The Good Wife 3x16

Will (Josh Charles) genießt das Leben während seiner Zwangspause in vollen Zügen: er kann es sich leisten, spät aufzustehen. Er schreibt an einem Buch über die Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs - und freut sich darüber, nicht länger im Dauerstress zu sein. Das Büro meidet er, egal wie sehr Diane (Christine Baranski) ihn auch daran erinnert, dass er zur Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten in die Kanzlei kommen darf. Mit der Ruhe und dem Frieden in seiner Wohnung ist es allerdings schon bald vorbei, als plötzlich seine beiden Schwestern (Merrit Wever aus Nurse Jackie und Nadia Dajani aus Ned & Stacey) auftauchen und sein Leben für ihn in Ordnung bringen wollen.
Im Büro entbrennt derweil ein Machtkampf zwischen Julius (Michael Boatman) und David Lee (Zach Grenier) darüber, wer in der Kanzlei und auf dem Briefkopf der Firma die Vertretung / Nachfolge von Will antreten darf, in dem auch Eli (Alan Cumming) kräftig mitmischt. Ursprünglich sollte sein Aufenthalt bei Lockhard Gardner ja nur der Überbrückung bis zu Peters (Chris Noth) Gouverneurs-Wahlkampf dienen. Doch Peters Aussichten auf die Nominierung schwinden. Und das nicht nur wegen des unsicheren Zustands seiner Ehe, sondern ausgerechnet auch wegen der sauberen Art, in der er seine Amtsgeschäfte führt...
Man kennt sich, man hilft sich. Das gilt nicht nur für den Kölschen Klüngel, sondern auch für US-Parteikarrieren. Peter kann nicht auf die Unterstützung seiner Partei„freunde“ zählen, wenn er nicht gleichzeitig auch diesen Unterstützung zukommen lässt. Selbst wenn dies bedeutet, dass er sein Prinzip aufgeben muss, Stellen in der Staatsanwaltschaft ausschließlich nach Leistung zu vergeben. Das Interessante an diesem Handlungsstrang ist weniger die Feststellung, dass Politik auf der Grundlage von Patronage funktioniert, als vielmehr die Konsequenzen, welche sich daraus ergeben.
Nachdem sich Peter einmal dazu entschlossen hat, seinen Ambitionen und nicht seinen Prinzipien zu folgen, ist es Cary (Matt Czuchry), der den Kurswechsel im Büro umsetzen soll. Ausgesprochen spannend ist dabei vor allem die Szene, in der Peter ihm zu erklären versucht, dass er eine Neueinstellung vorgenommen hat - und dabei aufs Köstlichste herumdruckst. Man merkt deutlich, dass er sich bei dem, was er da gerade tut, äußerst unwohl fühlt. Cary, der seinerseits den Besuch von Eli bei seinem Chef sehr wohl registriert hat, dürfte daraus wohl seine Schlussfolgerungen ziehen. Sein Rückhalt für Peter gründete sich bislang nicht zuletzt aus dem Glauben an dessen Integrität. Man darf gespannt sein, inwieweit sich das Verhältnis der beiden ändert, wenn Peter Cary noch häufiger zum Handlager seines neuen Kurses macht.
Sorgen um ihre Position in der Kanzlei scheint sich unterdessen Alicia (Julianna Margulies) zu machen. Ein Richter, der nicht nur Frauen, sondern ganz speziell Blondinen bevorzugt, zwingt sie dazu, Caitlin (Anna Camp) um Hilfe zu bitten, welche vor Gericht eine derart gute Figur macht, dass sie damit Dianes Aufmerksamkeit erregt - und schließlich eine Beförderung erhält.
Man merkt deutlich, dass das Alicia ganz und gar nicht schmeckt. Unter anderen Umständen würden wir sie deshalb vielleicht für eifersüchtig oder missgünstig halten. Und eine gewisse Komponente davon mag sogar tatsächlich mitschwingen. Auf einmal steht eine andere Anwältin im Rampenlicht, mit der sie sich jetzt sogar noch die Assistentin teilen soll. Wir erinnern uns: Das letzte Mal, als sie sich mit jemand anderem die Assistentin geteilt hat, musste am Ende einer von ihnen gehen. Alicias Unbehagen kommt also nicht von ungefähr.
Und wird wohl auch von den meisten Zuschauern geteilt: Bislang ist Caitlin eine nur sehr schwer einzuschätzende Figur. Sie ist zwar eine gute Jung-Anwältin und hat bisher nichts getan, was man als einen feindseligen Akt gegen Alicia (oder sonst jemanden in der Kanzlei) auffassen könnte. Und doch wird man nicht so ganz warm mit ihr: Sie hat den Job nur erhalten, weil sie David Lees Nichte ist (womit wir wieder beim Thema Patronage wären), der ihr zu Beginn von After the Fall sagt, dass er für einige Tage ihre Hilfe benötigt. Worum es dabei genau geht, ist unklar, ebenso wie die Frage, wo ihre Loyalitäten liegen. Es sind die kleinen Dinge - ein Blick, eine Geste, ein versehentliches (?) Übergehen von Alicia -, die unser Misstrauen wecken. Irgendetwas stimmt mit dieser Caitlin nicht.
David Lee selbst wird in dieser Folge sein loses Mundwerk gegenüber Eli zum Verhängnis: Alicia feuert ihn als ihren Scheidungsanwalt. Ob sie dagegen wirklich den Plan, sich von Peter scheiden zu lassen, aufgegeben hat, oder ob es sich dabei nur um eine falsche Information handelt, welche sie gezielt in David Lees Richtung streut, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen.
Schön ist es derweil zu sehen, dass sich das Verhältnis von Alicia und Kalinda (Archie Panjabi) wieder normalisiert hat; zumindest so weit, dass sie wieder kollegial zusammenarbeiten. Dass Wills Schwestern Kalinda für dessen Freundin halten, gehört unterdessen natürlich zu den humorvollen Highlights der Episode.
Fazit
Eine, vor allem hinsichtlich des Gerichtsfalls, nicht herausragende, aber doch rundum solide Episode, die wieder einmal sehr gut zu unterhalten versteht.
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 7. März 2012(The Good Wife 3x16)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 3x16
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?