angst mit Kalinda noch einmal etwas so grundlegend falsch zu machen, stellten sie die Figur lieber ein bisschen in den Hintergrund, was für die Schauspielerin (und auch die Fans der Figur) enttäuschend, aber letztlich auch ein Stück weit verständlich gewesen ist.

Nun also steigt Panjabi aus - und wir dürfen gespannt sein, was die Autoren für ihren Abschied geplant haben (ein Shootout mit Lemond Bishop vielleicht? Wer, wenn nicht sie, könnte es mit ihm aufnehmen?). In Shiny Objects gerät Kalinda in ein Liebesdreieck. Sie hat Spaß mit Cary (Matt Czuchry), aber auch mit Lana. Interessanter als das Liebesdreieck per se ist der Versuch Lanas, Kalinda auf eine eindeutige sexuelle Identität (homosexuell) festzulegen, was von ihr umgehend abgewehrt wird.

In dieser Hinsicht hat sich seit der ersten Staffel nichts verändert. Kalinda will und wird sich nicht in eine Schublade stecken lassen.

The Good Husband

Eine andere Sache erfährt in Shiny Objects gegenüber dem Beginn der Serie jedoch geradezu eine 180-Grad-Wende. Und das ist Auftaktbild der Serie selbst. Wir erinnern uns: In der Pilotepisode von The Good Wife stand Alicia als die gute Ehefrau an der Seite ihres skandalgeplagten Ehemanns. Sie zeigte ihm ihre Unterstützung trotz der Demütigung, die sie durch ihn und seinen Betrug erfahren hat (welche, wie wir sehen, bis heute nicht vergessen ist).

Am Ende von Shiny Objects steht ein Bild, das wie kaum ein anderes dokumentiert, welche Entwicklung die Figuren und ihre Beziehung zueinander durchgemacht haben: Es ist Peter, der als Unterstützer an der Seite von Alicia nunmehr The Good Husband spielt - und gute Mine zu dem für ihn ganz und gar nicht erfreulichen Spiel aufsetzt. Denn Alicia ist weiter denn je davon entfernt, die gute Hausfrau zu sein. Stattdessen bleibt sie im offenen Schlagabtausch mit ihrem Pro-Forma-Gatten standhaft - und macht ihm die neuen Machtverhältnisse zwischen ihnen klar. Er ist vielleicht der Gouverneur, aber sie ist diejenige, die in der Öffentlichkeit populär ist. Wenn er sie nicht unterstützt, wenn er jetzt einen Rückzieher macht, dann sieht das für ihn mindestens genau so schlecht aus wie für sie; ja eigentlich sogar noch schlechter.

Alicia gibt im Streit mit Peter die eiskalte Taktikerin, was in ihrer Entwicklung ein glorreicher, aber auch ein etwas erschreckender Augenblick ist. Was uns unverbrüchlich zu ihr halten lässt, ist der Umstand, dass sie trotzdem unter Beweis stellt, dass sie nicht gänzlich zur Politikerin geworden ist. Das einmal gegebene Wort gegenüber Finn zählt für sie mehr als das politische Kalkül.

Zu hoffen ist nur, dass die Autoren nicht versuchen, Finn zu einem „neuen Will“ - und damit zu einem romantic interest für Alicia zu machen.

Elsbeth

Mag das Review bis hierin vielleicht recht kritisich geklungen haben, so kommen wir ausgerechnet mit dem Fall-der-Woche wieder zu dem Teil, an dem wir das feierliche Hochamt für The Good Wife begehen.

Elsbeth und Alicia vor Gericht gegeneinander antreten zu lassen, ist schon per se ein dankbarer Einfall. Das i-Tüpfelchen ist dann natürlich, dass die Geschichte so perspektiviert wird, dass wir sie tendenziell nicht aus Alicias, sondern aus Elsbeths Perspektive erleben. Sogar mit Einblicken in den Zaubergarten ihrer Gedankenwelt. Elsbeth ist die eigentliche Hauptfigur dieses Handlungsstrangs. Auch die Sympathieträgerin. Und das, obwohl sie im Grunde die „falsche“ Seite vertritt. Carrie Preston ist so dermaßen ein Geschenk der Schauspiel-Götter, dass wir ihr auch verzeihen, dass ihr Klient das große böse Unternehmen ist.

Zwerchfell-Krämpfe

Elsbeth ist die Figur im The Good Wife-Universum, die eigentlich aus einer ganz anderen Serie zu entstammen scheint. Eine Figur, die viel eher von David E. Kelley (Ally McBeal, Boston Legal) hätte erdacht sein können. Die aber gerade deswegen - und ich gestehe an dieser Stelle gerne, dass ich das auch (noch) nicht näher erklären kann - im tendenziell seriöseren Kontext von The Good Wife so gut funktioniert. Und dem Publikum ein Gelächter entlockt, um das nicht wenige Sitcoms die Serie beneiden würden.

In Überraschungs-Rückkehrer Kyle MacLachlan hat Carrie Preston für ihre Figur allerdings natürlich auch einen Traumpartner gefunden. Den beiden könnte man im Grunde den ganzen Tag zuschauen (nur dass man wahrscheinlich irgendwann wegen akuter Zwerchfell-Krämpfe in die Notaufnahme eingeliefert werden würde...). MacLachlan ist in der Folge auch der Garant dafür, dass keine unserer beiden Protagonistinnen, Elsbeth und Alicia, geschlagen vom Feld gehen muss. Stattdessen sorgt er mit seinem Auftritt dafür, dass sie sich plötzlich sogar auf der gleichen Seite wiederfinden.

Sein Auftritt stellt darüber hinaus eine sehr schöne Parallele zum Kalinda-Handlungsstrang her: Elsbeth verdächtigt Josh ja zunächst, dass er nur ins Gericht gekommen sei, um sie (ähnlich wie zuvor Alicia und Dean) aus dem Konzept zu bringen. Genau so glaubt auch Kalinda, dass Lana ihr Schäferstündchen dazu genutzt hat, sich Unterlagen auf Kalindas Schreibtisch anzuschauen. Beide, sowohl Elsbeth als auch Kalinda (zwei Figuren, die sonst nicht gerade viel gemeinsam haben), haben die allergrößten Schwierigkeiten, mit dem Interesse an ihrer Person umzugehen. Was im einen Fall sehr lustig, im anderen eher ein Stück weit traurig ist.

Fazit

Shiny Objects ist wieder einmal Unterhaltung vom Feinsten. Die vereinzelten kritischen Anmerkungen sollen die Größe der Episode in keiner Weise schmälern.

Ich freue mich ja immer wie ein kleines Kind, wenn ich überhaupt mal etwas an The Good Wife zum Kritisieren finde, um nicht bloß ehrfurchtsvoll mein Haupt vor diesem wöchentlichen Genuss zu neigen.

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 21. Oktober 2014
Episode
Staffel 6, Episode 5
(The Good Wife 6x05)
Deutscher Titel der Episode
Ablenkungsgefahr
Titel der Episode im Original
Shiny Objects
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 19. Oktober 2014 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 2. Februar 2016
Autor
Keith Eisner
Regisseur
Fred Toye

Schauspieler in der Episode The Good Wife 6x05

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