The Good Wife 3x17

Colin Sweeney (Dylan Baker) ist zurück und würde gerne wieder Geschäftsführer der von ihm gegründeten Investment-Firma werden. Die Kanzlei Lockhart Gardner soll ihn bei der Beschaffung der nötigen Mehrheit auf der Aktionärsversammlung unterstützen. Unglücklicherweise fürchten manche Aktionäre, dass Sweeney weiter für Skandale sorgen könnte. Ausgerechnet in diesem Moment taucht auf der Versammlung eine ehemalige Angestellte (Morena Baccarin, Homeland) auf, die Sweeney der sexuellen Belästigung bezichtigt und sogar ihren Sohn dabei hat, der der lebende Beweis für die Vorwürfe sein soll. Per einstweiliger Verfügung versuchen Alicia (Julianna Margulies) und Caitlin (Anna Camp) gegen die für ihren Klienten so schädliche Beschuldigung vor Gericht vorzugehen.
Alicia fürchtet derweil mehr und mehr, dass Caitlin sich auf ihre Kosten zu profilieren versucht, und stellt ihren jungen Protégé schließlich zur Rede. Das ist jedoch noch längst nicht die einzige Sorge, die Alicia neben dem Prozess plagt. Ihre Wohnung, in der sie bislang zur Miete lebt, soll in eine Eigentumswohnung umgewandelt werden. Der Kaufpreis liegt allerdings etwas außerhalb ihrer Gehaltsliga. Die Maklerin weist sie darauf hin, dass ihr altes Vorstadt-Haus wieder zum Verkauf steht. Zunächst steht Alicia dem Gedanken, in ihre alte Nachbarschaft zurückzuziehen, ablehnend gegenüber, und doch scheint es in ihr eine gewisse Sehnsucht zu wecken...
Ein bisschen kann man sich schon um Alicia Sorgen machen. Erst gibt sie ihre Beziehung zu Will (Josh Charles) auf, weil sie befürchtet, dass ihre Kinder sonst zu kurz kommen könnten. Und nun überlegt sie, mit der drohenden Notwendigkeit eines Umzugs konfrontiert, in ihr altes Haus zurückzukehren. Was natürlich weitaus mehr ist als nur eine Unterkunft. Es ist ein Symbol: für ihr altes Leben; für das glückliche Beisammensein von Mom, Dad und den beiden Kindern. Wenn da nur nicht Peters (Chris Noth) außereheliche Bettenübungen gewesen wären!
Es scheint fast so, als würde Alicia Stück um Stück die Unabhängigkeit, die sie in den letzten Jahren gewonnen hat, wieder preisgeben. Und ausgerechnet Caitlin setzt ihr auch noch ein - nennen wir es mal: problematisches - Beispiel. Da wecken die Autoren bereits seit einiger Zeit in uns (und schließlich auch in Alicia und Kalinda) den Verdacht, dass es Caitlin auf Alicias Stellung in der Firma abgesehen hat. Da lassen uns die Blicke zwischen David Lee (Zach Grenier) und seiner Nichte annehmen, dass sie möglicherweise Teil einer raffinierten kanzleiinternen Intrige ist, die der Scheidungsanwalt ersonnen hat. Und dann stellt sich heraus, dass Caitlin in Wahrheit ihren Job aufgeben will, weil sie verlobt und schwanger ist und nur für Mann und Kind da sein will.
Das ist einerseits ein wunderbares Beispiel für die Paranoia, die man in dem Beruf entwickelt - und an der uns die Serie äußerst geschickt teilhaben lässt. Das ist andererseits ein äußerst diffiziles Thema, welches hier angeschnitten wird: die Entscheidung zwischen Familie und Beruf.
Alicia versucht noch, Caitlin umzustimmen. Doch am Ende ist es Caitlin, die mit ihrer Rede davon, dass es ihre freie Entscheidung sei und sich ihre Generation (von Frau) nichts mehr zu beweisen habe, für einen Sinneswandel bei Alicia zu sorgen scheint. Ohnehin ist diese am Telefon schon wieder so vertraut mit Peter, dass Eli (Alan Cumming) - welch herrliche Szene, wie die beiden telefonierend auf- und abschreiten! - schon sichtlich die schönsten Wahlkampfträume für Peter und The Good Wife an dessen Seite hegt.
Nun wäre natürlich nichts dagegen einzuwenden, wenn Alicia tatsächlich aus freiem Entschluss zu der Entscheidung käme, wieder mit Peter zusammensein und als Mutter und Hausfrau in die Vorstadt ziehen zu wollen. Wenn es denn ihr freier und wohlüberlegter Entschluss wäre - und nicht nur ein Rückfall in alte Verhaltensmuster; gefördert von nostalgischen Anwandlungen und den Schuldgefühlen gegenüber den Kindern.
Als Zuschauer kann man nur hoffen, dass es nicht so weit kommt. Denn es ist doch mehr und mehr offensichtlich, dass Peter sich bei weitem nicht so sehr geläutert hat, wie man dies vielleicht noch zu Beginn seiner Amtszeit hoffen konnte. Nachdem er in After the Fall bereits seine Prinzipien zugunsten seines Karrierestrebens hintangestellt hat, misst er die Verfehlungen seiner Untergebenen in Long Way Home. Cary (Matt Czuchry) soll geschont werden, während ein Kollege für das gleiche Vergehen rausfliegt. Selbst wenn wir einmal zu Peters Gunsten unterstellen, dass sich Geneva (Renee Goldsberry) irrt - und Peter kein Rassist ist, macht das trotzdem keinen guten Eindruck. Vor allem, weil es ihm bei allem nur darum zu gehen scheint, wie es nach außen hin aussieht.
Es ist Cary, der in diesem Augenblick ungemein an Statur gewinnt, weil er nicht nur aufrecht genug ist, um seine Affäre mit Dana zu gestehen, sondern auch so prinzipientreu, dass er eine Gleichbehandlung fordert, selbst wenn sie ihm zum Nachteil gereichen und möglicherweise sogar den Job kosten sollte.
Der neue Fall rund um Colin Sweeney ist derweil (abgesehen von dem wie immer vorzüglichen Dylan Baker) vor allem wegen der Bredouille gut, in die er und seine Geliebte ihre Anwälte bringen: Was dürfen sie vor Gericht fragen und sagen, ohne dass sie selbst einen Meineid begehen? In einem ähnlichen Dilemma befindet sich Will: Welche Fragen darf er trotz seiner Suspendierung beantworten? Und wo genau verläuft die Linie zwischen anwaltlicher und geschäftlicher Beratung?
Fazit
Keine herausragende, aber doch eine sehr solide Folge - mit überraschenden Wendungen und schönen Charaktermomenten.
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 14. März 2012(The Good Wife 3x17)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 3x17
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